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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-02-01 · 5 (1.2.1895) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
5 (1.2.1895)
Date
1895-02-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 5 Orstrrrrichifchr Wochrnschrifl Eeüe 91 „Was bedeutet der ungebührliche Lärm?" fuhr Wallenstein heftig auf und wollte sich erheben, um zu dem Fenster zu schreiten, aber tevor sich der unbeholfene, mit Podagra behaftete Mann aufrichtete, war der Adjutant in das Vorzimmer geeilt; man hörte nun von dort kräftige Schritte und eine frische, männliche Stimme frug: „Des Herzogs Durchlaucht zu sprechen?" worauf der Adjutant erwiderte: „Es sind eben die Herren Generale zur Berichterstattung und Berathung versammelt, ich weiß nicht, ob ich es wagen darf, irgend Jemanden zu melden." „Oho!" klang's zur Erwiderung, „ich bin Seiner Durchlaucht und seinen Generalen ein gar willkommener, gerne gesehener Gast". Nun wurde die Thür rasch geöffnet, und ein Mann trat hastig ins Zimmer. Dieser war achtundzwanzig bis dreißig Jahre alt, groß, mit athletischen Formen. Sein bleiches, edel geformtes Gesicht war in dem Momente vor Aufregung geröthet. Unter einer glatten, hohen Stirne funkelten zwei große schwarze Augen, die lang niederwallenden Locken und der wohlgepflegte Vollbart waren glänzend dunkeljchwarz, die Lippen kirschroth, die Nase eine sogenannte Adlernase. Die Tracht des Ankömmlings war zum Theil bürgerlich, zum Theil ritterlich. Beim Eintreten hatte er den sogenannten Schifferhut, von schwarzem Filz mit breiter Krämpe und zweimal aufgeschlagen, abgenommen; dieser und der braune Reisemantel, der bei einer raschen Bewegung des jungen Mannes von den Schultern herabfiel, hätten ihn immerhin als einen reichen, reisenden Bürger oder Handelsherrn erscheinen lassen können, ja sogar das lange Schwert an seiner Seite und die Pistolen, die in seinem Halfter steckten, wären bei einem reisenden Kaufmanne jener Zeit nicht ausgefallen; aber der blanke Küraß gab ihm ein ritterliches Ansehen. „Durchlauchtigster Herr Generali,simus," rief er, „ich bringe von meinem Herrn Vater, dem kaiserlichen Münzmeister Jakob Basschewi, *) Edlen von Treuenberg in Prag, unterthänigsten und herzlichsten Empfehl und Viermalhundert, tausend frisch geprägte Silbergulden. Alle tragen das Bild Eurer Durchlaucht als regierenden Herzog von Mecklenburg. Meines Herrn Vaters Factor, der alte Tije Chalfan, den er mir mitgegeben, beschäftigt sich eben damit, fie Höchstdero General-Kriegszahlmeister Marchese Almigo, der mich sofort bei meinem Eintritte ins Lager freudigst begrüßte, zu übergeben, und werde ich mir nach richtigem Befunde Höchstdero Bestätigung darüber erbitten. Der Generalzahlmersier ließ sofort im Lager verkünden, daß die rückständige Löhnung morgen ausbezahlt werden wird, und die Truppen jubeln nach Sol^ datenart, schwenken und Werfen ihre Mützen in die Luft und lassen Euch, mein Fürst, und auch mich als Bringer der silbernen Schimmel laut hoch leben, daß mir vor Lust das Herz im Leibe lacht." Der junge Mann war ehrerbietig im unteren Theile des Gemaches stehen geblieben. Der Herzog ging ihm einige Schritte entgegen, reichte ihm die Hand und sprach: „Herr Ascher von Treuenberg seid mir in meinem Lager herzlichst willkommen. Bei Gott, Ihr seid mit Euren lieben Silberfüchsen gerade zur rechten Zeit angelangt. Setzt Euch! Ich brauche Euch den Herren Generalen nicht vorzustellen, Jlr seid ihnen und sie sind Euch von Prag aus bekannt. Ich werde Euch und Euren- Begleitern durch meinen Adjudanten die beste Wohnung, über die wir hier in den umliegenden Dörfern verfügen können, für die Dauer Eures Aufenthaltes im Lager ermitteln lassen. Ich hatte schon gefürchtet, der werthvolle Transport wäre von den Schweden aufgefangen worden." „Sie haben den Versuch gewagt." lachte Ascher von Treuenberg, daß seine schönen, weißen Zähne sichtbar wurden, „aber wir haben sie mit blutigen Köpfen heimgeschickt!" „So fetzt Euch doch!" sprach Wallenstein, „und erzählt ausführlich, wie es Euch ergangen." Ascher von Treuenberg ließ sich auf einen leeren Stuhl, der an dem Tische stand, nieder und begann: *) Jakob Basschewi wurde vom Kaiser Ferdinand dem Zweiten „in Berücksichtigung seines redlichen Wandels und seiner treuen Dienste" durch Diplom vom 18. Jänner 1622 in den erblichen Adelsstand mit dem Prädicate „von Treuenberg" erhoben. Es wurden ihm in diesem ein Wappen (blauer Löwe mit acht rothen Sternen in schwarzem Felde), sowie auch „alle Rechte, Freiheiten, Vortheile und Ehren, sowie sie allen im h. röm. Reiche befindlichen Wappenleutm zukommen", verliehen. „Als Euer Durchlaucht Prag verließen, um dem Käiser Deutschland zu erobern und Euch selbst neue Kriegslorbeeren zu erringen, ertheilten Höchstdieselben meinen lieben Vater den Auftrag, die ausgeprägten Gelder stets bereit zu halten, allmonatlich würdet Ihr gnädigst meinem Vater wiffen lassen, wo Höchst Ihr Euch befindet, damit das Geld Euch zugesendet werden könne. Als Euer Bote das letzte Mal eintraf, theilte er uns mit. daß Euer Durchlaucht vorsichtshalber zwei Boten, den ersten zwei Tage früher als ihn — den glücklich Angelangten — abgesendel, daß er selbst nur mit großer List und unter großer Fährlichkeit den feindlichen Patrouillen entgangen, sein Vorgänger aber ohne Zweifel diesen in die Hände gefallen oder sonst wie verunglückt fei, da er, treu und verläßlich, andernfalls den ihm aufgetragenen Auftrag erfüllt hatte. — Als nun in letzter Zeit kein Courier Euer herzoglichen Durchlaucht anlangte, meinte der Vater, es wäre zwar allerdings möglich, daß die Contributivnen bei Höchst Euch in so großem Maßstabe einliefen, daß Ihr des Baarschatzes entbehren könntet; aber es ebenso auch möglich wäre, daß Höchst Eure Kourrere aufgesangen und Höchst Ihr im Feindeslande an baarem Gelbe Mangel hättet." „Euer Herr Vater ist ein sehr kluger Mann!" unterbrach ihn der Herzog freundlich, „und hat, wie schon so oft, auch diesmal den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich hatte von Altenberg drei. Couriere abgesendet, einer kam unverrichteten Auftrags zurück, er vermochte es nicht, durch die feindlichen Linien zu dringen — die beiden anderen habe ich nicht weiter gesehen .... doch fahrt in Eurem Berichte fort, Herr von Treuenberg." „Mein Vater vertraute mir die Aufgabe, Euch, Durchlauchtigster Herr Generalissimus, die Silbersendung zuzusühren, wohin? Das würde ich unterwegs schon erfahren. Zuerst sollte ich nach Eger, wo die Armee des Baiernherzogs zu der Eurigen gestoßen, und von wo Ihr dann vereint den Weg nach Deutschland nahmt. In Eger, so setzte mein Vater voraus, würde der Festungscommandant Oberst Gordon mir die nöthigeBedeckung mitgeben. Doch als ich dort angelangt, erklärte dieser zu meinem nicht geringen Erstaunen, die Besatzung fei zu klein» um fie noch mehr zu schwächen, ich möge nur Weiterreisen, ich müßte auf dem Wege auf größere Abtheilungen kaiserlicher Truppen stoßen, welche leichter in der Lage wären, die zur Bedeckung nöthige Escorte abzugeben; allein da ich mich mit der schweren Last nur langsam vorwärts zu bewegen vermochte, unsichere Wege vermieden, endlich an Sabbathen und jüdischen Feiertagen nicht reisen durfte, gelang es mir beim besten Willen nicht, ein kaiserliches Corps zu erreichen. Allein, da ich glaubte, daß Euer Durchlaucht das Geld dringend zur Löhnung für die Mannschaft braucht, entschloß ich mich, es mit Gott zu wagen, meinen Auftrag zu vollführen. Zum Glück hatte mir mein fürsorglicher Vater nebst den Fuhrleuten für die acht Wagen noch fünfzehn bis an die Zähne bewaffnete Diener mitgegeben. Dieser kleine Trupp war — so lange wir in Böhmen weilten und uns im ärgsten Falle nur gegen Räuber zu verteidigen hatten — vollkommen genügend. Daß Oberst Gordon die Salva guardia verweigern würde, konnte mein Vater nicht erwarten." „Hm," meinte Colloredo, seinen langen Schnurbart streichelnd, „es war ein tollkühnes Unternehmen, Herr von Treuenberg, und ich möchte Euch nicht rathen, das Wagestück ein zweitesmal zu versuchen." „Audacem fortnna juvat," *) meinte Ascher von Treuenberg lachend, „doch habt Jhrrecht, Herr Generallieutenant, die Ausführung ward mir nicht leicht, auch mußte ich zur List meine Zuflucht nehmen." „Das kommt im Kriege oft vor," warf Jsolani dazwischen, „auch der Tapferste darf den Feind nicht immer bei den Hörnern faffen. Laßt hören, wie Jhr's glücklich auSgeführt." (Fortsetzung folgt.) Literatur. Athereth Scho kaum Weemeth. Homilien, Erläuterungen schwieriger Schriststellen und Sprüche der Weisen, I. Band, von Solomon K u t n a, Bezirks-Rabbiner in E i s e n st a d t. Das Werk des Verfassers, der ein jüdischer Gelehrter von gutem Rufe und einer der gefeiertsten Kanzelredner der ungarischen Judenheil *) Dem Kühnen steht das Glück bei.

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