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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-01-18 · 3 (18.1.1895) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
3 (18.1.1895)
Date
1895-01-18
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 3 Vevrrredtzlptze MochrnptzrM Seite 53 Programm behielt er sich für eine nächste Vorlesung vor. Dagegen behandelte er am letzten Samstag als ersten Theil die Mittel, die bisher für die Judenfrage projectirt wurden. Dabei beschäftigte sich der Vortragende vorzüglich mit dem Verhältniß des Socialismns zum jüdischen Nationalismus. Um dieses Letztere drehte sich auch hauptsächlich die darauffolgende Discussion, an der der Vereiuspräses, die Herren Vereinsmitglieder Phil. Korn und Drd. Werner wie'- auch die Herren Gäste Dr. Kohn, Menkes und Drd. Rappaport theilnahmen. Dem Vortrage wohnten drr Primararzt der Brunner Landes-Jrrenanstalt, Herr Dr. Kornfeld, Herr Dr. Bernstein, der hebräische Literat Herr Rüben B r a i n i n und einige Mitglieder der jüdischen akademischen Verbindung „Unitas" bei. Kn. Lundenburg. Am 11. d. M. fand hier das Leichenbegängniß des Privaten H. Spiegle r. des Vaters des K u f f n e r'schen Verwalters Herrn Jacob S p i e g l e r, statt. Wie sehr sich Hermann S P i e g ler, der das 76. Lebensjahr erreicht hat. allgemeiner Sympathie erfreute, zeigte sich deutlich in der regen Betheiligung an dem Begräbnisse. Der Bürgermeister Herr H. Kuffner, sowie sämmtliche Fabriksbeamte desselben, ferner der Cultusvorstand mit Herrn Holländer ander Spitze, die Advocaten Dr. Speck, Dr. Czucka, Dr. Salo Schüller, ferner die Doctoren S a x und Eisinger, soioie viele Bürger beider Confessionen folgten dem Sarge. Herr Rabbiner De. Groß hielt eine ergreifende Rede, in welcher er den rechtschaffenen und gottesfürchtigen Lebenswandel des Verblichenen hervorhob. R. Linz. Vergangene Woche gastirte Hosschauspieler Josef Lewinsky am hiesigen landschaftlichen Theater an 2 Abenden vor ausverkauftem Hause und wie zu erwarten, mit beispiellosem Erfolge. Leider aber hatte der Künstler das Unglück, mit der Wahl des Stückes am ersten Abende den hiesig-n Deutschnationalen einen Stich ins Herz zu versetzen, da er als „Nathan der Weise" austrat und die von Lessing selbst einmal als Toleranz- Evangelium bezeichnete Dichtung, sowie die meisterhafte Darstellung der Hauptrolle das Publicum geradezu fascinirte. Die „Linzer Montagspost", ein allerdings ziemlich verborgen blühendes Veilchen der antisemitischen Sudelpresse, entblödet sich nicht, Leffing's wunderbares dramatisches Gedicht mit der nur antisemitischer Schreibweise eigenen Gemeinheit zu begeifern. Den Zorn und Aerger des deutschnalionalen Theaterrecensenten über die beifällige Aufnahme des Stückes verrathen seine Ausdrücke des Bedauerns, in denen er Lewinsky zum Vorwurfe macht, er hätte den Linzern die Humanitätsduselei und Judenverherrlichung des Nathan wohl ersparen können. Den Inhalt des Stückes nennt er hohles Geschwätz, das sich nicht fühlen, höchstens declamiren läßt. Am Schluffe dieser geistvollen Theaternachricht bekommt auch Hofschauspier von Sonnenthal seinen Hiev. Da zufällig am selben Abend „Nathan der Weise" im Carltheater als Wohlthätigkeits-Vorstellung u. zw. zum erstrnmale mit Sonnenthal in der Titelrolle gegeben wurde, zieht unser Linzer Speidel eine Parallele zwischen Sonuenthal und Lewinsky und bemerkt unter Anderem: Wie mag die Leopoldstadt Sonne nthal bejubelt haben, uns jedoch ist als „Nathan" immer noch Lewinsky lieber als Sonnenthal, denn an Ersterem schätzen wir Alles höher, Kunst, Intelli-, genz und Bildung! Dem famosen „Macher" dieser Recension, einem hiesigen Bankbeamten, gewahrt es in seiner blinden Parteiwuth und Judengefräßigkeit immer Erleichterung, in seinen „Kunstnachrichten" bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit über die jüdischen Mitglieder unserer Bühne herzufallen und sie inhöhnischer Weise herunterzureißen. Auscha. (Todesfall.) Am 12. d. M. starb hier nach langem Leiden im 55. Lebensjahre Herr Karl Schwarz, Mitchef der Firma Benjamin Schwarz & Sohn und gewesener Vorsteher der israelitischen Cultusgemeinde in Auscha. Der Verstorbene genoß nicht allein bei seinen Glaubensgenossen ob seiner Rechtschaffenheit und Biederkeit die größte Hochachtung. Sein Leben war der rastlosen Arbeit für das Wohl feiner Familie, aber auch der Wohlthätigkeit für die Armen . und Bedürftigen geweiht. Das am 14. d. M. stattgefundene Leichenbegräbniß gab Zeugniß von der allgemeinen Verehrung, welche den wackeren Mann ins Grab geleitet. Friede seiner Asche! E. B. Brünn. (Vermählung.) Am 20. d. M. findet im hiesigen Tempel die Trauung der Tochter des Herrn Hermann Spitz, Großindustriellen und spanischen Consuls, Fräulein Ernestine Spitz mit Herrn Gustav Feith, Großindustriellen in B ö h m.-S k a l i tz, statt. Beide Familien erfreuen sich eines hohen Ansehens in der Gesellschaft und insbesondere in industriellen Kreisen, daher die Theilnahme an diestm Familienfeste sich intensiv und extensiv sehr rege gestalten dürfte. E. B. Otmütz. (H um a n i t ä t s a c t.) Die Malzfabrikanten Ignaz und Wilhelm B r i e ß spendeten der von ihnen gegründeten Arbeiter-Unterstützungscasse tausend Kronen Die Interessen dieser Stiftung werden an jene Arbeiter verliehen, welche von dem Arbeiterausschusse des Etablissements der Stifter als würdig vorgeschlagen werden. E. B. Proßnitz. Der bekannte Compositeur und Claviervirtuose Herr Professor Ignaz Brüll, ein gebürtiger Proßnitzer, hat die Zusage gemacht, bei einem am 2. Februar d I. hier stattfindenden Concerte Mitwirken zu wollen. Raab. (Dr. Ranschburg — tobt.) Vom Leichenbegängnisse wird uns noch berichtet: Die ganze Gemeinde, die Studenten des Obergymnasiums und der Oberrealschule und viele Verehrer anderer Confessionen füllten das Parterre des Gotteshauses und im Fcauenschiff waren die meisten Mitglieder des Fcauenvereins anwesend, deren Vicepräsidentin die leidtrageude Frau Rabbinerin Emilie Ranschburg ist. Nachdem OdercantorSza n to ugd deffen Chor einen Trauerchoral anstimmten, bestieg Ehrw. Dr. Julius Fis ch er, Oberrabbiner, die Kanzel und nahm in von Thränen erstickter Stimme im Nam.n der Cultusgemeinde, der Familie und seiner selbst rührenden Abschied von dem aufopferungsfähigen Seelsorger, vom hochgelehrten und gefeierten Religionslehrer und dem liebreichen Familienvater. Kein Auge blieb thränenleer—Alles schluchzte und trauerte — dann wurde wieder ein Trauerchoral angestimmt und Ehrw. Dr. Armin Schnitzer, Oberrabbiner von Komorn, betrat die Kanzel. Sein Nekrolog war herzerhebend. In beredten Worten pries er die hohen Tugenden des Verschiedenen, welcher Tag und Nacht der Wissenschaft widmete, der die Wissenschaft ihrer selbst willen liebte und welcher im Laufe der vielen Jahre ein riesenhaftes, rabbinisch-talmudisch, encyklopädisches Werk verfaßte. Als Zeichen der hohen Ehre, die er hier stets genossen, uuirben seine Ueberreste nach Beendigung des Nekrologes im Tempel ringsherum getragen und nachher von den Söhnen auf den Leichenwagen gelegt. Trotz des Schneegestöbers war der Leichenzug ein imposanter. Im Friedhofe nahm Herr RabbinatsverweserM. Ehrlich und der Lehrkörper von der Bahre bewegten Abschied. Und bevor man den Verewigten in das Grab versenkte, gelobte Herr Cultnsgemeinde-Vorsteher Dr. Philipp Pfeiffer im friedlichen Sinne des Verewigten die Gemeinde- Agenden führen zu wollen. Friede und ewige Ruhe der Asche des allgemein beliebt und hochgeschätzt gewesenen Seelsorgers! Pozega. Der in allen Kreisen der Bevölkerung unseres Comitats allgemein verehrte Sparcassedirector und Bice-Bürgermeister Herr Koloman Hecht wurde mit Acclamation zum Präses gewählt; ferner Herr Ignaz S ch l esin g er zum Biceprases, die Herren Josef Schlesinger, Samuel Dorn es, Leopold Adler, Sandor G rün w ald, Josef A d l er und Simon B ienen feld in den Ausschuß; zum Caffier Herr Samuel Preis mit Acclamation. Sämmtliche Herren sind von dem Willen erfüllt, unsere Gemeinde auf feste Basis zu stellen und für deren Erhaltung zu sorgen. Prag, im Jänner 1895. Selten wird eine Neuerung von den dabei Betheiligten mit so allgemeiner Anerkennung ausgenommen, wie die vom Rabbiner Herrn Dr. K is ch in der hiesigen Meiselsynagoge eingeführte. Am Vorabende des Sabbath Bereschith hielt derselbe vor Schluß des Gottesdienstes eine Predigt, worin er die auffallende Erscheinung, daß der Sabbath. an welchem für das Synagogenjahr die Vorlesungen aus der Thora beginnen, kaum irgendwo zu homiletischem Vortrage benützt wird, mit einer nach den häufigen Feiertagen eingetretenen Ermüdung der Prediger wie der Hörer entschuldigte. Die eben gehaltene Rede, meinte Herr Dr. Kisch solle aber eine Reihe von Vorträgen eröffnen, die je nach Ablauf von vierzehn Tagen an den Freitagabenden fortgesetzt werden. Das Thema dieser ersten Freitagabends-Predigt war die Einsetzung der Ehe. Wie wohlbegründet diese Neuerung ist, zeigt die starke Theilnahme. die bei diesen Vorträgen das durch einen Neubau erweiterte Gotteshaus in allen seinen Theilen mit Zuhörern füllte. Ein starkes Contingent hierzu stellt die erwachsenere Jugend, die am Samstage durch den Besuch von Mittelschulen vom Gottesdienste ferne gehalten ist.

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