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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-01-25 · 4 (25.1.1895) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
4 (25.1.1895)
Date
1895-01-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 4 MM M» , , 1 -11« J-Mi.- -J--E - -»■* WrMvketltztPv ZvmyenprpM Sette K9 gethan. In schwülstigen Phrasen schildert darauf der Deutsch- Nationale seine Heldentaten, deren letzte die war, daß er, als man Schmey kal's Namen nannte, der erste gezischt habe. Da donnert ihn die Göttin an: „Genug, genug, ich weiß es längst, « Was hier auf schwerbedrohter Scholle Du Wicht zu thun Dich unterfängst. Ich weiß es längst, spar nur Dein Prahlen: Gestänkert hast Du unentwegt! Laß' den verdienten Lohn Dir zahlen!" Sie hat ihn über's Knie gelegt. Und wie er jetzt auch sträubt und wand sich, Von seinem eig'nen Ideal Bekam der Arme fünfundzwanzig. „Germania" fordert den urteuionischen Jüngling schließlich aus, sich zu bessern, widrigenfalls sie ihm übers Jahr die Wirbelsäule zerbrechen und das Schädeldach zerschmettern würde. Die französische Revolution in der Linzer Versammlung der „Christlich-Soeialen". Wie oft hat Dr. Lueger im Parlament Herrn Kronawetter und Dr. Meng er beschimpft, weil sie über die französische Revolution ein milderes Urtheil sich erlaubten! In der Linzer Versammlung der „Christlich-Socialen" vom 20. Jänner 1895 war Herr Axmann ein Haupt-Redner und über seine Rede berichteten das clericale „Linzer Volksblatt" und „Vaterland" vom 22. Jänner übereinstimmend wörtlich: Es mag seltsam und ungereimt erscheinen, daß in einer Ver' sammlung, die durch den päpstlichen Segen inaugurirt wurde — Prinz Liechtenstein brachte ihn vorher feierlich zur Verlesung — sodann die französische Revolution von 1769 als ein Kampf für die unterdrückte Freiheit des Menschengeschlechtes gegen die herrschenden Classen gefeiert wurde. Aber Herr Axmann hat dies mit vielen und begeisterten Worten gethan. Was er bedauerte, war nicht etwa die von der Revolution decretirte Absetzung Gottes und das mit Todesstrafe belegte Verbot des göttlichen Cultes, sondern hauptsächlich der Umstand, daß die Revolution von 1789 ihr Werk nicht zu Ende führen konnte. Dafür pries Axmann die Revolution des Jahres 1848, die nach seiner Ueberzeugung das. Werk der Freiheit vollendet hat. Aber Herr Axmann kam den Socialisten noch dicker n einer Weise, wie sie es sicher selbst nicht erwartet hatten. Nachdem er seiner Anschauung Ausdruck gegeben hatte, daß Diejenigen, welche den Umsturz der heutigen Ordnung anstreben, nicht allein verantwortlich, daß sie Irrende und Opfer seien, daß vielmehr in erster Linie Diejenigen verantwortlich seien, welche die Gewalt, die Macht, die Autorität haben, aber nichts thun, apostrophirte der Redner die Socialdemokralen direct. „Ich gestehe es Ihnen zu, — rief er — in d e n wesentlich st en, elenrentarsten Punkten haben Sie voll kommen Recht." Ein betäubender Beifallssturm erhob sich auf diese Worte in ■ den Reihen der Socialdemokratie. Sie feierte an diesem Tage den größten Triumph. Freilich wäre Herr Axmann nicht dafür, daß die Socialisten die heutige Gesellschaftsordnung, „welcher der Zug des Sterbenden anhaftet", Umstürzen, denn was wollen Sie an deren Stelle setzen? fragte er. „Eine andere", antwortete trocken ein Social-, demokrat unter lauter Heiteikeit. Zum Schlüsse redete Herr Axmann Einiges über die christlich-sociale Partei und ihre schönen Ziele, er deutete ein kommendes goldenes Zeitalter und einen Gottesfrieden an, aber da lachten ihn die Socialdemokraten aus. „Praktischer Antisemitismus".. Das Oberverwaltungsgericht in Berlin hatte sich am 19. d. M. mit einem höchst wundersamen Fall von „praktischem Antisemitismus" zu beschäftigen. In Massow in Pommern haben sich die antisemitischen Elemente zusammengeschlossen und betrachten den Gastwirth Walter, in dessen Local die Antisemiten ihre Versammlungen abhalten, als ihren Vormann. Durch eine wilde Agitation seitens der Antisemiten war es ihnen gelungen. Walter's Wahl zum Stadtverordneten durchzusetzen. Am 6. Jänner vorigen Jahres sollte nun der Erkorene der Antisemiten als Stadtverordneter eingeführt werden, ohne Entschuldigung blieb er aber der Stadtverordneten-Bersammlung fern. Durch Beschluß des Magistrates wurde sodann der Stadtverordneten-Vor st eher Hirsch in gesetzmäßiger Weise beauftragt, am 20. Jänner v. I. die Einführung und Bereidigung des Antisemitenführers in Massow vorzunehmen; letzterer war hievon am 17. Jänner v. I. in Kenntniß gesetzt worden. Am 20. Jänner erschien nun auch Walter mit stolz erhobenem Haupte in der Stadtverordneten-Bersammlung, warf dem jüdischen Stadtverordneten-Borsteher einen unaussprechlichen Blick zu, erklärte im scharfen, schneidigen Tone, sich von einem jüdischen Stadtverordneten-Borsteher nicht einführen zu lassen, machte kurz Kehrt und verließ die Versammlung, um die Belobigung seiner Parteifreunde in seinem Locale ob seines schneidigen Benehmens hocherfreut entgegenzunehmen. — Die Sache sollte aber für Walter ein nicht erwartetes Nachspiel haben. Die Stadtverordneten hielten Rath und erklärten auf Grund § 74 der Städteordnung den antisemitischen Gastwirth auf drei Jahre der Ausübung des Bürgerrechts für verlustig, da er sich thaisächlich der Uebernahme eines Amts als Stadtverordneter entzogen habe. Einen solchen Ausgang der Sache hatte Walter nicht geahnt. Er strengte die Klage beim Bezirksausschüsse in Stettin an, da er sich nicht weigere, das Amt als Stadtverordneter zu übernehmen; er wollte nur nicht vom jüdischen Stadtverordneten-Borsteher Hirsch, sondern vom christlichen Bürgermeister eingeführt w .rden, wie es seit 30 Jahren üblich sei. Man habe nur beabsichtigt, ihn zu beleidigen und auf die Probe zu stellen. (!!) Der Bezirksausschuß zu Stettin wies aber die Klage des Antisemitenhäuptlings ab, da er sich thatsächlich der Uebernahme des betreffenden Amtes entzogen habe. Nunmehr wandte sich Walter an das Oberverwaltungsgericht und behauptete jetzt, sich nur in einem bedauerlichen Rechtsirrthum befunden zu haben. — Der Vertreter des Klägers erklärte auf die Frage des Vorsitzenden. Walter sei nun bereit — nachdem er seinen Rechtsirrthum eingesehen habe — sich auch von einem „noch so jüdischen" Stadtverordneten-Borsteher einführen zu lassen! — Nach langer Berathuug beschloß das Oberverwaltungsgericht, vor Fällung des Urtheils noch erst darüber Auskunft einzuholen, ob Hirsch schon öfters Stadtverordnete eingeführt habe, oder ob man nur bei Walter eine Ausnahme gemacht habe. Hierdurch hat der Kläger Walter nur erreicht, daß die Angelegenheit die nun schon seit einem Jahre schwebt, eine weitere Verzögerung erfährt. Wie die schließliche Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts lauten wird, kann kaum zweifelhaft sein. Da Walter am Tage der ordnungsmäßigen Einführung der Stadtverordneten ohne Entschuldigung fehlte, so war dem Magistrat nichts anderes übrig geblieben, als über seine Einführung anderweitig zu verfügen. Die Unterstellung, daß der Magistrat beabsichtigt habe, den Kläger durch die getroffene Bestimmung zu beleidigen oder ihn auf die Probe zu stellen, ist so ungeheuerlich, daß das Oberverwaltungsgericht dieser Behauptung schwerlich eine entscheidende Bedeutung beilegen wird. — lieber den Ausgang der Sache werden wir, wenn sie spruchreif geworden, Mittheilung machen. Einstweilen sieht man an dem Falle, zu welchen Verwirrung en die antisemitische Agitation unter Umständen zu führen im Stande ist. Ueber die Juden im Kaukasus bringt die in T i f l i s erscheinende „Now. Obosrenie" folgende interessante Notizen: Die Juden im Kaukasus (die Eingeborenen) genießen, seitdem das Land unter russischer Herrschaft steht, vollständige Gleichberechtigung. Sie wobnen im Lande seit vielen Jahrhunderten und haben sich ihrer Umgebung derart affimilirt, daß sie sich von derselben nur noch durch die Religion unterscheiden. Sie waren früher sämmtlich leibeigen, theils den Gutsbesitzern, theils den Klöstern und Kirchen, an welch' letztere sie noch jetzt eine Abgabe, bestehend in Wachs, Kerzen und Aehnlichem zu leisten haben und gern leisten. Seit der Aufhebung der Leibeigenschaft haben sie eigenen Boden erworben und wurden den Bauerngemeinden zugezählt. Obwohl in jedem Dorfe nur wenige von ihnen wohnen, werden sie doch sehr häufig zu Gemeindeältesten gewählt. Jüdische Aerzte aus Deutschland im heutigen Orient. Bon den Männern der Wissenschaft waren es zuerst die deutschen Aerzte, die als Sendboten der abendländischen Bildung ein segensreiches Wirken im Orient entfalteten. Als in Folge der europäisirenden Reformen des Sultans Abdul Medschid in den Fünfziger-Jahren eine weitverzweigte Verschwörung der Alttürken-Partei, in welche selbst Mitglieder des kaiserlichen Hauses verflochten waren, in Constantinopel im Änzuge war, brachten die Wiener Zeitungen die alarmirende Kunde, daß der Padischah vergiftet und seine reformatorische Regierung in einer Nacht gestürzt worden sei. Zum Glück bestätigte sich diese Nachricht nicht; aus den späteren infolge der

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