Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 6 (8.2.1895)
- Date
- 1895-02-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Sk. 6 Veflerreichische Mochrnschrtfi SeÜe ly denselben ebenso energisch und wahr, als alle wahrhast liberalen Männer es thun müssen. In einer zur einstimmigen Annahme gelangten Resolution befindet sich der Schlußpassus, daß die Wähler oou ihrem Abgeordneten erwarten, er werde allen Bestrebungen, welche auf die Gefährdung der staatsgrundgesetzlich verbürgten Rechte aller Bürger ohne Unterschied der Confession Hinzielen, in energischer Weise entgegentreten, ebenso wie er die Verhetzung einzelner Classen oder Confessionen stets aufs kräftigste bekämpfen werde. Es ist jedenfalls Zeit, daß von Seiten der jüdischen Wähler den Deutschliberalen klar gemacht wird, daß die Juden nicht gesonnen sind, angesichts der Passivität der Regierung gegenüber den antisemitischen Ausschreitungen der Partei die alten Heloten-Dicnste zu leisten. Göttingen. Vor^einiger Zeit" wurde der „deutsche. Lederfabrikant Nähme aus North eim von der hiesigen Straf kammer wegen Erpressungsversuchs, begangen an einem Juden, zu drei Wochen Gefängniß verurtheilt. Auffallend erscheint dabei, daß die hiesige Presse von dem Vorfälle nichts erwähnt. Man könnte beinahe versucht werden, zu glauben, den Grund für das öffentliche Todtschweigen dieser Berurtheilung gefunden zu haben, wenn man sich vergegenwärtigt, daß der Berurtheilte der Bruder des hierorts sehr angesehenen Fabrikanten Rahme, Besitzers der hiesigen größten Schuhfabrik, ist, dcr sehr viel inserirt. — Wie verlautet, sollen einflußreiche Personen in Northeim ein Gnadengesuch an den Kaiser absenden wollen oder schon abgesandt haben, um den „armen" Herrn Nähme wenigstens im Gnadenwege von seiner Gefängnißstrase zu befreien und eventuell an deren Stelle eine Geldstrafe zu erwirken. Es wäre auch wirklich bedauerlich, wenn der Herr Fabrikant wegen eines Erpressungsversuchs ins Gefängniß wandern müßte, ist doch die leider nicht wegzuleugnende „uncorrccte" Handlung nur ein Versuch gewesen, und noch dazu bei einem Juden! Consiantinostel. Herr Elie Scheid aus Paris General-Adminifirator des Baron Edmund v. Rothschildschen Colonien in Palästina, hat während seines jüngsten Aufenthaltes in Consta nt inopel von der hohen Pforte die wichtige Vergünstigung erwirkt, 1060 jüdische Familien in Syrien auf von Baron Rothschil d angekauften Ländereien (S oulan in Ba s ch a n und in der Nähe von D am a s cu s) anzusiedeln. Herr Haim Cohen wurde beauftragt, diese Ländereien in Besitz zu nehmen. Vemißcktes. Wien. (O e ste rr. - I sra el. Union.) Samstag den 9. Februar 1895, Abends V-8 Uhr, findet im Restaurant Khuner, I. Schottenring 19, eine Bereinsversammlung statt. Tagesordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Vortrag des Herrn Dr. Heinrich S teger: „Besprechung der politischen Lage mit Bezug auf die Jntereffen des Judenthums". 3. Anträge und Interpellationen. Wien, 6. Februar. Anläßlich der Verleihung des Hofrathstitels an Professor Dr. Ne um ann wurde ihm gestern namens seiner Schüler eine Glückwunschadrcsse überreicht und sein Arbeitszimmer im Allgemeinen Krankenhause mit seinem wohlgetroffenen Bildniffe geschmückt. Wien, den 4. Februar. Der Verein „Zion" veranstalte am 14. Februar in Khuner's Restaurant einen Vortrags- und Geselligkeitsabend, zu welchem die Mitglieder eingeladen werden. Bon Mitgliedern eingeführte Gäste werden willkommen sein. Wien. Am 9. Februar 1895, Abends 6\4 Uhr, findet in Weiß' Gartensalon, Praterstraße 34, die constituirende Versammlung des Lese- und Unterstützunasvereines „Libanonia" statt. Wien. Herr Dr. Robert Mayer hat sich mit Frl. Grethe Wertheimer, einer Nichte des Hofschauspielers Herrn Adolf Ritter von Sonnenthal, verlobt. Wien. (Vermälung.) Im Tempel der Schmalzhofgasse fand die Trauung des Herrn Heinrich Glücksmann mit Fräulein Helene Weisse unter zahlreicher Betheiligung der Schriftsteller- und Künstlerwelt statt. Wien. (Vorstandswahl in der Chewra- Ka d ischa.) Herr Adolf R o se n b a u m, Mariahilferstraße 111, wurde in den Vorstand der Chewra-Kadischa der Wiener israel. Cultusgemeinde berufen. Wien. Der bekannte Schriftsteller Tr. Heinrich Freih. v. Waldberg hat vom König von Rumänien die goldene Medaille erster Claffe für Kunst und Wissenschaft erhalten. Wien. Am letzten Bergnügungsabend der „Musik- und Theatergesellschaft" errang der Biolin Virtuose Herr Jacques W e i n t r a u b aus Paris einen glänzenden Erfolg. Der Künstler brachte mehrere Piecen mit vollendeter Technik und durchgeistigtem Spiele zuni Vortrag und erntete derart stürmischen Applaus, daß er sich zu wiederholten Zugaben bequemen mußte. Besonders intensiven Beifall fand Weint raub mit der temperamentvollen Interpretation dcr „Ungarischen Tänze" von Brahms und Joachim. Wien (Spenden für ein Kinderspital.) Die „Neue Freie Presse" theilt mit, daß die Freiherren Albert und Nathaniel Rothschild zusammen 5000 fl. zum Zwecke von Bettstiftungen für das genannte Spital gespendet haben. Wien. (Akademischer Verein „Ga mala".) Samstag den 2. d. M. sprach Herr I. Menkes über das. Thema „Shylock und Nathan". Der Prälegent entwickelte nach einer kurzen Einleitung den Charakter des Shylock und wies trcffend nach, welch große Widersprüche sich in der Zeichnung dieser Person von Shakespeare finden und noch mehr wie weit Shylock von einem wirklich jüdischen Charakter absteht. Biel besser und wahrheitsgetreuer ist — meinte der Vortragende — Lessing's Nathan ausgefallen. Der große, deutsche Denker und Dichter hat hier wirklich, was er beabsichtigt, erreicht: Er hat das Ideal eines Juden gegeben. In den sich an diesen Vortrag reihenden Ausführungen der Bereinsmitglieder med. R o sen b e r g er, med. Ern st, phil. Korn, Phil. W achstein, wie auch der Herren Gäste phil. Baruch, med. Engländer und med. Gold st ein erfuhren die Erörterungen des Prülegenten bezüglich Shylock manche Ergänzungen. Dagegen waren die Meinungen bezüglich Nathan verschieden. Die Einen machten geltend, Nathan sei mehr Philosoph als Mensch, ergehe sich zu sehr in abstractem Denken, während die Wirklichkeit ihn nicht sehr berühre. Andere dagegen vertraten die Ansicht, Nathan sei kein Jude, wie wir ihn wünschen; er lasse zuviel über sich ergehen, ohne in entsprechender Weise dagegen zu reagiren. , Kn. Wien. Am 9. Februar d. M. feiert der Sicherheitswach- Jnspector Eduard Seidl das Fest seines 25jährigen Dienstjubiläums. Er trat am 9. Februar 1870 in den Dienst der Polizei und hat sich das Vertrauen stirer Vorgesetzten, sowie College« und Untergebenen im vollsten Maße erworben. Im Jahre 1873 wurde ihm anläßlich der Ueberschwemmungsgefahr von Sr. Majestät dem Kaiser mittelst Dccret die allerhöchste Zufriedenheit bekanntgegeben. Wien, den 4. Februar 1895. Der Literarische Geselligkeitsverein jüd. Mädchen „Moria" hielt am 20. 0. M. einen literarischen Nachmittag ab, an welchem Herr Dro. Med. Carl Pollak einen Vortrag über „Nationalismus und Zionismus" hielt. In seiner geistvollen Weise behandelte er dieses Thema und fand volle Aufmerksamkeit und reichlichen, wohlverdienten Beifall. Samstag, den 26. v. M. fand in Robitschek's Sälen eine gemüthliche Zusammenkunft statt, bei welcher eine äußerst animirte Stimmung herrschte. Nebst Drd. O st i l l o, der für zwei vorgetragene Lieder lebhaften Beifall erntete, wie auch Herrn Drd. S. Neuberger trug noch Frl. Rosa Wortmann eine humoristische Declamation vor, die wiederholt von Beifall und Heiterkeitsausbrüchen unterbrochen wurde. Ein kleines Tanzkränzchen hielt die zahlreich erschienenen Gäste bis nach 12 Uhr versammelt. C. W. Graz, 1. Februar. Gestern wurde im allgemeinen deutschen Turnverein der von antisemitischer Seite gestellte Antrag, aus der deutschen Turnerschaft auszutreten und sich dem antisemitischen Turnerbunde an» zuschließen, nach einer lebhaften Debatte abgelehnt. Prag. (E i n k. k. M a j o r.) Unlängst verschied hier der k. und k. Artillerie-Major Herr Moses G ö tz l im 65. Lebensjahre. Die Leiche wurde vom israelitischen Badhofe aus auf die Franz Josefs-Bahn überführt. Die Bestattung fand auf dem israelitischen Friedhof in Bischitz (Bezirk Melnik) statt.