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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-01-25 · 4 (25.1.1895) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
4 (25.1.1895)
Date
1895-01-25
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 73 Vrsterrrichische Wmtzrnfchrist Nr. 4 Als vor ungefähr einem Decennium die reichhaltige Bibliothek des rühmlichst bekannten Geschichts- und Alterthumsforschers, Professor Dr. Theodor Mommsen, durch den Umsturz seiner Tischlampe vernichtet wurde, beeilten sich jüdische und nichtjüdische Mäcene, eine Hilfsaction einzuleiten, um dem genialen Meister die Reconstruction seiner Bibliothek in kürzester Zeit zu ermöglichen. Auch Landrabbiner Dr. I. H a m b u r g e r ist als weltberühmter Lexikograph eine Zierde der Wissenschaft, und steht es außer Zweifel, daß unsere jüdischen Mäcene in den Centren Europas bereit sein möchten, dem verunglückten greisen Gelehrten ihre hilfreiche Hand zu bieten, wenn eine darauf hinzielende Anregung an sie herantreten würde. Indem ich Sie nun höflichst bitte, diese Anregung in Ihrem vielgelesenen Blatte geben zu wollen, zeichne ich hochachtungsvoll Rabbiner Dr. I. I. U n g e r. Lemberg, den 20. Jänner 1895. Der Bericht aus Stanislau in der vorigen Nummer Ihres geschätzten Blattes bezüglich de- Religionsunterrichtes an den hierländischen öffentlichen Schulen entspricht vollkommen den tatsächlichen Berhältniffen, wenn er auch lange nicht erschöpfend ist. Die Dinge stehen hier viel schlimmer, als man ahnen kann. Auch der leicht durchzuführende Vorschlag, an den Lehrerseminarien parallel für die Candidaten hebräische Cnrse einzuführen, ist höchst einleuchtend und praktisch. Allein, wer die hiesigen Verhältnisse kennt, wer es weiß, wie indolent die leitenden Gemeinden unseres Landes, daß sie nicht nur unfähig sind, auch nur die einfachsten zum Heile der Heranwachsenden Jugend dienlichen Institutionen zu schaffen, daß sie vielmehr die von den Vätern überkommenen dahinsiechen lassen, der weiß, daß von dieser Seite nichts zu erwarten ist und daß früher ganze Generationen dem Judenthume absterben werden, bevor das Geringste auf diesem Gebiete unternommen werden wird. Was will man auch von uns? Wir sind alle Politiker. Reichsroth, Landtag, Gemeinderath, Handelskammer u. dgl., das ist das Feld unserer Thätigkeit, was sollen wir uns nicht mit solchen kleinlichen inneren Angelegenheiten, wie die Schaffung eines wackeren jüdischen Nachwuchses befassen. Aber das Znnächstliegende hat der Verfasser jenes Artikels überseben. Wenigstens das können wir doch von den jüdischen Gemeinden, zumal von den leitenden verlangen, daß sie einen Riegel diesem wuchernden Unkraut auf dem Gebiete des Religionsunterrichtes vorschieben. Die Cultusgemeinde als kirchliche Behörde gibt die venia legendi dem Religionslehrer. Und sie streut solche „Gutachten" mit vollen Händen aus. Ihre Devise ist: Wer hungrig ist, der komme und effe. Das Resultat sind die desolaten Zustände. Würden diese maßgebenden Factoren ihre Aufgabe ernstlich erfassen, wir hätten wenigstens keine Jugendverderber auf'dem Gebiete des Religionsunterrichtes. Möge der Himmel diese Corporationen erleuchten. Krakau. (25j ähriges Doctor-Jubiläum.) Am 9. d. M. feierte der hier allgemein geachtete und beliebte Med. Dr. Ludwid Lustg arten sein 25jähriges Doctor- Jubiläum. Er war Mitgründer der hiesigen Vereines „Bne Berith" und ist Präsident des hierortigen Bolksküchenvereines, welcher 600 arme Geschöpfe, die die Schulen besuchen, den ganzen Winter hindurch unentgeltlich bespeist. Und daß man hier seine Charaktereigenschaften genau kennt und solche zu würdigen weiß, hat deffen Jubiläum einen Beweis geliefert. Zuerst erschien bei Dr. Lustgarten eine Deputation des Vereines „Bne Berith" mit dem Präsidenten Dr. Maximilian K o h n an der Spitze, welche dem Jubilar gratulirte und demselben ein Album in kostspieliger Ausstattung überreichte. Ferner hat der Verein „Bne Berith" zu Ehren des 25jahrigen Jubiläums Dr. Lustgarten eine Plenarsitzung abgehalten. Unter Anderen erschienen beim Jubilar Deputationen des Vereines „Bikur Cholim", des „Studentenvereines", des bürgerlichen Casinos und zahlreiche Gäste. Derselbe erhielt ferner viele telegraphische und briefliche Gratulationen. Wama (Buk.). Daß man in unserer Gegend des Lebens nicht mehr sicher ist, weil hier der Antisemitismus in solch hohem Grade herrscht, daß die Juden nicht mehr auf die Gaffe zu gehen wagen, um nicht beschimpft, ja sogar auch nicht mißhandelt zu werden, ist kein Wunder, nachdem die Schuljugend, Burschen im Alter von höchstens 10 Jahren, schon die Hetzzeitungen liest, recte ihr dieselben vorgelesen werden. Ich habe mich selbst überzeugt, daß zu einem Kirchensänger 15—20 Exemplare einer rumänischen Hetzzeitung der ärgsten Sorte kommen, die dann unter die Schuljugend vertheilt werden. An jedem Sonntage versammeln sich die Schüler in der Wohnung des Kirchensängers, wo ihnen von einem Bruder desselben die Zeitungen vorgelesen werden. Aber noch mehr nimmt es Wunder, daß der Herr Ortspfarrer hierzu seine Einwilligung gegeben hat und diese Lumpereien unterstützt. In der Volksschule wurden einzelne Exemplare vom Herrn Oberlehrer confiscirt und dem Herrn Bezirkshauptmann vorgclegt. Es hat zwar der Herr Bezirkshauptmann seine Mißbilligung ausgesprochen, aber es bleibt doch beim Alten. Es werden die Schüler dadurch zur Hetze gegen die Juden verleitet und gehen ihnen die Eltern mit Beispielen voran. J. H. W. Stanislau. Der Antisemitismus hat die Einigkeit der Juden hergestellt — wenigstens in unserer zahlreichen und intelligenten Gemeinde. Es wurde nämlich — horribile dictu — ein Jude zum Vice-, und nach Lage der Verhältnisse zum eigentlichen Bürgermeister gewählt. Es ist dies der wackere Doctor Arthur N i m h i n. der die Einigkeit der jüdischen Stimmen gewann, aber auch von den Christen gewählt wurde, da dieselben — wie man sagt — keinen geeigneten Candidaten hatten. Dieser Erfolg, welcher nur der Eintracht der Juden zuzuschreiben ist, soll ein Beispiel werden für die Folge. Dr. Arthur N i mhin ist ein pflichteifriger, tüchtiger Mann, der alle Zweige des ihm anvertrauten Ressorts genau kennt. Am 2. Jänner l. I. wurde ein neues Institut ins Leben gerufen, welches längst ein Bedürfniß unserer zahlreichen Cultusgemeinde war. Dank der Munificenz und des echt jüdischen Wohlthätigkeitssinnes unseres Cultusvorstandes Herrn Hersch Aron Weishaus ist im hierortigen Spitalsgebäude eine Siechenanstalt ins Leben gerufen worden. Greise und Arbeitsunfähige ohne Unterschied des Geschlechtes erhalten in hübschen, eigens hiezu adaptirten Räumen ihre Pflege. Mit wahrer Aufopferung leitet das wachsame Auge des Spenders diese Anstalt, welche zu Gutem und Frommen gedeihen möge. M. B. Berlin, 14. Jänner. Vorgestern hielt der Verein „Jüdische Lesehalle" seine constituirende Versammlung ab, zu welcher. sich eine stattl'che Anzahl von Mitgliedern eingefunden hatte. Der Vorsitzende des Vorstandes Herr Prof. Dr. M. Philippson, begrüßte die Erschienenen und zeichnete sodann in warmen Worten die Aufgaben des Vereines, welcher die Errichtung einer L e se h a ll e, in der sämmtliche jüdischen Wochen-, Monats- und Quartalsschriften aufliegen, sowie einer Bibliothek, die Jedermann (auch Nichtmitgliedern) offensteht, bezweckt und einen Sammelpunkt für die jüdische Jugend bilden soll, die hier neben geistiger Anregung und geselligem Verkehr mit Altersgenossen Auskunft und Rath in Bezug auf materielle Bedürfnisse (Anstellung, Wohnung rc) vermittelt erhält. Die hierauf zur Verlesung gelangten Statuten wurden eu bloc angenommen und hierauf die Ergänzungswahlen zum Vorstände vorgenommen. Derselbe besteht aus folgenden Herren: Prof. Dr. M. Philippson (I. Vorsitzender), Fabriksbesitzer Julius I s a a c (H. Vorsitzender), Bankier H. M a n k i e w i tz (Schatzmeister). W. Bambus und H. Motzkin (Schriftführer), A. Friedemann, Doctor . Hildesheimer, Dr. G. Karpeles, A. Meyer, r. M. Oppenheimer, E. Rosen stiel, Dr. Wolfs und D. Wolfs (Beisitzer). Die Bibliothekscommiffion bilden die Herren Gymnasial-Oberlehrer Dr. S ch äs er und Redacteur Dr. Kaftan. Wie der Vorsitzende miltheilte, wird die Eröffnung der Lesehalle und Bibliothek bereits am 1. Februar erfolgen können. Die bei dem Kammergericht beglaubigten Rechtsanwälte Dr. T i k t i n und Dr. Moll sind zu Justizräthen ernannt worden. — Herr Emil Jakob, in Firma Jacob u. Valentin, ist. zum Commercienrath ernannt worden. Herrn Sanitätsrath Dr. Blumen th a l wurde der russische St. Annenorden 2. Claffe verliehen. — Der Bildungsverein in Danzig hat Vei seinem 24. Stiftungsfest Herrn Rabb. Dr. Werner zum Ehrenmitglied ernannt. Ausführlicher Bericht folgt. .— In Posen ist Justizroth Orgler wiederum einstimmig zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt worden. Jerusalem im December. Das Netz der s y r i s chpalästinensischen Eisenbahnen schreitet rüstig fort,

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