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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-02-22 · 8 (22.2.1895) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
8 (22.2.1895)
Date
1895-02-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Heue 138 H-elli.rrrMzWltzr Unterder Anleitung eines tüchtigen^LehrerZEmachen sie gute Fortschritte, die jüngeren Leute unter 30 Jahren geben nicht i selten ihr Lehrfach auf und werfen sich auf das Studium der Juristerei oder Medien:. Mi Jodea. Freiherr Hermann von Springer. Ueber den verstorbenen Baron Hermann Springer schreibt die „Frankfurter Zeitung" * „Gestern ist, wie Sie bereits gemeldet, Baron Hermann Springer in,Pari s gestorben. Da er ans einem Frankfurter Geschlechte stammt, so erlauben Sie wohl, daß ich dem Freunoe ein Blatt auf das Grab lege. Frankfurt — hat Wien mehrere namhafte Bankiers gegeben. Sie kamen bemittelt hier an und wurden reich an der Donau. Heute sind ihre Nachkommen Millionäre, aber keine Bankiers mehr. Sie wurden, fast Alle, geadelt und ihre Söhne zogen sich vom Geschäfte zurück. Börsenleute fühlen sich heute nicht wohl in der vornehmen Gesellschaft, fallH sie überhaupt hier Zutritt zu derselben erhallen. Auch hat sich die Physiognomie der Wiener Geschäftskreise seit dem Wiener Congreß völlig geändert. Damals glänzten die Salons der Geymüller, Fries, Rothschild, Arnstein-Eskeles, Pereira. Dort aßen gut, plauderten geistreich und liebten flatternd die Berliner Congreß-Beiräthe. natürlich die Frauen. Später gründeten Stametz-Meyer aus Bayern, Todesco aus Preßburg. Jonas Konigswarter und Max Springer aus Frankfurt Bankhäuser. Fast alle diese Hauser existiren nicht mehr. Die Banken haben die Bankiers verscheucht. Wozu sollten die Millionäre und Barone — man zahlte und nobilitirte hoch in Oesterreich — noch laufende kleine Geschäfte machen? Große, im Stillen, so nebenbei, warum nicht; aber Clienten bedienen, das genirte die H.rren, welche Freiherrn geworden waren und es sein wollten. Sie kauften Güter, gründeten Fabriken, kurz sie wollten Grandseigneurs sein, wie die ältesten Fürsten und Grafen in Oesterreich, deren Bier und Käs in den Gasthäusern feilgeboten wird. Em Wiener Speisezettel von heute ist eine Art Beilage des Gothaer Adels- Almanachs. So that auch der zuerst „Ritter", dann „Baron" gewr rdene Max Springer aus F r a n k f u r 1, der beiläufig in den ersten Dreißiger-Jahren nach Wien gekommen wir, mit einem Capital. von dem sich r-den ließ, und vielen in Finanzkreisen sonst wenig cursirenden Geistesmünzen. Dazu gesellte sich: vornehmes, liebenswürdiges Benehmen, das Springer bald tonangebend im Reiche der jungen Bankwelt machte. Er heiratete eine Todesco, was dem Hause Springer Alliirte gab. Max Springer las viel und gut. Das -kam hier selten vor in der Welt, wo man nur speculirte, um Geld zu gewinnen! Er war gebildet, sprach gut und amüsant und hielt viel auf ein gleichgeartete Tafelrunde. Gute Tafel und geistreiche oder einflußreiche Leute rund um dieselbe, darauf sann er, und das gelang ihm stets, wenn auch die Genossen wechselten. Die Einen starben, die Andern verdarben. Das Haus Springer blieb oben und hielt offenen Tisch. Der Publicist Warrens und der Hofschauipieler Carl Laroche waren gern gehörte Gäste. Alle Springer lieben es, sich gut zu nähren: aber allein z u Tisch zu gehen, ist ihnen ein Gräuel!! Das ist ihnen angeboren. Auch haben sie vom Vater die Liebe zur bildenden Kunst. Max hat eine kleine, aber exquisite Galerie angelegt, Leckerbissen für das Auge. Baron Gustav, der älreste seiner Söhne, besitzt jetzt dieselbe und mit ihr das Hans am Opernring. Schon Max Springer vollzog den Stoffwechsel des Besitzes. Er erwarb Güter hauptsächlich im Waagthale Ungarns und gründete Fabriken in Wien und Paris, eine Porzellanfabrik bei C a r l s b a d, Preßgermfabriken hier und an der Seine. Baron Max hielt viel auf eine schöne Equipage und einen edlen schottischen Doppelpony, den der kleine, starke Mann im Prater tummelte, ohne jedoch halsbrecherische Ausschreitungen zu begehen. Sein Sohn Gustav, der jetzt in der Nähe Wiens, in der ehemals Zang'schen Billa „Presse" — offenes Haus das ganze Jahrhindurch hält, hat sich als Pferdefreund entwickelt. Er besitzt einen der ersten Rennställe in Oesterreich, hat einmal in Wien das Derby gewonnen, ist Mitglied des Jockey-Club und Fürsten speisen au seinem Tische Auch fein Bruder Alfred gehört dem aristokratischen Vereine an. Er ist Cavallerie-Oberlieutenant in der Reserve, reitet aber selten mehr, denn als Menschenfreund findet er kaum ein Pferd, dem er die süße Last seiner Person aufhalsen möchte. Dafür fährt er mit Vieren, in Wien im Winter im P r at e r, wenn er nicht Nizza oder das benachbarte Monte Carlo aufsucht u,d im Sommer in Ischl, wo er Girardi und dessen Gattin Frau O d i l o n spazieren fährt. Der verstorbene Bruder Her man n, — er ist fünfzig Jahre alt geworden — war stiller, ruhiger, weit weniger bemerkbar als feine Brüder. Er lebte lange Zeit, sich der Fabrik widmend, in Paris. Erst in den letzten Jahren kaufte er ein neues Palais in einem eleganten Viertel in Wien und war darin, wie überall, fall Einsiedler. Guter Tisch und wenig Bewegung verfetteten sein Herz und bildeten wohl WochrnptzrM «r. 8 das Leiden heran, dem er erlag. Und das Hen Hermanns war doch so gut, stets führte es ihn zum Rechten. Er gab, ohne schöne Worte zu machen, viel an Viele. Während der letzten Jahre schritt er öfter am Grabesrand vorbei, doch ging er bald wieder auf dem gewohnten Lebenspfade weiter. Jetzt, als er über Paris nach Nizza reisen wollte, st a rh e r in Frankreichs Hauprst a d t. Die Springers sind standhaft Juden geblieben und der Wiener Friedhof wird Hermann's Leiche aufnehmen. Der einzige Sprosse der Familie ist G u st av's junges Töchterlein Mari e. Deren Mutter war eine Pariser Kö nigs w a rter. Das Fräulein wird einst eine reiche Erbin werden. Hier haben Sie eine kleine Skizze des Aufblühens eines Frankfurter Reises in dem noch immer guten Nährboden Wiens. Einem Nachruf, den ein Pariser Freund des Verstorbenen uns zugesendet, entnehmen wir folgende Stellen: Von frühester, nicht ganz sonnig verbrachter Jugend an, war ihm ein einsames, auf sich selbst beschränktes Wesen eigen, welches nur tu seltenen Fällen einer kleinen Schaar erlesener, treu ergebener Freunde gegenüber der Herzlichkeit und Hingebung wich. Baron Hermann S p ringe r war auch ein treuer, seinem Glauben und seinen Stammesgenossen anhänglicher Jude, der nicht geimg Worte des herbsten Tadels fand für jene lvahirwitzige, das Ende linseres aufgeklärten Jahrhunderts brandmarkende Bewegung, sowie für jene feigen Überläufer aus der sogenannteil „hohen" jüdischen Gesellschaft, die nicht aus Noth, sondern um vermeinter gesellschaftlicher Vortheile halber dem Glauben ihrer Väter abtrünnig werden. Und erst als Wohlthäter! Bedürfen sie einer besonderen Erwähnung, die sreiherrl. Springer'sche Stiftung für jüdische Waisenkinder, denen er unausgesetzt ein wahrhaft väterlicher Beschützer gewesen, die verschiedenen Wiener und Pariser Wohlthätigkeitsirrstitute, die Fürsorge für entlassene Sträflinge, für -Blinde, die er nie an sich vorbeilassen konnte, ohne sie in der liberalsten Weise zu beschenken, und namentlich jene zahl- und namenlosen Acte seines wahrhaft edelmüthigen Herzens, wo er dem bescheiden sich abschließenden Unglück wirksam nachhelfend und — so tactvoll geräuschlos zu Hilfe kam. Ja all' diese zahllosen Unglücklichen, die seiner Großmuth, seines Mitgefühls sicher sein durften, sie erleiden durch sein Hmschelden einen unsäglichen, unersetzlichen Verlust. Bei all seinem Reichthum, seiner ausgezeichneten Stellung, war Freiherr Hernmnn v. Springer von einer Bescheidenheit in seinen Bedürfnissen, in der er wohl mit einein jeden unter seinen nach vielen Tausenden zählenden Arbeitern concurriren durfte. Wer mag's wohl auch sagen, ob er sich nicht den Keim zu seinem Leiden, das ihn seit langen Jahren zu einem wahren Märtyrer gemacht, in seiner von einem strengen Pflichtgefühl dictirteu Arbeitsüberbürdung geholt. Theils in Wien, wo er an der Leitung des ehemals bedeutenden Bankhauses S p r i n g e r so hervorragenden Antheil nahm, theils in Maison Alfort bei Paris, wo er persönlich die dort von ihm errichtete Spiritus- und Preßhefefabrik, die bedeutendste der Welt in ihrer Branche, dirigirte, war er mit unermüdlichem Eifer und hervorragender Intelligenz bis vor wenigen Jahren unverdrossen thätig, und erst der unerbittliche Muß einer tückischen, grausamen Krankheit nöthigte ihm jene Ruhe ans, die er bis nun nicht kannte, nicht wollte. Genöthigt, der Leitung seiner so genial eingerichteten Industrien, die ihn mit so hohem Stolze erfüllten, zu entsagen, wandte er sich ganz seinen wohlthätigen Werken und der Kunst zu. Ein geirauer theoretischer Kenner der alten und moderner: Kunst irr ihrer: verschiederreu Formen, wurde er nur: auch ein begeisterter Sammler, rrnd sein herrliches Palais in der Alleegasie in Wien, ein wahrer Traum ans 1001 Nacht, gibt Zeugniß, wie hochsinnig er seinen Uebersluß zu verwenden verstanden. Gemälde, Bronzen, Bildhauerwerke, Teppiche, Stickereien, Porzellan, Elferrbeinschnitzereierr, Bücher re. rc., all diese tausend köstlichen Dinge, die Aug' rrnd Herz erfreuen urrd in den vier Erderrwinkelr: zrr finden waren, haben sich Stelldichein bei ihm gegeben. Eine herrliche Sammlung exotischer und einheimischer Vögel und Pflanzen, letztere irr seinen prächtigen Treibhäusern, geben glänzendes Zeugniß nicht blos von seiner Vielseitigkeit, sondern auch von seiner Liebe für alles Schöne und Gute, für Kunst und Natur.

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