Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 7 (15.2.1895)
- Date
- 1895-02-15
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 7 Vrflrrrrvhtfttzr Wochrnpchrifi Seite 135 Wien. Das Costümkränzchen (ohne Costümzwang) des Leopoldstädter Krankenunterstützungs-Verkiucs „Nächstenliebe^ findet am 23. Februar im Prachlsaale des „Hotel Stefanie" statt. Beginn halb 9 Uhr Abends. Comitelocal: II., Große Pfarrgasse 8 (Caiß L ö w y). Wien. Der Frauen-Wohlthätigkeitsverein für Wieden und Margarethen veranstaltet auch im heurigen Jahre ein Kränzchen, welches am 17. Februar im Saale R o n a ch e r stattfindet. Seitens des Damen- und Herrencomites werden große Vorbereitungen getroffen, um dieses Ballsest, das 15. seit dem Bestände des Vereines, noch animirter als seine Vorgänger zu gestalten. Wien. (Der Talmud-Thora- und Bethaus- Verein, VI, S t u m p e r g a ss e Nr. 42) hielt seine dritte ordentliche Generalversammlung am Sonntag den 10. Februar 1895, präcise iVs Uhr Nachmittags, im Restaurant L ö b l, VI., Kasernengasse Nr. 20. Dem Jahresbericht sür das Verwaltungsjahr 1894 entnehmen wir, daß die Talmud-Thoraschule ungestört, prosperirte und ihre Wirksamkeit täglich mehr sich ausbreitet. Als Vereinsrabbiner functionirt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Samuel Austerlitz und die Einrichtung eines Jugend-Gottesdienstes ist tereits in Aussicht genommen. Der Jahresbericht spricht den Dank aus der isr. Cultusgemeinde, sowie allen Gönnern des Vereines. Der Verein besteht gegenwärtig aus 91 Mitgliedern. Den Gesammteinuahmen pro 1894 im Betrage von fl. 4860 03 stehen Ausgaben von fl. 4107 50 gegenüber. Der Gebahrungsüberschuß stellt sich hiemit auf fl. 752 53. Das Vereinsvermögen beträgt fl. 4967-12 ohne fundus instrnctns. Der Vorstand besteht gegenwärtig aus den Herren: Leopold Werter, Moritz Ungar, D. M a r l e Moritz F e l s e n b u r g, Friedrich F a l k, A. T e w e l e s. Wien. Am 21. v. M. veranstaltete die bekannte Biolinvirtuosin Fräulein Rosa H o ch m a n n im Saale Bösendorfer, wie alljährlich ein selbstständiges Concert. Die junge Meisterin aus der Schule des Herrn Professor Grün spielte das Biolinconcert in D-moll von Wieniawski, Romauce andaiouse und Bolero von Sarasate und Airs hongrois von Ernst und zeichnete sich durch ihren schönen, vollen Ton, die Sicherheit der virtuosen Technik und durch das feurige Temperament besonders aus. Sie wurde nach jedem ihrer Vorträge mit großem Beifall überschüttet und mußte sich zu einigen Zugaben entschließen. Fräulein H o ch m a nn, die bereits eine hervorragende Stellung unter den Künstlern einnimmt, gehört zweifellos zu den ersten Geigerinnen der Gegenwart. Hnbg. Wien. (Akademischer Verein „Gamal a".) Samstag am 16. d. M. findet im Bereinslocale (IX. Mosergaffe 5) ein Bortrag des bekannten, hebräischen Literaten Herrn S. Modlinger über das Thema „Schiller und sein Verhältniß zu den Juden" statt. Der Name des Schriftstellers ist dafür Bürge, daß den Zuhörern eine angenehme, geistige Unterhaltung zutheil werden wird. Gäste herzlichst willkommen. Beginn um 7S7 Uhr Abends. (Jüdisch-akademische Lesehalle.) Für den großen Gründun gscommers im Ballsaale Ronacher» den die Jüdisch - akademische Lesehalle Mittwoch den 27. Februar veranstaltet, gibt sich allenthalben in bürgerlichen nicht minder als in studentischen Kreisen reges Interesse kund, das sich in zahlreichen Zuschriften und Anfragen an die Bereinsleitung äußert. Um nun weiteren Erkundigungen entgegen zu kommen, theilt uns dieJüdisch-akademische Lesehalle mit, daß zu diesem großen studentischen Feste, dessen Beginn auf 8 Uhr Abends angesetzt wurde, Karten nach Maßgabe des noch verfügbaren Vorraths im V ere i n s l o ca l, VIII., A lserstra ße Nr. 55, in den Nachmittagsstunden erhältlich sind. Jede Karte berechtigt nicht nur den Inhaber, sondern auch Mitglieder seiner Familie zum Besuche, indem sür Damen, die dem Commerse beiwohnen wollen, Plätze auf der Galerie des Ronacher- Ballsaales reservirt wurden. In den Pausen wird die Capelle des Infanterie-Regimentes Großherzog von Toscana concertiren. Wien. Montag den 11. d. M. fand in dem prachtvoll beleuchteten Tempel der türkisch, israelitischen Gemeinde anläßlich des Geburtstages des Sullan Abdul Hamid II. ein Festgottesdienst statt.Unter den erschienenen Gästen bemerkten wir Stadtrath Ritter von Goldschmied, Consul Thalberg, mehrere Bezirksvorsteher und Armenräthe des II. Bezirkes, Tempelvorsteher M o i s e s, mehrere Künstler und Musiker. Im Ceremoniensaale versammelte sich der Gemeindevorstand, Präses Marcus M. R u s s o, Vicepräses Sicco L. A d u t t, G. H. Adutt, Sal. Asriel und Rudolf Mazliach, zur Begrüßung des Botschafters und feiner Suite. Präcise V, .12 Uhr erschien Excellenz Galib Bey mit den BotschaftSräthen und Secretären in großer Gala-Uniform und wurde unter Executirung der türkischen Nationalhymne im Tempel geführt. Der Festgottesdienst begann mit „Ma-Towu", von Herrn H. Elias,welcheComposition unter Leitung des tüchtigen Chordirigenten Löwit aufgesührt wurde. Die Rede hielt Rabblner P a p o. Nach derselben nahmen die Vorsteher G. H. Adutt und Rud. Mazliach zwei Thorarollen, wonach Over-Cantor Bauer das Gebet fürden Sultan in äußerst schwungvoller Weise recitirte, worauf die türkische Volkshymne gesungen wurde. Der Botschafter sprach seine besondere Anerkennung für den gelungenen erhebenden Gottesdienst dem Präses ans unb versprach, Sr. Majestät deu Sultan hievon telegraphisch Mittheilung zu machen. Senftenberg, 30. Jänner 1895. Gestern haben wir Frau Anna Weingarten neben ihren Gatten gebettet. Allen Bedürftigen war sie jederzeit eine liebevolle Mutter; sie gab mit vollenHäuden, wo es noth that. IhreGottesfurchtund Frömmigkeit war so wahr und rein, daß ihr greiser Bruder, Ehrwürden Herr Rabbiner K o h n aus Kvniggrätz, in seinem gros.en Schmerze sich gedrungen fühlte, auszurufen: „Tu warst besser, Du warst frömmer als ich!" Du warst mir ein Vorbild'." Einen ttefergreifenden Eindruck machte es auf alle Zuhörer, als derselbe Redner im Namen der Verblichenen ihren die Bahre umstehenden Kindern den Dank aussprach für alle Liebe und Sorgfalt, die sie ihr stets, besonders aber in der Zeit ihrer langjährigen Krankheit entgegenbrachten. — Wenige Tage vor ihrem Tode hatte sie ihn damit beauftragt und so ihre Dankbarkeit über den Tod hinaus zum Ausdrucke gebracht Gesegnet bleibe ihr Andenken! Raab. Für das dem seligen Andenken des Dr. Salamon Rausch bürg gewidmete und am 24- Jänner abgehattene Requiem versandte sowohl der Gemeindevorftand, als auch die „Chewra-Kadischa" Einladungen. Der Tempel war überfüllt. Im Damenschiff bemerkten wir den ganzen Frauenvereins-Ausschuß mit der Präsidentin Frau Sigmund Herzl, der Vicepräfidentin Frau Eulitie R a n s ch b u r g und der Cassierin Frau Dr. Emerich Bszlenyi. Nach Jnlonirung eines ergreifenden Trauerchorals betrat Oberrabbmer Dr. Julius F i f ch e r die Kanzel. Das Publicum lauschte mit Andacht seinen tiefbewegenden Worten. Von dem biographischen Theite wollen wir erwähnen, daß der zur ewigen Ruhe Bestattete am 26. April 1816 in Luze (Böhmen) das Tageslicht erblickte. 13 Jahre alt, verließ er das Elternhaus und ging nach Jenikau, in die Jeschiwa des Aron Kornfeld, wo er 5 Jahre in großer Noth verbrachte. Mit 20 Jahren lernte er die profanen Gegenstände der Volksschule. Im Jahre 1839 kam er nach Nckolsburg zu Reb Nachum Tr e b lisch, von dem er den Chower erhielt. Nun begann er sich mit den Gymnasialgegenständen zu befassen. Mit dem Rabbinerdiplom in der Tasche, setzte er sich nieder, die 6., 7. und 8. Gymnasialclasse im Piseker Lyceum zu absolviren. 1852 besuchte er die Prager Universität. 1854 wurde er zum Rabbiner in Petschau ernannt, wo er sich verheiratete. 1855 wurde er nach Raab berufen, 1858 zum Dr. Phil, an der Gießener Universität promovrrt. In Raab versah er das Seelsorger- und Religionslehreramt vorzüglich. Bon verehrender Liebe und ausgezeichneter Hochachtung begleitet, wurde er 1887 pensionirt. Nun vermochte er sich mit Muße dem rabbinisch-talmudischen Werke zu widmen, an welchem er bis zu seinem am 1. Jänner 1895 eingetretenen Tode arbeitete. Er hinterließ eine hochgebildete Gattin, 5 Söhne und 3 Töchter. Sambor. Sonntag den 29. December v. I. starb hier im Alter von 45 Jahren H. Abraham Meißels, Verwalter des israelitischen Spitals der Ozyas Gotthels'schcn Stiftungen, gewesener Religionslehrer, k. k. gerichtlich beeideter Dolmetsch sür die hebräische Sprache, Präsident des Vereines „Poale Zedvkü" und Gemeinderathsstellvertreter. Der Verstorbene, aus I a r o s l a u gebürtig, war hier 28 Jahre ansässig, erfreute sich der größten Beliebtheit bei allen Schichten der Bevölkerung ohne Unterschied der Conseffion. Er war von seinen Vorgesetzten geachtet, von seinen Untergebenen geliebt und von seinen Collegen geehrt. Das Curatorium der Gotthelf'schen Stiftungen verliert