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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-01-25 · 4 (25.1.1895) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
4 (25.1.1895)
Date
1895-01-25
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 4 NeMrredtzlptzr Sette 75 die Initiative, einen „Leseverein" zu gründen. Den genannten Herren gelang es, die gewichtige Zahl von 54 Tubscribenten für den zu gründenden Verein zu gewinnen. Aber noch konnte der ersehnte Verein nicht ins Leben treten. Es fehlte an so Manchem, hauptsächlich aber an ... . Geld. Am 8. d. M. constituirte sich auf Grund der Bewilligung der hohen k. k. Skatthalterei (in Lemberg) der Verein. Dies bewerkstelligte der hiesige Religionslehrer, Herr Weinberg. Am 15. d. M. fand die erste ordentliche Generalversammlung unter Vorsitz des Herrn Dr. M. Stern, Landes- und Gerichtsadvocat, statt. Auf der Tagesordnung standen: die Wahl der Verwaltung, des Schiedsgerichtes und etwaige Anträge. Aus der Wahlurne kamen einstimmig heraus, die Namen: S. Klausner, Obmann, S. Schell, Obmannstellvertreter, B. Weinberg, Administrator, I. S. Langsam, Administratorstellvertreter, M. Fl inten st ein, Schriftführer, M. Fensterblau, Cassier, M. G r ä b e r, Controlor, die Herren A. S o b e l, I. Häusler und S. Grubner als Schiedsrichter. Nun ist der Leseverein thätig — und wir wollen ihm aus voller Brust „Glück auf" zurufen. Schließlich ist noch zu erwähnen, daß außer den obgenannten, den Herren A. S o b el uno S. B irn die größte Anerkennung zukommt, da sie das lebhafteste Interesse für das Gedeihen des Vereines an den Tag legen. ... 2. Andrychau, den 16. Jänner 1895. Montag den 14. d. M. wurden die sterblichen Reste des nahezu 73jährigen, nach kurzem Krankenlager verschiedenen Herrn Josef Ktappholz aus dem hiesigen israelitischen Friedhofe zur Erde bestattet. Herr Josef Klappholz, der Vater des Herrn Heinrich K l a p p h o l z, Abtheilungsvorstand der Uniondank in Wien und des Herrn Holzhändlers S. Klappholz in Remecz, vereinigte all' jene Eigenschaften des Geistes und Herzens in sich, die ihn in vorzüglicher Weise dazu eigneten, einen wohlthätigen Einfluß auf seine Umgebung zu nehmen. Seine Vertrautheit mit der gesammten hebräischen Literatur, bildete nur eine Vorstufe jener profunden allgemeinen Bildung, die ihm eine bedeutsame Stellung in der Gesellschaft sicherten, und obwohl sehr oft zur Annahme einer leitenden Ehrenstelle veranlaßt, zog er es vor, wie er oftmals äußerte, unabhängig zu bleiben und feinen Idealen zu leben. Seine geliebten Kinder, Enkel und Anverwandten, ein lebhaftes Interesse an den obwaltenden politischen und socialen Tagesfragen, das bildete in den letzten Jahren den Gegenstand seines Stilllebens. Eine leichte Erkältung, die er in gewohnter. lebensfreudiger Weise gar nicht beachtete, warf ihn auf's Krankenlager, dem er nicht mehr entrinnen sollte. Nach kurzem Ringen, friedlich, freundlich und heiter, beinahe ohne Todeskampf schied er aus diesem Leben, um nun mit seiner ihm in den Tod vorausaegangenen geliebten Lebensgefährtin vereinigt zu sein, und die selten reiche Betheiligung aus allen Schichten der hiesigen jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung bei der Leichenfeierlichkeit erbrachte den erhebenden Beweis, daß Herr Josef Klapp holz sich die Sympathien seiner Mitmenschen zu erringen verstand. An seiner Bahre sprach der Rabbiner und Prediger Herr Dr. G las er aus Biala tiefergreifende Worte, die in eine Lobeshymne an den nun entschwundenen Freund und Geistesverwandten austönten. S. Paris. Durch die jüngst erfolgte Beförderung der beiden Oberste Aron und Wolfs zu Generalen ist die Zahl der jüdischen Generale in der französischen Armee auf acht gestiegen. Die übrigen sechs Generale sind: Leopold See und Aime Lambert (oeibe Divisionsgenerale), Bernard Abraham, Justin B r i s n e, H i u st i n (welcher 40 Dienstjahre hat und Commandant des wichtigen Nord-Ost-Districtes ist) und E. A. L e v y. Amsterdam. Die Königin, sowie die Königin-Regentin haben die Talmud-Thora-Anstalt in Amsterdam und die Montefiore - Humanitäts - Gesellschaft in Rotterdam mit Spenden bedacht. Kiew. Während der letzten Cholera-Epidemie in Kiew, hat sich das jüdische Hospital als eine wahre Wohlthat für die einheimische Bevölkerung erwiesen. Bei allen Unfällen verlangten kranke Christen spontan Aufnahme in das jüdische Hospital. Der Minister des Innern hat nunmehr angeordnet, daß dem Hospital aus den Eingängen der Koscherfleischtaxe der Betrag von 17.946 Rubel zugewiesen werde, „in Berücksichtigung seiner ausgezeichneten Leistung und der großen Dienste während der Cholera-Epidemie". Feuilleton. Der Vorbeter von Cham. Erzählung aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges von S. K o hu, Verfasser von „Gabriel". (Fortsetzung.) Elke ließ ihn nicht weiter sprechen, mit einem geheimnißvollen, wehmüthigen Lächeln, das eine meuschgewordene Hyäne zu Thränen hätte rühren müssen, lispelte sie: „Du hast mich wohl nicht recht verstanden, das versteht sich ja von selbst, ich nehme die Kinder mit in den Tod — wie würd' ich sie denn da ganz allein zurücklassen auf dieser jämmerlichen, irdischen Welt!" „Gott kann sie schützen!" erwiderte Towije leise, zaghaft, in halbem Nachgeben. „Hat Gott Dich geschützt?" Towije schüttelte mißbilligend das Haupt. „So darf kein Mensch sprechen, auch ich und Du, selbst in dieser bittern Stunde, nicht." „Ist es nicht die reine Wahrheit? Dürfen wir diese nicht vor dem höchsten Urquell derselben aussprechen?" Towije war entsetzlich bleich, noch bleicher als vorher; er trat einen Schritt zurück, wandte den Blick empor und sprach: „Allmächtiger, Du hast mich hart, aber gewiß gerecht gestraft.erweise mir auf dieser Welt nur noch die eine Baterhuld — laß mich nicht irre werden an Dir, nicht schwankend werden in . meinen Glauben, gib mir Kraft, die Qualen zu ertragen, daß nicht unter der Last überharter Marter meinen Lippen unwillkürlich ein Wort entfahre, wodurch Dein heiliger Name entweiht werde, der benedeit sei — für und für." Trommelschlag und herannahende, gleichmäßige Männerschritte verkündeten die Ankunft einer größeren Truppen abtheilung. Elke zuckte erschreckt zusammen, — man kam. ihren Gatten zum Richtplatz zu holen.Wenige Minuten darauf trat ein Lieutenant und der Profoß in die Zelle. „Ihr müßt Euch jetzt trennen", sprach dieser zu den Ehegatten, „die Zeit ist um!" „Ich folge meinem Gatten zur Richtstätte, ich will bei ihm bis zu seinem letzten Augenblicke bleiben, das wird mir wohl Niemand verwehren?" antwortete Elke tonlos. Der Lieutenant blickte sie mitleidig an. „Das kann ich allerdings nicht," meinte er, „aber ich würde Ihr hierzu nicht rathen.Sprechen darf Sie dann nicht mehr mit dem Gefangenen und muß ferne von ihm stehen; — drum nehmt Abschied von einander." Elke nahm Hendel auf dem Arm, Elije an der Rechten und trat an ihren Gatten heran; dieser riß die Kinder zu sich empor, preßte sie an sein Herz, legte segnend ferne Hände auf ihre Häupter; dann warf sich Elke an seine Brust, ihre Lippen fanden sich in einem langen Kusse — endlich riß er sich los und sprach zu dem Lieutenant: „Ich bin bereit!" Jetzt verließ Elke die Kraft, welche sie so lange aufrecht erhalten hatte, sie brach in konvulsivisches Schluchzen aus, in welches die beiden Kinder mit ihren Silberstimmen einfielen; da hörte man plötzlich den Hufschlag rasch über den Hof hinfliegender Rosse, die vor der Kerkerzelle hielten.- Bevor wir in unserer Erzählung weiter schreiten, müssen wir aber berichten, was andern Orts gleichzeitig mit den zuletzt geschilderten Begebnissen vorgefallen war. Fünftes Capitel. Wie g wöhnlich des Morgens waren die vornehmsten Heerführer, Graf Colloredo, General von Holk, Commandant der Jäger, General Jfolani, welcher die leichte Reiterei, und Graf Pappenheim, welcher die schwere Cavallerie befehligte, in Wallenstein's Zimmer, diesen erwartend, versammelt, um Bericht zu erstatten und dessen Dispositionen entgegen zu nehmen. Der Generalissimus war noch in seinem Cabinet beschäftigt, dessen Adjutant, Rittmeister Neumann, stand an der Thür, um etwaige Befehle sofort an die verschiedenen Corps zu bringen. „Habt Ihr den Herzog schon gesehen und gesprochen," wandte sich Colloredo an den Rittmeister. „Zu Befehl, Herr Generallieutenant." erwiderte der Angeredete. „In welcher Laune befindet er sich?" frug Holk mit etwas gedämpfter Stimme.

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