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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-02-01 · 5 (1.2.1895) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
5 (1.2.1895)
Date
1895-02-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 5. Men. I^Februsr 1895. Ishrgsng XII. Centralorgan für die gefammten Interessen des Iudrnthums. K. ft. Postsparkassen-Amt ClrarinsvLrkehr Nr. 810.976. LrdsrUon und Administration: Wien Nmn; Sssrfs-Nnni Lr. 8. Telsphifi-Ih1. 8535. Herausgrbrr: Reichsralhs-Abgrordnrler vr.Hloch. ■=——- *M' »K1- Erscheint jeden Freitag. $ Han abmittit! bei allen Postan stallen des In- und Auslandes. SeWgsvrri» für Srstrrrrich: Halbjährig 4 fl. — 8 Ar, Einzelexemplare SS kr. ' Für'» Ausland.- halbjährig B fl. 10 Ar. ganzjährig 10 , — so „ Anzeigen.- Dis 4mak gespaltene Petitzeile IS kr. ~i£ ■MiMüHHUltiBÜMaSU Jni-Ntt: ü 111 a r t i t e I: Der päpstliche Segen der AlMfelMlen. — Unreeller Wettbewerb. —Teutobold's kleine Faschingsscherze.^—Die Execution des Hautmanns Dreyfus. — Ein ausgehendes Gestirn. — V o mI^J a h^m arkt des Le bsfens: Aus dem Leben Adolf Jellinek's. Nikolaus II. und die Juden. Eine arische Bezirksgröße. Ein Musterpfarrer. Ein antisemitifcher Gymnasiast. Vergani und die italienischen Weine. Eine alte Bibel. Ahlwardt's „Ideal." — Eorr esponden zen: Wien, Brunn, Lemberg, Budapest, Groß-Kanizsa, Breslau, Berlin, Paris, Petersburg, Constantinopel, Jerusalem. — Vermischtes: Wien, Jamnitz, Stampfen, Trebitsch, Gliniany, Gurahumora, Sambor, Nameszto (arva), Mannheim, Berlin, Breslau, Paris, Zürich. — Feuilleton: Der Vorbeter von Cham. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Der päpstliche Segen der Antisemiten. Mit dem päpstlichen Segen sind die Herren Lie cht enstein, Pattai und Geßmann nach Linz gegangen, um daselbst die bischöfliche Autorität zu unterwühlen. In den conservativen Kreisen und auch in der liberalen Presse tröstet man sich mit dem gegen den fürstlichen Agitator erhobenen Vorwurfe, daß er diesen Segen erlistet, um nicht zu sagen: erschlichen habe. Die Curie, so sagen sie, hätte ihre Zustimmung gewiß versagt, wenn sie eine genaue Kenntniß unserer Parteiverhältnisse besäße und die wahren Ziele der Christlich- Socialen zu beurtheilen vermöchte. Das ist ein sehr sonderbarer und sehr zweifelhafter Trost. Nicht umsonst hat man Rom mit einer Spinne verglichen, die ihr gewaltiges Netz über die ganze Erde zieht. Glaubt man im Ernste, daß eine Macht, welche durch tausendjährige Schulung den Kundschafterdienst zu einer förmlichen Wissenschaft ausgebildet hat, schlecht oder gar nicht berichtet sein könnte über Ereignisse, welche seit Langem ihre volle Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen müssen? Glaubt man im Ernste, daß die päpstliche Nuntiatur in Wien und die Curie in R o m zwischen der alt-clericalen und der christlich-socialen Bewegung nicht genau zu unterscheiden wissen? Zum neuen Jahre hat auch das Herausgeber-Comite der „Reichspost", des brutalsten und verlogensten Hetzorganes, redigirt von dem Renegaten S pitz er - W e i m a r, in einem Glückwunschschreiben anden Papst dessen Segen für dieses christlich-sociale Kampforgan erbetenund der Papst hat dieser Bittegleichfalls willfahrt. Triumphirendundals Beweis, welcheWürdigung dieBestrebungen der christlich-socialen Partei in Rom finden, veröffntlichte die „Reichspoft" diesen vom Cardinal-Staatssecretär gezeichneten, an Dr. Albert Geßmann gerichteten päpstlichen Segen und das vorausgegangene Schreiben seiner Herausgeber. Aber der Cardinal-Staatssecretär hat sich mit der Antwort nicht allzusehr beeilt. Es vergingen mehrere Tage, ehe diese Antwort eintraf; man hat also erst reiflich berathen und erwogen, man hat alle Stimmungen und Strömungen sorgfältig in Betracht gezogen und das Resultat dieser Berathungen und Erwägungen war der Entschluß der Curie, sich auf die Seite der christlich-socialen Hetzer gegen die Conservativen zu stellen und die Herren Prinz Liechtenstein und Doctor Geßmann mit der von ihnen gewünschten Waffe gegen die bischöfliche Autorität auszurüsten. Im Lichte der Veröffentlichungen der „Reichspoft" nimmt sich denn auch die Meldung der „Wiener Allgemeinen Zeitung", Cardinal Galimberti habe dem Papste wegen des an den Prinzen Liechten st ein gerichteten Segens Vorstellungen gemacht, höchst fragwürdig aus. Es ist kindisch und lächerlich, diese positiven Thatsachen verschleiern oder gar ableugnen zu wollen. Man mag liberal oder clerical gesinnt sein, man mag Rom lieben oder hassen, das Eine muß man zugestehen, daß die Curie stets gewußt hat, was sie that, und daß ihr Calcul immer ein sehr weitreichender war. Nein, nein, der päpstliche Segen, den Prinz Liechtenstein und Dr. Geßmann in der Tasche tragen, ist mehr als eine Episode, mehr als eine Kriegslist, er ist die offene Parteinahme des Oberhauptes der katholischen Kirche für die antisemitische Seete, für jene christlich-sociale Paeri, deren geistige Höhe uns nun alltäglich in den rednerischen Excessen eines Gr eg orig entgegentritt. Und das ist in der That eine Merkwürdigkeit von geschichtlicher Tragweite. Wir haben jüngst ausgeführt, in welchem Maße die von den Christlich-Socialen in unseren öffentlichen Vertretungskörpern angezettelten Scandale alle staatliche und kirchliche Autorität untergraben, wie mit der Hemmung des parlamentarischen Apparates auch der ganze administrative Mechanismus ins Stocken gebracht wird. Herr Gregorig ist Herr im Landtage — wenn er will, darf diese Körperschaft berathen, wenn er nicht will, muß die Sitzung geschlossen werden. „Es geht nicht vorwärts!" jammern die Organe aller Parteien, „es kann nichts geschehen!" rufen Diejenigen, welchen

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