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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-02-01 · 5 (1.2.1895) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
5 (1.2.1895)
Date
1895-02-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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’Jlv. 5 Veflrrreichifche Wochenfchrist Seüe 79 Teutobold's kleine Faschingsscher;e. Schreibebrief des deutschnationalen Studenten. XXIV. Wien, Ende Jänner 1895. O Du lieber Cumpan Pumpo! Du wünschest meine Meinung über die lichterloh brennende Frage zu hören, die in den jüngsten Tagen alle Gemüther hestig bewegt und erregt hat. Sofort habe ich verstanden, welche Du damit meinst. Nicht um die leidige Tramwayfrage handelt es sich Dir, obwohl auch die eines gewissen Reitzes nicht entbehrt — auch nicht um die sogenannte „orientalische", denn für uns Anti ist jede Frage eine orientalische — auch nicht darum, ob die Juden in Ungarn mit ihrer Forderung durchdringen werden, daß der neue Ministerpräsident nachträglich die Rabbinatsprüsung ablege — all diese unendlich fragwürdigen Fragen kommen erst in zweiter Reihe. Um weit Ernsteres dreht es sich jetzt. Hat der Landmarschall zu Herrn Gregorig gesagt: „Schweigen Sie!" oder „Ich bitte zu schweigen!" oder hat er gar beide Formen hintereinander gebraucht? Ist das stenographische Protokoll deswegen wirklich gefälscht worden? Das ist alles von gar nicht zu unterschätzender Bedeutung für die deutschvolkliche Ostmark. Der politisch minder Gebildete wird vielleicht denken, es sei vollständig gleichgiltig, welche umschreibende Form des parlamentarischen „Kusch!" der Herr Landmarschall gewählt hat, aber dem ist doch nicht so. Die Stenografen bestätigen die Ansicht des Vorsitzenden. Doch darauf ist wenig zu geben, denn die Grafen halten immer zusammen. Gregorig ist in der Commission, welche die Protokolle überprüfte, trotz freundlicher Einladung nicht erschienen. Und mit Recht! Er meinte, daß nur Mitglieder des Landtages darüber zu urtheilen berufen wären. Ein Landtag, in welchem die allererste Autorität in Fälschungsfragen ihren Sitz hat, hätte vor Allem dieser die 'Angelegenheit zur Begutachtung unterbreiten sollen. Da wäre die Wahrheit unbedingt ans Tageslicht gekommen. Wenn Ernst Schneider gesagt hätte: „Hier ist eine nachträgliche Verbesserung oder Einschaltung gemacht worden", so würde jeder Einsichtige vollkommen beruhigt gewesen sein, daß Alles correct und in wünschenswerter Richtigkeit ist. Hätte er aber hinwiederum gesagt: „Hier liegt keine Fälschung vor", so hätte man sich wirklich auf eine gewaltige Lumperei gefaßt machen können. So läßt man die werthvollsten Arbeitskräfte brach liegen. Darüber beschweren sich die Antisemiten mit Grund. Warum hat man denn den Schneider nicht in die Commission gewählt?! frage ich auch mit Staunen und Entrüstung. Doch damit ist die „Schweigen-Sie-Bitte.schweigen-Sie- Affaire" noch lange nicht erledigt. Sie muß wieder und wieder auf die Tagesunordnung gestellt werden. Alle gesetzgeberische Arbeit hat zu ruhen, bis diese Sache endgiltig erledigt und aufgeklärt sein wird. Da sage noch Einer, daß wir Antisemiten Gegner der Aufklärung seien. Der Herr Papa des guten G r e g o r i g, welcher Bedienter im Hause Abensberg-Traun war, der, war freilich nicht so difficil, wie das Söhnchen. So eine Livrße hat ja große Taschen. Da heißt's viel einstecken. Wenn der wüßte, was das Buberl sich Alles gegen die gnädigste Herrschaft herausnimmt, der sagte nichts weiter als: „I küß d' Hand!" Der Rest bliebe ihm vor respectvollem Entsetzen in der Kehle stecken. Er hat nie im Protokoll nachschlagen lassen, ob man ihn so oder so schweigen hieß. Ja die Kinder schlagen aus der Art. . . O dieser Rector, dieser Rector Müllner, der sich in seiner freien Zeit in Ehrfurcht vor dem Juden Spinoza beugt! Da sind wir andere Leute. Wir grüßen ihn nicht einmal, den S p i n o z a, wenn wir ihn auf der Gaffe sehen, wir kennen ihn gar nicht. . . Heute komme ich erst dazu, o Pumpo, mich über den Rector und seine saubere Rede zu äußern — so lange war ich sprachlos. Da hört sich doch Alles auf! Sagte der dem G r e g o r i g, er soll nur über das reden, was er versteht. Ja über was, frage ich, soll denn dann der Greg orig reden? Der Landmarschall empfiehlt ihm, zu schweigen und der Rector ersucht ihn, nicht zu reden. Ja, wozu hat man ihn denn dann eigentlich in den Landtag gewählt — frage ich? Dann hat er ja gar nichts im Landtage zu suchen! — Die Beziehungen Gregor! gs zur Naturwissenschaft! Mir kommt es fast so vor, als ob der Rector ihn damit habe ein bischen frozzeln und aufziehen wollen. Als verheirateter Mann habe ich gar keine wie immer gearteten Beziehungen, hätte der Angegriffene kühn antworten sollen. Was will man denn von ihm haben, der um das nachtleibliche Wohl seiner Mitbürger so eifrig besorgt ist und dessen erhabener Grundsatz lautet: „Die Wissenschaft und ihre Lehre ist vogelfrei." Mir ist der Greg orig hundert Mal lieber als dieser verjudete Rector, der für Dante schwärmt. Hast Du Dir einmal, o Pumpo, die Nase dieses Dante Alighieri genauer und eingehender betrachtet? Sie weist eine hochverdächtig gekrümmte Curve auf. Dante? Alighieri? Mir scheint da steckt was, wie Daniel A b e l e s dahinter, das will ich schon noch herauskriegen. Diese Nase? — der wunderschöne Name? — die Freundschaft des Rectors? — das reimt sich nicht anders zusammen. Die Juden machen ja eine Reclame für einander, die schon lange nicht mehr schön ist. Die loben Einer den Andern über den grünen Klee. Du fragst mich, o Pumpo, welcher Teufel denn eigentlich die Antisemiten geritten hat, gegen die Aerzte-und Apotheker- Stellung zu nehmen und ihnen so mörderisch in die Flanken zu fallen? Ja weißt Du, lieber alter Freund, zu viel darfst Du mich nicht fragen. Das sind ja die tiefsten Parteigeheimniffe. Nur die obersten Führer wissen den eigentlichen Grund von der Geschichte. Daß es auch christliche Aerzte und Apotheker, ja sogar antisemitische gibt — und das eine Menge — kann ich Dir ja gar nicht bestreiten-na, ich will Dir doch lieber klaren Wein einschenken — nicht von Chamrath & Luzzatto — in dieser Sache. Du bist ja mein Busenfreund und Dir darf ich's doch sagen. Ich weiß es nämlich ganz genau, was dahinter steckt und wie die Sache eigentlich zusammenhängt und sich verhält. Wir mußten Partei ergreifen — wir waren in die Zwangslage versetzt. Die Entscheidung drängte, entweder so oder so. Die alten- Weiber und die Aerzte liegen sich nämlich lange schon in den Haaren — von wegen der Kundschaft — sehr begreiflich. Wohl gibt es antisemitische Aerzte genug in unserer Partei, aber noch weit mehr alte Weiber, daher schlugen wir uns auf die Seite der letzteren und traten gegen die Aerzte auf. Es that uns leid genug, war aber nicht anders zu machen. Wir durften unsere Partei nicht numerisch derart schwächen. Auf die alten Weiber beiderlei Geschlechtes konnten wir nun einmal nicht verzichten. Das ging einfach nicht an. Daher alle unsere Zudringlichkeitsanträge gegen die Aerzte und Apotheker. Es lebe das Tausendgüldenkraut! ohne Kraut ist mir diese interessante Pflanze übrigens noch lieber. Doch kommt sie in dieser Spielart in unseren Gegenden nur sehr selten vor. Mit dem Landtag hat man alle Ursache, unzufrieden zu sein. Die Liberalen stören den ruhigen Verlauf der Sitzungen in geradezu würdeloser Weise. Auch find die Pulte nicht zum Klappen eingerichtet, wie im Gemeinderathe. Das ist gelinde gesagt, eine große Schlamperei. Als Resonanzböden taugen sie auch gar nichts. Du schlägst mit der geballten Faust darauf, was das Zeug hält und es macht in Folge der miserablen Akustik nicht den geringsten Effect. Schleunige Abhilfe thut da noth. Du rufst mit Stentorstimme in den Saal: „Die Juden sind keine Menschen" und es klingt, als ob du vom Tische ausstehend lächelnd zur Gesellschaft gesagt hättest: „Ich wünsche allerseits wohl gespeist zu haben". Jetzt sage noch einer von den Deutsch-Nationalen was gegen den Berg ani, den Herausgeber, der noch Keinem was —"herausgegeben hat. Du weißt, daß ich als alter Schönerer- Bursch ihm gewiß nicht grün war, dem Zaubergewaltigen. Aber sein Muth, seine tollkühne Entschlossenheit von letzthin haben mir geradezu Achtung eingeflößt. Macht der Bergani ganz allein auf einen Tiger Jagd, spürt ihn auf» verfolgt ihn, hetzt ihn und bringt ihn zur Strecke. Großartige Leistung. Er soll zwar nicht sonderlich blutdürstig und grausam sein, der Tiger von Spitz, am liebsten ist ihm, wenn man ihn in Ruh' läßt — aber es ist doch ein Heldenstück. Brav Bergani, das macht dir wieder einmal Ehre. Die in Sollenz werden sich über die Jnsollenz ihres großen Mitbürgers nicht wenig gefreut haben. Daran haben viele ihren alten Bergani wieder erkannt. Brutus, schläfst du? Er schlief nicht — er war nur ein Bischen auf der Tigerjagd. Der Herr Ober-Stampiglienralh Schneider hat zwei wichtige Anträge eingebracht, von denen Du gehört haben mußt. Es soll eine Uebersetzung des Talmud, — Babakama —

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