Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 5 (1.2.1895)
- Date
- 1895-02-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 80 Veprrrrtchtptzr Wochrnptzrtfl Nr. 5 natürlich eine gefälschte, für die Bibliothek des Landhauses angeschafft werden. „Babakama" hat er expreß verlangt. Ja er versteht sich daraus; dieses Babakama handelt, wie ich mir habe versichern lassen, ausschließlich vom — Rindvieh. Ein Capitel handelt nur von stoßenden Ochsen. Das ist kein Spaß, Pumpo — das ist wirklich wahr. Kein Rabbiner war noch so für den Talmud begeistert wie der Herr Ober- Stamplglienrath. Immer führt er rhn im Munde. Ich halte den Schneider, im Vertrauen gesagt, auch für emenJuden, Pumpo, mit seinem ewigen Talmud — das ist mir höchst verdächtig. Oder diese miserablen Juden haben ihn bestochen, immer dieselbe blitzblödc Geschichte im Munde zu führen und sich damit zu blamiren und zu compromitliren. Er ist ganz gewiß bestochen, kein Zweifel. Diese Dummheit ist schon nicht mehr natürlich und macht mir nachgerade einen unheimlichen Eindruck. Der Schneider ist nicht so dumm, denn so dumm kann gar kein Mensch sein! Das mit den Namensänderungen der Juden hat schon mehr Sinn. Obwohl ich alle Namensänderungen doch nicht im Bausch und Bogen abweisen würde. Wenn z. B. ein Herr Feigenthal seinen Namen in Pmkeles umwandeln wollte — bewilligt! Mandelstein in Feigenthal — bewilligt! Rosenstiel in Mandelftein — bewilligt 1 aber umgekehrt nicht! Man soll auch die Juden überhaupt nicht zur Taufe zulasfen, sie lausen setzt in Massen zu uns, daß es nicht mehr schon ist. Wie wäre es mit einem nnwerus clausus? Denke Dir, zweifelt letzthin sogar ein Unverschämter an meiner eigenen Raffenremhen und glaubt, ich Teutobold, der Urgermane, habe einmal Teiteldaum geheißen. Die Judenriecherei als Sport zieht immer wettere Kreise. Dem habe ich's aber ordentlich heimgegeben. Bin ich denn der Spitzer-Weimar von der Schmähpost — Glück und Segen bei Kohn — bin ich denn ein getaufter Jud, — will ich denn jüdische Sensen für antisemitische verkaufen oder jüdische Artikel — frisch geschriebene stets am Lager —für katholische?? Apropos Spitzer- Weimar! Weil ich gerade bei dem frechsten aller jüdischen Zettungsschmierer bin — was sagst Du zu dem? Es ist geradezu unglaublich, was diese Juden im Stande , sind. Ihre Findigkeit, Zu- und Aufdringlichkeit übersteigt schon alles Dagewesene. Die kühnste und kohnste Phantasie wird da zu Schanden. Ich sage Dir, Pumpo, wenn ich mir den Spitzer-Weimar betrachte, diesen echten Raffejuden, von einem jüdischen Vater gezeugt — mem Beileid — und von einer jüdischen Mutter geboren, — o weh —, wie der, blos um seinen Rebbach zu machen, auf seine Raffenangehörigen in der infamsten und gemeinsten Weise losschlägt, ihnen die dümmsten und erlogensten Dinge ausmutzen möchte, um sie noch schlechter zu machen als sie ohnehin sind — dann sage ich innerlich zu mir: „Na, d ieses Volk ist doch eine grundschlechte Bande!" Wenn ich kein Antisemit wäre, der Spitzer-Weimar machte mich zu einem. Er macht überhaupt Viele zu Antisemiten und das mag ja am Ende seinen gewissen Nutzen für die Partei haben. Der Mensch reizt die Bevölkerung ordentlich zu Haß und Verachtung aus — er ist eine große Nützlichkeit — zugegeben — aber er ist doch und bleibt doch ein Jud! Und ich mag keine Juden, ich kann sie nicht ausstehen, ich bin kein Teitelbaum, sondern ein Teutobold — urgermanisch, raffenrein vom Scheitel bis zur Sohle — glaube an Wotan, Donar und Freya — schafft mir den Spitzer - Weimar weg, ich vertrag' den Tinten-Juden nicht!! Johannes, Mann der Zahl, gib mir rasch einen Cognac auf den Spitzer-Weimar. So! Danke! Nun ist mir wieder etwas besser. Das war ein schweres Stück Arbeit, dieser Schmähpostillon. Johannes und Mila hört! dieses Judenblatt „Reichspost" darf mir nicht in's Kaffeehaus herein — sonst geh' ich. Der fehlt mir gerade noch, dieser koschere Weihrauchschwinger. Sie lächeln holde Mila, Sie arischeste aller Sitzjungsrauen mit dem holdesten Lächeln. Ihnen widerstehen auch die Postillons, wenn sie krumme Judenbeine haben. Also, kommt her, Kinder. Wir wollen einen furchtbaren Treuschwur leisten. Legen wir unsere drei Hände ineinander und schwören: „Reichspost! — Tintenjude Spitzer-Weimar!! — Corruyte Presse — hinaus!!" Aberjetzt noch einigen Cognac, Kinder. Ich bin ganz schwach. Die Scene hat mich fürchterlich angegriffen.... Servus! U. D. Gr. Teutobold. Dir Exerution des Hauptmanns Dreyfus. Paris, im Jänner. Zur „Epecutions-Parade" — das ist der bizarre amtliche Ausdruck für die schreckliche moralische Folter, der Dreyfus unterworfen wurde — war den ausländischen Journalisten der Zutritt nicht gestattet worden. Es heißt, dies sei aus besondere Ordre des Kriegsminisieis geschehen. Wenige Vertreter auswärtiger Blätter haben sich um das traurige Vorrecht beworben, dem herzbeklemmenden Schauspiel dieser Ürtheilsvollstreckung beizuwohnen. Daß die mittiärffchen Behörden keinen ausländischen Zuschauer bei der Entehrung eines französischen Ossiciers haben wollten, der noch dazu im Hinblick auf das Ausland verurtheilt worden ist, kann man wohl begreifen und nachfühlen. So ist man denn auf die Berichte der Pariser Blätter angewiesen, die allerdings ausführlich genug find. Es geht aus den übereinstimmenden Meldungen selbst der feindlichsten Organe hervor, daß Dreyfus bei der ganzen Ceremonie nur einen Gedanken gehabt hat: Seine Unschuld zu beiheuern. Es sollte ihm eine öffentliche Schmach angethan werden. Diese Oeffenilichtett war eme Strafe, aber zugleich eine.Gnade. Dieser Mann, den man eines Tages insgeheim aus seiner Familie herausgeholt, den man zwei Monate in geheimer Haft gehalten, den man in geheimer Verhandlung abgeurthettt halte und den man nun über den Ocean schicken wollte, um ihn dort für den Rest seines Lebens in Geheimniß und Schweigen zu begraben — dieser Mann kam so für wenige Minuten mit der Oeffentlichkeit in Berührung. Endlich fand seine Stimme wieder Ohren, die sie hören konnten und da schrie er denn, bis ihm der Athem ausging: „Ich bin unschuldig!" Dazwischen auch: „Es lebe Frankreich!" Die Blätter, welche diesen Verurtheitten mit grausamster Härte behandeln..und dem. zerbrochenen und vernichteten Manne nicht einmal jene Regung der Barmherzigkeit gönnen, die sie sonst für die schlimmsten Verbrecher auf dem Wege zur Guillotine übrig haben, stimmen darin überein, diese Haltung höchst „cynisch" zu finden. Dreyfus, so meinen sie, hätte zerknirscht sein und weinen sollen. Hätte er wieder geweint, so hätten sie in ebenso tönenden Redensarten über seine Feigheit und Unwürdigkeit geschrieben. Ueberhaupt hat C o r n e l y Recht, der im „Malin" schreibt, die Phrasen-Fabrikanten hätte die Affane Dreyfus bis zum Ueberdruß ausgebeutet. Die letzte Leistung in diesem Genre ist der „Ftgaro"-Artikel von Leon Daudet; derselbe ist nebenbei auch ein schöner, antisemitischer Hetzartikel; und es ist charakteristisch für die durch den Fall Dreyfus geschaffene Stimmung, daß ein sonst so maßvolles Blatt, wie der „Figaro", derartigen Ergüssen seine Spalten öffnet. Immerhin kann man das zur Noch begreifen, da der „Figaro" vielleicht dadurch den Eindruck gewisser Enthüllungen abschwächen wollte, die er in einem anderen Theile seiner Nummer mit bemerkenswerthem Muthe veröffentlicht und über die noch gesprochen werden soll. Begreifen kann man auch, daß die Volksmenge, die auf einer Seite durch Gitterstäbe in dem Kasernenhof hineinsehen konnte, sich mit Beschimpfungen und Geschrei an der Ceremonie betheiligt hat; denn das ist die Art des Volkes, zu schimpfen und zu schreien. Unbegreiflich ist nur, daß sich unter den Journalisten Jemand gesunden hat, der es fertig brachte, dem moralisch Hingerichteten, der wehrlos zwischen vier Artilleristen an ihm vorübergeführt wurde, noch Schmähworte nachzuschreien. Dabei ist die Sache noch glimpflich abgelaufen. Die „Libre Parole" hatte am Tage vorher an die zur Bildung des Carres commandirten Soldaten .die deutliche Aufforderung gerichtet, dem Degradirten ins Gesicht zu speien, wenn er an ihnen vorübergesührt werden würde. „Würde man den kleinen Soldaten bestrafen, der. so etwas rhäte?" hatte sie im bekannten süßlichen Ton geschrieben. Dreyfus antwortete auf die Degradation, auf die Schimpsworte der Menge