Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 8 (22.2.1895)
- Date
- 1895-02-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3021061-3021070--04309-3028489- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite iss Vrklrrredtzlphr Wochenptzrm Nr. 8 zwecke fructificirt zu haben. Wir gestehen, daß das Maß der sittlichen Entrüstung, deren wir fähig sind, hier nicht ausreicht. E i ch i n g e r war schon abgestrafter Defraudant, ehe er noch das fünfzehnjährige Kind eines Juden bethörte. Er war ein Schurke, als er noch wie der Verfasser des antisemitischen Schaudartikels den Officiersrock getragen Der Ofsiciersstand kann leider das nicht hindern. In diesem Artikel heißt es von dem biederen Stammesgenossen Eichinger: „Vielleicht hatte er sein Weib anders zu beurtheilln gelernt, vielleicht ereignete sich einmal eine häusliche Scene, wo Beide der Hunger plagte und wir sehendas Weib mit kalter Miene vor ihm stehen, wie sie ihm sagte: „Also diese Noth und dieses Elend ist meine Ehe, darum habe ich meine Eltern verlassen?" Kalt und theilnahmslos, wie sie gesprochen, klingen diese Worte an sein Ohr. Er schweigt und faßt den Entschluß, sich die Liebe dieses Weibes, der er Alles geopfert, um jeden Preis zu erhalten, und wird Betrüger,Dieb und Mörder." Also auf ein bloßes „vielleicht" baut mau die fürchterlichsten Anklagen?! Auf ein vages „vielleicht" macht man den frevelhaften Versuch, die intellectuelle Urheberschaft des Verbrechens auf die Schuldloseste zu überwälzen — weil sie ja nur eine „Jüdin" ist?! Das ist nicht vielleicht eine Schurkerei, sondern ganz g e w i ß. Den Arrtisemiten ist keine Majestät heilig, nicht einmal die des Unglücks. Es fehlt wenig und man wird Rothziegel für das Verbrechen verantwortlich machen. Ganz gewiß, Rothziegel mit seinemGelde war Schuld daran.Weiter: „Was verlangt so eine Jüdin nicht Alles, namentlich wenn der Gatte eine Standesperson bedeutet. Eine herrschaftliche Wohnung, Dienerschaft, Equipage, Pferde, fürstlichen Schmuck und herzogliche Toiletten. Und was für Vergnügungen ferner diese Damen beanspruchen, Reisen kostspieligster Natur, See- und andere Bäder, Theater und Concerte, Bälle, Sport unterschiedlichster Gattung, Spiel und Alles, was riesige Summen kostet, wollen sie für sich occupiren. — Selbst eine dem niedersten Stande angehörige Jüdin, die, wenn sie seinerzett in ihrer Vaterstadt Przemysl oder Tarnopol mit Hadern und altem Geschirr hausirte (!), will, hat sie auch erst nur in die Residenz hineingeschmeckt, über ihren Stand hinaus, Alles das cultiviren, was sie von ihren besser situirten Glaubensgenofsinnen sieht. Die Jmitationssucht, die Prunkliebe, der orientalische Genußdusel, die angeborne Trägheit, der aller züchtigen Weiblichkeit widersprechende Hang zu einem wollüstigen thatenlosen Dasein sind angeborene Eigenschaften der Töchter Israels, und wenn je das Verbrecherthum eine künstliche Züchtung erfuhr, so waren vorzugsweise die TöchterJsraels die Gärtnerinnen und Pflegerinnen jener verderbenbringenden Bakterienculturen. Vorläufig sei dieser eine fürchterliche Fall ein warnendes rnene tekel für Jeden, welcher sich durch die körperlichen Reize einer Tochter des auserwahlten Volkes bestochen sieht, er überlege und bedenke die Folgen, und wenn er Alles wohl erwogen und überdacht hat, dann heirate er lieber die Tochter eines Zulukaffern, als eine wohlarrondirte Sarah oder Rachel aus dem Stamme Juda." Wir sind durchaus keine Freunde der Mischehen zwischen Ariern und Semiten. Wir haben unsere guten Gründe dafür, daß den Juden in den allermeisten Fällen — seltene Ausnahmen zugestanden — aus der Ehe mit Christen wenig Heil erblühe. Heute mehr als jemals erwächst uns die Pflicht, unseren Stamm rein zu erhaltet: und arisches Pfropfreis nicht auf ihn zu verpflanzen. Dies unser Standpunkt. Dennoch sind wir der Ueberzeugung, daß kein Arensch, der ein fühlendes Herz im Leibe hat, sich einer Regung der Schau: wird erwehren können, wenn ein solches Blatt in Oesterreich gedruckt und gelesen wird. Mit einer Ruchlosigkeit sondergleichen versetze cs dem Unglück seinen Eselstritt mtd versucht es, chm die Würde 511 rauben. Die erschütternde Tragödie der Gattenliebe schleift es durch den Koth seiner eigenen Gesinnung. O Du goldenes Wiener Herz! Dieses Blatt ist nur werth, von denjenigen gelesen zu werden, die sich selbst zu so ruchlosen und schmachvollen Anschauungen bekennen. Vom Jahrmarkt des Lebens. Das Gitterthor des Baron Rothschild. Der Schlossergeselle Julius Winterling war au: 31. Jänner d. I. beim Kunstschlosser Milde auf der Landstraße in Arbeit getreten. Am 7. Februar wurde er entlassen, weil in Erfahrung gebracht wurde, daß er — iiorribile dictu! — Jude ist. Der Zufall, der mitunter seine sehr geistreichen Einfälle hat, fügte es, daß Winterling gerade während der 7 Tage, die er incognito bei Milde arbeiten durfte, an einem prachtvollen Gitterthor beschäftigt war, welches der Baron Rothschild — wenn wir nicht irren auch ein Jude — bestellt hatte. Wir vermissen in dem Antisemitismus der Firma Milde mit Bedauern die Conseqnenz. Wenn sie nur jüdische Arbeiter principiell zurückweist, so ist das nicht genug. Sie sollte unbedingt auch von den Auftraggebern die Vorweisimg des Taufscheines verlangen und Bestellungen von Semiten mit Entschiedenheit zurückweisen. Ein jüdischer Handwerker, und wäre es der geschickteste seines Faches, ist heute übel daran. Der christliche Chef weist ihn von vorneherein ab und oft auch der jüdische. Was soll er thun? Wohin soll er sich wenden? ll. A. w. g. Der Schulchan-Aruch Berganev's Der Schulchan-Aruch des Herrn Vergani ist allgemein wohlbekannt. Er gestattet ihm jede Lüge und allen Betrug, er gestattet chm, Pauschalien und in Jnseratenscheinen eingewickelte Bestechungen im Verlaufe von vier Jahren von jüdischen Banken und Actiengesellschasten über 22.000 fl. einzustecken und dabei der: Anti-Corruptionisten zu spielen. Sein Schulchan-Aruch ist bekannt geworden durch die Vorgänge im Gerichtssaal und durch die Pnblicationen des Herrn Georg S ch ö n e r e r. Hinterlist und Treubruch, begangen gegen seine ehemaligen Gönner und Beschützer, machten ihn zum prädestinirten Apostel der „Deutschen Treue". Herr Vergani haßt daher nichts so sehr, als den Schulchan-Aruch der Juden. lieber seinen eigenen Schulchan- Aruch bewahrt er Stillschweigen. In der Abendausgabe vom Samstag ben 10. Februar bringt der V e r g a u e v an leitender Stelle eine Sensations-Meldung aus Breslau, wonach bei einer dortigen Strafverhandlung gegen die „Deutsche Ostwacht" ganz abstruse und unmoralische Dinge über den Schulchan-Aruch an den Tag gekommen wären. B e r g a n e v beglückwünscht die B r e s laue r „Deutsche Ostwacht" zu ihrem großen Triumph bei diesem Proceß. Berganev läßt sich an den Wiener Lügen nicht genügen und bestellt sich solche auch aus Breslau, lieber die dortige Gerichtsverhandlung liegt nachstehende Meldung' vor: Breslau, 14. Februar. Wegen Beschimpfung der Angehörigen der jüdischen Religion, verübt durch die Beilage des belannten „Die Wahrheit über das Judenthum" betitelten, von Fritsch-Leipzig Unterzeichneten Flugblattes, welches gleichzeitig mit der am 10. Februar vorigen Jahres erschienenen Nummer der .Ostwacht" ausgegeben wurde, war gegen den früheren verantwortlichen Redacteur dieses Blattes. Hugo Kretschmer, Strafantrag gestellt worden. Die heute von der ersten Strafkammer des hiesigen Landgerichts angesetzte Verhandlung wurde jedoch vertagt, da sich der Gerichtshof dem Anträge des Vertreters der Staatsanwaltschaft aus Vorladung des ersten hiesigen jüdischen Cultusbeamten zur Vernehmung als zweiter Sachverständiger anschloß. Als Sachverständiger war im heutigen Termine PrivatdocentDr. Beer und als Bertheidiger Rechtsanwalt Dr. Arndt aus Liegnitz anwesend. Welchen Trimnph aber die „Deutsche Ostwacht" in B r e s l a u gefeiert hat, ergibt sich aus einer zweiten Meldung ans Breslau, datirt am Tage nach der Gerichtsverhandlung. Die „Deutsche Ostwacht" stellt mit dem heutigen Tage, dem 15. Februar, ihr Erscheinen ein. An Stelle der Local-Beilage, welche regelmäßig dem Abklatsch der in Dresden erscheinenden antisemitischen „Deutschen Wacht" beigefügt wurde, findet man ein fliegendes Blatt, in dem mit kurzen Worten mitgetheilt wird, daß „die Zahl der Opferwilligen, die sich die Erhaltung der Zeitung zum Ziel gesetzt hatten, zu klein und ihre Kr"ft zu gering war". Den Schluß bildet, charakteristisch genug, eine Berichtigung auf Grund des Preßgesetzes.