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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-02-15 · 7 (15.2.1895) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
7 (15.2.1895)
Date
1895-02-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 7 Drstrrvelchlkche »mtzenptrrM Seile 119 niedrigen und entehren wollen, aber unseren Gerngroß-Mächten sind wir doch noch gewachsen, und es ist schon die höchste Zeit, daß wir sie in das Dunkel, woher sie kamen, zurückorängen. Nächstens werde ich mir erlauben noch eine liebliche Spielart unserer Gerngroße vorzuführen, deren Großthuerei nur im Verachten alles Jüdischen und in der Kriecherei vor allem Nichtjüdischen besteht, sonst aber aller,,Größe" baar sind. — Oh, wir haben von allen Couleuren! Ein russischer Jude. Vom Jahrmarkt des Lebens. „Her mit dem Judengeld". Die von uns bereits gemeldete Ausschließung Ahlwardt's aus der antisemitischen Reichstagssraction und der freiwillige Austritt B ö cke t's haben heftige Auseinandersetzungen unter den deutschen Antisemiten zur Folge, welche ein scharfes und charakteristisches Licht auf all die Ehrenmänner werfen, die an der Spitze der Bewegung stehen. Aus der Erklärung der „deutsch-socialen" Reformpartei geht hervor, daß A h l w a r d l seine Parteigenossen in der schändlichsten Weise betrog und oppositionelle Versammlungen arrangirte, weil der Zulaus zu solchen stärker und daher die Einnahmeaus dem Eintrittsgelde größer war. Die Versammlungen, die sich an den Ausschluß Ahlwardt's knüpfen, nehmen einen höchst ergötzlichen Verlauf. Die erste, welche von Ahlwardt und Böckel einberusen wurde, brachte die Aufklärung, daß die beiden edlen B.üder bisher vom Ertrage der Volksversammlungen ihr Dasein fristeten, -cun soll eine eigene Zeitung gegründet werden und Herr Ahlwardt erklärte wörtlich: „Die Zeitung soll die materielle Grundlage, die Erwerbsstelle für uns sein, damit wir nicht mehr auf die Erträge aus den Vorträgen angewiesen sind." Gegen dieses journalistische Concurrenzproject setzte sich der Redacteur der antisemitischen „Staatsbürgerzeitung", Herr Wilberg, welcher eben erst vom Düsseldorfer Landgerichte zu einer vierwöchentlichen Gesäugnißstrafe verurtheilt wurde, verzweifelt zur Wehre. Als man ihm zuries, daß die „Staatsbürgerzeitung" Annoncen von Juden aufnehme, antwortete er: „Daß die „Staatsbürgerzeitung" von den Juden Annoncen ausnehme, könne man ihr nicht verdenken. Bon den Antisemiten bekommt sie doch keine Annoncen. Die Leser der „Staatsbürgerzeitung" werden trotz aller Annoncen nicht bei Juden kaufen. Wenn die Juden so dumm sind und in d er „St aa ts b ü r g e rzeitung" annonciren, so sage ich: „Her mit dem Judengeld, dadurch wird die antisemitische Bewegung unterstützt." Her mit dem Judengeld! — Das ist der Grundkern der antisemitischen Theorien und der antisemitischen Praxis. Die Beraubung der Juden predigen Schneider und Ahlwardt und in der journalistischen Abzapfung der Juden üben sich V e r g a n i und Wilberg. Und chatsächlich sind es bedeutende Summen südischen Geldes, durch welche in Oesterreich wie in Deutschland die antisemitische Bewegung gefördert wird. Wir haben erst unlängst erzählt, wie die Gesellschaft der Aerzte den Juden gegenüber eine freundliche Miene aufsteckte, solange sie deren Geld für den Bau ihres V reinshauses brauchte, und wie sie jetzt die Maske fallen läßt. So geht es in vielen anderen Fällen. Zu allen christlichen und interconfessionellen Humanitätsinstituten steuern die Juden reiche Beiträge bei, ja es gibt viele solcher Anstalten, welche fast ausschließlich von jüdischem Gelde erhalten werden. Und der Lohn? Da hat sich eine höchst charkteriftische Episode abgespielt. Herr Paul-Schiff, der Shw'.egersohn des verstorbenen Baron Königswarte r, hat eine Reihe van interconfessionellen Wohlthätigkeitsanstalten mit namhaften Spenden bedacht, darunter auch den Verein für Feriencolonien mit dem Betrage von 20.000 fl. Als man ihn fragte, warum die jüdischen Institute leer ausgingen, erklärte er, ein entschiedener Gegner des Separatismus zu sein, man müsse dahin wirken, daß C)risten .und Juden einträchtig Zusammenwirken. Nach einiger Zeit erbat ein Freund des Herrn Paul-Schiff dessen Verwendung bei dem Vereine für Feriencolonien zu Gunsten eines armen jüdischen Knaben. Herr Paul-Schiff schrieb eine Empfehlungskarte an den Bereinsoorstand, dieser verzögerte jedoch unter allerlei Borwänden die Aufnahme. Endlich inlervenirte Herr Paul-Schiff persönlich; auch ihm gegenüber gab es allerlei verlegene Ausflüchte, bis man endlich rundheraus erklärte, der Verein nehme keine jüdischen Kinder auf, da es ja einen eigenen, jüdischen Verein für Ferieucolonien gebe. Das Judengeld hat man genommen und nun segelt man mit demselben lustig im antisemitischen Fahrwasser! Und so geht es in hundert- und tausendfältigen Beziehungen. Der antisemitische Redacteur Wilberg hat einen höchst treffenden Beitrag zur Psychologie des Judenthums geliefert, als er sagte: „Her mit dem Judengeld, dadurch wird die antisemitische Bewegung unterstützt!" Die Fanatiker der Assimilationstheorie aber mögen doch endlich die unangenehmen Erfahrungen, die sie auf Schritt u id Tritt machen niüssen, beherzigen. Die gesellschaftliche Excludirung der Juden macht rapide Fortschritte, aber die Erfolge der Gegner wären unmöglich, wenn nicht die Juden selbst in unbegreiflicher Verblendung die Kciegscassen ihrer Feinde füllen würden. Zu Ahlwardt's Ausschluß aus der antisemitischen Fraction des Reichstages bemerken die „Dresdener Nachrichten", die den Rector a. D. vor noch gar nicht langer Zeit als den besten Vorkämpfer gegen das Judenthum gefeiert hatten, in ihrem eigenthümlichen Jargon Folgendes: „Er ging davon, entschwand, riß aus, machte sich dünne, wurde hinausgeschmissen," sagte Cicero in klassischem Latein anno 62 v. Chr. von einem Manne, der wegen seines nicht gerade yentlemanliken Verhaltens von allen Römern längst in den Ockus hinein verwünscht worden war. Das ciceronianische Wort findet eine prächtige Auffrischung im Jahre des Heiles 1895 angesichts der Thatsache, daß der Prometheus des radicalen Antisemitismus, der vas Feuer einer dämonischen Demagogie als die vorgeblich reine Flamme der Begeisterung unter die Massen trug, von seinem Schicksal ereilt worden ist. Bon seinem Schicksal, d. h. er ist einfach vor die Thür des Hauses gesetzt worden, an dem er eine Art von Obereigenthum beanspruchte, während seine Mi.bewohner besser zu fahren glaubten, wenn sie der nimmersatten Begehrlichkeit ihres bisherigen Primas baar und ledig würden, Herr Ahlwardt befindet sich thatsächlich „draußen". Man traut eigentlich seinen Augen nicht, wenn man das liest. Sind doch die schönen Tage vom Eisenacher Aranjuez noch in zu frischer Erinnerung, als daß man hätte erwarten dürfen, der einheitliche „Aufschwung" der radical-antisemitischen Bewegung werde so bald einen „Ausschwung" zur Folge haken. Man mußte sich also darauf gefaßt machen, zu hören, daß Herr Ahlwardt neuerdings wieder etwas ganz besonders Schwerwiegendes ausgefressen habe. In dem vorläufigen Pronunciamento, das von der Partei erlaffen worden ist, heißt es aber blos: „Die Fraction sah sich zu ihrem Vorgehen bestimmt durch das eigenthümliche, mit der Wahrheit in schroffem Widerspruch stehende Verhalten des Abgeordneten Ahlwardt, der es fertig brachte, in Baiern Reden zu halten, die mit den Grundsätzen der deutschsocialen Reformpartei unvereinbar sind, diese Reden sodann vor der Fraction verleugnete und auch eine entsprechende, genau gefaßte Erklärung unbedenklich unterschrieb, aber schon am nächsten Tage mit allerhand leeren Ausflüchten abstritt und wirkungslos zu machen suchte." „Aber nanu!" möchte man da ausrufen. Wenn es weiter nichts ist als das bischen unbezähmbare Wahrheitsliebe auf Herrn A h l w ar d t's Seite, das den Stein des Anstoßes abgegeben hat, — das wußten die Herren doch nicht erst seit gestern oder hätten es, um mit den Worten der Umsturzvorlage zu reden, doch wenigstens wissen müssen. Die plötzliche verspätete Wissenschaft macht sich mindestens etwas eigenthümlich und regt zu allerlei interessanten Betrachtungen an über die Verschiedenheit des Maßstabes, den die Gesinnungsgenossen des Herrn Ah lwa rdt bei der Beurtheilung seiner Handlungen vordem anzulegen beliebten und den sie jetzt mit einem Mal aus irgend einem vergessenen Winkel ihrer moralischen Rumpelkammer hervorgeholt haben. Weß Geistes Kind Herr Ahlwardt ist, das! konnte den Männern, die in Eisenach die Posaune der Ber-

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