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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-01-18 · 3 (18.1.1895) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
3 (18.1.1895)
Date
1895-01-18
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 54 Vepervetchtschr WoitzenfitzrM Nr. 3 Breslau, 4. Jänner. Herrn Justizrath Freund. Vorsitzender des Repräsentanten-Collegiums der hiesigen jüdischen Gemeinde, ist der Charakter als Geheimer Justizrath verliehen worden. Herr Oberlandesgerichtspräsident v. Kuno w s k i gab bei lleberreichung des Patents seiner Freude darüber Ausdruck, daß, seiner, des Präsidenten. Bitte entsprechend, die Verdienste des Geheimraths Freund um die Rechtspflege, insbesondere an der Spitze der Stadtverordneten- Bersammlung, die Anerkennung Sr. Majestät des Königs erhalten haben. Aus Oberschlefie«, 6. Jänner. Eine „judenreine" Stadt ist Au ras in Schlesien. Wir erfahren das aus einem Artikel der „Schlesischen Dorfzeitung" aus Weh lau, in dem es bezeichnender Weise heißt: „Unsere Stadt besitzt unter verschiedenen Merkwürdigkeiten auch diejenige, in Schlesien gewiß als solche ganz vereinzelt dazustehen, welche keinen Bewohner mosaischer Religion in ihren Mauern beherbergt, was eine hinreichende Definition der traurigen Thatsache ergibt, daß der örtlicheHandel undWandel leider bereitsauf dem Aus st erbe-Etat angelangt ist". Dresden, 3. Jänner. Herr Theodor Adler, Mitinhaber der Bankstrma Quellmalz und Adler, übersiedelt Mitte dieses Monats nach Paris, um beim Baron von Hirsch das finanzielle Direktorat der Jewish Colonisation Association (Colonisationsgefellschaft für Argentinien) und gleichzeitig dessen finanzielle Privatverwaltungs-Geschäfte zu übernehmen. Couftautiuopel. Der Sultan hat neuerlich einen auffallenden Beweis feines Sinnes für Gleichberechtigung gegeben, welchen derselbe bei allen Humanitätsacten bekundet. Se. Majestät hat nicht weit von seinem Palast ein Asyl für Unheilbare ohne Unterschied der Religion errichtet. Um nun den Pfleglingen Gelegenheit zu gemeinschaftlichem Gottesdienst zu geben, hat der Sultan angeordnet, daß das Asyl eine Synagoge, eine Moschee und eine Kirche erhalten solle. Das Asyl wird in kurzer Zeit vom Sultan persönlich eröffnet werden. Bern. Die Thierschutzvereine sind nicht zufrieden mit der Aufnahme des Schächtverbotes in die Verfassung und haben deshalb bei dem Bundesrath eine Petition um Erlassung eines diesfälligen Regulativs für die ganze Schweiz eingebracht. Es soll also das Schächtverbot statt wie bisher durch die Central- Behörden durch die Bundesregierung durchgeführt und überwacht werden. Der Nationalrath hat mit großer Majorität entschieden, daß die Ausführung des Schächtverbotes Sache der Central-Behörden sei, welche nach ihrem Belieben diesbezügliche Anordnungen treffen können. Feuilleton. Der Vorbeter von Cham. Erzählung aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel". (Fortsetzung.) Elke stand, ohne für all dies wüste Treiben Aug oder Ohr zu haben in ihren furchtbaren Gedanken versunken, in eine Mauerecke gedrückt, während die beiden Kinder sich scheu an sie drängteu. Der Profoß, dem die Gefangenen übergeben wurden, war fortwährend beschäftigt gewesen. Elke wagte Niemanden um die Tagesstunde .zu tragen, jede Antwort hätte sie erschreckt, jede Secunde, die verfloß, brachte sie der entsetzlichen Stunde, in der ihr Gatte zu furchtbarem Tode geführt werden sollte, näher. Für diese Welt besaß sie nur noch einen erfüllbaren Wunsch; — ihren Gatten zu sehen, und der Rittmeister hatte ihr versprochen, daß sie dies.s dürfe — aber wie sollte sie in die fest geschloffene, sorgfältig bewachte Zelle des Gefangenen dringen? Der Adjutant hatte mit seinem Ehrenworte die Zusage bekräftigt; wo aber diesen auffinden? Nicht für eine Welt voll Glück hätte sie jetzt ihren Platz verlaffen, hier mußte sie ihren Gatten wenigstens noch einmal sehen — wenn man ihn zur Richtstätte führte. Etwa um halb Zehn kam ein reitender Jäger herangesprengt. Er überbrachte dem Profoßen, der eben in den Gefangnißhof trat, einen Befehl des Generalgewaltigen. Unmittelbar darauf trat Rechnagel an die erbebende Elke heran und sprach so sanft als dies sein grobes Organ zuließ: „Das Verschweigen möcht' ja doch nix helfen, und Sie weiß es auch ohnehin .... ich habe jetzt die Anzeige erhalten, daß man Ihren Mann in einer Stunde zur Execution abholen wird. Jetzt darf ich ihm die Ketten abnehmen, und wenn's Ihr dann recht ist, kann Sie ihn sehen und sprechen!" „Ob's mir recht ist!" fuhr Elke in die Höhe und ein mattes Roth überflog ihre marmorbleichen Wangen. Der Profoß trat in die Kerkerzelle, aus der er bald herauskam. „Frau!" sprach er, „ich gehe voran, folge Sie mir, ich Hab' Ihrem Mann nicht gesagt, daß er so lieben Besuch bekommt. er soll noch in der letzten Stunde wenigstens eine glückliche Ueberraschung erleben.... aber mach' Sie ihm und sich das arme Herz nicht zu schwer". Elke und die Kinder eilten, so rasch sie ihre zitternden Füße trugen, die Stufen hinan, sie mußten zuerst einen dunklen Gang passiren, dann öffnete der Profoß eine zweite eiserne Thür, und sie traten in die eigentliche Kerkerzelle. Es war ein ziemlich großer, fensterloser Raum mit massiven, dicken Mauern, in welchem der entflohene Besitzer seine Kostbarkeiten verwahrt haben mochte. Das Zimmer empfing sein Licht nur durch eine kleine vergitterte Oeffnung in der Zimmerdecke, so daß Halbdunkel herrschte, an das sich Elke erst gewöhnen mußte. Towije stand, der Fesseln ledig, aufrecht in der Mitte des Zimmers, in dessen Hintergründe zwei Soldaten standen, welche den Gefangenen genau beobachteten, damit dieser sich nicht durch einen raschen, leichten Tod der ihm bestimmten Strafe entziehe. Towije, durch seine längere Anwesenheit in dem Halbdunkel an dieses gewöhnt, erkannte die Eintretenden und stürzte ihnen hastig entgegen. „Du Liebe. Gute, Theure! Du hier! mit unfern Kindern hier bei mir! .... Ach! wie mich das glücklich macht, viel mehr, als ich's auszusprechen vermag .... Ich hoffte nicht, Dich noch zu sehen — auf dieser Erde! .... Du bist hier geblieben? Du gingst nicht fort von dieser Unglücksstätte, so weit Dich Deine armen Füße trugen? . . ,. Wo warst Du die Zeit, seitdem wir un? das letzte Mal gesehen?" Towijes Stimme klang noch immer so wunderbar schön, so zum Herzen dringend, als zu jener Zeit, wo er sie im Gotteshaus erhob und Hunderte zu tiefster Andacht stimmte; — aber es schien Elke, als ob ihr Gatte in den letzten Stunden um ein Jahrzehnt gealtert, seine Züge waren fahl, welk geworden, nur seine Augen leuchteten im schönsten Glanze. „Du Theurer, Edler, Süßer! das konntest Du von mir, von Deiner treuen Elke glauben? Du konntest glauben, daß ich Dich in der schwersten, der letzten Stunde Deines Lebens verlaffen würde? Du fragst, wo ich gewesen? wo konnte ich sein — als Dir so nah' als möglich? Man ließ mich nicht in Deine Kerkerzelle, sv mußte ich denn draußen vor derselben des Momentes harren, wo ich Dich sehen und sprechen konnte!" Elke blickte ihren Gatten mit dem Ausdrucke innigster, reinster Liebe, des heißesten Seelenschmerzes an; — aber nun vermochte sie nicht weiter zu sprechen; die Kinder küßten dem Batpr die Hand, der sich zu ihnen niederbückte und ihre Häupter mit brennenden Küssen bedeckte. Towije zwang sich zu einem Lächeln. „Warum sprichst Du nichts?" frug er. „Was sollte ich Dir in dem Momente auch sagen können?" brach das unglückliche Weib wieder in überströmender Verzweiflung aus, „in dem Momente, wo man Dich mir entreißen, Dich grausam tödten will! Ich weiß nicht, was ich sprechen, nicht, was ich denken soll! Lebt denn der ewige Gott nicht mehr — oder haben wir so Entsetzliches verdient?" „Sprich nicht so, mein liebes, theures Weib." sprach Towije, der in der entscheidenden Stunde seine ganze Gottgläubigkeit wieder erlangt hatte. „Gott lebt, er sieht auf uns herab, aber unser geistig Auge ist zu schwach, das Helle Flammenlicht der Wahrheit zu erkennen! .... D a v o n bin ich freilich überzeugt — D u hast gewiß nicht das harte Loos verdient, das Dir beschieden!'.... Ich hätte Dich, Gott weiß es, recht gerne glücklich gemacht; es ist mir nicht gelungen, Du hast an meiner Seite nicht des Lebens Hellen Sonnenschein kennen gelernt — und jetzt trifft Dich die Schmach, die Witwe des Gerichteten zu bleiben!" „Mann meiner Seele, Mann meines Herzens! was sprichst Du da?" schrie Elke auf und ihre bleichen Wangen rötheten sich und ihr Busen wogte auf und nieder. „Ich war

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