Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 4 (25.1.1895)
- Date
- 1895-01-25
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nv 4 Vesterrrtchlfchr WochrnschrM Seite 73 und es wird nur noch wenige Jahre dauern, bis dieses ganze Gebiet dem Weltverkehr auch durch Bahnen angeschlossen ist. In allernächster Zeit wird die Bahn Beirut-Damaskus eröffnet, und eine Zweigbahn von Damaskus in den Hauran ist bereits fertig. Einer französischen Gesellschaft ist die sehr wichtige Conceffion ertheilt worden, die Fortsetzung dieser Bahnen von Damaskus über Hoems, Aleppo nach Biredfchih am Euphrat zu bauen. Biredschih ist aber der Knotenpunkt in dem bereits concessionirten Netze der kleinasiatlschen Bahnen, von wo die Anschlüsse nach der projectirten Tigrisbahn gebaut werden sollen. Auch die Linie A k k o - D a m a s k u s macht bedeutende Fortschritte und soll noch in diesem Jahre bis zum Jordan dem Verkehr übergeben werden. Nun fehlt nur noch eine Zweiglinie von einem Punkte dieser Strecke nach Jerusalem, dann ist auch der Süden Palästinas in dieses Netz hineingezogen, und man kann von Europa aus nach Jerusalem per Bahn reisen, ohne mehr zur See zu fahren, als der Uebergang über den Bosporus erfordert. Aus dem Größherzogthurn Hessen, 14. Jänner. Auch in diesem Jahre sind wieder mehrere Glaubensgenossen zu H a n d e l s r i ch t e rn ernannt worden, und zwar: Hofbankier Ferdinand Sander in Darmstadt bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg; Commercienrath Siegmund Heichelheim in Gießen bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen; George Hirsch in Mainz bei dem Landgericht der Provinz R h e i n h e s s e n. Keine Glaubensgenossen befinden sich unter den Handelsrichtern zu O f f e n b a ch und Worms, was zumal in Bezug auf letzteren Ort auffallend ist, da seit einer Reihe von Jahren Herr M. Baruch Vicepräsident der Handelskammer zu Worms ist Posen, 15. Jänner. Die „Posener Zeitung" meldet aus Petersburg, daß drei jüdischen Handelsleuten, welche dem alten Judengesetze zufolge der Aus w eisun g unterlagen, auf ihre Bitten vom Czar gestattet wurde, weiter in Petersburg wohnen zu bleiben. Bei dieser Gelegenheit habe der Czar geäußert, daß aus der Residenz fernerhin kein einziger Jude, blos darum, weil er Jude ist, ausgewiesen werden dürfte. VermMes. Wien. Der Sultan hat dem Reichsrathsabgeordneten Dr. Arnold Rapaport Edlen v. Porada den Großcordon des Medschidje-Ordens verliehen. Wien. (Akademischer Verein „Gamala".) Samstag am 19. d. M. hielt das Vereinsmitglied phil. M. Berkowicz einen Bortrag über das Thema „Talmud oder Mosaismus?" Der Prälegent trat mit Entschiedenheit gegen die irrige Auffassung, (die sogar unter der jüdischen Intelligenz vielfach platzgegriffen) daß der Talmud einen Rückschritt bedeute gegenüber dem Mosaismus, auf. Vielmehr bewies er an der Hand von vielen Citaten aus dem Talmud, daß letzterer eine rationelle, der Zeit entsprechende Fortentwicklung des Mosaismus bilde. Ueberdies sei im Talmud alles das aufgespeichert, was unser Volk durch fast taufend Jahre auf geistigem Gebiete hervorzubringen vermochte, er bilde demnach unser größtes und national ausgeprägtestes Literaturwerk. Nach den Ausführungen des Referenten entspann sich eine äußerst lebhafte Debatte, die bis gegen Mitternacht dauerte und an der sich von den erschienenen Gästen die Herren Dr. Weisengrün, Dr. Kohn, Menkes und Drd. Engländer betheiligten. Es ist charakteristisch, daß unter den genannten Herren einer sich fand, der, an der oben erwähnten irrigen Auffassung festhaltend, all das wieder auftischte, das aus den Schriften christlicher Theologen in manche jüdische Köpfe, denen ebenso wie Ersteren der Talmud eine lteira ineoZuita geblieben, übergegangen ist. Natürlich blieb diese sonderbare Meinung nicht ohne Erwiderung. Der Bereinspräses, die Herren Bereinsmitglieder Phil. G u t t m a n n, phil. W a ch st e i n. Phil. Korn, Phil. S ch o r r, der Referent und einige von den Gästen bewiesen mit Geschick, wie ungerecht und unzutreffend diese Meinung sei. Sie bedeute den ganzen Entwicklungsgang unseres Volkes kurzum wegleugnen oder ihn vollkommen Umstürzen. kn. Wien. (Hermann F ü r ft.) Donnerstag Nachmittags starb in Wien der Journalist Hermann Fürst, kaum 46 Jahre alt, zuletzt Redacteur des „Neuen Wiener Tagblatt". In Alt hart in Mähren geboren, kam er in jungen Jahren nach Wien und war schon als Zwanzigjähriger Herausgeber einer Wochenschrift: „Die Opposition". Als solcher begann er die Aufmerksamkeit bald auf sich zu lenken. Nach 1866 — in den Jahren der bürgerlichen Schwärmerei — nahm die demokratische Partei unter Schrank einen seither nicht mehr gekannten Aufschwung. Hermann Fürst sprach in seinem Blatte, eben der „Opposition", frei und männlich. Dies führte ihn rasch in den Kerker. Damals hatte Graf Hompesch auf einen ruhigen Spießer, Müller, der ihm nicht ausweichen wollte, geschossen. Er wurde zu einer mehrjährigen Kerkerstrafe verurtheilt, aber bald darauf begnadigt. Zur selben Zeit wurde ein Officier, der sich in einer Broschüre freimüthig über das Heerwesen Oesterreichs ausgesprochen hatte, seiner Charge enthoben. Fürst gloffine diese Fälle sehr scharf. Eine sechsmonatliche Freiheitsstrafe. die sofort abgeseffen werden mußte, war die „Sühne" für diesen Ausdruck verletzten Rechtsgesühls. Die Nothwendigkeit, Mutter und Geschwister zu erhalten, zwang ihn zu intensiver Thätigkeit, die den Keim zu jenem Leiden legte, dem er erlag. Bei Pierson in Dresden erschien von ihm „Moderne Ideale", sein letztes Werk, das ein Spiegel seiner edlen Persönlichkeit ist. Der Heimgegangene zählte auch zu den Mitarbeitern unseres Blattes. Sonntag Vormittags fand das Leichenbegängnis unter lebhafter Betheiligung der Journalisten- und Schriftstellerkceise statt. Im Trauerhause, Währing, Sternwartestraße Nr. 49, fanden sich der Präsident des Journalisten- und Schriftstellersvereines „Concordia", Regierungsrath Winternitz, mit dem Bicepräfidenten Chefredacteur Edgar von Spiegel und vielen Schriftstellern und Vereinsmitgliedern, der Chefredacteur des „Neuen Wiener Tagblatt" Herr Wilhelm Singer mit den Redacteuren des Blattes, sowie viele Redacteure anderer Blätter ein. Vom Cottageviertel folgte dem Leichenwagen ein langer Zug von Trauergästen zum Centralfriedhof,, wo die Bestattung unter den üblichen religiösen Ceremonien erfolgte. Am Sarge gedachte alsdann zunächst Oberrabbiner Dr. G üd ema n n der trefflichen Eigenschaften des dahingeschiedenenPublicisten,woraufRegierungsrathW int ernitz namens der „Concordia" ergreifende Worte des Abschiedes sprach und Chefredacteur Wilhelm Singer den schmerzlichen Gefühlen der engeren College» Hermann Fürst's Ausdruck. Darauf erfolgte die Beisetzung. Wien. Zum Besten des seit 26 Jahren bestehenden humanitären Unterstützungsvereines „Wohlthätigkeit aus Pietät" findet am 3. Februar im Ballsaale R o n a ch e r ein E l i t e- Co st ume-Kränzchen (ohne Costumezwang) statt, welches Dank den Bemühungen des rührigen Comites, an dessen Spitze Herr Siegfried Beer steht, zu einem gleich schönen Feste führen dürfte, als es schon wiederholt in den früheren Jahren der Fall war. Der bekannt rege Zuspruch aus den besten Bürgerkreisen veranlaßte die Leitung von öffentlichen Karten-Berkaufsstellen abzusehen. Wien. (Tanznovität für den Carneval.) Herr Tanzmeister Julius Singer hat einen Menuettwalzer zusammengestellt, der seiner Leichtfaßlichkeit halber noch im heurigen Carneval Raum in den Tanzordnungen besserer Bälle finden dürfte. Herr Singer führte seine Novität anläßlich einer Versammlung den Wiener Tanzmeistern vor und fand selbe ungetheilten Beifall. Die Novität wird in sämmtlichen Tanzschulen gelehrt, da sich Herr Singer bereit erklärte, auf Wunsch alle Herrn Tanzschulinhaber damit bekannt zu machen. Wien. (Ein g es e n d e t.) Die im XVI. und XVU. Bezirke durch ihre humanitären Bestrebungen bekannte Tischgesellschaft „Humor"veranstaltetam 7.Februard.J. in G. Gschwandner's Etablissement XM., Hernals, Hauptstraße Nr. 39, einen geschlossenen Maskenball, dessen Reinerträgniß wie alljährlich wohlthätigen Zwecken zugeführt wird. Nach den von Seite des Comites gemachten Anstrengungen wird die heurige Veranstaltung ihre Vorgänger weit übertreffen und wäre im Jnteresie der Humanitären Ziele der Tischgesellschaft ein lebhafter Zuspruch zu diesem Feste sehr wünschenswerth. E. B. Wien (Todesfall.) Eines der angesehensten Mitglieder des Wiener Barreaus, Herr Hof- und Gerichtsadvoeat Dr. Heinrich B i e n e n f e l d, ist im kräftigsten Mannesalter — er war erst 46 Jahre alt — gestorben. Der Ber-