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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-02-15 · 7 (15.2.1895) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
7 (15.2.1895)
Date
1895-02-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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- > : Seite 114 Westrrrrtchlptzr VochrnptzrM _Nr. 7 „Neben sich an Tafel sitzen Mil viel Ceremonien;*) Will von ihnen tausend Goldstück Auf die Sicherheit von zweien Großen Kisten, angefüllet Mit all' seinem Silberwerk. Jedoch unter der Bedingung, Nicht vor Jahresfrist die Kisten Zu eröffnen, und nur dann erst Sich zu Hallen an den Inhalt Wenn er sie nicht ausgelöst." Die Juden gaben ihm die lausend Goldstücke und nahmen im Vertrauen aufdesienEhrlichkeituneröffnetdiezweiKisten als Pfand, in denen sich aber nichts als Sand befand. Lange Zeit hernach, nachdem der Cid durch Eroberungen und Beutejäger im Lande der Mohammedaner reich geworden, erinnerte er sich an sein Pfand bei den „braven Juden Raquel und Bidos", schickte ihnen durch einen Freund das entliehene Geld mit den Zinsen und ließ sie um Entschuldigung der Täuschung bitten, der er sich, von Roth getrieben, schuldig gemacht hatte.* 2) Was wäre geschehen, wenn er kein Geld gefunden hätte? Die Juden stellten die uneröffneten Kisten zurück, und eine von ihnen ward nebst dem Schild und Kreuz des Cid im Benedictinerkloster San Pedro de Cartagena aufbewahrt, als heilige Reliquie des Natronalhelden und, dürfen wir hinzusetzen, als Denkmal arischen Geschäftsgeistes und jüdischen Vertrauens. M. Die Vertretung der jüdischen Wissenschaft an den Universitäten. Unter diesem Titel hat Herr Professor Kaufmann in Pest im Jännerhefte der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums" einen Artikel veröffentlicht, der auch außerhalb der wissenschaftlichen Kreise Beachtung verdient, und zwar, abgesehen von seinem Inhalte, schon aus persönlichen Gründen. Herr Professor Kaufmann gehört nämlich zu den leider immer seltener werdenden Männern, die noch einer sittlichen Entrüstung fähig sind, und ist andererseits durch seine Geltung in der Gelehrtenwelt auch im Stande, ihr in wirkungsvoller Weise Ausdruck zu geben. So ist er vor mehreren Jahren auf dem Kampfplatze erschienen, als der seitdem verstorbene Göttinger Professor de Lagarde aus nichtiger Veranlassung dem seligen Z u n z grundlosen ungerechtfertigten Tadel und maßlosen Schimpf ins Grab nachsandte, und dabei, bezeichnend genug, seine schülerhafte Kenntniß auf dem Gebiete, das Zunz als Meister beherrscht hatte, in verblüffender Weise documentirte Trotzdem der letzterwähnte Umstand die Abwehr geradezu herausforderte, hüllten sih doch merkwürdiger Weise die Berliner Freunde des so schmählich Angegriffenen in tiefes Schweigen; keiner hatte den Muth, die schwere Unbill, die einem unserer besten Männer und dem Judenthume im Allgemeinen angethan worden war, auch nur mit einem Worte zu rügen. Dr. B e r l i n e r, der damals eine Broschüre gegen de Lagarde schrieb, that dies nur zur Abwehr der gegen ihn und seine Targum-Ausgabe gerichteten Angriffe desselben; die Schmähungen gegen Zunz erwähnte er kaum Da erhob sich Kaufmann, und wies in einer Schrift, die bei aller Schärfe der Polemik doch zugleich durch die Würde der Haltung und die Wärme des Tones jeden Unbefangenen überaus sympathisch berühren mußte, in unwiderleglicher Weise nach, wie wenig de Lagarde, obwohl auf seinem speciellen Gebiete eine Autorität ersten Ranges, befähigt und berechtigt war, über den Gegenstand der Polemik, die liturgische Poesie der Juden, ein Urtheil abzugeben. Professor Kaufmann war damals Mitarbeiter der „Göttinger gelehrten Anzeigen". Nun muß man wissen, was es für einen arbeitsfreudigen Gelehrten bedeutet, ein so hochangesehenes und mit dem Raume nicht geizendes Blatt zu seiner Verfügung zu haben, um es ganz würdigen zu können, daß er keinen Augen¬ *) Con amigables caricias heißt es in der alten Romanze. 2) Y rogadles de mi parte que me quievan perdonar, que con acuita Io fice de mi gran necesidad. blick zögerte, seiner verletzten Empfindung Ausdruck zu geben, und die Angriffe des Göttinger Professors zurückzuweisen, obwohl er wissen mußte, daß er dadurch den Zutritt zu dem genannten Organe sich für immer versperre. Mit demselben Muthe und ebenso sieghaft tritt er nun in dem eingangs erwähnten Artikel gegen Professor Merx in die Schranken. Dieser auf seinem Gebiete sehr bedeutende und angesehene Gelehrte hat unter dem Stitet „documents de paleographie hebraique et arabe" eine Schrift veröffentlicht, in der er drei aus den Jahren 1115, 1127 und 1164 stammende Urkunden des rabbinischen Gerichtshofes in Alt- Kairo und außerdem Grabschriften aus Worms und Mainz in photographischer Nachbildung mittheilt und übersetzt. Nun ist gerade auf diesem Gebiete in neuerer Zeit zahlreiches Material herbeigeschafft worden und Professor Kaufmann kann eine ganz stattliche Reihe von Publicationen rabbinischer Rechtsurkunden aufzählen, die uns in den Stand setzen, „gewissermaßen das Formelbuch der rabbinischen Kanzleien in seiner Entwicklung und Stetigkeit durch die Jahrhunderte zu verfolgen". „Aber", so fährt Kaufmann fort, „so vortheilhaft das Bild sein mag, das dieser flüchtige Ueberblick von dem stillen und ergebnißreichen Fleiße der ohne die Gunst der Mächtigen und ohne das Geld der Staaten arbeitenden jüdischen Wissenschaft auf dem kleinsten ihrer Felder zu bieten geeignet ist, so schmerzlich ist auf der anderen Seite die Wahrnehmung, daß der Liebe Mühe vergeblich ist, daß diese hingebungsvolle Arbeit gewissermaßen mit Ausschluß der Oeffentlichkeit geschieht, und die Universitas literaruw für diese ihre vollberechtigte Pflanzung nicht schützendes Obdach, sondern nur erdrückenden und ertödtenden Schatten hat. Während sonst auf allen Gebieten die Kenntniß der Vorarbeiten zum unerläßlichen und selbstverständlichen Rüstzeug der Forschung gehört, herrscht bei Fragen, die Judenthum und jüdisches Schriftthiim betreffen, Voraussetzungslosigkeit. Hier beginnt mit jedem Professor die Welt von Neuem; in diesem unwegsamen Dickicht gibt es keine Vorgänger; die Arbeit der Jahrtausende, die ein ganzes Volk für seine Literatur in beispielloser Hingebung geleistet hat, wird in den Wind geschlagen, als käme es nur darauf an, daß Jeder sich da auf eigene Faust lächerlich mache und die Aera der Unwissenheit stets von Neuem gezählt werde. Sonst verschmäht man es nicht, zu den Beduinen in die Wüste oder an den Ganges, zu den Parsis und zu den weltverlorenen Brahminen zu pilgern, um für entlegene Wissensgebiete sich Aufklärung zu holen, aber den nächsten Hebräer um Aufschluß über die von ihm immer noch einzig und allein beherrschte rabbinische Literatur zu befragen, fällt den Meistern vom Stuhl, die über solche Fragen sich zu offenbaren Vorhaben, in neuerer Zeit noch immer nicht ein. Einst hat hier größere Selbsterkenntniß und Bescheidenheit gewaltet. Von den Kirchenvätern und ihren Hausjuden, von den Cardinälen und Lehrern der Renaissance und ihren jüdischen Freunden zu schweigen, wie hat sich noch Buxtorf der Aeltere um einen jüdischen Lehrer bemüht, und wie beflissen ist ein Mann wie Wagenseil, wie heute noch sein Briefwechsel beweist, all den jüdischen Männlein und Weiblein nachgegangen, von denen er sich einen Funken von Belehrung in jüdischen Dingen versprach!" Daß Herr Professor Merx dieses Beispiel nicht befolgt hat, ist verhängnißvoll für ihn geworden. Kaufmann weist ihm nach, daß ihm selbst die elementarsten Borkenntnisse auf dem Gebiete, auf das er sich unvorsichtiger Weise gewagt hat, fehlen. Die Formeln und technischen Ausdrücke, die in rabbinischen Rechtsurkunden gebräuchlich und jedem jüdischen Gelehrten geläustg sind, sind Her-rn Prof. Merx vollkommen unbekannt und in Folge dessen fördert er die abenteuerlichsten Lesarten und ganz monströse Auslegungen zu Tage. Ja selbst die einfachsten, auch dem ungelehrten Juden durch ihr häufiges Vorkommen geläufigen Abbreviaturen ver- * steht er nicht richtig zu deuten. So erklärt er die Buchstaben

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