Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 7 (15.2.1895)
- Date
- 1895-02-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 7 Sette 118 welche, als Abkürzung, die allbekannte Eulogie für Verstorbene „Sichrono Pchaje haolam habbah“ enthalten, in einer Weise, wie sie noch nie Jemand gedeutet hat, was um so unverzeihlicher ist, als er sich bei Zunz „Zur Geschichte und Literatur" die nöthige Belehrung hätte holen können. In einer Wormser Grabschrist wird aus „Buonafiglia" durch falsche Lesung in urkomischer Weise „Bath Eppele, diminutif de Apfel (pomme)"!! her aus gezaubert, was wiederum um so unverzeihlicher ist, als bereits in Lewysohn's 1855 veröffentlichten Epitaphien aus Worms das Richtige zu lesen war. „Aber ich frage," sagt Kaufmann mit vollem Recht, „ob wohl eine christliche Inschrift der Rheinlande als neu und unbekannt veröffentlicht werden würde, ohne beiF.X. Kraus sie ausgesucht zu haben, oder ob ein christlicher Sarkophag aus Gallien beschrieben werden dürfte, ohne Le Blanc zu Rathe gezogen zu haben? Nur jüdischer Fleiß darf ungestraft verachtet, jüdische Literatur einfach übersehen werden. Heißt das aber wirklich ungestraft, wenn Tochter Eppele der Rathlosigkeit ob des einfachen Namens Buonastglia als Muse der Epigraphik zu Hilfe kommt! " Leider ist es unmöglich, all die groben Verstöße, die Kaufmann auszählt, an diesem Orte weiter zu verfolgen: wir müssen Jeden, der sich dafür interessirt, auf den Artikel, der übrigens auch im Separatabdruck erschienen ist, verweisen. Nur die trefflichen Schlußworte, mit denen Kaufmann seinen Artikel beendigt, sollen hier weiteren Kreisen so zugänglich gemacht lverden, wie sie es verdienen. „So haben sich diese Documente arabischer und hebräischer Paläographie unversehens zu Documenten darüber verwandelt, was Alles auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft möglich, man möchte sagen: universitätsfähig ist. Mit Schrecken muß man daran denken, was aus der jüdischen Literatur, wenn nicht zufällig, ohne Verschulden der christlichen Civilisation, die Juden noch auf der Welt wären, Unter der Hand solcher Schriftgelehrter und Zeichendeuter an Aberwitz und Unsinnigkeit herausgelesen würde, ohne daß Jemand da wäre, der dawider, und sei er auch nur ein Rufer in der Wüste, Zeugniß ablegte! Ich weiß sehr wohl, daß die Universitäten ihre Namen ursprünglich nur der Gesammtheit der Landsmann- oder Burschenschaften verdanken, die sich auf ihrem Gebiete zusammengefunden hatten, aber dem Ideale, das wir heute mit dem Begriff der umversitae Uteraruw verbinden, entspricht durchaus die Forderung, daß es zwischen Himmel und Erde keine Frage gebe, über die nicht ein Mitglied wenigstens dieser Körperschaft spruchbefugt zu urtheilen im Stande wäre. Und nur das Schriftthum und die Geschichte einer Gesammtheit, die alle monotheistischen Religionen dieser Erde aus ihrem Schoße entlassen hat, in deren Boden die heiligsten Begriffe der Menschheit wurzeln und alle Ströme entspringen, die heute noch die Mühlen aller theologischen Facultäten treiben, sollen vor der Thüre bleiben, wo in den Palast der Erkenntniß der letzte und jüngste Ausläufer der Natur- und Geisteswiffenschaften Einlaß heischt und findet!. . .. Das Vorurtheil, als ob man mit der sogenannten Kenntniß des Alten Testaments auch die Befugniß erworben habe, in jüdischen Dingen mitzureden, muß einfach weggeraumt werden. Man kann in beiden Testamenten Bescheid wissen und doch behaupten, wie es in unseren Documenten geschieht (p. 12), daß die Juden für Testament kein hebräisches Wort haben. Aller grammatische Tiefblick und alle historische Schulung hat Ewald nicht in den Stand gesetzt, ein Stück aus der Abendliturgie des jüdischen Hültenfestes zu erkennen und vor barer Lächerlichkeit sich zu bewahren. Das Quellenscheiden und Herumdoctern an dem geduldigen Bibelwort befähigt auch nicht einmal zur Beurtheilung des letzten Trümmers jüdischer Literatur. Man kann jedem Bibelverse anriechen zu können vermeinen, nach welcher Quelle er schmeckt und ihn in Formeln fasten, die eher dem Ammoniak in der Sprache der Chemie als einem Stück der heiligen Schrift ähnlich sehen, und vor einer Zeile urhebräischen Sprachguts in die kläglichste Rathlosigkeit und jämmerlichste Verzweiflung stürzen. Paul deLagarde hat die Namen der Psalmisten aus dem Psalter heraushören wollen; wie weit seine sprachliche Vorbereitung gereicht hat, das hat ihm sicher zu seiner eigenen Verblüffung das erste beste Piusstück gezeigt. Es gehört eben niehr dazu, als hebräische Charaktere nachmalen zu können, um einen jüdischen Text, ohne sich die ärgerlichsten Blößen zu geben, zuverlässig auszulegen. Es gibt im ganzen Bereiche der Wiffenschaft kein Gebiet, in dem so belustigende und doch wieder so betrübende und das Ansehen ernster Forschung herabsetzende Jrrthümer an der Tagesordnung wären, wie das unsere. Aber man wähne nicht, daß es ja vergleichsweise unschuldige Fehler seien, kleine Harmlosigkeiten, welche die Unkenntniß auf diesem Gebiete zeitige. Immer gebieterischer macht die Wahrheit sich vernehmbar, daß das Neue Testament ohne die Kenntniß des jüdischen Mutterbodens, auf dem es erwachsen ist, ein Buch mit sieben Siegeln ist. Aber nicht nur für bas Verständniß dieses Schriftwerkes und des Urchristenthums, sondern bis tief hinein in die Entwicklung dieser weltgeschichtlichen Erscheinung, der Kirche, ihrer Väter und Lehrer, bietet das Judenthum sich als Führer und Fackel an. Wie soll eine wirkliche und zuverlässige Erkenntniß dieser Quellen angebahnt werden, so lange Mißverständnisse so craster und unglaublicher Art möglich sind, wie es das zweifelhafte Vorrecht dieser Wissenschaft ist. Die jüdische Wiffenschaft ist keineswegs Arcandisciplin. Keine von allen kann ein vitaleres Jntereffe an ihrer möglichsten Verbreitung und Oeffentlichkeit haben; hier ist Wiffen nicht nur Macht, sondern Leben. Jeder Fußbreit, um den ihre Pflege zunimmt, ist dem Vorurtheil abgerungen und eine Stufe näher zur Anerkennung. Der Menschengeift meistert entlegenere und abstrusere Gebiete als dieses, aber nur aus der Liebe wird die Erkenntniß geboren, nur dem Ackersmann, der vertrauensvoll und freudig den Samen in die Furchen streut, erschließt sich entgegenkommend des Bodens nahrungspendende Kraft. Niemand kann dem Gaste, der Belehrung suchend bei ihr eintritt, williger entgegensehen, als die so wenig verwöhnte, in der Schule der Entbehrung und Ungunst groß gewordene jüdische Wissenschaft. Aber unwürdig und heuchlerisch wäre es, Dankbarkeit zu zeigen, wo Schmalhans den Küchenmeister spielen und, der noch lernen sollte, den Lehrstuhl besteigen will. Schon haben Universitäten wie Oxford und Cambridge die jüdische Wiffenschaft in ihren Kreis aufgenommen und ernstlich dafür Sorge zu tragen angefangen, daß an ihnen auch Gelegenheit zur Vertiefung und zum Eindringen in dieses Gebiet geboten werde. Das Beispiel muß allgemeine Nachfolge finden, wenn nicht die Arbeit ernster Forscher ein Spott und selbst ihr redliches Bemühen zum Hohn werden soll, weil sie nicht gelernt haben, Forderungen, deren Befriedigung zum ABC in allen Wiffenschaiten gehört, auch nur in's Auge zu faffen, und Unwissenheit in jüdischen Dingen schon Wiffen genug ist." H a m m e rs ch l a g. Von dem Verfaffer des vorstehenden Artikels erhalten wir gleichzeitig folgende Zuschrift: Geehrter Herr Redacteur! Ich ersuche Sie, in der nächsten Nummer Ihrer Zeitschrift constatiren zu wollen, daß ich nicht der Verfasser des in dem letzten Blatte unter der Aufschrift „Unsere Großen" erschienenen, mit H. gezeichneten Artikels bin und daß ich alle meine bei Ihnen bisher veröffentlichten Aufsätze mit meinem vollen Namen oder mit der abgekürzten Chiffre „Hschlg." unterschrieben habe.*) Achtungsvoll S. Hammerschlag. •) Geschieht hiemil. Die Redactton-