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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-01-25 · 4 (25.1.1895) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
4 (25.1.1895)
Date
1895-01-25
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 74 Veyerretchtptze Wochrnfitzrtp Nr. 4 blichene, in Krakau geboren, absolvirte seine Studien in seiner Vaterstadt und in Wien und übte die Advocatenpraxis durch 18 Jahre aus. Dr. Bienenfeld war beeideter Dolmetsch der polnischen Sprache und publicistisch in hervorragender Weise thätig; bei ven Gerichten sowohl, als auch bei seinen Collegen erfreute er sich großer Beliebheit. Der Familie des Verstorbenen sind aus allen Gesellschaftskreisen Beileidskundgebungen zugekommen und die Sympathien, deren derselbe sich bei Lebzeiten erfreute, kamen in der regen Betheiligung beim Leichenbegängnisse zum Ausdrucke. F . c seiner Asche! Brünn. (Todesfall.) Heute Vormittags fand das Leichenbegängniß des hiesigen israelitischen Netigionslehrers Adolf Eisler unter zahlreicher Betheiligung statt. Eisler, der nach zehntägiger Krankheit von einer Lungenentzündung hingerafft wurde, ist zu Boskowitz im Oktober des Jahres 1834 geboren, legte seine Studien in Wien an der Lehrer- Präparandie zu St. Anna zurück, vervollständigte dort seine Ausbildung in der Kenntniß der Bibel und hebräischen Sprache und begann seine praktische Lehrthätigkeit in den ungarischen Gemeinden S k a l i tz und Papa. Nachdem er am Szanto'schen Mädchen-Jnstitute in Wien unterrichtet hatte, kam er an das Leopold Eisler'sche Institut hieher, das er später selbst übernahm und wurde alsbald auch an der Rcligionsschule der israelitischen Gemeinde beschäftigt — eine Wirksamkeit, der er sich seit 33 Jcchren mit seltener Hingebung gewidmet. Sein Fleiß war unermüdlich, seine Ausdauer eine ungewöhnliche. Er hatte die Gabe, sich die Herzen der Kinder zu gewinnen, und verstand es vortrefflich, den Unterricht ihrer Fassungsgabe gemäß zu gestalten. Neben diesen beruflichen Eigenschaften zeichneten ihn andere Tugenden aus; er war ein hingebungsvoller Gatte, der zärtlichste Vater, herzensgut und zuvorkommend gegen Jedermann. Die Achtung und Liebe, die er im Leben genoß, bewies die aufrichtige Theilnahme, die sein vorzeitiger Tod erweckte. Die Leiche war im Hause Neuthorgasse Nr. 1 aufgebahrt, wo, nach Abstngung eines Psalmes durch den Obereantor, der Religionsprofessor Dr. Grünfeld dem verblichenen Collegen einen tiefempfundenen, ergreifenden Nachruf hielt, worauf sich der Leichenzug, von den Schülern und Schülerinnen begleitet, nach dem Friedhofe in Bewegung setzte. Unter der Trauerversammlung bemerkte man den gesammten Cultusvorstand, die Directoren, sowie Abordnungen der Lehrkörper jener Schulen, an denen Eisler unterrichtete. Auf dem Friedhofe wurde ein Choral gesungen und nach Abhaltung der üblichen Gebete die Leiche des verewigten Jugendbildners der Erde übergeben. Prag, 9. Jänner. Heute wurde die irdische Hülle Rafael Kauder's zur Erde bestattet, eines Mannes, der sich ebenso durch wahre echte Religiosität als durch Menschenfreundlichkeit und Wohlthätigkeit auszeichnete. Trotz seines vorgerückten Alters, er hatte das fünfundsiebzigste Lebensjahr überschritten, und trotzdem, daß er bis an fern Lebensende in seinem Geschäfte thätig war, besuchte er doch regelmäßig dreimal täglich das Gotteshaus. Er unterstützte nicht nur Arme in munificentester Weise aus seinem Eigenen, sondern er hat sich auch dadurch zahllose Bedürftige zu höchster Dankbarkeit verpflichtet, daß er seit einer langen Reihe von Jahren für arme Kranke, Witwen, Waisen, Curbedürftige, mittellose Personen, die sich einer kostspieligen Operation unterziehen mußten, hartbedrängte Handwerker und kleine Geschäftsleute erfolgreich Sammlungen veranstaltete. Er hat im Laufe vieler Jahre Hunderte Existenzen gegründet, Hunderte von Verderben und Untergang gerettet. Bei seinem Leichenbegängnisse gab sich die allgemeine Liebe und Verehrung, deren sich der Verblichene erfreut hatte, in deutlicher Weise kund. Oberrabbiner E h r e n f e l d, selbst tief ergriffen, hielt dem Verewigten einen ergreifenden Nachruf und dem Leichenwagen folgte eine zahlreiche Menge, t arunter die besten Männer der Gemeinde. Rafael Kauders hinterläßt eine trauernde Witwe, die ihres Gatten würdig war und sich wie dieser an zahlreichen Liebeswerken betheiligte und sich hoffentlich noch recht lange betheiligen wird. Lemberg, 23. Jänner. Am 20. d. M. verschied nach kurzem Leiden Frau Marie W o h l f e l d, geb. H o ch f e l d, im Alter von 70 Jahren. Der Heimgang dieser edlen Frau hat allgemeine Theilnahme erweckt. Den schmerzlichen Verlnst beweinen ihr Sohn Moritz Wohlfeld, ihr Schwiegersohn, unser geschätzter Mitarbeiter Landesadvocat Dr. G o 1 t l i e b, die Familie H o ch f e l d, zahlreiche Enkel und Verwandte. Die Verewigte war die Tochter einer alten Lemberger. Patrizierfamilie und vereinigte in sich olle Tugenden eines jüdischen Weibes. In ihrer Jugend rastlos thätig an der Seite des ihr im Tode vorangegangenen Gatten Joachim Wohlfeld, hatte sie stets eme offene Hand jür jeden Armen und sorgte mildem wärmsten Eifer für die entfernten Verwandten, und Familienangehörigen. Das hiesige Taubstummeninstitut, das jüngst eröffnete israelitische Waisenhaus haben der Heimgegangenen zum Theil ihr Entstehen zu danken. Sie war die Beschützerin aller Wohlthätigkeitsanstalten der Gemeinde. Das Leichenbegängniß gab Zeichen der hohen Verehrung, welcher Frau Marie Wohlfeld bei Reich und Arm sich erfreute, und gestaltete sich zu einer ehrenden Kundgebung für die trauernde Familie. An der Bahre widmeten die Rabbiner S ch m e l k e s und Caro wehmüthige Nachrufe. Brody. Am 16. d. M. erlitt unsere Schule einen herben Schlag. Herr Jeremias Musen, langjähriger Lehrer der hebräischen Sprache, ist im 71. Lebensjahre eines plötzlichen Todes gestorben. Mehr als 40 Jahre hat der Verblichene ununterbrochen das Wort Gottes gelehrt und bis zum letzten Lebenstage seine Schüler in der Lehre Moses unterwiesen. Noch an demselben Tage, in welchem er seinen Geist aufgab, ertheilte er in der Schule den Unterricht. Der Hingeschiedene hätte sein volles Gnadengehalt schon längst beziehen können, aber er wollte sich nicht von seinem ihm liebgewordenen Berufe trennen und zog es vor, im Dienste des Herrn bis zum letzten Lebensathem segensreich zu wirken, wie ein Held auf dem Kampfplatze zu fallen. — Jeremias Musen war auf dem Gebiete des Talmud und der jüdischen Wissenschaft ein scharfsinniger Forscher voll kritischen Geistes. Schwierige Stellen im Talmud und in den Midraschim legte er mit Geistesschärfe aus dem Gedächtnisse im Fluge zurecht. — Am Gottesacker widmete Herr Dr. Leopold H er z el in tiefempfundener Weise dem Verblichenen einen warmen Nachruf, in weichem er seine Verdienste würdigte. M. Markstein. Brody, den 17.. Jänner. Heute fand hier die Präsidentenwahl in der Handelskammer statt und der verdienstvolle Herr Adolf Byk, der seit mehreren Jahren dieses Ehrenamt bekleidet, wurde wieder zum Präsidenten gewählt. An der Wahlurne erschien auch der Reichsraths- und Landtags-Abgeordnete Hr. Dr. Moritz Rosen stock, und in den wenigen Stunden seines hiesigen Aufenthaltes konnte man mit freudiger Genugthuung bemerken, wie dieser Mann, dessen Herz stets für jüdisches Interesse und Hilfsbedürftige warm schlägt, mit vollen Händen mildthätige Gaben an Arme und Humanitäts-Anstalten vertheilte. M. M. Leitmeritz, 21. Jänner 1895. Der treffliche Aufsatz in Ihrer letzten Nummer, „Unsere Großen" hat überall, so auch bei uns auf dem flachen Lande in Böhmen, die lebhafteste Zustimmung gefunden. Herr Dr. Friedlaender hat da den Finger auf einen gar wunden Punkt im jüdischen Gemeindeleben gelegt. Gar oft wollen die Würdigsten kein Amt in der Judengemeinde annehmen und die sich zu den jüdischen Aemtern drängen, sind nicht die Würdigsten. Mil Freude können wir daher berichten, daß bei uns Herr Dr. Töpf er, Advocat, das Vorsteheramt angenommen hat. Ein solcher Würdigster war auch der selige Herr Karl Schwarz im benachbarten A u s ch a, über dessen Hinscheiden Sie in Ihrer letzten Nummer berichteten. Die Beerdigung gab den klaren Beweis dafür, daß auch heute noch wahres Verdienst überall Anerkennung findet. Trauergäste aus weiter Ferne, darunter der frühere hiesige Bezirksrichter, jetzt Landesgerichtsrath aus L e i p a, der Reichsrathsabgeordnete Krzepek, der hiesige Bürgermeister u. s. w., gaben dem gewesenen Cultusvorsteher das letzte Geleite. Der hiesige Gesangsverein stimmte an der Bahre ein tiefergreifendes Lied an und der aus Prag zu diesem Zweckeherbeigerufeue Trauerredner Rabbiner Dr. Kisch konnte mit vollem Rechte das Leben und Wirken des Heimgegangenen ein Kidusch Haschern nennen. Solche Vorsteher brauchte man überall. Gorliee. „Es ist doch eine schöne Sache — der Fortschritt —" sagten sich einzelne Mitglieder der hiesigen jüdischen Kaufmannswelt — „wir müssen es anderen Städten nachmachen". So sprachen sie und .... sprachen lange Jahre, bis endlich der schöne Satz zur That wurde. So ergriffen die Herren I. S. Langsam und M. Fensterblau vor Jahresfrist

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