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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-01-25 · 4 (25.1.1895) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
4 (25.1.1895)
Date
1895-01-25
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 76 Vrstrrretttztptzr Wvchenptzrtfi Rr. 4 Der Rittmeister zuckte die Achsel und sprach halblaut: „Er scheint sehr übel aufgelegt zu sein. Wenn ich mir eine Gunst von ihm zu erbitten hätte, würde ich mein Gesuch nicht heute vorlegen." ,Hm," brummte Jsolani, „unsere Berichte werden seine Laune eben nicht verbessern." „Es wird eine unangenehme Stunde werden," meinte Colloredo, „ich wollt', sie wär schon überstanden." „Pah!" rief Pappenheim ungenirt ganz laut, „ich kenne keine wie immer geartete Furcht, ich habe das dumme Gefühl am 8. November 1620 bei der Schlacht am weißen Berge für immer verlernt. Da lag ich schwer verwundet am Kampfplätze und tausend eiserne Reiter sausten über das Blachfeld, ich hätte tausendmal zu blut'gem Brei zerstampft werden können. Ein Wunder war's, daß ich am Leben blieb, nicht elendiglich verendete. Wer das erlebt und überkommen hat, an dem gehen die Schrecken dieser irdischen Welt spurlos vorüber!" „Es war bestimmt," meinte Colloredo mit einer höflichen Verbeugung, „daß der Kirche ein so glühender Vorkämpfer, ein solcher Glaubensheld erhalten bleibe." „Man thut, was man kann," erwiderte Pappenheim stolz bescheiden. „Ich glaube, Jeder von uns erfüllt redlich seine Pflicht. Hat Emer mehr Erfolg als der Andere, so ist es nicht immer sein Verdienst, so ist es, — die Geistesblinden sagen Zufall, die Gläubigen Gottesfügung." Während Pappenheim sprach, hatte sich die Thüre des Seitenzimmers geöffnet und Wallenstein trat langsam, feierlich, erhobenen Hauptes in das Zimmer. Alle erhoben sich, auch Pappenheim, doch unterbrach sich dieser nicht und sprach den eben begonnenen Satz unverkürzt zu Ende. Wallenstein erwiderte die Begrüßung der Generale mit einem leichten Kopfnicken, setzte sich oben an den Tisch und sprach: „Was habt Ihr mir zu berichten, meine Herren Generale? Beginnt, Herr Generallieutenant Graf Colloredo." „Ich habe eine Vedette ausgeschickt/ erwiderte dieser, „um zu erspähen, ob uns der Schwed' nicht näher rückt. Sie ist ziemlich tief ins Land gedrungen, doch von dem Feinde war ringsum keine Spur zu sehen, Gustav Adolf scheint unserem Beispiele zu folgen; auch er will uns durch seine Hartnäckigkeit ermüden. Er hofft, wenn wir das Land ringsum kahl gemessen, werden wir gezwungen sein, dasselbe zu verlassen und ihm Raum zu geben." „Ich weich' nicht von der Stelle." sprach Wallenstein, „und müßt ich zehn Jahre hier liegen! — Was habt Ihr Neues erfahren, General Jsolani?" „Nichts Angenehmes! Eine Deputation meiner Reiter war bei mir. Dem Feinde gegenüber sind sie wilde Kerle, mich aber lieben sie, und wenn sie etwas verlangen, tragen sie ihr Gesuch hübsch manierlich vor. Sie haben sich bei mir beschwert, oder vielmehr ihre Verwunderung darüber ausgesprochen, daß sie schon den zweiten Löhnungstag kein Geld erhalten haben. — Führt man sie gegen den Feind, daß sie redlich Beute machen können, so verwinden sie das leicht, aber müßig hier zu liegen und keinen Sold zu erhalten, ist für die wilden Jungen zu hart.Sie erfüllen tapfer ihre Pflicht und fordern ihr gutes Recht. Ich Hab' sie zuerst zornig angefahren, dann aber ihnen doch versichert, daß sie recht bald, schon in den nächsten Tagen, den rückständigen Sold erhalten. Durchlaucht, ich bitte gehorsamst, gnädigst dafür Sorge zu tragen, daß ich bei meinen Jungen nicht zum Lügner werde." Wallenstein runzelte die Stirn. (Fortsetzung folgt.) Literatur. i?xiDvD de? ist der Titel einer Monographie, welche der junge, strebsame hebräische Schriftsteller S. A. Gorodezky soeben veröffentlicht hat, um die Geistesrichtung und Lehrweise des rühmlichst bekannten, scharfsinnigen Rabbiners Samuel Elieser E d e l s aus dessen Werken in lichtvoller Darstellung zu kennzeichnen. Die äußeren Lebensverhältnisse, die anderweitig bekannt find, ganz außer Acht lassend, bemüht sich der Verfasser interessante Notizen aus E d e l s' Novellen, besonders aus denen zur A g a d a, zu liefern und stellte so mit Belesenheit und Gründlichkeit ein psychologisches System der Lehrmethode und des literarischen Charakters des Geisteshelden, dessen Erläuterungen jedem Talmudkundigen unentbehrlich sind und der in seinen halachischen Novellen in gleicher Weise durch die scharfsinnige Behandlung des Gegenstandes, wie durch das Herausfühten der Schwierigkeit sich auszeichnet, sowie er mit Recht als geistreicher Commentator talmudischer Agadastellen anerkannt ist. Aus der systematischen Darstellung des Verfassers ersehen wir, daß R. S. E d e l s auf allen Gebieten des jüdischen Schriftthums heimisch war, daß er in Astronomie, Religions- Philosophie, hebr. Grammatik, Ethik und Kabbala eine bedeutende Erudition besaß, daß er ganz besonders diejenigen tadelt,' welche mit Vernachlässigung des Thorastudiums und der Gebete ihr ganzes Leben mit kabbalistischen Spielereien vergeuden und daher in der Halacha nachtheilig, ja schädlich wirken; daß er Albo's Grundsätze in Betreff der jüdischen Dogmen ganz und voll acceptirt und die Erläuterungen der Bedeutung göttlicher Gebote für unschädlich, ja sogar für nützlich hält. Es wäre weitläufig, hier Alles mitzutheilen, was der Verfasser in dieser Schrift über E d e l s zusammengestellt, und wir begnügen uns, das Werkchen bestens zu empfehlen. Auffallend ist es — was auch der Verfasser berührt — daß G r ä tz in seiner Geschichte des jüdischen Volkes von E d e l s nichts mittheilt, wahrscheinlich, weil er ihn irrthümlich für einen sophistischen Pilpulisten hielt, was aber E d e l s keineswegs war. Die Ausstattung des Büchleins, welches beim Verfasser (zur Zeit in Meran) zu haben ist, verdient befriedigend genannt zu werden. R. D. K. Briefkasten. Herrn Dr. C. L—n in Riga. Der berühmte Kritiker Eduard Hanslick, den die Antisemiten neuester Zeit so maßlos angreifen, hat über zwei große Männer des Judenthums geschrieben: „Sulzer hatte damals ein wunderbar ergänzendes und erläuterndes Seitenstück an dem seither verstorbenen Prediger Mannheimer. Der alte Mannheimer — noch sehe ich seinen hageren, geistvollen Kopf mit den flatternden Haaren — predigte, wie Sulzer sang. Dieselbe Gewalt über das Material, dieselbe fremdartige und doch Alles fortreißende Leidenschaftlichkeit, dasselbe begeisterte Aufleuchten des Auges und der Stimme. Es war die glühendste Kanzelberedsamkeit, die ich erlebt, hier in Worten, dort in Tönen." (Geschichte des Concertwesens in Wien. II. Theil, S. 40 l.) G. Sch. in P. Ihre Einsendung kam zu spät. Arbeiterfreund, hier. Sie machen uns auf das in der That treffliche Epigramm in den „Glühlichtern" aufmerksam: „Wenn einer oft im Parlament Fanatisch über Juden spricht, 's ist arisch und 's ist Parlament Parlamentarisch ist es nicht." Kleiner Literatenbund in Cz. Wir sind gewiß nicht mit allen Werken Sacher-Masoch's einverstanden. Sein großes Talent hat Manches producirt, das besser ungeschrieben geblieben wäre. Dennoch ist es unsere Pflicht, des Mannes an seinem bevorstehenden, siebzigsten Geburtsfest zu gedenken, der gesagt hat: „Ich glaube nicht, daß es etwas geben könnte, wodurch das zu gleicher Zeit unmenschliche und unchristliche Streben der Antisemiten besser bezeichnet werden könnte, als durch die Thalsache, daß dieselben mich, der ich aus einer mindestens seit 1517 unzweifelhaft christlichen Familie stamme, zum Juden gemacht haben, nur weil ich die Juden ehrlich und energisch gegen ebenso unsinnige als niederträchtige Angriffe vertheidigt habe. Das beweist, daß in den Augen der Antisemiten ein Christ nicht von Nächstenliebe und Gerechtigkeit erfüllt sein kann. Das beweist zu gleicher Zeit, daß Antisemitismus und Christenthnm unvereinbar sind." Deutscher Sprachforscher in Leitmeritz. Der Abgeordnete Gregorig hat sich im Landtage darüber beschwert, daß seine Worte in „orientalischer Fassung" wiedergegeben wurden. Lesen Sie einmal diese Annonce „Auf z we i Anfr a g en. Amerikanische Truthühner (geschlachtet) können Sie erhalten bei der Gutsverwaltung zu Schloß Rosenau und wollen Bestellungen an Adjuncten M. Bruc^neier gerichtet werden; 1 Stück Indian kostet 3% fl. U. d. Gr." Das ist doch offenbares Judendeutsch, wenn es auch in den „Und. Deutschen Worten" Schönerer's gestanden hat. „U. d. Gr." heißt vermuthlich in diesem speciellen Falle: „und die Grammeln." Im Hochdeutschen hätte die Wortstellung natürlich zu lauten : „Sie können geschlachtete, amerikanische Truthühner bei . . . erhallen. Herrn I. H. W in W. Ein solches Blatt ist uns nicht bekannt. Senden Sie uns doch keine Briefmarken — wir haben selber welche. Direct antworten wir, wo es nothwendig. Fernere wahrheitsgetreue Berichte erwünscht. Rechtsanwalt Dr. M. Friedberg, Karlsruhe. Herzlichen Dank für die liebenswürdigen Zeilen. Im Sommer kommen wir hoffentlich zusammen. S. B. Die betreffende Wechselstube hält keine antisemitischen Bücher und Bilderbögen in der Auslage. Verantwort!. Redacteur: Dr. Josef S. Bloch.— Druck von L. Beck A Sohn. Wien. VHI., Lerchenfelderstraße 46. (Telephon 3288.)

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