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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-02-08 · 6 (8.2.1895) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
6 (8.2.1895)
Date
1895-02-08
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 106 Vestrrrevtztsrtze Voltzrnpltzrtft Str. 6 Kolomea, den 29. Jänner 1895. Sonntag den 20. Jänner fand im Locale des hiesigen Zionverernes „Beth Israel" die Generalversammlung des Vereines statt. Es wurden gewählt: Herr Dr. L. Zipser als Präsident, L. Taubes, Vicepräsident, N. Wilder, Cassier, M. R o s e n s e l d, Secretär. Als Ausschußmilglieder die Herren: Feiwel Hermann, Efraim Lauser, Marcus Krummer, Oser Engel, Abr. Zahler, Josef Brecher. Revisionscomite, resp. Ausschuß-Stellvertreter die Herren: F. D u n a j e r, Eisig Ch. C h a j e s, Abraham Händel. — Nach stattgehabter Versammlung stellte unser Vicepräsident Herr L. Taubes den Antrag, dem frühzeitig verstorbenen Mitgliede A. M. Borten eine Trauerkundgebung zu veranstalten. — Mittwoch den 23. d. M. fand die Trauerversammlung unter Anwesenheit aller Mitglieder im schwarz decorirten Veremslocal statt. Herr Tauber hielt die Gedenkrede, welche einen tiefen Eindruck hinterließ. Virovitiea (Slavonien). In seiner dieswöchentlichen Sabbathpredigt feierte unser Kreisrabbiner, Se. Ehrwürden Herr Dr. H. E. Kaufmann das Andenken des jüngst verstorbenen Gelehrten Dr. D. Ros in s. A. mit sehr warmen und bewegten Worten. Redner entwarf einen Ueberblick auf die reiche Ernte, welche der Tod während des Jahres 1893/4 im Kreise der jüdischen Gelehrten gemacht hat und meinte dann: Einst, wo der Idealismus noch eine mächtige Stütze im jüdischen Volke hatte, konnte man wohl sagen: Ehe dieser leuchtende Stern untergegangen war, erschien bereits ein anderer am Horizonte des Judenthums, ebenso Licht verbreitend, ebenso segensreicheStrahlen werfend wie jener. Heute dagegen, wo der Materialismus überall überhand nimmt und der Idealismus auch im Judenthum immer mehr abnimmt, trifft uns der Verlust eines großen Lehrers im Judenthum viel schmerzlicher denn je; denn dem Materialismus haben wir es leider zu verdanken, daß der Nachwuchs im Weinberge des Herrn es nicht über das Maß der Mittelmäßigkeit bringt. Die Gemeinde lauschte den Worten des Redners sehr aufmerksam und erhob sich von den Sitzen, als der Name R o s i n genannt ward. Mistlitz Ein schönes und gewiß nachahmenswertes Beispiel confeffioneller Toleranz bietet der vor einigen Monaten hier gegründete Casinoverein, dem neben den Vertretern der verschiedenen Confessionen auch die Bekenner derselben angehören. Dieser verhältnißmäßig noch junge Verein hat während ' der kurzen Zeit seines Bestandes viel zur Consolidirung der gesellschaftlichen Verhältnisse in unserem Orte beigetragen. Der rührige Vorstand, an dessen Spitze der hiesige Fabrikant Herr Josef Pollenz als Obmann steht, entwickelt eine eifrige und auch für unsere Confesiion nützliche Thätigkeit. So hielt Se. Ehrwürden Herr Dr. Leopold G olösch m i e d am 2. d. M. im großen Saale des Vereines eine von den zahlreichen Anwesenden sehr beifällig aufgenommene Vorlesung über die Frau. Herr. Dr. Goldschmied wurde beim Betreten »und Verlassen der Tribüne in überaus herzlicher Weise acclamirt. Gewitsch, 1. Februar 1895. Gestern am 31. Jänner l. I. wurde hier Herr Hermann Weiß, Cassier der Chewra- Kadischa, im 42. Lebensjahre nach kurzem Krankenlager zu Grabe getragen. Der Verewigte zeichnete sich durch große Wohlthätigkeit, edle Herzensgüte, Biederkeit und Wahrhaftigkeit aus und wird sein plötzlicher Tod von der ganzen Umgegend ohne Unterschied der Consession auf's Tiefste bedauert. Eine nach Hunderten zählende Menge begleitete die Leiche zum Tempel, woselbst Herr Rabbiner I. Weiß eine ergreifende Leichenrede hielt, sodann zum Friedhofe. Seine Familie, sowie die Cultusgemeinde verloren viel an einem solch edlen Charakter. Die Erde sei ihm leicht! Stampfe«, 4. Februar 1895. Der verstorbene Herr Leopold Spitzer hat den ansehnlichen Betrag von einigen 1000 Gulden zu wohltätigen Stiftungen für die Gemeinden hier und Malaczka gewidmet. Gries (nächst Bozen). Herr Moritz Braun, Sohn des bekannten Professors Arnold Braun in Meran, rrichtet in Gries nächst Bozen, Südtirol, Hauptstation der Meraver Bahnstrecke, eine jüdische Pension nebst Koscher-Restauration. Gries ist 2 Grad wärmer als Meran. Kojetein. Fräulein Camilla Kornfeld, Tochter des Oberlehrers Josef Kornfeld in Kojetein (Mähren), hat sich mit Herrn Isidor Hermann aus Prag verlobt. Paris. Neuerlich haben Juden namhafte Beträge für Armenzwecke gespendet. Die bekannte Philantropin Madame Fuartdo-Heine übersandte dem Minister des Innern 20.000 Frcs. und dem Seine-Präfecten 20.000 Frcs. Madame Calmann Lßv y,übergab dem Präfecten 5000 Frcs. und den gleichen Betrag widmeten die Herren Brüder Lazards und Comp, der „Assistance Publique“. Berlin. Der eben fertiggestellte Rechnungsabschluß der israelitischen Cultusgemeinde, welcher den Gemeindemitgliedern bereits zugemittelt wurde, weist pro 1894 eine Bruttoeinnahme von 3,630.102 Mark auf, welche aus allen Zweigen der Gemeindeverwaltung, sowohl religiösen Institutionen als auch Unterrichts- und humanitären Anstalten resultirt. Die Cultusbeiträge weisen die Summe von 1,188.847 Mark auf, wozu | noch 122.176 Mark für Sitzmiethen kommen. Die Einnahmen aus dem Verkaufe von Grabstellen beliefen sich auf 363.134 Mark. An Honoraren für Rabbiner, Cantoren, Chordirigenten und sonstige Functionäre wurden 160.242 Mark verausgabt. Berlin, 30. Jänner. Die bisher allwöchentlich erschienene „I ü d i s ch e V o l k s z e i t u n g" ist in eine Monatsschrift umgewandelt worden, welche den Namen „Zion" führt. Das erste Heft wird am 15. Februar zur Ausgabe gelangen. Auf Grund einer Vereinbarung mit dem Verleger werden die neuerscheinenden Hefte der „Jüdischen Volksbibliothek" den Abonnenten des „Zion" (Preis viertelst 2 M.) gratis zugestellt. Berlin, 26. Jänner. Die Herren Rechtsanwälte Dr. Basch und Dr. H e Y m a n n sind zu Justizräthen ernannt worden. Berlin, 29. Jänner. Die Herren Dr. Leopold Landau und Dr. Immanuel Munk, Privatdocenten an der medicinischen Facultät der hiesigen Universität, sind zu Professoren ernannt worden. Breslau, 28. Jänner. Die philosophische Facultät der hiesigen Universität hatte für das abgelauseneJahr die Preisaufgabe gestellt: „Ueber Descartes' Lehre von den angeborenen Ideen und ihre geschichtlichen Voraussetzungen". Wie bei dem gestern aus Anlaß des kaiserlichen Geburtstages stattgehabten Festacte der Universität bekanntgegeben wurde, ist der volle Preis der Arbeit dem Herrn Dr. Paul R i e g e r (z. Z. in Berlin) in Anerkennung „des aus sie gewendeten rühmlichen Fleißes und mancher durch sie gewonnenen neuen Ergebnisse" zuerkannt worden. Rakel, 23. Jänner. Herr P. B ä r w a l d ist zum Stadtverordneten-Vorsteher gewählt worden. Jnowrazlaw, 22. Jänner. Herr Fabriksbesitzer I. L e w y wurde zum Kreisdeputirten gewählt. Wollstein, 24. Jänner. Herrn A. Krause, welcher zwei Jahre hindurch das Bürgermeisteramt verwaltete, ist in Anerkennung seiner mannigfachen Verdienste der Kronenorden IV. Claffe verliehen worden, welchen ihm Herr Landrath Graf W e st a r P in Anwesenheit des Magistrats- und des Stadtverordneten-Collegiums in feierlicher Ansprache überreichte. Altona, 29. Jänner. Der Bersicherungs-Director Carl Wolfs, einer der Führer der hiesigen Antisemiten, ist wegen zahlreicher Cautionsschwindeleienzu vier Jahren Zuchthaus verurtheilt worden. Heidelberg, 25. Jänner. Von den 79 im hiesigen Crematorium verbrannten Leichen waren 8 j ü d i s ch e!! x Feuilleton. Der Vorbrter von Cham. Erzählung aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel". (Fortsetzung.) „Meine Diener mußten ihre Waffen unter Bauernmäntel hüllen, ich selbst legte über den Panzer ein Bürgerkleid an und setzte den Schifferhut der Kaufleute auf's Haupt. Ich ließ mehrere Baumstämme kaufen und auf die Wägen legen, daß man glauben möge, wir führten Bauholz zum Verkaufe. Es schien das ja auch nicht unwahrscheinlich, es sind ja im Reiche

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