Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 6 (8.2.1895)
- Date
- 1895-02-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 98 NrüerrrtchUche WochrnptzrM 8-r. 6 Zweckvermögens, und war in den factischen Besitz dieser Berechtigung getreten. Bon nun an war aber auch dem Streite über die Genußberechtigten und dem Modus der Verwendung der Erträgnisse ein Ende gemacht, da das Statut hierüber ebenso gerechte und billige, als klare Bestimmungen enthielt. Manche waren nämlich der Ansicht gewesen, man möge das Capital selbst unter die Gemeinden nach dem Verhältnisse ihrer früheren Beiträge vertheilen. Andere, die wohl die Einheitlichkeit des Fonds erhalten wissen wollten, glaubten, daß alle Gemeinden, unbeschadet ihrer materiellen Lage, ob reich, ob arm, einen Anspruch auf Proportionelle Betheiligung aus den Erträgnissen haben, wieder Andere legten das Hauptgewicht auf die Errichtung allgemeiner Institutionen, eines Rabbiner- Seminars. Lehrer-Präparandie rc. Die Einen waren dafür, den Gemeinden als solchen die Beneficien zukommen zu lassen, die Anderen wieder glaubten, daß deren Beamte und Angestellte zunächst Anspruch auf Aushilfe, Pensionen u. s. w. hätten, da ja auch die Statthalterei derartige Personal-Unterstützungen aus den vorhandenen Mitteln seit Jahren bewilligte. Die Idee der Auftheilung des Capitals war mit vollem Rechte abgewiesen worden, aber auch die Proportionelle Gleichmäßigkeit der Anspruchsberechtigung der Gemeinden nach Maßgabe ihrer einstigen Beiträge. Vielmehr wurde unter Festhaltung des Gemeineigenthums der ganzen mährischen Judenschaft doch die jeweilige Bedürftigkeit der Gemeinden als Rechtstitel auf die Hilfe des Fondes anerkannt, dem ersteren Principe durch die Einführung der sogenannten Schulsubventionen Rechnung getragen, auf die unterschiedslos alle Gemeinden nach der Zahl der von ihnen angestellten Lehrkräfte Anspruch haben, während die eigentlichen Gemeinde-Unterstützunqen und Nothstands-Darlehen nur hilfsbedürftigen Gemeinden im Statute zugesprochen wurden — eine Bestimmung, die einerseits die widersprechenden Interessen der Gößeren und wohlhabenden mit denen der kleineren, armen oremeinden zu versöhnen, und andererseits dem wichtigsten Zweckeines jüdischen Cultusfvndes, dem religiösen Jug endunterrichte, gerecht zu werden, getroffen war. Uebrigens wurden bis 25 Procent der jährlichen Erträgnisse der Unterstützung der Gemeinde-Angestellten, deren Witwen und Waisen gewidmet, 600 ft. für Stipendien an Rabbinats- und Lehramtskandidaten und die Subventionirung von höheren, jüdischen Bildungs- und Wohlthätigkeits-Anstalten in Oesterreich unter die Verwendungszwecke ausgenommen — letzteres eine Kategorie, für die nach den voraus gehenden Zuwendungen allerdings nicht mehr viel erübrigt werden konnte. Die Verwaltung des Fondes obliegt einem elfgliederigen Curatorium in Brünn, das von Delegirten sämmtlicher 54 (jetzt 51s Gemeinden, die alljährlich zu einer General-Versammlung zusammentreten, auf je drei Jahre gewählt wird, und das über seine Gebahrung den Delegirten alljährlich Rechnung und Rechenschaft abzulegen verpflichtet ist. Der 24. November 1869 war der für die mährische Judenschaft denkwürdige Tag. an dem die Delegirten der Gemeinden im k. k. Statthalterei-Gebäude zur Wahl des ersten Curatoriums zusammentraten. Aus der Wahlurne gingen hervor : Jul. G o m p e r z, der zum Obmann. Mor. Spitzer, der zu seinem Stellvertreter gewählt wurde. Sigm. Blau. Heinr. Eisler. Friedr. Kar plus. D. Mandl. Ad. Münch, Sal. Singer, Marc. Stern. Wolf Wilezek, Ignatz Wohlmuth. Ein gewisses Hochgefühl erfüllte damals die Brust der anwesenden Gemeinde-Vertreter; unter den Auspicken der kaiserlichen Behörden wurde der eine Million betragende Fond der autonomen Verwaltung, die sich die Judenschoft gewählt, übertragen. Es gab wieder eine Art von „Rösch meflraah“ oder ..Landesaltesten" sozusagen. Die neue Verwaltung hat. das kann man nach dem nunmehr fast 25jährigen Bestände derselben wohl sagen, ihre Aufgabe ernst ausaefaßt. Das Fondsvermögen, das zu Anfang netto 964.306 fl. 25 kr. Nom. betrug, erreichte Ende 1894 die Höhe von 1.080 572 fl. 13 kr. Nom. Das Erträgniß. das im Jahre 1870 39.449 fl. betrug, ist seither auf 50.497 fl. 28 kr., der Aufwand von 33.642 fl. 42 kr. auf 48.108 fl. 23 kr. gestiegen. Die durchschnittlichen Ausgaben betrugen in den Triennien: 1870—72: 1892—94: Für Schulsubventionen 12.059 fl. 33 kr. 13.940 fl. — kr. Gemeinde-Unterstutzungen 3.616 „ 67 „ 12.500 „ — „ Personal-Unterstützungen 11,679 „ % „ 11.540 „ „ 1870—72 1892—94: Bildungs- und Human.- Anstalten . . . . 1.261 fl. % kr. 3,433 fl. 67 kr. Die kleine Tabelle beweist zur Genüge das Anwachsen der Leistungen des Fonds für Zwecke des Unterrichts und für die Cultuseinrichtungen der Gemeinden. So namhaft nun auch diese Beträge sind — wer da meint, daß mit diesen verschiedenartigen Beiträgen, wozu ja noch die den Gemeinden bewilligten, allerdings verzinslichen Darlehen kommen, den Bedürfnissen derselben völlig entsprochen oder Genüge geschehen sei, der irrt. Denn ihre Lage ist in Folge der durch die Freizügigkeit ermöglichten Verschiebung der jüdischen Bevölkerung aus den alten Gemeinden nach den Groß- oder Provinzial-Hauptstädten eine höchst precäre, ja traurige geworden. Die wohlhabenden Steuerträger sind fortgezogen, der minder begüterte Rest steht nun vor der Aufgabe. die alte Kehilla mit ihrem ganzen Personal und den alten Institutionen allein zu erhalten, für die Armen zu sorgen u.s.w. Da ist nun die Aushilfe, die der Fond bietet, wohl eine große Wohlthat, allein diese reicht nicht aus, um die Ansprüche aller Gemeinden — und außer Brünn und O lm ütz erheben ja alle anderen Gemeinden mehr oder weniger solche — zu befriedigen. Dazu kommen die kürzlich constituirten sieben neuen Gemeinden, die vor der schweren Aufgabe stehen. Alles neu zu schaffen, während die alten, aus deren Mitte sich die neuen recrutirten, über Verkürzung klagen — ein schwieriges Problem, zu dessen Lösung der Fond zwei- oder dreimal so groß sein müßte, während sein Erträgniß in Folge des fallenden Zinsfußes in Abnahme begriffen ist. Dazu kommt der sinkende Opfersinn für jüdische Zwecke, die Möglichkeit des Austritts aus der Confession. von der die Renitenten häufig Gebrauch machen — kein erfreuliches Zukunftsbild. Doch das darf uns nicht abschrecken. Der jüdische Cultus in Mähren behält in seinem Fonde immerhin eine zuverlässige Hilfsquelle! Das in der 1894er Generalversammlung gewählte Curatorium besteht aus den Herren: Jul. Ritter v. Gomperz, Herrenhausmitglied. Obmann, kaiserl. Roth Mandl, Stellvertreter S. Blau/J. Großmann.Jan.Hönig, Ad.Lieblich, Dr.Al.Hilf. Em. Oppenheimer,I.Ornstein, S. Rosenfeld Dr. S. Spitzer, k. k. Sanitäts-Jnfpector. Dem verdienstvollen Obmann-Stellvertreter Wohlmuth, der sich durch 22 Jahre der Fondsverwaltung, wie den allgemeinen jüdischen Interessen eifrigst gewidmet und seither leider verschied, wurde bei seinem Rücktritt eine besonders warme Anerkennung gezollt. Bon früheren Curatoren sind verstorben: Karplus, Stern, Singer, Wohlmuth; abgetreten:Wilczek, Eisler, Kuffner, Stroß. Erwähnungswerth ist die im Jahre 1893 getroffene Einrichtung einer Ueberwachung des Religionsunterrichtes inden Gemeinden durch einige Vertrauensmänner des Curatoriums. Rabbiner, die sich diesem Ehrenamte aus Interesse für die heilige Sache unterziehen. Eine Anfangs von Seiten eines jungen Rabbiners dagegen eingeleitete Gegenagitation hat sich beruhigt, die Rabbiner wurden aufgefordert, behufs der Wahl der Vertrauensmänner selbst Secunda-Vorschläge zu erstatten, und so wurden für die Jahre 1894 bis 1896 hiezu bestellt: Rabb. Dr. S. Pollak (Trebitsch), Dr. S. Groß (Lundenbürg). Dr. I. Tauber (Prerau), Dr. E. Hoff (Proßnitz). Es steht zu erwarten, daß diese Einrichtung zur Hebung des leider in vielen Gemeinden und besonders auf dem offenen Lande darniederliegenden Unterrichtes im Hebräischen und der Religionslehre ein gutes Theil beitragen werde. Das wäre die nahrhafteste „Zehrung", die wir nebst der materiellen, klingenden dem einstigen „Verzehrer" zu danken hätten. I. O. Budapester Briefe. Anfangs Februar 1895. Die Wiederaufnahme dieser periodischen Berichte aus der Haupt- und Residenzstadt der ungarischen Reichshälfte fällt — wenn man Kleines mit Großem zusammenstellen darf — in die Antrittszeit eines neuen Ministeriums. Nach langem Ringen mit der plötzlich aufgetauchten» reactionären Strömung mußte das populäre, liberale Ministerium Wekerle abdanken, um einer anderen, glücklicherweise nicht minder freisinnigen Regierung die Leitung des Landes zu übergeben. In dem Kampfe der politischen Elemente um die