Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 8 (22.2.1895)
- Date
- 1895-02-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3021061-3021070--04311-3028491- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 134 Westrrretthtschr »ochrnptzrtfl Nr. 8 n ied er, tödtet sie! Jeder, der den Anspruch erhebt, ein braver und rechifchaffener Mensch zu sein, der höre meine Stimme. Der Himmel wird den sehen und nicht ungestraft lassen, der seine Hand aufhebt, um diesen Anschlag abzureißen. Alle Druckereien und Zeitungen mögen zur Verbreitung meiner Worte beitragen. Ttzukobold als Vrandrednrr und Jubilar. Schreibebrief des deutsch-nationalen Studenten. XXlf. Wien, Hornmond, im Jahre des Heilserums 1895. O du allerliebster Kumpan Pumpo! Bei Teut, Bismark, Wotan und Schönerer! Soll mir jetzt noch Einer daher kommen und dem Antisenüüsmus die Daseinsberechtigung absprechen! Die Sitzungen des niederösterreichischen Landtages müßten demVerblendetsten die Augen darüber geöffnet haben und war' er so blind, wie der selige Hödur vor der Staaroperation. Bei Baldurs Tod, beim runenumrauschten Rabenvater! Diese verwünschten Juden drängen sich doch immer und überall vor. Voll Ariern ist überhaupt nicht mehr die Rede. Jur Landtag schon gar nicht mehr. Wer interessirt sich noch für ihre Angelegenheiten? Memand. Bei den drei Raben, das ist arg. Die schönste Zeit wird über diesen Juden vertrödelt, es wird nichts gearbeitet, nichts geschaffen, die Gesetzgebung stockt wie koscheres Gänsefett. Die Landtagssitzungen gleichen schon aus ein Haar denen irgend einer Cultusgemeinde — hier wie dort nur von jüdischen Angelegenheiten die Rede. Unser guter Ober-Stampiglienrath rennt gar mit einem gewaltigen Stoß jüdischer Gebetbücher unter dem Arm in die Sitzung. Er ist nicht, wie andere Leute bei Last, sondern offenbar bei Schlesinger, Bels oder Hirschler abonnirt. Durch die endlosen Judendebatten ist er etwas verwirrt irn Kopse geworden und bildet sich nun ein, der Obercantor im Btabttempel zu sein. Wäre ihm der Landmarschall nicht in's Kol nidre gefallen und hätte ihm das Sch'mone essre entzogen, er hätte sie im hohen Landtag vorgetragen. Leider war der gegen die Antisemiten stets ungerechte Landmarschall der Meinung, das Mincha-Gebet stünde nicht aus der Tagesordimng. Unerhörte Parteilichkeit! „Du sollst dem Antisemitenführer, der da drischet, das Maul nicht verbinden" heißt es im Geschichtenbuche der Juden, wie wir Deutschnationale die Bibel nennen. Der arme Ober-Stampiglienrath ist bereits derart confus, daß er mir und mich, Atem mrd Deür, eine echte, von eurer falschen Stampiglie nicht mehr unterscheiden kann. Er soll ganz den Verstand verloren haben. Das ist nicht möglich. Doch will ich mich bei Kleinigkeiten nicht länger aufhalten. Sieh, Pumpo meiner rassenreinen Seele, was die Juden aus diesern Mann gemacht haben und ziehe dann die Rückschlüsse auf ihre verwerfliche Moral und höchst abscheulichen Sittengesetze. Er hat zu viel Talmud studirt, besonders Babakama, wie er selbst sagte, wo von stoßenden Ochsen abgehandelt wird; nun wirst Du fein] Benehmen begreifen, das — wir sind ja unter uns! — keines Abgeordneten, und wär's auch nur ein antisemitischer-, würdig ist. Freilich magst Du erwidern: Der Alaun hat sich für seine Partei einfach geopfert. Gut. Er hat sich das Gift, vor dem er warnte, selbst eingeinrpst. Schön. Das spricht für seine Seelengröße, aber sehr gegen Babakama. Seine vertrautesten Freunde finden in seinem Vorgehen allzuviel Babakama. Doch da läßt sich jetzt nichts mehr machen, und geschehen ist leider nun einmal geschehen. Nicht :mr seine Umgangssormen haben gelitten — Du hättest ihn am Frohnleichuam beim Umgang sehen müssen, — sondern auch seine moralischen Qualitäten durch unausgesetztes Talmndstudimn erheblichen Schaden genommen. Um nur den Inden recht unangenehm zu werden, engagirte er Christenkinder, die er gegen ein „s ü r st l i ch e s" Honorar zuerst schachten und dann — o seine Grausamkeit kennt keine Grenzen! — hinterher noch meuchlings hinlithographiren läßt. Das hat der Talmud und dieJudenmoral aus einem Ehrenmann gemacht! Die haben ihn auf dem Gewissen. Und er betreibt das Alles schon rein mechanisch und gewerbetagsmäßig, — ein Flick -Schneider, der den Juden immer was am Zeugen flicken will. Die Anträge dieses Kleingewerbetagstreibenden entbehren nicht eines großen Zuges nach dem Osten. Er verlangt die Confiscation der gottverfluchten Jüdengüter — will sagen, der Güter der gottverfluchten Juden. „Ein echter, deutscher Mann, mag keinen Juden leiden, doch ihre Güter confiscirt er gern." Ferner sollen die geehrten Mitbürger israelitischer Confession nicht mehr wie bisher kaltgestellt, sondern im Gegentheile ein wenig resch abgebraten werden. „2eterum censeo Judaeos esse combuiendos". Mit diesen zündenden Worten schloß unser Branddirector seine feurige Rede. Die Gleichberechtigung legt er mit flammender Beredsamkeit so aus, daß sie gleich hiezu berechtigt sein sollen. Den Schußgeldantrag hat er einstweilen zurück gezogen. Er hat seine politischen Anschauungen modificirt; er ist durchaus nicht eigensinnig. Nur in Einem: Die Judenfrage ist eine brennende! Das mit dem Verbrennen ist übrigens kein übler Einsall, sondern einer, für den man sich erwärmen kann. Brennmaterial wäre übergenug da. — „Man erfriert ja im Zimmer" wird man zum Dienstmädchen sagen „legen Sie doch rasch ein Paar Semiten nach". Die feineren Arier werden nur Prima-Salon-Glanz-Israeliten brennen und die schönen Rassejüdinnen besonders begehrt sein, denn die sangen gleich Feuer. Und solch' bedeutenden Mamr, der seinen An- und Verstand, o h n e z u ü b e r l e g e n, der Partei zum Opfer bringt, wählt man nicht einmal in einen Ausschuß, ihn, der unbedingt zum Ausschuß gehört. Er soll §u nichts fähig sein? Im Gegentheil, er i st zu A l l e m s ä h i g. Zwei Tage hat der wackere Volksvertreter an dem lateinischen Sprüchel gebüffelt, mit dem er als falsche r Cato austrat. Schwätzmeister G r e g o r i g nahm sich seines geehrten Herrn Vorbrandredners an und versuchte ihn weißzuwaschen, da er sich aus Weißwäsche versteht. Er hat wahrlich Recht mit der Behauptung, daß zwischen den Anschauungen Schneider's ilnd denen der Liberalen — jedesmal, wenn er das Wort ausspricht, dreht sich ihm die Galle im Magen um — höchstens formelle, aber keine grundsätzlichen Unterschiede bestehen, wie es ja auch Maresch eingestanden. Die Liberalen — nur die Gall' im Magen — sind innerlich Antisemiten und sollten sich wenden lassen. Oder sind sie am Ende vielleicht schon gewendet? Dann kam er gleich ans den „unglückseligen Martin Luther" zu reden, der auch so ein Liberaler war und ein Judenknecht... Nach der neuen Geschäftsordnung, Pumpo, hätte er nur in vertraulicher Sitzung über ihn reden dürfen. Da wird es überhaupt nur vertrauliche Sitzungen geben, keine anderen. Denn so oft persönliche Angriffe vorgebracht werden, wird die Sitzung eine vertrauliche werden müssen. Der Landmarschall freut sich schon heute aus die Vertraulichkeiten der Opposition. Warum die Anträge Schneider's nicht sofort zur Abstimmung gebracht wurden, ist mir unerfindlich. Ein Vorsitzender muß Initiative habeil. Er ist der Läuthammel, dem die Anderen folgen. Die Jüdengüter hätten schon längst consiscirt und die Summe für den großen Ofen, System Gotha, bewilligt sein können. Ob der bekannte Klebemann Spitzer-Weimar auch mit verbrannt wird? Zweifellos. Es geht schon in Einem. Mit dem eklen Judenblatt „Reichspost" wird unterzündet. Es ist trocken und gleich Feuer und Flamme. Dem Herrn Ober-Stampiglienrath aber ist die Unsterblichkeit, wie er nur erst gestorben ist, gewiß. Er wird ein Monument bekommen, in Form einer Riesen-Stampiglie, zumindest so hoch wie das Tegetthoff-Denkmal. Sein Ge-