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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-01-18 · 3 (18.1.1895) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
3 (18.1.1895)
Date
1895-01-18
Page
– (sequence 12)
Language
German
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: -WjiCSiSC' Sette 52 Vesterretchischr Wochrnfchrifl Nr. 3 abgenommen. Während im Jahre 1893 die Zahl der in der Zeit vom Jänner bis September Eingeivanderten sich auf j 106.000 belief, sank dieselbe in der gleichen Periode des Jahres 1894 auf 47.000 herab. Welches die Ursachen gewesen, läßt sich ■ naturgemäß nicht genau feststellen; entweder waren es die Hindernisse, welche dem Einwanderer den Zutritt in die Vereinigten Staaten erschwerten, oder die Hoffnung auf eine bessere Zukunft — vielleicht auch Beides. Es geschieht sehr häufig in Europa, daß Israeliten ganz bedeutende Summen für christliche Wohlthätigkeits- Fnstitute spenden, während der umgekehrte Fall zu den größten Seltenheiten gehört. Anders in den Vereinigten Staaten. So hat jüngst eine Christin Namens Miranda Lux 5000 Dollars der israelitischen Kinderbewahranstalt und je 1000 Dollars den übrigen israelitischen Wohlthätigkeitsanstalten von Chicago geschenkt. Eine andere Dame mit dem merkwürdigen Namen Laura Season Sood, gleichfalls Christin, vermachte dem israelitischen Altersversorgungshaus inCincinnati, dem israelitischen Hospital, dem jüdischen Seminar, der israelitischen Kinderbewahranstalt und anderen israelitischen Wohlthätigkeitsinstituten Beträge zwischen 3000 und 8000 Dollars und überdies ein stattliches Haus zur Gründung eines Spitales für israelitische Kinder; die Gesammtschenkung wird mit 40.000 Dollars bewerthet. Bagdad. Einen in Hamadan wohnenden, aus Bagdad stammenden Juden beschuldigte ein Perser, der von ihm eine größere Summe Geldes geliehen, daß derselbe freventlich das mohammedanische Gesetz geschändet und gelästert hätte. Die erregte Bolksmaffe brachte hierauf den Beschuldigten zu dem docsselbst wohnenden Consul des Osmanischen Reiches, damit dieser Jenen richte und bestrafe. Vergebens betheuerte der Unglückliche seine Unschuld; dem Perser gelang es, falsche Zeugen zu stellen, die seine Aussagen bestätigten. Der Israelit wurde hierauf, nachdem er schreckliche Mißhandlungen hatte erdulden müssen, ins Gefangniß gebracht. Als dann die in Bagdad lebenden Angehörigen des Mißhandelten und seiner Freiheit Beraubten von der ihrem Anverwandten in H a m a d a n widerfahrenen Schmach in Kenntniß gesetzt wurden, wandten sie-sich beschwerdeführend an den'Gouverneur Hoali, den Regenten Babyloniens. Auf Veranlassung des Letzteren wurde alsdann dem ungerechter Weise Jnhastirten die Freiheit wiedergegeben. Mittlerweile hat es sich heraus gestellt, daß die Beschuldigungen des Persers Verleumdungen gewesen. UermMtes. Wien. Fräulein Laura Bar dach, Tochter des verstorbenen Herrn Jacques Bar dach, hat sich mit Herrn Dr. Hermann Wolf, Hof- und Gerichtsadvocaten in Wien, verlobt. — Docent Dr. S. Klein wurde nach Ableben des hochverdienten Professors Dr. Ludwig Mauthner zu dessen Nachfolger als Augenarzt und Augenoperateur des Spitales der israelitischen Cultusgemeinde in Wien bestellt. Wie«, 8. Jänner. (Berbandder öfter r.-u n g. Lebens-Bersicherungs-Acquisiteure.) Wir erfahren über diese Neugründung, daß das von dem Plenum zur definitiven Ausarbeitung der Statuten eingesetzte Comite dieselben fertiggestellt und deren Einreichung bei der hohen k. k. niederösterreichischen Statthalterei veranlaßt hat. Das Comitelvcal befindet sich II., Obere Donaustraße 101 und werden Beitrittserklärungen daselbst in der Zeit von 4 bis 6 Uhr Abends entgegengenommen. Die Gründung dieses Vereines wurde in zahlreichen, nicht blos materiell betheiligten Kreisen mit Genugthuung begrüßt und er verdient allseitige Förderung. Wien. (Todesfall.) Am 8 d. M. verschied hier nach schwerem und schmerzlichen Leiden Frau Agathe Schalit, geborne M e i s e l s, in jungen Jahren. Um die Verstorbene, eine Frau von seltenen Vorzügen des Geistes und des Herzens, trauert eine Familie, welche dem Judenthume viele hervorragende Männer, berühmte Gelehrte und große Rabbiner gegeben hat.Dem trostlosen Gatten, Herrn Leo Schalit und dem greisen Vater, Herrn Salomon Meisels, dem Vorsteher des Tempels für den polnisch-jüdischen Ritus, kamen anläßlich des.am 10d. M. stattgesundenen Leichenbegängnisses zahlreiche ^herzliche Beweise der Theilnahme und des Mitgefühls aus allen Gesellschaftskreisen zu. Unter den Anwesenden bemerkte man die Rabbiner Fleißig und P ollak, den Gesammtvorstand des polnisch-israel. Tempels. Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann widmete der Verstorbenen einen wehmüthigen Nachruf. Herr Obercantor S ch o r r executirte die Trauergesänge. Die Heimgegangene war auch als Schriftstellerin mit vielem Erfolge thätig. Von den verschiedenen Werken, die sie hinterlassen, fielen uns vor Allem ihre „Aufsätze" in die Hände, lauter Stücke, die auf die verschiedensten Tagesereignisse und brennende Zeitfragen Bezug haben, die immer von' großem Verständniß und Urteilskraft zeigen. Als ihr berühmtestes Werk wäre die Sammlung ihrer Skizzen und Novellen: „Aus dem Osten", zu nennen. Fast alle von den fünf behandelten Geschichten tragen das Colorit'jener Gegend, der sie angepaßt sind. Von erschütternder Tragik zeugt die unter dem Titel „Dem Tode geweiht": Und gleich wie jene russische Heldin hingerafst In ihrer Blüthe schönster Jahre, Liegst du nach langer Krankheit, kampferschlafft, Die Todgeweiht', selbst auf der Bahre. , Hernieder steigt ein Seraph von dem Himmelszelt, Küßt dir die Stirn', die engelreine, Das von der Leiden Schatten nicht mehr wird umstellt, Nun strahlet im Verklärungsscheine. Er hebt dich auf den Fittigen in jene Höh'n, Der Fried', dir nun gewährte, Und träufelt Balsam auf der Hmterblieb'nen Weh'«, Die stumm nun wandeln ihre Fährte. Gedenkend dein in seligen Erinnerungen, Füllt Liebe aus des Herzens Leere, Und wenn ein brünstiglich Gebet aus ihm gedrungen, So tönt es nur zu deiner Ehre! Wien. (Todesfall.) Unser geschätzter Mitarbeiter, der gewesene Gemeinderath und Großindustrielle, Herr Sigmund Mayer hier, hat einen herben Verlust erlitten und ist hiedurch eine hochachtbare Familie in tiefe Trauer versetzt worden. Am 8. d. M. verschied nämlich nach kurzem Krankenlager die Mutter Herrn Mayer's im hohen Atter von 83 Jahren, tiefbetrauert von ihren Kindern, zahlreichen Enkeln und Urenkeln, Verwandten und Freunden. Die Verewigte, aus Preßburg gebürtig, entstammte einer dortigen Patrizierfamilie und war das Muster eines jüdischen Weibes. In ihrer Jugend rastlos mitthätig in dem Geschäfte ihres Gatten, hat sie später das Alter desselben weit über die Zeit der goldenen Hochzeit, welche beide Gatten das Glück hatten feiern zu können, verschönert. Für sich sparsam, hatte sie nicht nur eine offene Hand für jeden Armen, sondern war sie auch gleichsam eine Repräsentantin jener Familiensolidarität, wie diese Tugend eine der besten Seiten des Judenthums bildet. Wer in noch so entferntem Grade zur Familie gehörte, stand unter ihrer Fürsorge und genoß ihr Fürwort. Das Leichenbegängniß der Patriarchin gestaltete sich zu einer ehrenden Kundgebung der Sympathie für die Dahingeschiedene und für die trauernde Familie. Wien. Dr. Albin Gaertner. Hof- und Gerichtsadvocat hier, ist am Semmering, Südbahnhotel einem Herzschlage erlegen. Er hatte im Jahre 1882 bis 1892 eine der größten Advocaturskanzleien inT e t s ch e n a. E. und übersiedelte, weil er seinen einzigen Sohn, den er nicht aus den Augen lassen wollte, ins Gymnasium eintreten ließ und in Tetschen keine derartige Mittelschule sich befindet, nach Wien, wo er seine Kanzlei eröffnete. Im Sommer machte er wie alljährlich seine Bergtour nach der Schweiz und zog sich daselbst eine Herzkrankheit zu, an der er 6 Monate laborirte und schließlich suchte er am Semmering Heilung, wo ihn der unerbittliche Tod ereilte. Er war absolvirter Conservatorist beherrschte fast alle modernen Sprachen und war von Allen, die ihn kannten, geschätzt und hochgeachtet. Wien. (Oesterr.-Jfr. Union.) Samstag am 12. d. M. fand eine Plenarversammlung m der Restauration R obitschek am Schottenring statt, welche von einem zahlreichen Publicum besucht war. Herr Rabbiner Dr. Tauber aus Pr er au hielt einen geistreichen, mit vielem Beifall aufgenommenen Vortrag über „Ezikia", einen jüdischen Nationalchelden im zweiten Jahrhundert vor der Zerstörung des Tempels. Die Zuhörer bewunderten nicht blos die Eloquenz, sondern im gleichen Maße die immense Belesenheit des Redners im jüdischen Schriftthum und seine ungewöhnlichen Kenntnisse der Geschichte. Rauschender Beifall lohnte den Redner, welcher von den Anwesenden beglückwünscht wurde. Wien. (Akademischer Verein „Ga mala".) Samstag, am 12. d. M. hielt der Vicepräses des Vereines, Herr cand. med. Salz einen Vortrag über das Thema: „Was heißt jüdisch-national?" — Der Prälegent theilte den Stoff in zwei Theile. Den zweiten Theil, das eigentliche

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