Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 6 (8.2.1895)
- Date
- 1895-02-08
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 6 Vesterrrtchifche Wochenschrift Seite 107 so viele Häuser und Kirchen zerstört worden, die man wenigstens zum Theil wieder neuherstellen will. Acht holzbeladene Wagen, so glaubte ich, würden, am allerwenigsten reguläre feindliche Truppen, zu einem Angriffe reizen. Wo wir anhielten, gab ich mich für einen böhmischen Holzhändler aus. Je mehr ich mich Eurem Heere, Durchlaucht, näherte, desto größere Vorsicht war von Nöthen. Man erzählte aller Orten, daß es die Schweden hauptsächlich darauf absehen, Euch, Durchlaucht, Lebensmittel abzufangen und die Zufuhren abznschneiden, und daß es ihnen, wie ich mit Bedauern vernommen, in der Thal gelungen, einen Viehtransport zu erwischen." „Gott verdamme das schwedische Gesindel!" schrie Jsolani, unmanierlich weit weg von sich spuckend^ „die Galle regt sich in mir, wenn ich an diesen Unfall denke. Hundert meiner besten Reiter bildeten die Eseorte, aber die Schweden hatten eine große Macht, zwei Cavallerieregimenter, aufgeboten. Meine Jungen wehrten sich wie die Wüstenlöwen, aber was hals's? die Uebermacht war zu groß, einem Einzigen gelang's, auf flüchtigem Rosse dem Blutbad zu entrinnen, um zu berichten, er sei der letzte Mann der Escorte, die Andern lägen mit gespaltenem Schädel und zerschossener Brust aus blutigem Felde. Weiß Gott, der Verlust der fetten Ochsen und meiner braven Reiter hat mir weh gethan! . . . Herr Gott, ich hoffe, den Schweden diesen Aerger bald heimzuzahlen — doch weiter im Text, wenn's beliebt, Herr von Treuenberg!" „Ich schickte stets zwei meiner Diener, pfiffige Gesellen, voraus, um zu erspähen, ob auf unserem Wege die Luft rein sei, und so gelang es uns, daß wir bis gestern keinem feindlichen Soldaten begegneten. Schon hoffte ich, nach großer Mühsal, doch ohne jedes Abenteuer, an mein Ziel zu gelangen, als wir gestern attakirt wurden .... Ich will Euer Durchlaucht und die Herren Generale nicht mit der Schilderung des unbedeutenden Vorfalles langweilen." „Erzählt, Herr von Treuenberg," rief Holk, „ich hör' nichts lieber, als von einem netten, schönen Kampfe, besonders wenn, wie in diesem Falle, die Schweden tüchtig geklopft wurden und mit blutigen Schädeln und langen Nasen abziehen mußten." „Gestern in der Dämmerung," fuhr Treuenberg fort „befanden wir uns in der Nähe der kleinen Festung Moritzburg, die, wie ich erfahren, von den Schweden besetzt ist. Wir hatten die ersten zwei Tage des jüdischen Laubhüttenfestes rasten müssen, und ich wollte die versäumte Zeit einbringen. Wir hatten den ganzen Tag nur einmal angehalten, um die Pferde zu tränken und zu füttern. Um möglichst rasch aus der gefährlichen Nachbarschaft der Festung zu gelangen, ließ ich auch bei Anbruch der Nacht weiter fahren, und um zehn Uhr hatten wir unfern vom Dorfe Neubrunn einen Hohlweg zu passiren. Das war für mich ein schwieriger Casus. Wenn man sich auf einer Ebene befindet und rechts und links, vor- und rückwärts schauen kann, ist man wenigstens vor plötzlichen Ueberfällen gesichert Um nicht, nahe am Ziele meiner Reise, von einem solchen überrascht zu werden, ging ich hierbei mit der größten Vorsicht vor Da der Himmel umwölkt und es daher dunkel war, mußten jedem der acht Wagen zwei Fuhrknechte beigegeben werden, acht derselben brennende Aeste tragen und so den Weg erleuchten. Meine bewaffneten Diener theilte ich in drei Gruppen, drei, an deren Spitze ich selbst stand, bildeten die Tete, neun blieben bei den Wagen, drei bildeten die Nachhut. Wir hatten die Waffen in den Scheiden gelockert und hielten die Feuerrohre schußbereit. Ich ließ die Pferde antreiben, damit wir möglichst bald die Schlucht passirten, die so eng ist, daß sich ein Wagen nur mit Roth durchzwängen kann. Plötzlich erblicke ich zu meiner unangenehmsten Ueberraschung auf dem Hochplateau einen Trupp schwedischer Musketiere, an deren Spitze einen Officier zu Pferde. Ich erkannte auch sofort, daß sie uns an Zahl bei weitem überlegen. Mich überlief es siedendheiß! Wenn die uns attakirten, während wir uns durch die Schlucht wanden, waren wir rettungslos verloren, wenn uns die Schweden am Ausgang des Hohlwegs erwarteten, konnten wir von unfern Feuerwaffen keinen Gebrauch machen, da wir die eigenen Vordermänner tödten oder verwunden könnten, während uns die Musketiere vernichten konnten, ohne daß wir Widerstand zu leistenvermochten. Sie sollen, wie es allgemein heißt, rasch und sicher schießen." ,,Das ist wahr," warf Colloredo dazwischen, „wir haben das zu unserem Schaden bei Altendorf erfahren." „Ich wiederhole den Befehl: die Gäule zum schnellsten Laufe anzutreiben, um so bald als möglich die Hochebene zu gewinnen. Der Boden war vom Regen aufgeweicht, daß die Wagenräder tief einsanken; dagegen bot dieser Umstand den großen Bortheil» daß sie unhörbar blieben und der Officier uns erst erblickte, als er — vielleicht nur zufällig — an des Berges Rande ritt. Nun rief er in gutem Deutsch — die Schweden hausen nun schon so lange im deutschen Reich, daß sie auch seine Sprache sprechen — „Heda, Mann! wer seid Ihr, was führen Eure Wagen und wohin führt Euer Weg?" So lange wir uns in dieser ungünstigen Position befanden, mußte ein Kampf vermieden werden. Stets hastig vorwärts reitend, ziehe ich demüthig den Hut vom Kopfe und antworte — nur durch den Gedanken beruhigt, dem Officier bald mit dem Schwerte in der Faust gegenüber zu stehen — in furchtsamem, ehrerbietigem Tone: „Gnädiger Herr Hauptmann, wir führen Baumstämme, schönes Bauholz zum Verkaufe. Es find so viele Dörfer Schlösser, Kirchen abgebrannt, die ja wenigstens zum Thette wieder hergestellt werden muffen, aber es ist in dieser Gegend rein nichts zu verkaufen, das Land ist durch des Krieges Last verarmt; der Herr, der Bürger und der Bauer hat kein Geld, nicht einmal so viel, um seinen Hunger zu stillen, seine Blöße zu bedecken. Gestrenger Herr Officier, Holz in die Ferne führen ist ein gar hartes Brod, die Müh' ist groß, der Lohn ist klein. Glaubt mir's, Herr:' auf meiner Seele und meinem Gewissen, es ist heute wohl das letzte Mal, daß ich Holz auf so weite Wege führe! . . . Das durfte ich doch als Edelmann bctheuern", unterbrach Ascher von Treuenberg seine Erzählung, und aus seinen muntern Augen blitzte der Schalk. Die Generale fielen mit lautem Gelächter ein, und selbst über des Herzogs düsterem Gesichte huschte ein heiterer Zug. „Mann!" rief der Officier, während ich mit der Vorhut und den ersten Wagen den Bergkamm schon erreicht hatte, „wir Schweden sind brave, gefällige Menschen, wir wollen Dich von Deiner Sorge und der schweren Last befreien. Wir, in der Beste Moritzburg, sind jedem Moment eines Angriffs der Friedländischen Truppen gewärtig, da können wir Deine Stämme, Holzbauer, prächtig zu Verhauen brauchen; wir nehmen sie Dir alle ab; und, da Dir dann auch Deine Pferde überflüssig sind, auch diese, Du mußt es selbst gestehen, Bauer, Du kannst Dir gar keine liebenswürdigeren Leute vorstellen, als wir Schweden es sind." Ich antwortete, als befände ich mich in größter Verlegenheit, recht langsam und stotternd: „Herr Officier, wenn ich Euch den Verkauf verweigern wollte, wär's weder höflich noch klug von mir. Wenn Ihr mein Holz so nöthig braucht, als Ihr sagt — und ich wills Euch glauben, Ihr werdet mich ja nicht belügen — und ich Euchs nicht verkaufen wollte, wär's Euch nicht recht, Ihr wolltet mich vielleicht hierzu zwingen, das gäbe Streit, in welchem ich mit meinen Knechten den Kürzern ziehen würde." (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. Jacob Kaiser, IX/1, Moserg. 9. Wir bestätigen dankend den Empfang der Nr. 12, 27, 41 und 43. Von Herrn Moritz Abeles in Saaz, Adolf Grünbaum und Moritz Mühlstein in Karlsbad haben wir je 10 M. für das israel. Hospital in Jaffa erhalten und den Betrag seiner Bestimmung zugeführt. Treue Abonnentin, Kleine Pfarrg. 25. Jänner 1891 war Sonntag 16. Schewath 5651. „Freund der Logik". Da gibt es noch ganz andere „Anomalien", als die mitgetheilten. Nr. 3 der „Unv. D. W." bringt ein ganz prächtiges Cilat, dem wir nur vollinhaltlich beistimmen können: „Wir wollen dahin streben, daß es im Staate womöglich niemanden oder doch so wenige wie möglich gebe, die sagen: wir sind nur dazu da, um die Lasten des Staates zu tragen, wir haben aber kein Gefühl davon, daß der Staat um unser Wohl und Wehe sich irgendwie bekümmert. Bismarck." In demselben Blatte wird auch gegen die Eisenbahnen gewettert und gezetert. „— Wohl darf man nicht gewisse (!) wirthschaftliche und gesellschaftliche Borthelle eines umfassenden Eisenbahnnetzes übersehen, aber vom ideal-volklichen Standpunkte aus kann man jeden neuen Schienenstiang, der in die bis dahin stillen Waldthäler unserer deutschen Gaue eindringt, als einen Canal mehr betrachten, durch den wasserköpfiges Wesen der Großstädte ins deutsche Landvolk eindringt. (!) In einer Hinsicht ist die Eisenbahn als die Culturteufels-Erfindung zu betrachten, wie Schießpulver . . . Der Vortheil des internationalen Verkehres für unverfälscht deutsche Eigenart ist so gering, daß Verfasser dieses gerne die Bequemlichkeit vermiffen würde . . . Die Eisenbahn zerstört die Seß-