Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 5 (1.2.1895)
- Date
- 1895-02-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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90 Seite yh im ii i i ii i*j- — —>—-» »iii,l»ii| Veflervevktztpye vmtzrnptznfl Hx. B Mayer, Vorsitzender des Consistoriums für Lothringen, mit dem Rothen Adler-Orden IV. Classe ausgezeichnet worden. Breslau, 20. Jänner 189b. Bei der Neuregelung der Vorlesungen, wie sie durch denTod des Herrn Dr. Ros in am hiesigen jüdisch-theologischen Seminar nöthig wurde, wurde Herr Dr. Finkelscherer aus B r o d y (Galizien) mit der Haltung von Vorlesungen beauftragt. Paris, 14. Jänner. Herr A. M. L e v h, Chef-Ingenieur der Minen, Mitglied des hiesigen israelitischen Consistoriums, ist zum Officier der Ehrenlegion ernannt worden. Zürich, 18. Jänner. Ende vorigen Jahres ist hier unter dem Namen „Verein Röunion" eine Vereinigung gegründet worden, welche sich den freundschaftlichen Zusammenschluß der hiesigen Glaubensgenoffen durch Veranstaltung von geselligen Zusammenkünften und die Förderung geistiger Interessen durch Abhaltung von Discuffions- und Vortragsabenden, Errichtung eines Lesezimmers und einer Bibliothek zur Aufgabe macht. Der Verein zählt bereits 70 Mitglieder; an seinen Veranstaltungen nehmen ca. 200 Damen und Herren Theil, ein Beweis, daß seine Begründung einem allseitig empfundenen Bedürfniffe entspricht. Feuilleton. Der Vorbrter von Cham. Erzählung aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel". (Fortsetzung.) „Es krepirt mich selbst, daß die erwartete Geldsendung so lange ausbleibt. Freilich, der Weg von Prag ist weit, und der Transport kann nur auf Umwegen zu uns gelangen. Fast bin ich besorgt!" „Herr und Gott!" rief Holk und ließ in feiner Aufregung die Hand wuchtig auf den Tisch niedersallen, „vielleicht ist der große Geldtransport den verfl ..... Schweden in die Hand gefallen! — da könnte man Gift und Galle speien! Der Verdruß von vor zwei Monaten, wo uns die Malefitzkerle einen, Konvoi von zwölfhundert Ochsen abfingen und tausend Wagen Brod, die sie nicht sortzubringen vermochten, verbrannten, liegt mir noch schwer im Magen." „Wenn der Geldtransport caput ginge, so wäre das ein schweres Unglück, 's wär, ärger, als eine verlorene Schlacht. Es w^rre ein doppelter Schaden; wir hätten das Geld verloren und der Schweb' hätte die reiche Beute.Was gab's bei Eurem Corps, General von Holk?" frug Wallenstein nach kurzer Pause. „Einen unbedeutenden, belanglosen Vorfall. Die lange Waffenruhe thut meinen Leuten nicht gut; Müßiggang ist aller Laster Anfang. Ein Gefreiter meiner Jäger — sonst ein tüchtiger Soldat, der sich erst jüngsthin bei Altenberg ausgezeichnet — hat sich gegen seinen Compagniechef subordinationswidrig betragen, die Waffe gegen ihn gezogen. Der Hauptmann hat ihn sofort vor der Front in Stücke gehauen." „Da hat er recht und gut gehandelt", meinte der Herzog, zufrieden mit dem Kopfe nickend. „Was habt Ihr zu berichten, Graf Pappenheim?" „Etwas Aehnliches, wie Freund Jsolani. Als ich am frühen Morgen die Lagergaffe, in der mein Regiment liegt, durchritt, standen die Kürassiere in langen Reihen, drängten sich an mich heran und murrten laut. Die Einen riefen: „Wir wollen unsere Löhnung, wir haben sie bei Altenberg und anderwärts bluttg verdient." Die Andern: „Wir langweilen uns hier im Lagerneste zu Tode, wir wollen gegen den Feind geführt werden; — wir wollen Kampf, Ehre und Beute!" „Was sagtet Ihr zu diesem meuterischen Beginnen?" srug der Herzog, und seine kleinen, hellen Augen funkelten vor Zorn. „Ich weiß meine Burschen zu behandeln, ich machte von allen meinen bewährten Mittelchen Gebrauch, die wirkten Wunder!" Pappenheim lachte kurz, trocken auf. „Ich möchte gerne für ähnliche Fälle von Euch profittren. Colloredo, „wenn's Seine Durchlaucht, der Herr Generalissimus, gestattet, würd' ich Euch bitten, den Vorgang ausführlich zu erzählen." „Ich begann meinen Versöhnungsversuch damit, daß ich dem Kürassier, der mir ani nächsten stand, mit meiner Rechten, die in einem Stulphandschuh stack, einen Backenstreich versetzte, daß er blutüberströmt zu Boden sank: dann zog ich ein Pistol aus meiner Tasche und erklärte, den ersten, der noch weiter spräche, wie einen tollen Hund über den Haufen zu schießen. Dann aber wurde ich plötzlich höchst galant und unterhältlich. Ich sprach: „Ich hatte bisher immer geglaubt, daß meine Pappenheimer nicht nur die besten Elsenreiter der Welt, sondern auch lauter kluge, pfiffige Gesellen wären, die selbst dem listigsten Teufel eine Nase drehen könnten, jetzt aber sehe ich leider Gottes, daß ich mich gröblich in Euch getäuscht, daß ihr Hauptesel, Hornochsen, Rhinocerosse seid, die ihres Gleichen suchen. Was glaubt Ihr, meine Jungens, ist unser Friedländer reich oder arm?" „Reich, steinreich!" antworteten meine Wallonen im Chor. „Glaubt Ihr, daß er ein Geizhals ist, der sein Geld für sich behalten und die Soldaten, die er wie seine Kinder liebt, hungern und darben lassen will? .... Antwort messieurs, s’il, vous plait!" ') „Nein, das glauben wir nicht," schrieen meine Wallonen, nun schon aus vollem Hatse lachend, „er ist gegen uns Soldaten stets freigebig und wie ein Vater gewesen." „Tres bien!2) dann also hättet Ihr als verständige Männer einfehen sollen, daß es nur ein unvorhergesehener Zufall verschuldet, daß Ihr Euere Löhnung noch nicht erhalten, sie aber schon am nächsten Zahltage bekommen werdet, und dese Euch so sicher ist, als wenn sie Euch der liebe Herrgott selbst schuldig wäre. Ich hoffe nun, meine Jungens. daß Jhr's jetzt recht klar und dcutlich einfehen werdet, daß Ihr alle zusammen — Narren wart!" und da ich selbst bei diesen Worten zu lachen begann, riefen sie Alle, lachend und brüllend, daß der Fußboden unter ihnen gitterte: „Vraiment, nous etions fous!1'8) Was nun Euere zweite Forderung, gegen den Feind geführt zu werden, anbelangt," fuhr ich fort, „will ich mir höflichst die Erlaubniß erbitten, eine Frage an Euch zu stellen." vemanäer, mon general!'14) rief es hundertstimmig. „Was glaubt Ihr, wer ist ein größerer Feldherr, unser Generalissimus, der Friedländer, oder ihr becs-blancs?“5) „Der Herzog!" antworteten sie höchst vergnügt brüllend. „Also wenn ich, Graf Gottfried von Pappenheim, der Sieger bei Lutter und Magdeburg, mich der hohen Einsicht unseres Generalissimus unterwerfe, müßt Jhr's auch thun und hier so lange hübsch ruhig wie ein Mäuschen im Loche sitzen, als es dem Wallenstein gefällt.... aber ich selber glaub', daß es uns und unseren Gäulen gut thun würde, wieder ein wenig an die frische Luft zu kommen und mit den Schweden zu raufen, und will den Herzog bitten uns, noch bevor der vernichtende Hauptschlag geführt werden soll, zu einem lustigen, blutigen Tanze auf einige Tage zu beurlauben. Seid Ihr damit einverstanden?" Da ließen sie Euch, Durchlaucht, hoch leben, und ihr Bivatgeschrei war von einem Ende des Lagers bis zum andern zu hören. — Meine Truppen sind jetzt für einige Tage beruhigt; freilich, wenn auch am nächsten Löhnungstage der Sold nicht ausgezahlt würde" — Pappenheim zuckte bedenklich die Achsel und verfiel wieder in den ernsten Ton, der ihm in der Regel eigenthümlich war — „dann kann ich für nichts stehen, dann kann leicht eine blutige Meuterei aus brechen". „Ich ließe die Meuterer niederkartätschen," sprach Wallenstein, „Empörung in meinem Lager ist ein undenkbarer Begriff! .... Wollt Ihr, Graf Pappenheim, Euch in der That zu einer kriegerischen Expedition einen Urlaub erbiltkn? Ich habe es ja erst gestern auseinandergesetzt, daß ich hier den Angriff der Schweden erwarte und deshalb meine Streitkräfte nicht schwächen will". „Mein Fürst!" erwiderte Pappenheim, „ich will mich nicht weit entfernen. Ich beabsichtige nur, die Höllische Festung Moritzburg zu überrumpeln, dort eine kleine Besatzung zurückzulaffen und dann wieder zurückzukehren. Die ganze Distanz beträgt fünf Meilen und . . . Pappenheim wurde in der weiteren Begründung seines Vorschlages unterbrochen. Die tiefe Stille, welche in der Nähe der herzoglichen Wohnung herrschen mußte, ward plötzlich gestört. Man hörte Pferdegetrappel, das Rollen schwerer Fuhrwerke, die Rufe jubelnder Soldaten. *) Meine Herren, wenn's gefällig ist. 2) Sehr gut. 8) In der Thal, wir waren närrisch. 4) Fragt, mein General. 6) Gelbschnäbel.