Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 5 (1.2.1895)
- Date
- 1895-02-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 88 Vrstrrrrichifchr Wochrnfchrist Nr. 5 Abraham Hirsch, ferner der Artillerie-Hauptmann Leopold Franck u. A. — Bei dem Neujahrsempfang im Elysee waren, wie alljährlich, die beiden Consistorien durch eine Deputation, bestehend aus Baron Gustav von Rothschild, den Großrabbinern von Frankreich und Paris, vertreten. — Auch bei dem Ministerpräsidenten haben die beiden Großrabbiner Z. Kahn und Dreyfuß ihre Aufwartung gemacht. Derselbe versicherte ihnen in herzlicher Weise, daß die Regierung der Republik nach wie vor alle Franzosen, gleichviel welcher Religion sie angehören, als gleichberechtigt achten werde. Petersburg, 23. Jänner. Wie „G r a s h d a n i n" und „Nowoje Wremja" übereinstimmend melden, besteht die Absicht, die Karobka (Fleisch-) und Lichter-Steuer aufzuheben. Die jüdische Gemeinde zu No stow am Don erhielt durch den Oberstcommandirenden des Militärbezirkes der Dänischen Kosaken ein vom Czaren Nikolaus II. eigenhändig unterzeichnetes Dankschreiben auf ihre aus Anlaß des Todes Alexanders III. und der Thronbesteigung des neuen Czaren dem Letzteren gesandten Beileids- und Huldigungs-Telegramme. Der Gouverneur von Beßarabien hatte zwei Juden, die in einer Entfernung von weniger als 50 Werst von der Grenze einen Wald erworben hatten, das Recht abgesprochen, diese ihre Besitzung, weil der Wald außerhalb eines städtischen Bezirkes gelegen ist, zu besuchen. Die Betreffenden wurden klagbar, und der Senat hat mit Rücksicht darauf, daß den Juden in jeder Beziehung der ständige Aufenthalt innerhalb des Grenzrayons von 50 Werst gestattet ist und kein Gesetz den temporären Aufenthalt verbietet, dieses Urtheil für nichtig erklärt. Herr Collegienrath Dr. med. Arie ist in Odessa „wegen hervorragender Leistungen im Dienste der Humanität" als erblicher Ehrenbürger in den Adelsstand erhoben worden. Am 8. Jänner hat die „Gesellschaft zur Beförderung und Aufklärung unter den ruffischen Juden" die Generalversammlung abgehalten. Ueber Antrag des correspondirendenMitgliedes und Schriftstellers Dr. Salomon Skomarowsky aus Sitomir (Wollhnien) wurde der gefeierte hebräische Dichter A. B. Gottlob er anläßlich seines 85jährigen Geburtsfestes am 18. Teweth zum Ehrenmitglied der Gesellschaft ernannt. Auf Vorschlag des Antragstellers hat die Gesellschaft an den Jubilar ein warmes Gratulationstelegramm abgesendet, welches von Magister Jsraelssohn, Dr. Skomarowski und H. Wohllerner gezeichnet war. Constantinopel. (W o h l t h ä t i g k e i t s f e st.) Ein sehr hübsches Fest fand Sonntag im spanisch-israelitischen Tempel in der Sulfuristraße inGalatastatt. Der Verein „Machsike Thora", der unter dem Präsidium des Groß-Rabbiners Moses L e w y und des Oberst Dr. Mantesch Bey G a l m i d i steht und die Heranbildung von israelitischen Priestern zum Zwecke hat, ver- Ngt über eine gute Schule, deren Zöglinge aber zum größten Theile armer Eltern Kinder sind. Diese armen Knaben mit Winterkleider zu versehen, setzte sich die ob ihres Wohlthätigkeitssinnes mit Recht hochgeschätzte Gemalin S- E. Elias Pascha zur Aufgabe und löste dieselbe, Dank ihrer unermüdlichen Sorge, auf das Glänzendste. Achtzig Knaben wurden mit vollständigen Anzügen, Oberröcken, Schuhwerk rc. beschenkt. Der Bertbeilung ging im Tempel eine erhebende Feier voraus, an der alle Honoratioren der israelitisch-spanischen Gemeinde mit dem Chacham-Baschi (Groß-Rabbiner) an der Spitze theilnahmen. Nach einem einleitenden Choral, gesungen von dem Schülerchor, und der Festpredigt in spanischer Sprache, gehalten von den Chacham (Rabbiner) Chaim Nässt, hielten die Zöglinge gelungene Ansprachen u. zw. Rifaat Fresko in türkischer, der Enkel des Chacham Baschi Moses Eleazar in hebräischer und Abr. Misrachi in spanischer Sprache, worauf die Bescheerung vor sich ging. Die Feier trug einen sehr würdigen Charakter und wurde eröffnet und geschlossen mit einem Hochrufe auf Seine Majestät den Sultan bei geöffneter Thoralade. Jerusalem, 2. Jänner. Der Ministerpräsident hat an die Paschas von Beiruth un1> Jerusalem Erlässe gerichtet, in welchen er sie aufmerksam macht, daß die Juden mit allen Völkern, die unter dem Schutze des Sultans steh en, g lei ch b erech ti g t si nd, und hinzufügt, es sei der ausdrückliche Wunsch des Sultans, daß dieJuden gleicheRechte mit allen Anderen genießen. Bekanntlich ist es das unvergängliche Verdienst des Sir Moses Montefiore bw die Emancipation der türkischen Juden erwirkt zu haben, welche durch den Firm an vom 12. November 1840 ausgesprochen wurde. Die erneute Bestätigung und Einschärfung dieses Firmans ist das Verdienst des Chacham-Baschi, R. Mose Halewi, und des General- Arztes Dr. Elias Pascha. Wie verlautet, sind diese beiden Herren auch bemüht, die Aushebung des vor drei Jahren wegen der Massenlandung russischer Juden ergangenen Verbotes der Einwanderung in Palästina zu erwirken. Hoffen wir, daß diese Bemühungen den ersehnten Erfolg haben werden. Die Wochenschrift „Hazewi", welche wegen der Ihren Lesern bekannten Vorkommnisse durch Gerichtsurtheil unterdrückt wurde, wird von nächster Woche ab wieder erscheinen. Vermiftteb. Wien. Samstag am 9. Februar, 8 Uhr Vormittags, findet im israelitischen Tempel der Seitenstettengasse die Confirmationsfeier (Bar Mizwa) des Gymnasiasten Arthur Wolf, eines Sohnes des Herrn Rabbiners und Schulinspectors Dr. Jonathan Wolf, statt. Wien. Der Kanzleiadjunct der israelitischen Cultusgemeinde Herr Nathan Königsberger wurde vom Stadtrath zum Armenrath für den 2. Wiener Bezirk bestellt. Herr Nathan Königsberger ist infolge seiner bisherigen Thätigkeit mit dem Wiener Armenwesen wohl vertraut und die Wahl dieses Mannes zum Armenrath darf darum als eine glückliche bezeichnet werden. Wien. Alfred Grünfeld hatte vorige Woche in Berlin die Ehre, mit seinem Bruder Heinrich zum Thee bei der Kaiserin Friedrich geladen zu sein. Beide Künstler wurden im Laufe des Abends von der Kaiserin sowie von den anwesenden Mitgliedern der kaiserlichen Familie für ihre künstlerischen Leistungen in der schmeichelhaftesten Weise ausgezeichnet. Alfred Grünfeld, der auf der Durchreise hier angekommen ist, begibt sich nochmals nach Leipzig, wo er am 29. d. in einer vom Liszt-Verein dem Andenken Anton Rubinstein's gewidmeten großen Feier dessen v-woll-Concert spielt. Am 31. d. trifft er dann zu mehrwöchentlichem Aufenthalte in Wien ein. Wien. Am 1. Februar d. I. feiert ein in Diensten der Humanität und Menschenliebe ergrauter Mann ein seltenes Jubiläum, denn an diesem Tage sind es 40 Jahre, daß Herr Ezechiel Pollak zum Beamten der A r m e n - A n ft a l t der israelitischen Cultusgemeinde designirt wurde. Pollak steht jetzt im 73. Lebensjahre. Stets gottesfürchtig und gläubig, .hat Pollak es nur in Ausnahmsfällen, bei Krankheiten unterlassen, dem täglich stattfindenden Gottesdienste in der Synagoge Große Schiffgaffe anzuwohnen, woselbst er durch mehr als zwei Decennien das Amt eines Vorbeters zur vollsten Zufriedenheit ausübte. Wien, 30. Jänner. (Vom In dustriellen-Balle.) Auf dem Industriellen-Balle fungirte u. A. Frau Annette Skrein, die Gemalin des bekannten Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Alfred Skrein, zum ersten Male als Patronesse. Frau Dr. Skrein wurde von Sr. Majestät dem K a i s e r, sowie von der Protectorin des Balles, Ihrer Kais. Hoheit Frau Erzherzogin Marie Therese, durch huldvolle Ansprachen ausgezeichnet. Wien. (Jff r a e l i t i sich er Frauen-Wohlthätigtkei sverein f'ür Wieden und Margarethen.) Am 3. Februar d. I.. Vormittags 11 Uhr, findet im israelitischen Tempelgebäude, V., Margarethenstraße 73, die Generalversammlung des israelitischen Frauen-Wohlthätigkeitsvereines für Wieden und Margarethen statt. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht für das Bereinsjahr 1894. 2. Interpellationen und Anträge. 3. Neuwahlen. (Der Frauen-Wohlthätigkeitsverein für Wieden und Margarethen) veranstaltet auch Heuer