Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 7 (15.2.1895)
- Date
- 1895-02-15
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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U-J.'AL. EBÄSHSJ»yfe!.-c3ffiEE5535!5!!l5^5!!^5SSi£^!®! Seite 136 Vestrrrektzisttzr Wochenschrist Nr. 7 an ihm einen seiner pflichteifrigsten Beamten, seine College« I ihren besten und uneigennützigsten Freund und die leidenden Armen unserer Stadt einen warmen Vertreter ihrer Interessen. : Daß das hiesige israelitische Spital in einer verhältnißmäßig j kurzen Zeit eine Musteranstalt genannt werden kann, war ausschließlich sein Verdienst und wurde dies auch von. Sr. Excellenz Herrn Statthalter Badeni bei seiner Anwesenheit in Sambo r rühmlichst hervorgehoben. Der vom Verstorbenen ins Leben gerufene Verein „P oale Zedükü" hat den Zweck, unbemittelten Mitgliedern desselben und deren Hinterbliebenen durch reichliche Unterstützung eine Existenz zu gründen: wiewohl die Mitglnderbeiträge blos 13 kr. per Monat aüsmachen, hat dieser Verein schon viel Gutes gestiftet. Das Leichenbegängniß gestaltete sich zu einer äußerst imposanten Trauerkundgebung, an der die Bevölkerung unserer Stadt zahlreich theilnahm. 8. W. Krakau, den 11. Februar 1895. Im Verein „Libanon" wurden gewählt: Dr. Frühling, Präses, Dr. Bader, Bicepräses, Drd. Szamed, Secretär für die Landessprache, Julius Schönwetter, Secretär für die hebräische Sprache, S. Pelz, Caflier, Sind. med. Ramer, Vereinswirth, Doctor Pflugeisen, Bibliothekar. Als AusschußmitgliederdieHerren: Drd. Lehrsreund, B. Spira, stud. jor. Goldwasser, stnd. jor. Atlas, Bravmann, Binkmann, Bertreter, Halpern, Teitelbaum, Margulics. Wagftadt, 3. Februar. Der für die israelitische Eultusgemeinde W a g st a d t neubestellte Rabbiner Se. Ehrwürden Herr Dr. Max Schornstein aus T a ch a u, hat gestern den 2. Februar sein Amt als Rabbiner angetreten. Nachdem derselbe vom Vorsteher-Stellvertreter und dem Beihausverwalter in die Synagoge eingeholt worden, hielt der Vorsteher Herr Sigmund M a rk u s eine die Wichtigkeit und Bedeutung des Tages hervorhebende Ansprache an den Herrn Rabbiner, in welcher er besonders den großen Einfluß der seelsorglichen Thätigkeit auf das Gedeihen und den Frieden der Gemeinde hinwies. Nach Vorlesung des Wochenabschnittes hielt Se. Ehrwürden eine großangelegte Antrittsrede, die tiestn Eindruck machte. Nach beendetem Gottesdienste begrüßte noch eine Schülerin im Namen sämmtlicher Schüler den Herrn Rabbiner unter Ueberreichung eines Bouquets, worauf Se. Ehrwürden mit einigen Worten erwiderte. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde wurde aus Anlaß der Amtseinführung des Herrn Rabbiners seitens vieler Cultusgemeinden auf das Herzlichste beglückwünscht. Budapest, 4. Februar. Herr Dr. F. W i t t m a n n ist zum ordentlichen Professor am hiesigen Josephs-Polytechnikum ernannt worden. Die hiesige Universität beantragte die Ernennung der Augenärzte Goldzieher, Szily und Feuer zu außerordentlichen Professoren. Herrn Oberstaatsanwalt Otto Spitzer, einem Sohne des Oberrabbiners Spitzer in Esseg, sowie seinen gesetzlichen Nachkommen wurde der ungarische Adel mit dem Prädicat „Jloci" taxfrei verliehen. Prag. (Literarisches.) Professor Dr. Jul. F ürst, ein rühmlichst bekannter Orientalist in Leipzig, hat die Bibel in vorzüglicher Weise übersetzt und hiezu auf Grund der neuesten Forschungen einen gediegnen, reichhaltigen Commentar verfaßt. Hievon sind 5 Bücher Moses mit 223 schönen Illustrationen bei der Verlagsbuchhandlung Jacob W. Pascheles, Prag, erschienen. Trotzdem dieses inhaltsreiche Prachtwerk in einem eleganten Leinwandbande mit Goldprägung ausgegeben wird, ist der Preis derart niedrig (fl. 3.50), daß sich Jedermann dieses vorzügliche Buch anschaffen kann. Koliu. (Vorstands-Ersatzwahlen. — Todesfall.) Zu unserem tiefen Bedauern resignirte nicht allein der Cassier Herr D ub, sondern auch unser Synagogenvorsteher Herr Jacob Goldschmied. Sein hoh.s Alter (82 Jahre) bestimmte ihn, das Amt, welches er durch mehr als 20 Jahre mit aller Hingebung bekleidete, zurückzulegen. Sein Verdienst gebührend zu würdigen, nahm unser Obmann Dr. P o d v i n e c in der Vollversammlung Anlaß und einmüthig gaben die Theilnehmer ihre Zustimmung zu dieser Ehrung. In der darauf erfolgten Wahl wurden die Herren Daniel Schulhof-Kolin, Adolf Glaser-Velim zu Vorstandsmitgliedern gewählt. Aus Meran zurückgekehrt, verschied hier der k. k. Bezirkshauptmannschafts-Commiffär Herr Ludwig Eigel im 40. Lebensjahre. Der Name dieses geschätzten Mannes ist auch weiteren, jüdischen Kreisen nicht unbekannt und Ihre Leser werden, wenn sie an die Crawalle in Kolin zurückdenken, sich gewiß des concilianten, thatkräftigen Beamt n erinnern, dessen energisches Einschreiten viel Unheil verhütet hat. Die Koliner Judenschaft wird dem Dahingeschiedenen stets ein ehrendes Anoenken bewahren. Nch. P. Karlsruhe, 3. Februar. Herrn Stadtrabbiner Dr. Le win in Fr ei bürg ist von Großh. Oberrath der Israeliten aus dem Vermächtnisse der Michel Weil'schen Eheleute in Straßburg. in Würdigung feiner geschichtlichen und apologjschen Schriften ein Preis von 320 Mark zuerkannt worden. Die' in Frage stehenden Schriften sind: „Juden in Freiburg" (1891); „Das Judenthum und die Nichtjuden. Eine Darstellung der Entwicklung und des Lehrinhaltes des Judenthums in seiner universellen Bedeutung" (1891); „Der ewige Jude. Von Alwin Dolfe" (1. u. 2. Aufl. 1891); „Geschichte, Geographie und Reiseliteratur" (in Winter und Wünsch e's „Jüdische Literatur seit Abschluß des Kanons", 1893). Diese Schriften sind sämmtlich im Verlage von Sigmund Meyer in Trier erschienen. Frankfurt a. M. Fräulein Nelly Brüll, die Tochter des sel. Herrn Rabbiners Dr. N Brüll, hat sich mit Herrn Fabriksdirector Sigmund P a 1 t a k in Brünn verlobt. Der kleine Geiger. Es ist schon lange her — damals stand am Himmel meiner Jugend das liebe Sonnenauge meiner Mutter und leuchtete hell und treu und warm. Es war eine kurze, glückliche, schattenlose Zeit. Ach, seitdem das Mutterauge erloschen ist, senkten sich die Uebel tief herab, ich wandle wie im Dämmer und kann den rechten Weg nicht finden. Und versuche ich zuweilen in die Rosenbüsche des Lebens hineinzugreifen, so ziehe ich die Hand leer und blutend zurück. Mit meiner Mutter ist mein Glück gestorben ... Damals lernte ich in dem großen heiligen Buche, woraus die Juden ihr erstes Wissen und ihre letzte Kraft schöpfen. „In sechs Tagen hat Gott die Welt erschaffen." Das hielt ich für keine besondere Leistung, denn meine Welt war eng und klein, und um Verlad zu erschaffen, hätte wahrlich der liebe Gott nicht nöthig gehabt, sechs Tage zu arbeiten. Aus der Bibelschule ging ich täglich zu meinem Freunde Moses, dem Geiger, stieg die steile morsche Treppe, die zu seinem Kämmerchen führte, hinan, setzte mich zu ihm hin und lauschte den wehmüthig süßen Melodien seiner Geige. Obwohl um zehn Jahre älter, war Moses körperlich nicht viel größer als ich, dafür war er aber arm und unglücklich. Ich suchte immer mit großer Vorliebe das Unglück auf und bemühte mich es zu lindern. Nun, das Unglück, welches sonst nicht zu sehr zartfühlend ist, entwickelt mit einemmale ein feines Verständniß für gesellschaftliche Convenienz und macht mir Gegenbesuche ... Ich habe den kleinen Geiger nie lachen gehört, er kannte weder Vater noch Mutter, und fremde Menschen haben es ihn nicht gelehrt. Man lacht auch nicht, wenn man beständig auf der Schattenseite des Lebens mühselig wandern muß. In dem blassen Gesichte meines Freundes glühten schier unheimlich zwei schwarze traurige Augen und auf seinen Lippen wohnte ein schmerzliches Zucken. Den kärglichen Lebensunterhalt gewann er durch Aufspielen bei Hochzeiten, und es lag viel Tragisches darin, daß ein Mensch, der einem zum Tanze ausspielt, nie heiter werden konnte. Eines Tages ging mein Freund zum Lederhändler Ovadia, um sich einen Lederstreifen für Gebetriemen zu kaufen. Der Handel war glücklich beendet und Moses im Begriffe, fortzugehen. Da tritt aus dem Hinterstübchen Bögelchen, die Tochter Ovadia's, in den Laden und bei ihrem Anblick läßt Moses die Gebetriemen fallen. Ist es schon eine Sünde, Gebetriemen fallen zu lassen, so ist es eine noch größere den Blick zu einem schönen Mädchen zu erheben. Und Vögelchen war schön wie die fünfzehn Lenze, die sie zählte, eine herrliche Mädchenknospe, mit Rosenwangen, Kirschenlippen, Beilchenaugen und goldig schimmerndem Haar. Der Geiger bebte, es waren die Schauer der Liebe, das Fieber des Herzens . . . Um jene Zeit durfte man in Verlad nicht lieben, ein Mädchen heiraten, ja, aber es lieben, wäre was Schreckliches gewesen; die Blume durfte nicht bewundert, sie mußte entblättert werden. . . Nach monatelangen Kämpfen faßte sich Moses ein Herz und ging zu Ovadia.