Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 6 (8.2.1895)
- Date
- 1895-02-08
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 108 Westrrrelrtztphe WochenptzrM Nr. 6 Hastigkeit und fördert in dieser Hinsicht auch interncttional-socialistische Grundsätze! . . . Es wäre lehrreich, zu erfahren, zu wie viel Mischheiraten der internationale Eisenbahnverkehr schon Anlaß gegeben hat..." I. W.. Landstraße. Wir constatiren aus Ihr Ersuchen hiermit, daß der Einsender der Notiz „Eine arische Bezirksgröße" schlecht über Herrn Carl Seewald junior unterrichtet war, daß dieser Herr wegen seiner fortschrittlichen Gesinnung von den Antisemiten angefeindet wird und sehr angenehme Umgangssormen besitzt. Sind Sie nun zufrieden? I. N. Uideftie. Der Ahasverus des Buches Esther ist ganz gewiß nicht der Ahasver der Sage. Die beiden Herren sind weder Verwandte, noch bekannt mit einander. Der erstere ist übrigens schon seit längerer Zeit gestorben, während der andere, wie Goethe, Hamerling, Mosen, Seidl u. A. behaupten, noch leben soll. — Adam Riese, der berühmte Erfinder des Einmaleins, war nie im Paradiese — sondern im Gegentheil, Schulmeister zu Annaberg. Vor unliebsamen Verwechslungen muß man sich hüten. Doctor Goldenthal ia Srz. Arische Dankbarkeit! Ja, verehrter Freund, das ist so eine eigene Sache. In der „Schmähpost" vom 1. d. M. steht ein Feuilleton, geschrieben von einer prächtigen Schnorrerin über ihre Betteleien — ein würdiges Thema. — Gegen Rothschild wüthet sie. weil er ihr drei Gulden geschenkt hat! Und dazu noch per Postanweisung! Unerhörte Beleidigung einer zarten Seele! „Nach einiger Zeit, es war an einem Sonntage, ich kam eben von der Kirche nach Hause, übergab mir mein Quartiergeber den Coupon einer in meiner Abwesenheit eingelangten Postanweisung nebst 3 fl., die ein Briesträger, der offenbar seine Dienstpflicht nicht beachtete, ihm übergab. Auf dem Coupon stand in großer Druckschrift der Name des betreffenden Vereines und daneben noch größer gedruckt: „Spende des Hauses Rothschild!" Geehrter Herr Redakteur! Bedarf es noch der Worte, was ich um dieses Almosens willen gelitten habe — ich glaube, jeder fühlende Mensch wird es begreifen. Ich habe auch einst bessere Tage gesehen, und Alles mein Eigen genannt, was Menschen zu beglücken vermag. Umso entsetzlicher ist solch eine Behandlung. Sie ist ein moralischer Fußtritt, (?) womit man den Armen von seinen Mitmenschen trennt, ihn aus der Gesellschaft ausstößt und ein Brandmal auf feine Stirne drückt, welches an ihn haften bleibt, all sein Leben lang. Ich möchte solchen Menschenfreunden zurufen: „Was Du nicht willst, daß man Dir thu', das füg' auch keinem Andern zu." Die Juden sollen daraus und aus beu Verhandlungen im Gemeinderathe die Consequenzen zu ziehen wissen und ihre Spenden ihren armen Glaubensgenossen hauptsächlich zuwenden, welche die christliche Wohlthätigkeir grundsätzlich ausschließt. Ernster Mufikfrennd in W. Das „Deutsche Volksblatt" vom 1. Februar feiert den kleinen Hubermann. Die Kunstrichter des Bergani loben auch jüdische Größen, wenn sie sie für Christen halten. Germanist IV. Sie machen uns auf die Frechheit der „Ostd. Rundschau" Nr. 34 aufmerksam, mit welcher diese einen Schriftsteller vom Range Speid el's anrempelt, weil er geschrieben hat: „Er zögert Fremde herbei." „Es wäre zu wünschen, der große Herr eilte wieder einmal einen Volksschullehrer zu sich, der ihm die transitiven und intransitiven Verba in Erinnerung brächte. Möchten Sie nicht, Herr v. Speidel, vor Scham Ihre Schwester in die Erde verkriechen oder Ihren Bruder einen Feigenbaum hinausklettern? —..!!" Im Faust (Schlußscene) sagt Go ethe, der doch auch etwas von der deutschen Spracheverstanden Hut: „Fort! Dein Zagen zögert den Tod heran!" — Die Schwefelbande ist so unverschämt, als unwissend. Hl 0. Gymnasiast in Licgnitz. Siefragen ob Th. Mommsen sich über den Antisemitismus ausgesprochen und wünschen in diesem Falle die Ansicht des großen, von ihnen so innigst verehrten Mannes zu hören. Wir entsprechen gern Ihrem Ansuchen. „Ich bin in der Judensrage der Ansicht, daß die Calamität des Antisemitismus ein organischer Schaden unserer Nation ist, der nicht eigentlich geheilt, sondern nur verwachsen gemacht werden kann durch die steifende Humanisirung der Deutschen. Wenn unser Osten auf der gleichen Höhe der Cultur stehen wird, wie unser Westen, so wird der Antisemitismus nicht schlechthin beseitigt, aber so weit zurückgedrückt sein, wie dies bei organischen Ländern möglich ist. Bis dahin ist es wohl zweckmäßig, den groben Fälschungen und Verdrehungen der Antisemiten im Einzelnen zu antworten und auf den groben Klotz einen groben Keil zu setzen.-" Ludwig K. IH. Es ist Ihrer Aufmerksamkeit nicht entgangen, mit welch sauersüßer Miene die antisemitischen Tagesblätter den unbestreitbaren Erfolg der geistsprühenden Ludwig Fulda'schen Comödie „Die Kameraden" registriren mußten. Den Juden Fulda hass:n Sie nämlich und haben ihm noch nicht die bitteren Worte vergessen: Sagt Einer heut auf hohem Rednerpult Mit etwas Zungenkunst und Spiegelfechten: „Die Müllerknechte sind an allem schuld, An allem Schädlichen und allem Schlechten", Und wiederholt im Lande weit und breit Den gleichen Satz mit kühler Ueberlegung, Dann haben wir in äußerst kurzer Zeit Die große Anti-Müllerknecht-Bewegung. Herr« Dr. A. Z. Breslau. Die Mittheilung ist für die Oeffentlichkeit nicht intereffant genug. Kurt S. in Marburg. Sie machen uns daraus aufmerksam, daß die Lügen-Schmähpost sich untersteht, von ihrer „Wahrheitsliebe", — wer lacht da nicht?! — zu reden. Eine Verworfene, die von „Tugend" faselt... Ein Jude, Brünn. Das dort erscheinende judenhetzerische „Deutsche Blatt" bringt Annonceu von Juden?! Aber lieber Herr, das gehört ja zu den wesentlichsten Eigenschaften einer Antisemiten- Zeitung. Wenn die Israeliten die gegnerische Presse nicht unterstützen würden, könnte sie ja überhaupt nicht existiren. Wohl zu merken. G. P. Floridsdorf. Der Witwe des verstorbenen Chefs und ihren unmündigen Kindern die jüdische Kundschaft wegschnappen und trotzdem in den Versammlungen den Antisemiten spielen, das ist arische Moral. Den verfolgten Christen helfend beispringen ist — jüdische Moral. Dafür mit Koth beworfen zu werden, ist wieder arische Moral! Klara Lra8L0x0l8ki'86lw Gebet- und Wohlthätigkeits-Stiftung. Am 29. April d. J., als dem Sterbetage des Herrn Moriz Krasnopolski, gelangen die halbjährigen Zinsen obgenannter Stiftung im Betrage von ü. 50 ö. W. unter mehrere Arme israelitischer Religion zur Vertheilung. Die Bewerber haben die mit dem Nachweise ihrer Armuth versehenen Gesuche bis 28. Februar d. J. im Secretariate der Israel. Cultusgemeinde (I., Seitenstettengasse 4, II. Stock) zu überreichen. Arme Verwandte der Stifterin Frau Clara Krasnopolski werden in erster Linie berücksichtigt. Nannette Edle von Wertheimstein’sclie Heiratsausstattungs-Stiftung. Aus der von Herrn Sigmund Edlen von Wertheimstein zum bleibenden Andenken an seine Gattin Frau Nannette Edle von Wertheimstein begründeten Heiratsausstattungs-Stiftung für arme israel. Mädchen, ist für das laufende Jahr ein Zinsenbetrag von fl. 130.— zu verleihen. Zu diesem Stipendium sind zunächst Mädchen aus der Verwandtschaft der Frau Nannette Edle von Wertheimstein, bei deren Abgang Mädchen aus der Verwandtschaft des Stifters, endlich in Ermanglung auch dieser, Mädchen aus der israelitischen Cultusgemeinde in Wien, berufen. Die Gesuche sind mit dem Geburtsschein, dem Sitten- und Armuthszeugnisse, dem Nachweise, dass Petentin sich im Brautstande befinde, und wenn das Vorzugsrechts der Verwandtschaft geltend gemacht wird, auch mit dem, diese Verwandtschaft nachweisenden, mit den Geburts- und Trauungsscheinen belegten Stammbaume bis 28. Februar 1895, in der Kanzlei der Israel. Cultusgemeinde (I., Seitenstettengasse 4, II. Stock) zu überreichen. Josef und Cecilie Adler-Stiftung für Arme. Am 28. April 1895 gelangen bei der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde die halbjährigen Zinsen der obigen Stiftung in Beträgen von 20 bis 30 Gulden an arme Personen israelitischer Religion behufs Bezahlung der Wohnungsmiethe zur Vertheilung. Die Bewerber haben die mit mit dem Nachweise ihrer Armuth versehenen Gesuche bis 28. Februar 1895 in der Kanzlei der israelitischen Cultusgemeinde. (I., Seitenstettengasse 4, I. Stock) von 9 bis 12 Uhr Vormittags zu überreichen. Auf später einlangende Gesuche wird keine Rücksicht genommen. Arme Verwandte der Stifterin, Frau Cecilie Adler, sodann Witwen mit unversorgten Kindern, ältere hilflose Frauen oder Mädchen, die sich durch Handarbeit ernähren, endlich dem Lehrfache ungehörige Personen werden in erster Linie berücksichtigt. Wien, 1. Februar 1895. Der Vorstand der Israel. Cultusgemeinde. Gesuchsblanquette sind in der Kanzlei I., Seitenstettengasse Nr. 4, I. Stock, während der Amtsstunden von 9—12 Uhr unentgeltlich zu beheben. Billigst. SPECIAUTÄT! Prompt. pREis°ouRAirrir IM illnstrizte D m so auch alle Buchdruck* und lithogr. Arbeiten™11 bei exactester Ausführung BECK & SOHN Wien, VIII., Lerchenfelderstrasse 48 Verantwort!. Redakteur: Dr. Joses E. Bloch.— Sind von L. Beck * SoHu, Wien, VQL, Lerchenselderstraße 46. (Telephon 3288.)