Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 4 (25.1.1895)
- Date
- 1895-01-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seile 68 Vrftrrrrwrlpqr Vmtzenkarrm f tischen Reden sei zunächst diese Localsection verantwortlich. Durch die Herausgabe dieser Reden in der im Verlage des Vereines erschienenen Broschüre hat sich der Verein mildem Politischen Inhalte dieser Reden noch nicht identificirt, vielmehr hat der Verein durch diese Broschüre seine Mitglieder von den Vorgängen in der Section Pilsen in Kenntniß gesetzt. Bezüglich der Anmaßung einer Autorität in öffentlichen Dingen erklärte das Reichsgericht daß in der vom Vereine an die Statthalterei in Prag gerichteten Eingabe, betreffend die deutsche Geschäftssprache der Prager Cultusgememde, die behauptete Anmaßung nicht erblickt werden könne. Goethe über die Bibel. Im Anschluß an den bereits citirten Ausspruch Goethe's über die Bibel veröffentlicht Dr. Grabowski in der „Allg. Ztg. d. Jud." noch mehrere. Im dritten Buch „Aus meinem Leben" schreibt Goethe: „Ich hatte zuviel Gemuth an dieses Buch verwandt, als daß ich es jemals hätte wieder entbehren können." Zn den „Sprüchen in Prosa" heißt es über die Bibel: „Man streitet viel und wird viel streiten über Nutzen und Schaden der Bibelverbreitung. Mir ist klar, schaden wird sie wie bisher, dogmatisch und fantastisch gebraucht; nutzen wie bisher, didaktisch und gefühlvoll ausgenommen." Und an einer anderen Stelle heißt es: „Ich bin überzeugt, daß die Bibel immer schöner wird, je mehr man sie versteht, d. h. je mehr man sie einsteht und anschaut, daß jedes Wort, das wir allgemein auffaffen und im Besonderen auf uns anwenden, nach gewissen Umständen, nach Zeit und Ortsverhältnissen einen eigenen, besonderen, unmittelbar individuellen Bezug gehabt hat." Noch sei der Satz erwähnt, den Goethe in der „Farbenlehre" ausgesprochen und der uns zeigt, wie dieser Dichter und Denker über den Werth der Bibel geurtheilt hat: „Je höher die Jahrhunderte an Bildung steigen, desto mehr wird die Bibel zum Theil als Fundament, zum Theil als Werkzeug der Erziehung, freilich nicht von naseweisen, sondern von wahrhaft weisen Menschen benützt werden." Antisemitische Kunstkritik. Fr. Pecht, der von den Antisemiten für ihre Parrei reclamü-t wird und der auch in seinen jüngst erschienenen Lebenserinnerungen sich stramm antisemitisch geberdet hat, scheint seine politische Gesinnung auch aus seine Kunstkritiken zu übertragen. In der „Allg. Ztg." berichtete er unlängst über neue Bilder, die im Münchener Kunstverein ausgestellt sind, und erwähnt dabei den hervorragenden Maler Frank Kirchbach, „den uns Frankfurt vor einigen Jahren entführte". In der Besprechung eines Kir chbach'schen Bildes, das Christus darstellt, der die Kleinen zu sich kommen läßt, sagt Pecht: „Da gewahrt man nun an den mit gleich großer Sorgfalt ausgefübrten Kindern wie Alten ganz deutlich, daß das Bild wohl in Frankfurt, keinesfalls hier entstanden sein müsse, da es einen ganz anderen, oft ziemlich stark s e m i 1 isch ang e h a u ch t en V o l kslypus aufweist. Die Kinder zeigen dabei oft hohe Schönheit, immer aber eine größere Beweglichkeit und Lebhaftigkeit, als man sie hier bei der altbaierischen Raffe jemals wahrnimmt." Was will Herr Pecht mit dieser Bemerkung? Weiß er^nicht, daß Christus und sein Volk „Semiten" waren, und verlangt er vielleicht, daß ein Künstler sich bei der Darstellung de« biblischen Motivs Modelle aussuche, die die altbaierische Rasse repräsentiren? Soll ein slavischer Maler sich slaoische Modelle nehmen, um „Semiten" darzustellen? Das erinnert uns an eine Theateraufführung in Haiti, wo die schwarzen Zuhörer auf der Bühne einen weißen Othello sehen wollten und zu sehen bekamen. Vielleicht thut ein Maler Herrn Pecht den Gefallen und malt ihm' „altbaierische" — Semiten! (£ugeit Dühring. Heinrich v. Treitschke hat in dem letzten Bande seiner „Deutschen Geschichte im 19. Jahrhundert" mit der ihm eigenen Ungerechtigkeit den berühmten Heilbronn er Arzt Robert Mayer geringschätzig behandelt und ihm an der Entdeckung des Gesetzes von der Erhaltung der Kraft nicht den gebührenden Antheil zugewiesen. Im Anschluß daran hat sich in den Zeitungen wieder eine Polemik über die Priorität dieses Gesetzes entwickelt. Während die Einen sie H elmholtz zuschreiben, schwören die Andern auf Robert Mayer. Dabei hat sich die öffentliche Aufmerksamkeit wieder dem Manne zugewandt, der in seinem Werke „Robert Mayer, der Galilei des 19. Jahrhundert" für diesen heftig eingetreten ist : D ü h r i n g. Bekanntlich hatte D ü h ri n g durch seine heftigen Angriffe aus Helmholtz, dessen .Frau und Adolf Wagner (den Antisemiten!) die Berliner Universität gegen sich aufgebracht. Nun behauptet die „Tgl. Rsch." mit der ihr eigenen Unwissenheit am 4. Jänner d. I.: „Ja, auch die Presse, soweit sie nicht verjudet war, stand auf Dühring's Seite." Die „Tgl. Rsch." irrt sich. Wie oft hat sie die „Frankfurter Zeitung" den Judenblättern beigezählt, und doch kämpfte diese damals für Dühring. Nach einer Darlegung der wissenschaftlichen Angriffe Dühring's auf Helmholtz, schrieb sie in einem Feuilleton, das schroff gegen Helmholtz und durchaus für Dühring Partei nahm (4. Juli 1877 Nr. 185.): „Dies wäre also das Monstrum von Verbrechen und dies die wissenschaftliche Autorftäts- oder vielmehr Gotteslästerung. Freilich die Majestätsbeleidiguug ist gewaltig, denn ein Däumling in der wissenschaftlichen Rang- und Quartierliste des Staates, ja eine reine Null des byzantinischen Katalogs hat sich erdreistet, einem gewaltigen Machthaber im neuen deutschen Reich der Wissenschaft wie einem verwundbaren Sterblichen zu begegnen. Auf der einen Seite steht der einfache Schriftsteller und private Doccnt mit der bloßen Erlaubnis;. Vorlesungen zu halten, und daher ohne jedes Amt; auf der anderen Seite der Professor und Geheimrath, der sich in den Salons der Frau Hausminister von Schleinitz bewegt, in dieser Rolle auf Gruppenbildern für alle Welt zu sehen ist und seine Verdienste im Orden xour 1e merite auf der Brust trägt, während sein Gegner Verdienste nur in der Brust und im Kopfe sucht. Die wissenschaftliche Majestätsbeleidigung ist also eine höchste, ja allerhöchst qualificirte, und es fehlt nur noch, daß anstatt des Gutdünkens der universitären Körverschaft, welches gegenwärtig über solche Antastungen der eigenen Mitglieder das Uriheil erster Instanz spricht, ein kleines wissenschaftliches Strafgesetzbüchlein mit einem Paragraphen über wissenschaftliche Gotteslästerung derartige Angelegenheiten in mehr juristische Formen bringe." War das „Judenblatt" wirklich ein Gegner Dührin g's? Die Geschichte seiner Amlsentsetzung beweist, daß die Inden an dem Schicksal dieses Mannes, seiner Amtsentsetzung im Jahre 1877, durchaus unschuldig sind. Die „Tg l. R s ch.", die energisch für D ü h r i n g Partei nimmt, schreibt am IO. Jänner im Briefkasten an K. in Landsberga. W.: „Aus Ihren Mittheilungen haben wir uns überzeugt, daß in manchen der gangbarsten Unterrichtsbücher Mayer mit seiner großen Entdeckung durchaus zu seinem Rechte kommt und bezweifeln darnach, ob man D ü h r i n g so ausschließlich, wie es in dem Aussatze „H e lmholtz" und „Robert Mayer" geschehen ist, das Verdienst zuschreiben darf, Robert Mayer gerettet zu haben und sein „Colum bus" gewesen zu sein. „Die um Dühring" sind eben auf etwas Uebertreibung gestimmt, wie es immer zu geschehen pflegt, wenn Anhänger einer Lehre oder eines Mannes gegen absichtliche Verkennung oder Todtschweigen zu kämpfen haben. Dann mischt sich in die Bewunderung immer leicht die Parteileidenschaft. — Die Lesebücher, auf die Sie uns verweisen, sind Müller-Pouillet (7. Ausl. 1866, also vier Jahre vor Dü hr i n g's „Kritischer Geschichte"), Carl Koppe, 11. Aust. 1871. Endlich Wülln e r. Experimentalphysik 3. Ausl. 1875. Die Schlußworte Ihres Briefes wollen wir auch noch hersetzen: „Haben Sie Ihre Schulphysik noch unter alten Scharteken liegen, graben Sie sie aus, schlagen Wärmeäquivalent nach; ich glaube sicher^ Sie finden da Robert May er. An seine Stelle begraben Sie dann die alte Legende von dem edlen Columbus Dühring." Feste Hiebe. Die „Bohemia" brachte unter dem Titel „Zum Jahresschluß" ein Gedicht, das die deutsch-nationalen Antisemiten in eine .förmliche Raserei versetzt hat. Und doch ist das Gedicht im Ganzen und Großen harmlos, leidet aber an dem den Ansemiten als Verbrechen erscheinenden Fehler, daß es — wahr ist. Die Fabel des satyrischen Gedichtes ist solgende: Ein deutsch-nationaler Bruder Studio kommt in der Sylvesternacht in angesäuseltem Zustande in seine Bude und weiht das erste Glas Pils im neuen Jahre der „Germania". Die herbeigesehnte Göttin erscheint und fragt nach dem Begehren des Studio, der dasselbe in die Worte faßt: „Sei Du mein Weib, ich bin Dein Mann." Verächtlich fragt die Göttin den Liebeswerber, was er im Jahresverlaufe und vorher für sie