Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 4 (25.1.1895)
- Date
- 1895-01-25
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 70 Vestrrrelchtphr Wochrnschrtfl Nr. 4 Untersuchungen herausgekommenen Daten ist die Thatsache der Verschwörung festgestellt. Sie wurde nicht ausgeführt, sie scheiterte an der Biederkeit unseres Landsmannes, des kaiserlich türkischen Leibarztes Dr. Spitzer aus Wien. Neben anderen Benefizien waren ihm 3 Millionen angeboten. Nur wer die damaligen Verhältniste im Orient kennt, wird die Lage, in der sich Dr. Spitzer befand, zu würdigen wissen. Ob er die That vollbrachte oder nicht, es war gleich gefährlich. Dr. Spitzer war nicht einen Augenblick über die zu ergreifende Partei unschlüsiig. Er rettete den Sultan und mit ihm die künftige Civilisation des Orients. Abdul Medschid sorgte mit väterlicher Huld nach Entlarvung der Verschworenen dafür, daß sein Retter zum Gesandtschaftsrath in Wien ernannt wurde, da er sich nicht getraute, ihn in Constantinopel vor geheimer Rache erfolgreich schützen zu können. Die liberale Partei in Wien, mit der er verkehrte, hielt große Stücke auf den kleinen, schmächtigen Mann, in dem noch die Nachwelt den deutschen Einfluß im Orient segnen wird. In Jerusalem übt heute der Chefarzt des Rothschild'schen Hospitals Dr. d'Arb ela einen segensreichen Einfluß aus. Von den jüdischen Aerzten, welche im türkischen Staatsdienst stehen, wird ein officieller Uebertritt zum Islam heute nicht mehr gefordert. Ein deutscher Arzt. Dr. R o s e n f e l d, der, aus Tilsit gebürtig, .weil er das Abiturientenexamen an einer Realschule abgelegt hatte, seine Studien in Zürich vollendete, wirkt heute in höherer Stellung in Z a n a in Südarabien. Es ist ihm mehrfach möglich gewesen, die trostlose Lage seiner Glaubensgenoffen in Jemen zu verbessern. Vor einigen Jahren besuchte er seine Heimat und erzählte, daß eine große Zahl jüdischer Aerzte in der Türkei in hohen Stellungen thätig sind und daß sie dort durch ihre Beziehungen zu hohen Würdenträgern erheblichen Einfluß ausüben. Die Juden i« der Wissenschaft. Der Luftschiffer Berson, der im December mit dem Ballon „Phönix" von Berlin aus die höchste, bisher erreichte Höhe (über 9000 Meter) über der Erde erreicht hat, ist ein galizischer Semit. Man sieht, daß die Juden sich überall hervordrängen. dkrmpncteett. Wien. („F rauenh or t".) Hochgeehrter Herr Redacteur! In dir. 3 Ihrer geschätzten Zeitschrift fragt ein „Beteiligter", wer dem Vereinsausschuffe das Recht eingeräumt habe, bedeutende Beträge der unmittelbaren Verwendung zu entziehen und zu capitalisiren, statt sie sofort ihrer humanen Bestimmung zuzuführen, und weshalb die Gelder des Vereines nur für Arme des IX. Bezirkes verwendet werden. Bei dem lebhaften Interesse, welches Sie, hochgeehrter Herr Redacteur, dem Vereine stets bewiesen haben, werden Sie wohl erlauben, daß dem „Betheiligten", welcher die Ziffern, die er anführt, nur aus einem mündlich vorgetragenen Berichte in der Generalversammlung entnommen haben kann, die gewünschte Aufklärung auf dem von ihm beliebten Wege ertheilt werde, wenngleich wir es vorgezogen hätten, sie sofort an Ort nnd Stelle zu geben. Das befragte Recht ist eine dem Vereinsvorstande durch die seitens des Tempelvereines im IX Bezirk überkommenen Statuten auf erlegte Pflicht. Dieselben besagen laut § 23, daß von sämmtlichen Einnahmen des Vereines 10 Percent dem Stammfonds zugeschlagen werden müssen, bis dieses Capital die Höhe von 10.000 fl. erreicht hat. Dieser Moment ist aber erst gegen Ende des Jahres 1894 eingetreten und erst seitdem dürfen die Spenden, welche der regulären Thätigkeit gewidmet werden, ohne Abzug für den Stammfonds zur Verwendung gelangen. Deshalb wird dieser Fonds in Zukunft nur durch jene Beträge, welche ihm von Spendern direct zugewendet werden, vermehrt werden. Unser Jahresbericht weist genau aus, daß auch im Jahre 1894 nur dem Stammfonds gewidmete Spenden mehr 10 Percent der übrigen Einnahmen angelegt worden sind. Aber auch nicht früher durfte, § 3 derselben Statuten gemäß, an Arme anderer Bezirke irgend ein Beitrag geleistet werden. Die Damen des Vorstandes haben ihr volles Bemühen dafür eingesetzt, nm diese durch die Statuten auferlegten Schranken baldigst zu beseitigen, was in der kurzen Zeit von nicht vollen 2 Jahren gelungen ist. Wenn auch der Verein „Frauenhort", „Israelitischer Frauen - Wohlthätigkeits-Verein für den Bezirk Alsergrund", seines Namens und des Bestrebens seiner Gründer eingedenk, in allererster Linie bemüht bleiben wird, zunächst der Noth im eigenen Bezirke wirksam zu steuern, so haben die Damen des Vorstandes, vom Momente an, wo der Fonds die Höhe von 10.000 fl. erreichte, auch Hilferufe aus anderen Bezirken nicht überhört, wenngleich die Ausdehnung der Thätigkeit auf fremde Bezirke durch den Umstand wesentlich erschwert wird, daß der Verein principiell und unter allen Umständen nur nach gewiffenhaftester Prüfung der Verhältnisse durch die Damen des Vorstandes seine Gaben bewilligt, und diese gewissenhaften Recherchen, welche das eminenteste Kriterium einer organisirten Armenpflege bilden, eine kaum zu überwindende Schwierigkeit bieten würden, wollte der für den IX. Bezirk gegründete Verein seine Thätigkeit auf das große Gemeindegebiet gleichmäßig ausdehnen. Zudem bestehen aber außer dem großen israelitischen Frauenvereine schon dermalen in vielen Bezirken Wiens ähnliche Frauenvereine, und wo dies noch nicht der Fall ist, sollten sie ehestens gegründet werden, um ein Uebergreisen. welches früher oder später nur dem Professionsbettel di:n n könnte, zu verhindern. Nehmen Sie, geehrter Herr Redacteur, mit dem besten Danke für die Veröffentlichung dieser Zeilen zugleich'auch den Ausdruck unserer vorzüglichen Hochachtung. Für den Vorstand des Vereines „Frauenhort": Rosa Zifferer, Präsidentin. Wien. (N o th n a g el-S ti ftun g.) Im Laufe des letzten Halbjahres ist ein Comits zusammengetreten, um an der Wiener Universität eine „Nothnagel-Stiftung" zu gründen. Nachdem die Sammlungen in erfreulicher Weise fortgeschritten sind, ging das Comitö an die Finalisirung dieser Stiftung und begab sich gestern Vormittags zu Hofrath Professor Not hna g el, woselbst der Vorsitzende des Comitss folgende Anspache hielt: „Hochverehrter Herr' Wir kommen zu Ihnen im Namen einer großen Zahl von Männern und Frauen, welche Ihnen in dankbarer Verehrung ergeben sind und lebhaft wünschen, diesen Empfindungen sichtbaren Ausdruck zu geben. In ihrem . Aufträge kitten wir . Sie, eine Stiftung creiren zu wollen, zu welchem Zwecke die Summe von über 50.000 fl. zur Verfügung gestellt worden ist. Die Einrichtung dieser Stiftung bitten wir nach Ihrem freien Ermessen zu ordnen und erlauben uns nur im Namen unserer Auftraggeber einige Wünsche auszusprechen: 1. Daß die Stiftung für immerwährende Zeitenden Namen „Nothnagel-Stiftung" tragen möge'; 2. daß Sie bei Verleihung der Stipendien einen maßgebenden Einfluß ausüben; 3. daß die Stiftung einen interkonfessionellen Charafter habe, S t u d e nt e n aller Confeffionen zugänglich fei. So hoffen wir, daß sie segensreich wirken wird durch die Hilfe, welche würdigen jungen Männern gewährt wird, sie wird ein Baustein sein an dem Werke des Friedens, dem unsere heißesten Wünsche gelten und ein Gedenkzeichen Ihrer Arbeit an diesem Werke l" Hofrath N othnagel dankte in warmen Worten und erklärte sich mit der Gründung der Stiftung einverstanden. Die Schritte der Activirung derselben werden unverzügliche eingeleitet. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Wohl selten dürften sich die Restaurationsräume von Kh un er einer solchen Ueberfüllung erfreut haben, wie bei der am 14. d. M. stattgefundenen Plenar-Versammlung dieses Vereines. Unter den Anwesenden bemerkte man die Reichsrathsabgeordneten, Dr Krön awetter, Wrabetz, G.-R. L a n g , den Präsidenten des Sechshauser Gewerbevereines Pollak, Commercienrath S t ia ß n y , Bezirksausschuß W a l d st e i n , Architekten Fleischer, eine erhebliche Anzahl von Architekten, Baumeistern aller Confessionen, Vertreter der Presse rc. Herr Präses L. B r o d begrüßte die Versammlung und sprach unter allgemeinem Applaus den Wunsch aus, daß das Princip der Selbsthilfe auf dem festen Boden des Gesetzes nicht blos vom Gewerbe-