Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 4 (25.1.1895)
- Date
- 1895-01-25
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 4 Oestrrrrichischr Worhrnschrif! Seite 71 stände,sondern von allen Ständen und Classen, von allen sich für unterdrückt haltenden Nationen und Confession en befolgt werden sollte, weil durch die Selbsthilfe manchem harten llebel viel leichter und viel rascher begegnet werden könne, als diedurch jahrelange EnquZten, Berathungen und Beschwerdeführungen möglich fei. Hierauf hielt Reichsrathsabgeordneter Wrabeh einen mit größtem Beifall aufgenommenen Vortrag über die Selbsthilfe in allen Ständen. Herr Abgeordneter Dr. Kconawetter stimmte den Ausführungen bei und fügte neue, interessante Daten hinzu. Die Firma Wulkan & Neubrunn. Stadt-Steinmetzmeister in Wien, welche eine reichhaltige Collection der zu Monumentenund Bauten verw endb aren S teinsorten in polirten und gearbeiteten Steinmustern ausstellte, erweckte allgemeine Anerkennung. Herr Neubrunn, der die Beschaffenheit der ausgestellten Steinsorten erklärte, demonstrirte auch das Schleifen und Poliren der natürlichen Gesteine an der Hand von Modellen der einschlägigen Werkzeugmaschinen und erntete für die fachliche Ausführung und gediegene Ausstellung reichlichen Beifall. An der Debatte nahmen die Herren Zerkowitz, B i e l i tz u. s. w. theil. Um Uhr schloß der Vorsitzende die Versammlung. Budapest. (Eine 20.000-K ronen-Stiftung.) Der Los onczer Bürger Hermann Wohl hat eine Stiftung von 20.000 Kronen errichtet und den Stiftungsbrief bereits der Losonczer Stadtbehörde übermittelt. Bon den Zinsen der Stiftung sollen alljährlich vier arme, aber fleißige Schüler des dortigen Obergymnafiums betheilt werden. Jeder derselben erhält 200 Kronen jährlich während seiner ganzen Studienzeit am Gymnasium, insolange er sich dieses Beneficiums würdig erweist. Im Sinne des Stiftungsbriefes müsien zwei Studenten christlicher, zwei israelitischer Confession sein. Das Berfügungsrecht hat die Stadt Losoncz, jedoch erst nach dem Tode des Stifters, der. so lange er am Leben ist, selbst verfügt. Die erste Vertheilung erfolgt am 20. September 1896, im Millenniumsjahre. Brünn, 22. Jänner 1895. Seine Excellenz der Herr Handels minister Graf Wurmb rand, in Begleitung Seiner Excellenz des Herrn Statthalters Freiherrn von Spens- Boden sammt dem Präsidenten der Handelskammer. Herrn Julius Ritter von Gomperz, des Gewerbe-Referenten Herrn Hofrath Freiherr von Hein und des Gewerbe- Jnspectors besuchte heute S. Morgen sie rn's neuerbaute Moravia-Brauerei. Dieselben wurden von den beiden Chefs der Firma, Herren Bernhard und Albert Morgenstern, empfangen und durch sämmtliche Räume des Etablissements geleitet. Die maschinelle Einrichtung — von der hiesigen Maschinenfabrik Brano und Lhuillier ausgeführt — wurde durch den Chef dieser Firma, Herrn Luitpold Brand, sowie deren Director Herrn Carl Pfäff erläutert. Der ganze Proceß der Bierfabrication wurde von Seiner Excellenz in allen Stadien mit sichtlichem Interesse verfolgt, und erregte seine besondere Aufmerksamkeit die künstliche Kühlung der Keller (System Raoul Pictet), sowie auch der Kondensator, welch letztere Vorrichtung es ermöglicht, mit einem verhältnißmäßig geringen Quantum die Kühlanlage zu betreiben und die Lagerräume des Bieres in den heißesten Sommertagen bis zu einer Temperatur von unter 0 Grad zu bringen und zu erhalten. Beim Betreten des Abziehraumes wurde seitens der Chefs das fertige Product Seiner Excellenz credenzt, und sprach sich dieselbe über die vorzügliche Qualität sehr lobend aus. Zum Schlüsse beglückwünschte der Herr Handelsminister die Firma-Inhaber und drückte insbesondere seine Befriedigung darüber aus, daß das fragliche Unternehmen bis in die dritte Generation der Familie gediehen ist, und wünschte in leutseligster Weise für die Zukunft den besten Erfolg. E. B. Prostnitz. (D i e Wahlen in die Reprosent an zderpolitischenisraelitischen Gemeinde) hier, finden am 27. d. M. statt. Das Interesse für dieselben ist kein besonders reges, da angenommen wird, daß die bisherigen fortschrittlichen Functionäre wieder gewählt werden dürften. — Der Lehrer an der israelitischen Volksschule hier, Herr Eduard Blitz, durch zahlreiche Publicationen auf dem Gebiete des Schulwesens vortheilhaft bekannt, hat neuerlich ein Werk verfaßt: „Die praktische Anleitung zur Behandlung des Schreib-, Lese- und Anschauungsunterrichtes", welches in Fachkreisen vollste Anerkennung findet. — Bei dem nächste Woche hier stattfindenden Concerte des Proßnitzer Musik- und Gesangvereines wird der berühmte Compositeur und Clavier-Birtuose Herr Ignatz Brüll, ein gebürtiger Proßnitzer, eine Composition des jugendlichen Componisten Otto Zweig, Sohnes des Kammerrathes Sigmund Zweig in Olmütz, executiren. Otto Zweig ist ein aufstrebendes Talent von vielsagender Zukunft. Kolin. Zu der heute bei der k. k. Bezirkshauptmannschaft in Czaslau vorgenommenen Wahl eines Vertreters in die Landesjudenschafts-Repräsentanz für den Czaslauer Kreis erschienen 30 Delegirte, gewählt wurde der bisherige Vertreter Herr Leopold Haller aus Humpoletz mit 24 von 30 abgegebenen Stimmen: als besten Stellvertreter erhielt Herr Philipp M e i s l aus Z e h u s i c 28 Stimmen. Dem Wahlact ging eine Berathung voraus, in welcher von zwei Delegirten, den Herren Hönigsfeld (Czaslau). Mühlrad (Kuttenberg), die Forderung gestellt wurde daß der zu wählende Vertreter sich in erster Reihe vom nationalen G^chtspunkt leiten lasten soll. Nichtsdestoweniger wurde, aber d.> , nachdem Herr Dr. Alexander Frank aus Humpoletz die trefflichen Eigenschaften des nun seit 25 Jahren in der Repräsentanz thätigen Herrn Haller beleuchtete und nachdem ferner Herr Heinrich P o l a cek (Kolin) durch seine Worte, welche er die Versammlung zu erwägen bat, daß es — namentlich in den jetzigen Zeitläuften — von eminenter Wichtigkeit ist. i n u ns ere Bert-retungskörper fähige, honorige und demJudenthum treu ergebeneMänner zu senden, daß es aber vollständig i"rrelevant bleibt, ob diese ihre Rechenschaftsb-richte in böhmischer oder deutscher Sprache vorlegen, die Grundlosigkeit der von den Herren gestellten Forderungen klarlegte, die Candidatur des Herrn Leopold Haller angenommen. Nicht unerwähnt soll die mit großer Mehrheit in der Versammlung gefaßte Resolution bleiben, in welcher der Gewählte aufgefordert werden soll, dahin zu wirken, daß von nun ab alle von der Repräsentanz herauskommenden Verlautbarungen in beiden Landessprachen abgefaßt sein müsien. . Anerkennenswert ist die Objectivität, welche Herr Doctor Jos. P o d o m e tz, Obmann der Cultusqemeinde Kolin, welcher der Versammlung präsidirte, bei Leitung der Debatten, bekundete. Jglau, 20. Jänner. Hoch geehrter Herr Redacteur; In der jüngsten Nummer Ihres geschätzten Blattes brachte eine Strelitzer Correspondenz die betrübende Nachricht, daß in der Nacht vom 7. auf den 8. Jänner die große, 5000 Bände umfassende Bibliothek des Landrabbiners Dr. I. Hamburger, zahlreiche Manuscripte und tausend Exemplare der neuesten Auflage seiner „Realencyklopädie für Bibel und Talmud" ein Raub der Flammen geworden sind. Der unermüdliche, seit fast einem halben Jahrhundert an dem erwähnten Riesenwerke mit erstaunlichem Bienenfleiße arbeitende Gelehrte hat dadurch mit einem Schlage nicht nur den unersetzlichen Verlust werthvoller Manuscripte, sondern auch den enormen, materiellen Schaden von 20.000 Mark zu beklagen, Wie namenlos drückend dieses harte Geschick für den greisen Fachgelehrten ist, der sich inmitten seiner arbeitsvollen, schriftstellerischen Thätigkeit urplötzlich des unentbehrlichen wiffenschaftlichen Apparates beraubt sieht, braucht wohl nicht erst gesagt zu werden.