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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-01-18 · 3 (18.1.1895) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
3 (18.1.1895)
Date
1895-01-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 50 Veflrrrrtchlschr WortzrnptzrM Nr. 3 Mit Worten des Dankes für das entgegengebrachte Vertrauen erklärt die Präsidentin die Generalversammlung für geschlossen. Es dürfte für unsere Leser vielleicht nicht ohne Interesse sein, zu hören, daß der junge Verein „Frauenhort" außer der neuen Aera der Kinderbekleidung, derart, daß den Kindern die Bekleidung direct in's Haus gesendet wird, auch die Aera der weiblichen Stenographen inaugurirt hat. Am Stenographentische saßen zwei junge Damen — Töchter zweier Ausschußmitglieder — Fräul. Zerline Feigenbaum und Elsa Kohn. Wien. („Frauenhort".) Wir erhalten folgende Zuschrift: Geehrter Herr Redacteur! Am 13. d. M. fand die Generalversammlung des jüdischen Wohlthätigkeitsvereines „FrauenHort" statt, welcher ich mit großem Jntereffe beiwohnte. Die Versammlung bot wieder einmal ein berzerhebendes Bild jüdischer Nächstenliebe und rastloser, aufopfernder Thätigkeit im Dienste der Humanität. Edle Frauen aus unseren besten jüdischen Kreisen stehen an der Spitze dieses Vereines und üben die schöne Pflicht des Wohlthuns mit ebensoviel Anmuth als Takt und hingebungsvollem Eifer. Mit welchem Ernste und welcher Liebe sie ihre Aufgabe erfassen, davon legen die Erfolge des Vereines beredtes Zeugniß ab, der bereits Hunderte von Existenzen vor dem Untergange gerettet hat und aberhundert Familien vor Notb und Elend bewahrt. Die reiche Anerkennung, welche die Präsidentin Frau Rosa Ziffer er und die Damen Koppstein, Thalberg. Fröhlich, Feigenbaum und Bettelheim in dieser Versammlung ernteten, ist in vollstem Maße verdient und ich kann an dieser Stelle nur meiner Freude darüber Ausdruck geben, daß durch das mildthätige Wirken solch' hochherziger Frauen die verheerenden Folgen des Antisemitismus, unter welchen vor Allem unsere ärmeren Glaubensgenossen leiden, abgeschwächt werden. Aber — ein Aber muß ich diesem ehrlichen Lobe doch beifügen. Aus dem von der Präsidentin Frau Rosa Ziffer er vorgetragenen Rechenschaftsberichte ersah ich, daß der Vereinsausschuß bemüht ist, durch Capitalisirung der gesammelten Spenden einen Stammfonds anzulegen, der heute schon die ansehnliche Höhe von fl. 13.000 erreicht hat. Wozu sammelt der „Frauenhort" Capitalien? Er bat im abgelousenen Jahre um 3000 fl. mehr eingenommen als ausgegeben — um diese 3000 fl. sind doch bedürftige Arme verkürzt worden zu Gunsten solcher Armen, welche die Mittel des Vereines vielleicht erst in zehn oder zwanzig Jahren in Anspruch nehmen werden. Liegt eine solche Vorsorge für nachfolgende Generationen in den Intentionen der Spender? Haben wir dafür zu sorgen, daß! unsere Söhne und Enkel dereinst weniger Wohlthaten zu üben brauchen? Die Spenden erfolgen doch in den allermeisten, wenn nicht in allen Fällen zu dem ausgesprochenen oder angenommenen Zwecke, daß dieselben direct armen Leuten zu Gute kommen und augenblicklicher Noth steuern sollen. In aller Ehrerbietung vor dem Zartgefühl der genannten Damen, wage ich doch die Frage, wer dem Bereinsausschusse das Recht eingeräumt hat, so bedeutende Beträge der unmittelbaren nützlichen Verwendung zu entziehen, statt sie sofort ihrer humanen Bestimmung zuzuführen? Wenn der Verein über einen Stammfonds verfügen will, was ja nur herzlich zu wünschen wäre — dann trachte er, reiche Leute zu besonderen Stiftungen zu veranlasien, welche ausdrücklich eine solche Widmung enthalten — dagegen wird Niemand etwas einzuwenden haben. Aber das Erträgniß der Sammlungen aufzuspeichern für eine ferne Zukunft und auf Kosten der Gegenwart — das widerspricht doch der Intention der Spender. Und noch Eines, auf die Gefahr hin, mir das Mißfallen der von mir auftichtig verehrten Damen zuzuziehen! Man sagt mir, daß der Verein nur arme Glaubensgenosien des IX. Bezirkes unterstützt und bedürftige Glaubensgenossen aus anderen Bezirken abweist. Aber die wohlthätigen Spenden fließen doch aus allen Bezirken und bei Sammlung derselben wird den Spendern nicht gesagt, daß sie nur für Arme des IX. Bezirkes bestimmt sind. Darin liegt — man verzeihe mir das harte Wort — eine Engherzigkeit, die wir sonst an jüdischen Wohlthätigkeitsvereinen nicht gewöhnt sind und die wieder nur erklärbar ist durch das Bestreben, einen großen Zukunftsfonds anzulegeu. Ich würde mich glücklich schätzen, wenn diese Zeilen dazu beitragen würden, im Schooße des Vereinsausschusies eine Klärung der Anschauungen nach der von mir gewünschten Richtung zu bewirken und danke Ihnen, sehr geehrter Herr, im Voraus für die freundliche Veröffentlichung. Hochachtungsvoll Ein Betheiligter. Wien. (Herrenhausmitglied Herr Ludwig von Oppenheimer.) Unter den neuernannten Mitgliedern des Herrenhauses finden wir auch zu unserer Genugthuung Freiherrn von Oppenheimer, welcher einer hervorragenden jüdischen Familie entstammt, deren Ahnherr schon vor Jahrhunderten dem Kaiserhause und dem Staate hervorragende und unvergessene Dienste geleistet hat. Wir zweifeln nicht, daß die Wirksamkeit des neuen Pairs eine den Traditionen seiner Familie entsprechende sein werde. Ludwig Freiherr v. Oppenheimer wurde im Jahre 1843 in Leipzig geboren, wo er auch an der Universität national-öconomische Studien betrieb. In der Folge wendete er sich landwirthschaftlichen Studien zu und prakticirte auf den Gütern des Herzogs von Braunschweig. Im Herbst 1866, fast gleichzeitig mit dem Freiherrn v. B e u st, mit dem er in innigen, freundschaftlichen Beziehungen stand, kam Herr v. Oppenheimer nach Oesterreich; hier erwarb er die Staasbürgerschaft und übernahm die Herrschaft Klein- Skal in Böhmen. Seit dem Jahre 1673, gehört Herr v. O P p e nh e im er dem böhmischen Landtage ununterbrochen und dem Abgeordnetenhause als Vertreter des Großgrundbesitzes an. In beiden Körperschaften war er ein verläßlicher Genösse der liberalen Partei. Durch sein conciliantes Wesen und seine guten Umgangsfornen verstand es indeß Herr v. Oppenheimer, sich bei allen Parteien Beliebtheit und Ansehen zu erwerben. So ging er auch seit dem Jahre 1885 aus dem Wahlkreise Reichenberg des böhmischen Großgrundbesitzes immer als Compromiß-Candidat beider Parteien hervor. Wiederbolt nabm Herr v. Oppenheimer auch an den Verhandlungen der Delegation theil, und hier wurde von ihm insbesondere die Frage der Verbesserung der Mannschaftskost angeregt und immer wieder in Erinnerung gebracht. Auch durch einige politische Schriften hat sich Herr v. Oppenheimer hervorgethan, insbesondere durch dieBrochüre„^n8triaeL« während der Aera Taasse. Freiherr v. Oppenheimer wird sich der Berfassungsvartei des Herrenhauses anschließen. E- B. Wien. (Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischenJsraeliten.) Dem eben erschienenen 53. Berichte dieses humanitären Vereines für das Vereinsjahr 1893 ist die betrübende Thatsoche zu entnehmen, daß sich derselbe in Folge Aufhörens der Subvention des Baron Hirsch per 14.000 Gulden bemüssigt gesehen habe, die Bereinsthätigkeit und damit auch die Aufnahme von Zöglingen namhaft zu reduciren. Der Stand der Letzteren ist demzufolge von 1198 im Vorjahre auf 795 zurückgegangen. Die wackere, um das Gedeihen des Vereines nach jeder Richtung hin bemühte Bereinsleitung richtet daher an die Glaubensgenossen einen warmen Appell um materielle Unterstützung, insbesondere apostropbirt werden die auswärtigen Cultusgemeinden, aus deren Mitte ja der allergrößte Theil der Zöglinge, die in der Obhut und Verpflegung des Vereines stehen, sich recrutirt. Der Hinweis des übersichtlich gehaltenen und mit Sach- und Fachkenntniß gearbeiteten Jahresberichtes weist mitRecht auf den Umstand hin, daß der Budapester Bruderverein sich einer weit intensiveren und extensiveren Unterstützung und Förderung seitens der Glaubensgenossen ganz Ungarns erfreut, daher mehr in der Lage ist, den gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Wir geben der zuversichtlichen Erwartung Raum, daß der Appell der Bereinsleitung an die Opferwilligkeit der Cultusgemeinden nicht wirkungslos verhallen und daß dem Vereine durch Zuwendung reicher Geldmittel die Möglichkeit geboten werden wird, die schönen Ziele und edlen Zwecke des Vereines zu verfolgen. Budapest. (Bonder israelitis ch-u n g a r i s ch e n literarischen Gesellschaft in Budapest.) Aus dem ungarischen Original übersetzt. Laut Beschluß des Ausschusses gelangen seitens der israelitisch-ungarischen literarischen Gesellschaft in Budapest folgende Preisfragen zur Ausschreibung: . 1. Die gegenwärtige Verfassung (Organisation) der Judenheit in den europäischen Staaten auf geschichtlicher Grundlage dargestellt und gewürdigt. Die Preisarbeit kann in ungarische , deutscher, französischer, englischer oder italienischer Sprache abgefaßt werden. Nichtungarische Arbeiten werden durch die literarische Gesellschaft nur ungarisch herausgegeben, doch steht

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