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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-02-15 · 7 (15.2.1895) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
7 (15.2.1895)
Date
1895-02-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Serte 120 Vrstrrrerrtztptzr rpmtzenptzrtfl •Ji\. 7 söhnung bliesen, nicht verborgen sein. Wenn sie trotzdem noch weiter mit ihm kokettirten, anstatt mit einem entschlossenen Schnitte das Tischtuch entzwei zu schneiden, so bleibt dies Zaudern an ihnen hängen, sie mögen sich drehen und wenden wie sie wollen. - Einem A h l w a r d t gegenüber gab es nur die eine Möglichkeit einer reinlichen Scheidung von dem Augenblick an, wo er seine eigentliche Natur klar enthüllt hatte und im Reichstage einem nationalen Richterspruche erlegen war. Wenn daher jetzt die deutschsociale Reformpartei glauben sollte, daß die nachträgliche Amtsentsetzung Ah lw ard t's ohne Pension rückwirkende moralische Kraft habe und den üblen Eindruck der Eisenacher Capitulation verwischen könne, so irrte sie sich." Das genannte Organ sieht heftige Kämpfe zwischen Ahlwardt und Böckel auf der einen und denen um Liebermann v. Sonnenberg auf der anderen Seite kommen. Der „reine Antisemitismus" werde in der Socialdemokratie enden, und die mit fortgerisienen „besonneneren" Elemente würden wieder Anschluß bei den „Ordnungsparteien" suchen. So urtheilt ein Organ, das den Ruhm für sich in Anspruch nehmen kann, dem „reinen Antisemitismus" in Sachsen die Wege geebnet zu haben. Wir haben dieser Darstellung nichts hinzuzufügen, sie spricht für sich selbst. Dr. Böckel hat übrigens wegen dieses Beschlusses und „wegen der freiheitsfeindlichen Haltung der deutsch-socialen Partei" gleichfalls seinen Austritt angemeldet. Inzwischen haben die feindlichen Brüder in zwei Volksversammlungen sich mit Liebenswürdigkeiten überschüttet und Enthüllungen zum Besten gegeben, die man in den politischen Zeitungen Nachlesen möge. Nochmals die jüdischen Antiquitätenhändler der „Reichspost". Wir haben uns, wie erinnerlich, den Versuch gestattet, das Lügengewebe der „Schmähpost" zu entwirren und die niedrigen Pauschalverdächtigungen des würdigen Blattes als solche zu brandmarken. Das Organ des Spitzer-Weimar frohlockt zwar, daß es noch nicht geklagt wurde — aber was nicht ist, kann ja noch werden. Zur Bekräftigung der alten Lügen werden in Nr. 35 neue producirt. Der Fall, um den es sich handelt, ist uns längst bekannt. Ein hiesiger Geschäftsmann, der einen im Schaufenster eines Concurenten befindlichen Gegenstand skizzirte, wurde irrthümlicherweise für einen der gesuchten — Casseneinbrecher gehalten. Bei dem exact functionirenden Nachrichtendienst des Organs ist es begreiflich, daß es mit den neuesten Neuigkeiten stets 4 Wochen zu spät kommt und sie dann — unrichtig bringt. Es handelte sich gar nicht um die Abzeichnung von Antiquitäten, sondern von modernen Schmuckgegenständen! Die „Reichspost" sagt ja selbst, daß die Angelegenheit in der Genoffenschaft der Juweliere zur Sprache, kommen wird und gibt damit zu. daß sie die Antiquitätenhändler, gegen welche die ganzeHetze gerichtetist, nichts ang eht! Der biedere Täufling fragt mit geheuchelter Entrüstung, ob es statthaft ist, sich theuer bezahlte Modelle Anderer anzueianen"— als ob die „Schmähpost" jemals fremdes, geistiges Eigenthum respectirt hätte und nicht Tag für Tag mit Kleister und Scheere hergestellt würde; Es wäre ungemein empfehlenswerth, wenn sie sich gerade diesmal still, aber schon ganz still verhalten würde. Kauft nur bei Christen. Der Kohlenhändler Carl Fei st l in Hernals setzte kürzlich seine Kundschaften, zumeist wenig bemittelte und arme Leute, mittelst eines gedruckten Circulars in Kenntniß, daß er „so wie alle anderen ehrlichen Kleinkohlenhändler des Bezirkes Hernals" gezwungen fei, mit Rücksicht auf den „unlauteren Concurrenzkampf" den Preis der Kohle zu erhöhen, allein feine Kundschaften werden dabei dennoch besser fahren, denn er gebe ehrliches Gewicht und sei nicht so ein Schwindler wie die anderen Concurrenten, welche den armen Leuten, die sich für ihr Geld so bitter plagen müssen, schlechtes Gewicht geben und sie auf diese Weise betrügen. Dieser „ehrliche" Feistl, ein ausgewachsener Typus antisemitischer Versammlungsgänger, welcher die dort gehörten Phrasen mit papageienartiger Treue wiedergab, stand am letzten Jänner vor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes Hernals unter der Anklage des Betruges, weil er trotz all seiner Ehrlichkeitsbetheuerungen die armen Leute, die bei ihm Kohlen gekauft hatten. im Gewichte verkürzte. Der Anzeige lag ein Exemplar des oben genannten Circulars bei, was den Richter zu der Bemerkung veranlaßte: „Sie nehmen hier Stellung gegen die unehrlichen Kohlenhändler und gehören selbst dazu!" Das Urtheil für den Augeklagten lautete auf acht Tage strengen Arrest. Es sollte uns wundern, wenn F e i st l nach Abbüßung seiner Strafe nicht in irgend einer antisemitischen Versammlung als Eiferer gegen jüdisches Großkapital, „unlauteren Wettbewerb" und die Nachtheile des römischen Rechtes auftreten würde. Antisemitische Ehrenmänner. „Professor F. A. Geißler aus Zittau, ein Mitbegründer und Oberagitator des hiesigen antisem iti sch en R eformver ein es, wird von Innsbruck aus wegen Betrugs steckbrieflich verfolgt Im Anschlüsse an diese Mittheilung hat uns ein Leser unseres Blattes zwei Placate zur Verfügung gestellt, die in der Wagnerischen Universitälsbuckdruckerei in Innsbruck hergestellt sind und auf denen Herr „Prof." F. A. Geißler wie folgt für sich Reclame macht: Kraft'» Keranda Mittwoch, den 6. December und Donnerstag, dnr 6. Decewber Abends 8 Uhr gibt der im In- und Anstande mit dcm größten Erfolg anfgetrctene mehrfach ausgezeichnete Prof. F. A. Geissler königl. Sächsischer und Fürstlich Schwarzbnrgischer Hoskünstler, Inhaber der goldenen Verdienst-Medaille des Königs von Sachsen für Kunst und Wissenschaft, der bedeutendste Gedankenleser der Welt in Krast's Veranda 2 Gastvorstellungen, zu welchen die gebildete Welt hierdurch ganz ergebenst eingeladen wird. Koryphäen der Wissenschaft wie Geheimrath Prof. Dr. E. Häckel in Jena sagt über den Künstler unter Anderem: „Nicht wegzuleugnen ist, daß ans dem Gebiete der experimentellen Physiologie Empiriker Großes zu leisten vermögen. Geißler's gemeinfaßliche Erklärungen geben seinen mit Meisterschaft ausgeführteu Experimenten einen äußerst wohlthuenden Beigeschmack, der für jeden Gebildeten von Interesse ist." Die Darbietungen sind höchst decent, neu, geistig anregend und theilwejse humoristisch gewürzt, sie bieten sowohl für Herren als für Damen eine äußerst angenehme Unterhaltung und haben dem Künstler allerorts den nngetheillesten Beifall eingebracht. Eintriltspreise: I. Platz 1 sl., Vorverkauf £0 kr., II. Platz 60Zr. Vorverkauf 50 kr. Ein Placat dieses Wortlautes ist sowohl in Innsbruck, wie auch in Bozen zur Verwendung gekommen und auf die Anmaßung der hierin enthaltenen Titel u. s. w. dürfte vermuthlich das Einschreiten der Gerichtsbehörden mitbegründet sein. Ob die antisemitischen Freundedes Herrn „Professor" F. A. Geißl er eine derartige Reclame auch für eine schwindelhafte halten und ob sie auch in diesem Vorgehen den Thatbestand eines „unlauteren Wettbewerbes" erblicken, bleibt abzuwarten. Vielleicht gibt jener antisemitische Scribifox, der sich kurz vor Weihnachten in den Spalten des Amtsblattes so sehr über den angeblich „unlauteren Wettbewerb" der „Zittauer Morgen-Zeitung" beklagte, gelegentlich der Mit- und Nachwelt hierüber Auskunft. Dresden, 29. Jännner. Berechtigtes Aufsehen ruft in der Pirnaer Gegend das Verschwinden des ersten Buchhalters der Mühle zu Elbersdorf bei Dürröhrsdorf, Namens F i e tz, hervor. F i e tz, der seit mehreren Jahren in Elbersdorf in Stellung war, entfaltete als Begründer und Vorsitzender des antisemitischen Reform Vereins für Dürröhrsdorf und Umgegend eine eifrige Hetz-Thätigkeit. Wie das Amtsblatt für Dresden, der „Dresdner Anz.", zu melden weiß, ist F i e tz, nachdem er ein erhebliches Cassendeficit zurückgelaffen hat, flüchtig geworden. Antisemitische Dynamitards. Zu Bendorf in Schleswig ersah sich bei dem landesüblichen Neujahrsschießen ein Held die jüdische Synagoge zum Ziele aus. Kurz vor 12 Uhr ertönte ein wahrscheinlich von Dynamit herrührender donnerähnlicher Schall. Als Leute die Straße, in der die Synagoge liegt, betraten, bemerkten sie, daß an allen vier Frontfenstern eine große Anzahl von Scheiben zertrümmert war. Auf die sofort erfolgte Anzeige hin begab

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