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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-02-01 · 5 (1.2.1895) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
5 (1.2.1895)
Date
1895-02-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 92 Vrstrrrrtchifrhr IvochrnschrM Nr. 5 ist, bedarf eigentlich keiner weiteren Anpreisung. Der Recensent kommt wahrlich >n Verlegenheit, was er zuerst an dem Werke des Rabbiners K u t n a hervorheben soll: das classische Hebräisch, in dem es abgefaßt, oder die Gedankentiefe, die darin sich offenbart, den hohen Schwung seiner Phantasie oder den wissenschaftlichen Ernst und die echt jüdische Gesinnung. In demselben sehen wir die pietätvolle Vereinigung des Alten und Neuen in der Auslegung des Midrasch. Der illustre Verfasser hat im Gegensatz zu den Neuerern, die den Midrasch dazu benutzten, um mit demselben ihr Spiel zu treiben und durch ihre zweifelhaften Interpretationen ihn zu unjüdischen Zwecken zu mißbrauchen, die Seele der alten Erklärungsmeihode mit der in modernen Gedanken sich bewegenden Bibelexegese zu verbinden verstanden. Nur Wenigen ist es bisher vergönnt gewesen, die Vorzüge Beider zu vereinen. Und unter diesen nimmt der Verfasser des Althereth Scholaum Weemeth einen schönen Platz ein. Von der Sammlung der in diesem Werke enthaltenen interessanten Reden und geistreichen Abhandlungen wollen wir nur einzelne hervorheben und das Jnteresie des Lesers darauf hinlenken, nämlich aus der Abhandlung über die Heiligkeit der Ehe und des jüdischen Familienlebens, über den hohen Werth der Sprache und die Heiligkeit des W.ortes und des Schwures, über die Bedeutung der mündlichen Lehre im Religionsgebäude des Judenthums. Von den Reden sind außer mehreren vorzüglichen Gelegenheits- und Festreden besonders drei Trauerreden, wovon zwei über den vor einem Zahre dahin geschiedenen Rabbiner Salomon Spitzer in Wien und eine über den Hoswechsler Ignaz Deuts ch vor Jahren in Preßburg gehaltene, zu erwähnen. Jedem Freunde der Bibel und ihrer Exegese sei dieses Werk wärmstens empfohlen, umsomehr, da ein Theil des Erlöses unseren österreichisch-ungarischen Glaubensgenossen in Palästina gewidmet ist. H. L—r. Briefkasten. Leopold Keru iu I. Das ist noch gar nichts. Sehen Sie einmal, in welch' schamloser Weise, die „Reichspost" den Segen des Papstes zu Reclame-Zwecken fructisicirt: „Nach Graz und Innsbruck. Es ist eine directe Unwahrheit, daß die „Reichspost" die Jubiläums-Versammlung des oberösterreichischen Volksvereines todtgeschwiegeu habe. Wir haben derselben sympathische Worte gewidmet. Im Uebrigen nur tüchtig auf die „Reichspost!" geschimpft.DerSegen desHei ligenVaters entschädigt für Alles!" Zuerst das Geschäft! sagt Spitzer-Weimar. Alter, treuer Abonnent. Sie wünschen, daß wir den uns von Ihnen gesandten Zeitungsausschnitt aus dem Vergaui schen Moniteur (Abendblatt v. 25. d.) unter dem Titel: „Antisemiten unter s i ch." publiciren. Wenn Ihnen damit ein Gefallen geschieht — sehr gern. „Aus der Verleumd erpresse. Unser Artikel über die clerical-schönerianisch-judenliberaleCoalit i v n hat in's Schwarze getroffen. Die Schönererpresse meldet sich bereits als gezüchtigt. Nachdem Geschrei zu urtheilen, das das Blatt macht, müssen unsere Hiebe allerdings etwas derb gewesen sein. Dem hinter den Ohren noch nicht trockenen Schreiber der „Entgegnung" soll das für seine bübischen Schmähungen gegen unser Blatt und die christlich-sociale Partei einigermaßen als Entschuldigung dienen." Auekdoteufreund iu Agram. Sie senden uns folgende lustige Anekdote zu, in der ein tieferer Sinn steckt, und der wir deshalb eine Stelle im Briefkasten gönnen: „Die jüdische „Pester allg. Zeitung" erzählt folgendes spaßige Geschichtchen: Bei einer reichen, aufgeklärten jüdischen Familie de* ungarischen Hauptstadt wurde, wie alljährlich auch diesmal fce1' Weihnachtsbaum angezündet. Die ganze Familie saß um die Festtafel, Alle hatte das Christkindl bereits beschenkt, nur der Bräutigam der ältesten Tochter fehlte noch. - (In einigen Tagen sollte die Hochzeit sein.) Endlich kam er. Freudestrahlend führte die Schwiegermama den Auserkorenen ihrer Tochter zum Weihnachtsbaum, wo die Geschenke lagen. Er hob die Hülle .'mpor, und unter derselben lag ein kostbarer S i d d u r. War das nicht genial erdacht?" Levy I—n in Belgr. Eine Polemik mit jenem obscuren Winkelbtättchen können Sie uns doch nicht im Ernste zumuthen? Für den Ausdruck Ihrer Gesinnung herzlichen Dank. F. Korubliih in L—borg. Gegen das Studium des Spinoza haben wir gar nichts einzuwenden. Studiren Sie auch ganz getrost alle übrigen Philosophen dazu. Sie werden ja doch nur finden, daß es blos eine Wahrheit gibt: „Unser Gott ist ein einzig einiger Gott." Unsere heiligen Lehren haben das Licht der Wissenschaft durchaus nicht zu scheuen. Dr. „Spitzwegerich" irr Prag. Wissen Sie verehrter Freund, was Björnsterne Björnson, der berühmte nordische Schriftsteller einen Interviewer auf die Frage: „Was halten Sie von unserem continentalen Antisemitismus?" geantwortet hat: „Der Haß gegen den Capitalismns ist auf Irrwege gerathen!" Das war doch kurz und bündig und — richtig! Rochefort ist Antisemit. Wie, auch nicht? So ein confuser Kopf, wie der! — Gruß an all' die lieben Freunde und verehrten Gesinnungsgenossen im goldenen Prag! D. L. Besten Dank. Oberlieurenant I. L., Theresienstadt. Herzlichen Dank, doch haben wir die Exemplace bereits von anderer Seite erhalten. „Ein Betheiligter". Ihre neuerlichen Bemerkungen über den Verein „Frauenhort" enthalten kein neo.es Moment und der Abdruck derselben erscheint daher ganz überflüssig. Wir schließen hiemit die Discussion über diese Angelegenheit, indem wir Ihrem Wunsche entsprechend nur noch constatiren, daß allerdings 13.000 fl. angesammelt worden sind, während statutengemäß nur ein Fonds von 10.000 fl. zu bilden war, somit thatsächlich 3000 fl. der unmittelbaren Vertheilung entzogen wurden. I. Geiger, Tarnow. Die Antwort erhalten Sie in dem zweiten Artikel der heutigen Nummer. Adolf Werber, Saybusch. Herzlichen Dank. Herrn Med. Dr. Ferdinand K>, hier. Ihr Manuscript wird mit Weglassung des polemischen Theiles in einem medicinischen Fachblatt au seiner Stelle sein. Es erliegt in unserer Admiitistration zur Abholung. Wir sind nicht gesonnen, wissenschastliche Fragen, wie es der Gegnerschaft beliebt, vom Parteistandpunkt zu behandeln. Das Heilserum hat mit demJudenthum nichts, gar nichts zu schaffen. Interessant ist nur, daß die Vergani-Lueger- Gregorig nunmehr in eine Sackgasse gerathen sind, aus der sie weder ein ttvch aus wissen: Hofrath Baron Wider Hofer (Christ) ist der begeisterte Fürsprecher und Professor K a s s o w i tz (Jude), der erbittertste Gegner des Heilierums! „Unverfälschter." Schönerer 's Leibblatt in seiner Nr. 2 beschäftigt sich also mit dem Fall Lseu ß und nennt diesen wackeren, echt antisemitischen Volksvertreter einen „antisemitischen Nichtsnutz, — Schein-Antisemiten — der das Jüdische an sich selbst vesser z u e r st b e k ä m p f r hätte." Na das ist ja recht schön. Es thut aber dem Manne Unrecht. Sein Antisemitismus war schon echt, nur die Eide waren ein bischen sehr falsch. Herrn Samuel H. II. Sie beabsichtigen, dem Landes-Archiv von Niederösterreich, welches trotz Ehren-Schneiüers dringlicher und wiederholter Anträge noch immer keine Talmud-Uebersetzung besitzt, lieber einige Exemplare von „Knigge'sUmgangini1Menschen"zu spenden? Wir halten das für einen gewiß sehr glücklichen Gedanken. Wird aber wenig nützen, das „Conversationslexikon Knigge's", — wie es der verflossene Abgeordnete Türk genannt hat! LR. iu Ober-L. Vergant bekennt sich schon jetzt als erbitterter Gegner des neuen französischen Präsidenten, weil er beim Baron James Hirsch zur Jagd war. Soll denn ein französischer Cavalier, wenn er in Oesterreich zu Besuch weilt, nut Herrn Vergani auf die Abonnenten- und Jnserenten-Jagd gehen oder ihn auf seinen schnorrnalistischen Pirjchgängen zu Banken und Assecuranzen begleiten?! Das wäre denn doch ein bischen viel verlangt! Fräulein Helene vou Cz—a Trösten Sie sich, liebes Fräulein, und nehmen Sie die Sache nicht gar so tragisch. Sehen Sie, die ganze nachfolgende Liste von Namen hält in Bausch und Bogen ein anderes antisemitisches Sudel-Blatt für jüdisch: „Laura Benk, Therese Berg er, Risa B e r n t, Louise B l u m, Dina Baronin B uf ch m ann - M arc occhi a, Josefine C ou l o n, Anna Dehm, Baronin Alexandrine Erb von R ud t ors f er, Jlka G opfert, Johanna Grätz, Jda v. Gutmann-Wodianer, Sofie von Gutmann, Bertha v. Hahn, Lucie H a r p n e r, Hermine Herold, Martha Kapos i, Sofie v. K a s ch e n reu t h e r, Therese Maximilianne Edle v. K o r a b - Brz e z o w s k a, Laura Edle v. Ko - morzinska, Ella v. Lang, Bertha v. Leon-Lützow, Klarisse v. Lindheim-Vivenot, Mathilde v.Lin dheim-Vivenot, Wanda Lippmann, Klementine Mats che ko, Auguste v. Mayer- Gun t h o f, Moni M a y e r - G o l d s ch m i d t, Amalie O s e r, Julie P a st r 6, Minna Pfeifer Edle v. W e i ß e n e g g, Rosa Richter, Anna Schuster, Frau Johann Strauß, Marie Tremel-Masur und Helene W oll heim." Es sind vielleicht fünf jüdische Frauen darunter, mehr gewiß nicht. Thut nichts — alle Patronessen des Rathhausballes waren Semitinnen. Ehrwürden M. A. Goldstein, Rabbiner Fiume. Wir bestätigen an dieser Stelle den Empfang von sl. 5 für den Fond welcher bestimmt ist, dem Gelehrten Dr. I. Hamburger den beim Brande seiner Bibliothek erlittenen materiellen Schaden zu ersetzen. N. N. Wien. Sie nehmen es der Firma Nix gewaltig übel, daß dieselbe „Masken-Anzüge aus Stoff fürHerren und Damen, I üben Matrosen, Türken und Jockeys, annoncirt. Das ist vielleicht keine ganz glückliche Tertirung— zugegeben. Aber nur nicht zu hyperempfindlich! Im Carneval ist Manches. erlaubt. Maskenfreiheit, Billardfreiheit Gedankenfreiheit — und wir sind auch schon fertig mit den Freiheiten. Man macht sich ja auch über den Böhmen und den Engländer lustig; das sind unschuldige, nicht bös gemeinte, wenn auch nicht immer sehr geschmackvolle und geistreiche Scherze, nichts weiter. L. Blum, Slanestie: Die Buchhandlung Ch. D. Lippe Wien, II., Praterstraße 13 wird Ihnen die gewünschten Bücher besorgen. Lehrkörper der Baron Hirsch-Schule, Stanislau. Wir bestätigen, daß der Einsender der Correspondenz in Nr. 3 nicht an der Schule in Stanislau wirkt. Verantwort!. Redaeteur: Dr. Zosef S. Bloch.— Druck vou L. Beck A Sohn, Wien, Vm., Lerchmselderstraße 46. (Telephon 3268.)

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