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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-02-22 · 8 (22.2.1895) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
8 (22.2.1895)
Date
1895-02-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seile 140 Vrprrrrtchlptze WoÄxenMrrM vti. 8 Zahl durchaus subjectiv; sie bewegen sich in einem beschränkten Kreise: Schmerz über verrathene Liebe ist der beständige Gnmdto.n ihrer Lyrik. Nur selten tönt uns aus derselben eine Anrufung und Beschwörung jener ewigen Melodie ent- : gegen, die in der Leidensgeschichte des jüdischen Volkes von Jahrhundert zu Jahrhundert fortklingt, den Muth der verfolgten Sprößlinge aufrichtet und die Wuth der Feinde gleich einem magischen Banne lähmt. Ebenso selten rühren uns in ihrer Poesie Anklänge und Erinnerungen an die in grauen Folianten geheimnißvoll geborgenen Sagen des jüdischen Volkes. Die herrlichen Gedichte: „Rabbi Löwy" und: „Aus dem Talmud" sind die einzigen kärglichen Beweise dafür, daß die Dichterin, ihres Ursprunges nicht vergessend, ein feines Gehör für alle jene Offenbarungen hatte, die, aus dein Geiste des Judenthums entstanden, die Beacht des Glaubens den kommenden ^Geschlechtern überlieferten. Diesen Offenbarungen ganz sich hinzugeben, um in ihnen einen Trost für die Widerwärtigkeiten des Lebens zu finden, dazu war Betty P a o l i weder durch ihre Erziehung im Elternhause, noch durch chren späteren Lebenslauf geschaffen. Sie schwärmte für Assimilation, und in diesem Bestreben war sie schon so weit vorgedrungen, daß sie in „Stabat Mater", einen: ihrer ergreifendsten Gedichte, die Entstehimg des berühmten Kirchengesanges von Pergolese mit einer solchen historischen Treue und religiösen Weihe schildert, daß die Anhänger des Katholicismus die stolzeste Genugthuung darob fühlen können. Ihr Vorbild in dieser Glaubensrichtung war die Fürstin Schwarzenberg, deren Gesellschafterin sie war und zu welcher sie als einem Charakterbilde aller weiblichen Tugenden schwärmerisch aufblickte. Im Umgänge mit der Fürstin und mit der glänzenden Gesellschaft, die sich in den prunkvollen Räumlichkeiten der Witwe des Feldmarschalls versannnelte, schwiegen gar bald jene bangen und doch so sehnsuchtsvollen Laute, die auch der feinste Analytiker der Seele als individuell im Wesen des Menschen ruhend nicht genügend erklären könnte, weil deren geheimnißvoller Ursprung in vergangene Generationen zurückreicht .... In Betty P a o l y lebte nichts von jener wehmüthigen Stinnnung, die Heinrich Heine durchschauerte, als er seinen „Rabbi von Bacharach" schuf; nichts von jenem schwermüthigen Gedenken, das alle Heroen des Geistes dnrchzitterte, die, aus dem Schoße des Judenthums emporgestiegen, auf die Geschicke der Menschheit schöpferisch einwirkten. Man beschuldige uns demnach nicht religiöser Voreingenommenheit und Befangenheit, wenn wir einer hervorragenden Dichterin gegenüber einen Standpunkt einnehmen und auch behaupten mußten, der von allen jenen tiefer denkenden Naturen, die nicht an: Aeußerlichen haften, sondern sich bemühen, das Wesen der Sache zu erfassen, gebilligt werden wird. In dem festen Verharren auf unserem Standpunkte stärkt uns die Ueberzeugung, daß wir hiedurch von den vergeltenden Principien der Reciprocität ausgehen; denn wo und wann immer aus dem Judenthume hervorgegangene Personen strebend und schaffend in's Cnlturleben der Völker eingegriffen haben, wurde die ihnen gebührende Bedeutung nur dann anerkannt, wenn sie sich von Ideen leiten ließen, die nicht ausschließlich auf religiösen Motiven beruhten. Demnach müsse:: wir in der Beurtheilung Betty Paoli's etwas zurückhaltender im Lobe sein, was uns aber nicht abhalten kann, ihrem edlen Charakter-, ihrem dem Großen und Schönen zugewandten Sinne Arrerkennung zi: zollen. Dr. Sigmund Kopfstein. Eine Episode aus dem Leben der polnischen Inden im achNrhnten Jahrhundert. (Von Salomon Re in ach zu Ehren dls Herrn Professor Joseph Derenbourg zch dessen 80. Geburtstag am 21. August herausgegeben 1891. Uebersetzt von Ignaz K a u f m a n n.) Der gelehrte, stets gefällige Unterbibliothekar des Institut, de France Herr Ludwig Lylanne machte mich auf einen in seiner Archivabtheilung vorhandenen noch unveröffentlichten Brief des Ingenieurs Jean Claude Pingeron's aufmerksam, in dem einige bemerkenswerthe Details über die Gebräuche der polnischen Juden im vorigen Jahrhundert enthalten sind. Der Verfasser dieses Briefes, der in den Dienst von Polen eingetreten war, war eine Zeit lang der Stadt und Festung Zämosk zugetheilt und wir finden ihn später in Versailles im Bureau der Pläne für die königlichen Bauten angestellt. Seine Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Gebieten, darunter zahlreiche Uebersetzungen aus dem Italienischen und Englischen, hat Quörard in La France litteraire Bd. VII, S. 179 aufgezählt und man kann dort auch die biographischen Belehrungen über seine Persönlichkeit Nachlesen, die schon wiederholentlich nachgeschrieben wurden. Mitglied der Akademie von Barcelona, starb Pingeron in Versailles im Jahre 1795. Z ä m o s k den 19. September 1793. Unsere Feste haben in Folge der schlechten Witterung nicht den von mir erwarteten Erfolg gehabt. Das von den Juden gegebene Fest ist mir außerordentlich seltsam erschienen. Ich glaubte eine Tanzvorstellung aus der Genesis, etwa die Priester vor der Arche (?) zu sehen. Hier in kurzen Worten, wie dies zuging. Gegen drei Uhr Nachmittags zeigte sich ein Schwarm von Juden am Palastgitter. Voran ein Jude zu Pferde mit einer mächtigen Puppe im Arme. Tann kam ein zweiter Jude, als Türke gekleidet, den gezogenen Säbel in der Hand, von der gesammten Musik Jerusalems begleitet, wie Tympanon (Hackbrett), Baßgeige — von den Juden hier als Schlaginstrument behandelt, da sie die Saiten mit dem Bogen schlagen — dann zwei Violinen und zwei Musikern mit kupfernen Bechern, die sie gegeneinander schlugen. Man sieht ähnliche Scenen in Abbildungen heidnischer Feste auf antiken Bas- Relief's dargestellt. Sechs Juden trugen darauf einen rechteckigen Kuchen von fünf Fuß Länge und vier Fuß Breite, in einem Blechgehäuse auf einem Tische niedergestellt. Dieser Kuchen, der mir von demselben Teige zu sein schien wie der Biscuit von Frankreich, war über und über mit goldenen hebräischen Schriftzeichen bedekt, Verse aus den Psalmen enthaltend, die auf das Ereigniß, das verherrlicht werden.sollte, sich anwenden ließen. Diese Schriftcharaktere waren von Ornamenten begleitet, Arabesken in Blau und Gold. Nach diesem Tische kam der Syndicus der Juden, ein mächtiges, schönes Ovalbecken aus Silber mit einem schönen Wasserkruge vom selben Metall haltend; fünf andere Juden hielten Schüsseln aus Silber, gefüllt mit Zucker, Kaffee und Citronen, der Sitte folgend. Dieser ganze Aufzug war von Juden rings umgeben, und zuletzt im Hintergründe hielten sich die Jüdinnen. Als diese Truppe in der Mitte des Hofes war, stieg der Jude, der zu Pferde war, ab und begann mit seiner Puppe zu tanzen, unglaubliche Sprünge machend, all das mit der jüdischen Musik in Uebereinstimmung. Der Türke tanzte darauf allein und dann mit einem Kameraden. Nun hielt der Sprecher eine hebräische Ansprache, die das Volk mit lauten Jubelrufen und mit Beifallklatschen begleitete; dann sang man eine Hymne in näselndem Tone, Judenknaben hielten sich die Finger in den Ohren und stimmten den Discant an. Sobald diese Ceremonie beendet war, führten die besten Tänzer unter ihnen jüdische, polnische, Kosaken- und Majukkentänze auf; die Judenmädchen, um besser zu tanzen, legten ihre Mäntel ab und entledigten sich mit vieler Anmuth ihrer Aufgabe. Darauf ließ man die Vornehmsten unter den Juden, die die Geschenke überbrachten, zum Palaste hinaufkommen; hier hielten sie eine zweite feierliche Ansprache, polnisch, in metrischem Latein und deutsch. Darauf überreichten sie ihre Gabe und zogen sich zurück. Unter dem großen Becken und auf den anderen Schüsseln waren polnische Verse eingravirt, deren Sinn, wie man sagt, einsehr glücklicher ist. Die Prinzessin Madame Strasnicka und Se. Durchlaucht der Fürst Czartoryski, der Oberstjägermeister, schienen davon sehr befriedigt zu sein. Am andern Morgen erhielt

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