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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-02-22 · 8 (22.2.1895) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
8 (22.2.1895)
Date
1895-02-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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ja. 8 erekerrrrartsarr VoryrnptzrM Am 5. d. M. reiste Freiherr v. Springer nach Paris, um nach mehrtägigem Aufenthalte, von einem seiner intimsten! Freunde, einen! jungen, dort lebenden Wiener, begleitet, nach Cap Martin an der Riviera abzureisen, woselbst er etwa einen Monat zu weilen gedachte. Sein Wunsch sollte leider incht in Erfüllung gehen, denn in der Nacht vom 9. ans den 10. d. M., als er eben im Begriffe gewesen, in Begleitung seiner Freunde das Theater Franyais auszusuchen, wurde er von seinem alten, unerbittlichen Leiden erfaßt, welchem er nach kurzem, schwerem Kampfe, kaum 49 Jahre alt, ererlegen ist. L. G. Unter außerordentlich zahlreicher Betheiligung aus den Kreisen des Adels, der Finanzwelt, der Industriellen und der Kunst fand das Leichenbegängniß statt. Im Vestibüle bildeten Abtheilungen der Freiwilligen Feuerwehr in Meidling und unter Führung des Directors Hecht Zöglinge des israelitischen Waisen-Jnstitntes Spalier. Unter den Trauergästen sah man außer den Mitgliedern der Familie den Prinzen Philipp zu L i e cff t e.njft e i n, General-Cavallerie-Jnspector FML. Freiherrn v. Gager n, Sections-Chef v. I a n s ek o w i t s ch, Grafen Philipp Boos- W a l d e ck, Grafen Maximilian B r i n t s, Grafen Heinrich B e u st, Oberst Grafen A u e r s p e r g, Grafen C z i r a k y, Landesgerichts- Präsidenten Grafen L a m e z a n, Albert Freiherrn v. Not hs ch i l d, Freiin v. Todesco, die Herrenhausnntglieder Nicolaus D u m b a und Freiherr v. Oppen h e i m e r, den Director der Handels-Akademie Regierungsrath S o n n d o r s e r, die Hofräthe v. D o c z i, Uhl, v. Mittag, Angelo Ritter v. K u h und Ritter v. P f e i f s e r, die Bankdirectoren B l u m, Ritter v. B o r k e n a lt und Wied nt a n n, Director M a yerhofer von der Verkehrsbank, Generalrath Hütte rst r a ß e r, die Industriellen David Ritter v. Gut m a n n, Julius Ritter Leon v. W e r n b u r g und Wilhelm P o l l a k, ferner Gustav Freiherrn v. Heine, Freiherrn v. P e r e i r a, Baurath Fellner, Stadtbaumeister Donat Z i s f e r e r, Consul v. B i e d e r m a n n, Ritter v. N a t h a n, Bezirksvorsteher H o l l o ch e r mit seinem Stellvertreter B r u s a t t i, Stadtrath R ü ck a u s, die Gemeinderäthe R ö h r l, Ritter v. Goldschmid 1 und Tr. Ster n, die Professoren Ai o n t i, Ose r und kaiserlicher Rath W i n t e r u i tz, Banquier Z i n n e r, Fabrikanten Friedrich S u e ß, Director B l a s e l Schauspielei- T e w e l e, Hofopernsünger S ch r ö d t e r, zahlreiche Schriftsteller und Freunde der Familie. Herr Obercantor Singer leitete die Trauerceremonie. Nach Absingung der Trauerpsalmen hielt Oberrabbiner Dr. Güdemann dem Verblichenen folgenden Nachruf: Ich möchte an dieser Bahre aus jene Erzählung des am letzten Sabbath vorgelesenen Wochenabschnittes Hinweisen, die uns Moses vorführt, wie er während des Kampfes mit Amalek aus einer Anhöhe mit hocherhobenen Händen dasteht, wozu die heilige Schrift bemerkt: „Und seine Hände hielten aus, bis die Sonne unterging." Das Leben ist mich ein Kamps. Gewöhnlich aber glaubt mmi, daß die Gefahren und Beschwerden dieses Kampfes nur denjenigen beschieden, ja auf diejenigen beschränkt seien, denen Gott ihren Platz in der Ebene, in den Niederungen der Menschheit angewiesen hat. Das ist nicht richtig. Schon im wirklichen Kampfe sind diejenigen am meisten den feindlichen Geschossen ausgesetzt, die auf einem vorgeschobenen Posten, aus einer Anhöhe sich befinden. In dem Kampfe des Lebens ist dies noch in größerem Maße der Fall. Wer da durch Vermögen und Stellung in den vordersten Reihen und aus erhöhtem Standpunkt sich befindet, aber trotzdem allen Versuchungen des Hochmnthes und der Schmeichelei zu widerstehen und seinen Namen rein, seine Ehre blank und seine Waffen unbefleckt zu erhalten weiß, von dem darf man bei seinem Tode sagen: „Und seine Hände hielten aus bis zum Sonnenuntergang." Auf dieses Urtheil kann der Heimgegangene gerechten Anspruch erheben. Er war immer bescheiden und anspruchslos, niemals vorlaut, er wollte mit seiner Tüchtigkeit als Kaufmann, mit seiner reichen Bildung und mit seiner unerschöpflichen Wohlthätig- Sette 139 keit nicht glänzen, sondern er war vielmehr ein Mensch von tiefer Innerlichkeit, der sich gern aus sich selbst zurückzog und der bei der gewissenhaftesten Erfüllung der Pflichten seiner bevorzugten Stellung von ihren B orr e ch 1 en keinen Gebrauch gemacht hat. Leider wurden ihm die letzten Jahre seines Lebens auch durch seinen körperlichen Zustand zu einem schweren Kampfe. Immer zwischen Todesangst und Lebenshoffnung schwebend, hatte er die schwere Aufgabe der Resignation zu erfüllen, sich zu sagen, daß ihm alle Genüsse des Lebens zu Gebote, standen und daß er die meisten sich versagen mußte. Aber seine Selbstzucht hat ihn auch diesen Kampf bestehen lassen. So kehrt er denn mit dem Bewußtsein des schönsten Sieges, des Sieges über sich selbst, zu Gott zurück. Er ruhe in Frieden! _ Betty Paoli. (Ein Nachruf.) Die vornehmsten Frauen und hervorragendsten Künstler Wiens folgten dem Zuge ihrer Herzen und veranstalteten vor kurzer Zeit im Kleinen Musikvereinssaale zur Erinnerung' an die im vorigen Jahre verstorbene Dichterin Betty Paoli eine Todtenseier, bei welcher das Andenken der Verstorbenen in Wort und Lied verherrlicht wurde. Die zünftigen Literarhistoriker, anerkennend die Bedeutung Betty P a o l i's, räumen ihr in der deutschen Literaturgeschichte eine zweite Stelle nach Annette Freiin von D r oste- H ü l s h o s s ein, obwohl man bei unbefangener Würdigung beider Dichterinnen zu der Ueberzeugung gelangen muß, daß Erstere in ihrer Lyrik eine solch' quellende Fülle tieftragischer Gefühlslaute anzustimmen vermag, daß mit ihr verglichen die Lyrik der D r o st e - - H n l s h o f f mit ihren scheu gedämpften und vornehm geklärten Offenbarungen ein mindestens dürftigeres Gepräge trägt. Annette Freiin von D r o st e - H ü l s h o s f war eben der Sprößling eines alten Adelsgeschlechtes, welche, ihrer hohen Abstammung stets bewußt, sich sorgsam hütete, Unberufenen ihr innerstes Wesen zu entschleiern, während Betty P a o l i, aus jüdischem Stamme entsprossen, schon frühzeitig von verhängnißvollen Leiden arg bedrängt wurde, welche sie daun als schwermüthige Bekenntnisse ihrer edlen Seele zur Poesie verklärte. Mit dieser einfachen Würdigung habe:: wir den Namen Betty P a o l i's jenen gerechten Tribut der Anerkennung entrichtet, der ihrer Stellung innerhalb der deutschen Literatur entspricht. Für uns Angehörige des Judenthums ist es jedoch immöglich, hier innezuhalteu und uns damit zu begnügen, daß einer der edelsten Frauen Wiens ihr Recht aus würdige Beurtheilung gewährt wurde. Wir folgen also, fortschreitend in der kritischen Würdigung der Dichterin, den klaren Bestimmungen der Psychologie, welche den Charakter des Menschen aus dessen Willensäußerungen und Handlungen zusammensetzt. Denn nur so ist es uns möglich, unsere vollste Objeetivität zu wahren, welche wir auch dann in Anspruch nehmen müssen, wenn wir uns durch unser Verfahren den Vorwurf der Einseitigkeit und Engherzigkeit zuziehen sollten. Wo irgend hervorragende Gestalten einer vergangenen oder gegenwärtigen Culturperiode austauchen rmd uns fesseln, fühlen wir uns gedrängt, deren Beziehungen zum Judenthum zu erörtern. Wir lauschen ihren Aussprüchen, jubeln und fühlen uns begeistert, wenn sie die ethische Berechtigung unserer Existenz und deren Bedeutung für die Geschichte der Menschheit anerkennen. Umso höher ist diese Pflicht einer Persönlichkeit gegenüber, welche, wie Betty Paoli, aus dem Judenthume hervorgegangen ist und deren Bedeutung selbst von einem Grillparzer anerkannt wurde, der sie als die beste Lyrikerin Oesterreichs bezeichnete. Welche Enttäuschung jedoch bemächtigt sich unser, wenn wir in letzterer Beziehung uns mit Betty Paoli befassen' Die Poesien der Dichterin sind in ihrer weitaus größten

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