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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-02-08 · 6 (8.2.1895) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
6 (8.2.1895)
Date
1895-02-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 96 Vrstrrvelchlfchr Vochrnschrtfl Nr. 8 Mit dem Gefühle inniger Dankbarkeit haben die rumänischen Juden die Nachricht von dem an die italienischen Deputirten gerichteten Schreiben des Herrn Dr. Bloch ausgenommen; aber, was geradezu staunenswerth ist, — auch vorurtheilsfreie, christliche Rumänen haben mit der Meinung nicht hinter dem Berge gehalten, daß Herr Dr. Bloch gut und recht gehandelt habe. Wer den rüden Ton, der von einem großen Theile unserer Presse bei der Eroberung jüdischer Angelegenheiten angeschlagen wird, beiläufig kennt, wird sich auch annähernd einen Begriff machen können, von den — Kraftausdrücken, mit denen Dr. Bloch in manchen Zeitungen anläßlich dieser Affaire bedacht worden ist. Aber Beleidigungen von solcher Seite können nicht beleidigen. Höchst komisch ist aber unter Anderem die mehrfach geäußerte Bermuthung, Dr. Bloch habe in seiner Campagne zu Gunsten unserer Judenschaft einen Förderer in dem Minister Carp, ja dieser sei sogar Dr. Bloch's unmittelbarer Inspirator. Diesbezüglich schreibt die „Zara" („Das Land" ein täglich erscheinendes Bukarester Blatt) Folgendes: „Der Versuch des ehrenwerthen Rabbiners, die Siebenbürgische Frage mit der Judenfrage zu verquicken, erschien uns als ein zurückzuweisender Macchiavellismus und wir haben dies nach Gebühr besprochen. Nicht wahr, für jeden vernünftigen Menschen ist die Sache damit erledigt gewesen? Nun gut, die collectivistischen Parteigänger schicken sich an, aus dem Butterbrod des Dr. Bloch ein wenig Nutzen zu ziehen. Aber da es ihnen von größerer Wirkung erschien, die Insinuation in einem Siebenbürgischen Blatt unterzubringen, so stoßen wir jetzt in der letzten Nummer der „Tribüne" auf ein Artikelchen, betitelt: „Herr Peter Carp und Dr. Bloch". Der Berfaffer dieses Artikels weist darauf hin, daß der Doctor-Rabbiner seinem Appell ein Fragment aus einer Rede des Herrn Carp über die Judenfrage beigeschlossen hat und will damit zu verstehen geben, daß Dr. Bloch an Herrn Carp einen mächtigen Förderer, wenn nicht sogar einen unmittelbaren Inspirator habe. Uns wundert nicht die Blödheit des Artikels . . . aber wir wollen tlos die einzige Bemerkung machen: Es steht gerade den Rumänen aus Siebenbürgen, welche für die Beseitigung der Brutalitäten kämpfen, nicht gut an, über die Juden, die in die Donau geworfen wurden, Witze zu machen." Die meisten rumänischen Zeitungen von Bedeutung haben zu dem offenen Briefe an die italienische Kammer Stellung genommen und ich erlaube mir nachstehend eine beachtenswerthe Z.'itungsstimme zu reproduciren. Das Bukarester Tagblatt „Lumea Roux" („Die neue Welt") schreibt in der Nummer vom 29. Jänner: . . . „Unsere Patrioten protestiren gegen die Ungarn und scheinen einzusehen — wenn von Siebenbürgen und Ungarn dieRede ist — daß ein Volk das andere nicht unterdrücken dürfe; aber sie sehen nicht ein, daß man auch von ihnen fordert, sie sollen hier im Lande die Fremden nicht verfolgen und unterdrücken — angefangen von den Juden und einschließlich der Türken und Tataren in der Dobrudscha, die alle unter das gemeinsame Gesetz zu stellen diese Patrioten bis heute sich nicht entschließen konnten. Nicht nur, daß diese hier in ihren Handlungen ganz, anders sind, als sie es von den Ungarn für dorten begehren, so gehen sie noch soweit und erwarten von den heimischen Juden, daß diesegegen dieUngerechtigkeiten die sie hier erleiden, nicht protestiren, während ihnen der Protest der siebenbürgischen Rumänen gegen die Ungarn gerecht, heilig, heroisch erscheint! Die Rumänen suchen die Sympathien Europas für die Angelegenheit der Unterdrückten jenseits der Berge (in Ungarn) zu gewinnen, aber sie wundern sich, wenn die Juden von hier, der Rabbiner Herr Bloch im Namen Mehrerer, gegenüber den italienischen Deputirten Protest einlegen, indem sie diesen zeigen, d a ß auch dieRumänen sich gegenüber denFremden imLande „ungarisch" benehmen. Sie wundern sich, wenn die Ungarn selbst oder der magyarenfreundliche Rumäne Mol doveanu den Rumänen die Art und Weise, wie sie die inländischen Juden behandeln, drastisch vor Augen führen. Wir haben es seit Langem gesagt: Lasset im Lande Gerechtigkeit walten, wenn ihr nicht wollt, daß man euch ins Gesicht sage, daß.ihr Lärm machet, aber im Grund nicht besser seid, als die sogenannten barbarischen Hunnen. Wirsehen, daß die Juden verfolgt sind, Beweis: die Schwierigkeiten, die man bei der Bewilligung ihrer Staatsbürgerschaft macht; die Vertreibung der Judenkinder aus den öffentlichen Schulen, trotzdem daß jüdische Eltern die Steuern zahlen, aus denen jene Schulen erhalten werden; Beweis auch die Berjagung der jüdischen Schankwirthe aus den Dörfern, obgleich die christlichen Schankwirthe zum mindesten ebensolche Lumpen sind. Die Lösung der Frage liegt im wohlverstandenen Interesse des Landes und w i r sollen nichterst warten, bis sieunsvonaußen mit viel größererMachtals aufdemBerliner Congresse aufgezwungen wird; die Losung erfolgt unserer Ansicht nach durch das allgemeine Wahlrecht für die Rumänen und alle in Rumänien geborenen und erzogenen Fremden, welche auf jeden fremden Schutz verzichtet haben, und hauptsächlich durch die Aufhebung des infamen Expulsionsgeseßes." Die Bukarester Wochenschrift,,Egalitäten" bespricht in ihrer Nummer vom 2. Februar zum zweiten Male in einem Leitartikel das offene Schreiben des Herrn.Dr. Bloch und sagt in einer Replik auf einen Angriff des Blattes „Lupta" auf diesen Schritt Dr. Blo ch's rmter Anderem Folgendes: „Dr. Bloch ist ein moderner Mensch und als solcher sieht er das moralische Leid als ein höheres denn das physische an; er betrachtet, wie jeder. Mensch, den Hungertod als bitterer, wie den Tod durch den Strang, denn die offenen Tendenzen und directen Maßregeln der Ausrottung sind nicht minder bedeutsam und — nicht minder verdammenswerth,. als die heimtückischen, welche in unserem „liberalen und demokratischen" Lande üblich sind. Wie? Sind die Vertreibungen aus den Dörferu minder grausam, als die aus den Städten? Sind die Gesetze, welche Einem die Existenzmittel und die des Vorwärtskommens abschneiden, minder ernst, als jene, welche Einem ohne Umstände das erworbene Vermögen rauben? Und dann hat sich ja der Mensch heutzutage, angesichts der gemachten Fortschritte, angesichts der Forderungen der Civilisation des Stranges, der Tortur u. dgl. entwöhnt, denen selbst Mörder nicht mehr ausgesetzt sind.Heute kränkt einem der erzwungene Militärdienst und das Nichtavanciren, blos weil man Jude ist, mehr, als früher der gelbe Fleck und die Judensteuer . . . Was wollt ihr: Andere Zeiten, andere Menschen, andere Sitten, andere Anschauungen! Man begreift es also, daß Herr Bloch mit seinem energischen Ausspruche, daß es um die Juden in Rumänien schlechter steht, als anderwärts und als es je war, nicht gar so sehr gefehlt hat. " In einer Polemik gegen die Zeitung „Adeverul", welche Dr. Bloch vorwirft, er habe alte Geschichten von Judenverfolgungen in Rumänien vorgebracht, schreibt das vorgenannte Blatt „Egalitäten": Auf welche Vergangenheit hat denn Dr. Bloch zurückgegriffen? Abgesehen von der Wiederholung des Ertränkens von Juden in der Donau ist Alles vollständig neuen Datums, ja sogar tägliches, ewig neues Geschehniß. — Nein, meine Herren vom „Adeverul", wir können nicht in Ihren Ruf einstimmen: „Gott sei Dank, wir haben jene Zeiten religiöser Verfolgung hinter uns, und unsere Sitten haben hinsichtlich der Toleranz und Gesetzmäßigkeit große Fortschritte gemacht!" Uns (Juden) gegenüber hat es keinen Fortschritt zum Guten, sondern nur zum Schlechten gegeben, sei es unter wirtschaftlicher oder patriotischer und nichtreligiöser Etiquette. Die Bezeichnung ist uns gleichgiltig, der Inhalt ist Alles für. uns. Auf uns ist das Wort des Dichters Alexandrescu anzuwenden: „Wir haben die schlechten Verbesserungen satt." . . . Das Schreiben des Dr. Bloch kann nicht einem feindseligen Gefühl gegen die Rumänen entsprungen sein, sondern dem Wunsche, diese zu einer gerechteren Haltung gegenüber den Juden zu veranlasien.

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