Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 8 (22.2.1895)
- Date
- 1895-02-22
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 8 Vrstrrredtzlptzr MochrnsttzrM Seite 145 L. L. Wien. (Ein ausgezeichneter Conduct e u r.) Der Chefconducteur der internationalen Schlafwagengesellschaft, Herr Heinrich Husserl, der den König Alexander von Serbien auf seinen letzten Reisen begleitete, wurde von dem Monarchen durch Verleihung der silbernen Hausmedaille ausgezeichnet. Wien. (Der G a r e l l i - H o f), welcher von Seiner Majestät dem Kaiser für den k. k. Familienfond angekauft worden, wurde vom Baurathe Wilhelm S t i a ß n y erbaut. Wien, 18. Februar. (Jüdische akademische Lesehalle.) Der große G ründungs cy m mers der Jüdischen akademischen Lesehalle, der Mittwoch den 27. Februar im großen Ballsaale R o n a ch er stattfindet, steht jetzt im Vordergrund des Interesses der jüdischen bürgerlichen Kreise und dürfte sich nach allen Anzeichen zu einem g r oß en w ü rd i g en Feste der jüdischen Studentenschaft gestalten. An tausend jüdische Studenten, viele Hunderte Familien werden dem Ruse des großen Vereines folgen, der nach kaum dreimonatlichen Bestände schon dreihundert active Mitglieder zählt. . . Indem wir noch einer Bitte der Lesehalle Nachkommen und alle Jene, die trotz der eifrigen Arbeit der Ausschußmitglieder, bei der Kartenversendung übersehen wurden, auffordern, sich diesbezüglich mittelst C o r r e s p o n d e n zkarle an den Ausschuß VIII. Alser straße 55, zu wenden, wünschen wir dem Vereine herzlich st viel Glück und guten Erfolg zu seinem Ehrenabend! Wien. (Hu m a ni tär er G es elli g ke i ts-Berein„Ru - d o lfsbu n d".) Der Verein, der im Vorjahre 62Kinder vollständig bekleidete, veranstaltet am 28. Februar d. I. in Ronacher's Ballsaale ein Costume-Kränzchen, dessen volles Reinerträgniß dem Fond zur Bekleidung armer, würdiger Schulkinder ohne Unterschied der Confession zufließt. — Karten bei sämmtlichen Comite-Mitgliedern erhältlich. Wien. (Die jüdisch-akademische Verbindung „ünitas") veranstaltete am Mittwoch den 6. d. M. im Ressourcesaale,!. Reichsrathsstraße, ihren ersten Damenabend. Derselbe bestand aus einem Sommers und nachfolgenden Tanzkränzchen und nahm in allen Theilen einen überaus gelungenen Verlauf. Der Commers, vom Präses der Verbindung und drei Contrariis sehr stramm geleitet, bot ein erfreuendes Bild einer Studentenfröhlichkeit, die nicht im Bierconsum, sondern in durchgeistigter Fidelität Grund und Ziel hat. Diese zeigte sich recht deutlich schon in der originellen Damenspende, die nebst Programm und Tanzordnung das „Unitas-Onodliber" enthielt, ein Potpourri von Solis und Chören, das nach der Melodie beliebter Studentenlieder jeden der activen Uniten in einer Strophe „verherrlichte"; ferner in der ausgezeichneten Kneipzeitung „Die Unitagsfliege". Namentlich Reb W einer's homerisches Epos „Ein Congreß der Alten" erregte des Oefteren homerisches Gelächter. Einer mit außerordentlichem Beifall aufgenommenen Recitation des Herrn Carl L ö w i t folgte der von Mitgliedern der „Unitas" dramatisirte „Handschuh", ein Ulk, der, in die weitere Oeffentlichkeit gebracht, dem „Som'mernachtstranm" eine nicht ungefährliche Concurrenz bieten könnte. Nun begann der Tanz, der um 5 Uhr Morgens ein für alle Theilnehmer — die Garden exclusive! — unwillkommen rasches Ende nahm. B. Wien. (Akademischer Verein „Gamala".) Unter dem Titel „Schiller und die Juden" hielt Samstag, den 16. dieses Monats der bekannte hebräische Schriftsteller Herr Samuel Modlinger im Locale des Vereines einen Bortrag. Redner zeigte zunächst, wie verschieden sich von dem glänzenden Dreigestirn der Deutschen, Lesiing, Goethe und Schiller, jeder einzelne dem Judenthum gegenüber verhalten habe. Der Standpunkt des Redners, in geistvoller Weise vertreten, wurde in der darauffolgenden Discuffion von den Vereinsmitgliedern ineck. Rosenberger, phll. Korn, phil. Wachstein und dem Gaste phil. Bach bekämpft, welche Schiller'» judenseindliche Bemerkungen als von wirklichem Hasse eingegeben bezeichneten, während Vereinspräses weck. Ernst und die Herren Gäste phil. Landau, Rabbiner Dr. Grün und Dr. Bernstein in Schillec's Auffassung der Judenfrage nur einen Niederschlag des allgemein herrschenden Vorurtheils sahen, von dem sich der Dichter aus Mangel an persönlicher Erfahrung über Juden nicht habe losmach n können. Herr Rabbiner Dr. Grün gab bei dieser Gelegenheit seiner Freude Ausdruck, in dem akademischen Vereine „Gamala" einen so wackeren jüdischen Verein zu finden, in dem jüdische Gesinnung und jüdisches Wissen gepflegt werden. E. Wien. (Wohlthätigkeit s-C o n c e r t.) Wie alljährlich so auch Heuer veranstaltet der bekannte Violin-Proftssor Herr Max Adler mit seinen Zöglingen und einigen hervorragenden Kunstkräften ein Concert. Ein Ensemble, vom Concertgeber arrangirt und von den Schülern mit Sicherheit und Verständniß vorgetragen, machte einen überaus günstigen Eindruck auf das distinguirte Publicum, welches wiederholt werden mußte. Der Concertgeber selbst, der geradezu verblüffte mir seinen Hexenkünsten aus der Violine, wurde mit Beifall überschüttet. Von ven Mitwirkenden seien hervorzuheben: Frl. Köppl (Claviervirtuosin), Frl. Bronislava Wotska (Concertsängerin). Herr Ph. Kläger, der mit Geschmack die große Arie aus Hans Heil ing sang. Nicht unerwähnt dürfen wir lassen das gewissenhafte Accompagnement des Herrn Dr. Josef Deutsch. Floridsdorf. (T r a u u n g.) Im israelitischen Tempel Unqereigen findet am 26. Februar 1895 die Trauung des Herrn Julius E i s i n g e r mit Frl. Cäcilie Fleischmann aus S t o ck e r a u statt. Podgorze, 17. Februar 1895. Dank der Anregung von Seite ves hiesigen Kaufmannes Herrn Max S ch r e n z e l, einen Verein „Gmiles Chasudim" in P o d g o r z e zu gründen, wurde gestern den 16. d. M. um 7 Uhr Abends im Saale der israelitischen Cultusgemeinde eine Sitzung unter Vorsitz des Großindustriellen Herrn Jacob F e r b e r abgehalten. Die Advocaten, die Herren Dr. Marcus Persien und Jacob A r o n s o h n, versprachen, die Statuten des zu gründenden Vereines „Gmiles Chasudim" unentgeltlich zu verfassen und der hohen k. k. Statthalterei zur Genehmigung zu übergeben. Braila. (Todesfall.) Am 13. Februar verschied hier Herr Bernhard M eriL l, schwedisch-norwegischer Consul, Ritter des Oesterr. Franz Josef-Ordens und vieler anderer Orden, 62 Jahre alt. Der Verewigte entstammte einer angesehenen Patricierfamilte, welche in tiefe Trauer versetzt ist. Kolomea, den 18. Februar 1895. Am 10. l. M. beging unser Verein „Beth Israel" zu Ehren des berühmten hebräischen Literaten und Publicisten P. Smolenskin s. A. in solenner Weise die 10jährige Gedenkfeier seit dessen Todestage, welche einen imposanten Verlaus nahm. Nach den trefflichen, einleitenden Worten unseres Bicepräsidenten Herrn L. Taubes und dem wohlgelungenen Vortrage des Herrn M. Lachs über P. Smolenskin's Werke und Wirken, folgte eine stürmisch applaudirte Vorlesung des Herrn O. Engel aus dem „Hatoe" (Jom hakipurim) im hebräischen Urtexte und in einer meisterhaften deutschen Uebersetzung, dann eine von Herrn Taubes schön vorgetragene hebräische Declamation „Lnischmas ose haschachar" von I. L. Gord on. Mit einem wohlklingenden, vom Cantor sammt Chor abgesnngenen „El mole rachmim" und mit einem in seiner Schlußrede an das zahlreiche Auditorium gerichteten warmen Appell des Herrn Feingold, sich um das vom Gefeierten zuerst auf seine Fahne geschriebene National-Judenthum zu schaaren, schloß diese Gedenkfeier, welche ihre Wirkung nicht verfehlte und viele Parteigänger dem Zionismus zusührte. L. Galatz, 15. Februar 1895. Wir kommen eben vom Begräbnisse des Herrn Bernard Mendl in Braila zurück. Der Verstorbene war einer der Chefs der Firma L. Mendl und Comp., die beinahe seit einem halben Jahrhundert ein Getreideexportgeschäft von den Donaugegenden und dem Schwarzen Meere nach allen Consumtionsländern Europas betreibt, und zwar in so bedeutendem Maßstabe, wie vielleicht kein zweites Haus in Rumänien! Freunde und Neider find darin übereinstimmend,' daß Ehrenhaftigkeit die Devise dieses Handlungshauses ist, was wiederum der Kaufmannschaft in Rumänien im Allgemeinen und den Juden hierzulande im Besonderenzur großen Ehre gereicht! Zeugniß dafür war der großartige Leichenzug. wie man in Braila noch keinen gesehen. Als der Sarg mit dem Verblichenen von den Söhnen und Neffen des Tobten aus dem Sterbehause unter der üblichen Choralbegleitung zum Leichenwagen getragen wurde und im Hofraume anlangte, präsentirte eme dort ausgestellte Soldatenabtheilung das Gewehr und bliesen die Fanfarenbläser einen Tranermarsch. da der Heimgegangene die Ritterkreuze des Franz Josef-Ordens, des Stern von Rumänien, des Wasa-Ordens I. Clasie und des Erlöser-Ordens von Griechenland besaß; auch