Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 3 (18.1.1895)
- Date
- 1895-01-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021061-3021065--04221-3028396- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. S Veflrrreichiptze VochenfttzrM Seite 49 uns schon von der Wiege an eine Neigung zum Republi- | kan ischen, und hingegen einen Widerwillen gegen die monarchische Regierung einflösse, daß man uns Jrrthümer beibringe, mit welchem die Ruhe des Staates nicht bestehen kann."") Auch die P r o t e st a n t e n in den Niederlanden sagten in einer Schutzschrift, die sie dem Könige Philipp II. von Spanien übersandten: „Man gibt vor, daß wir Rebellen und Aufwiegler wären, die nichts so sehr suchten, als die weltliche Regierung umzustoßen, und lauter Zerrüttung in der Welt einzuführen."") Nicht anders erging es den P ro t e sta n t e n im im Zl ll e r t h a l/") Der Bericht der Landesregierung hatteerklärt : „die Jnclinanten seien nicht Bekenner einer bestimmten tolerirten Confession, sondern meist Leute, die aus Hang zur moralischen Ungebundenheit den Protestantismus bequemer finden, heute die Gebote der Kirche und morgen die Gesetze des Staates als lästig von sich weisen." . . „Mit den religiösen Banden lockern und lösen sich allzeit mehr oder weniger früher oder später auch die politischen oder patriotischen Bande. Viele mächtige Freunde, heimliche und öffentliche, im In- und Auslande hat diese Zillenhaler Jnclinanz, und erwiesen ist es, daß die revolutionäre Propaganda hier es wenigstens versucht hat, ihre völkerverderbenden Minen anzulegen." Daß die Anschauung, die religiöse Gegnerschaft wachse sich auch zu einer politischen aus, noch in unserer Zeit nicht erstorben ist, beweist die Kirchengeschichte des Caidivals Jos. H e r g e n r ö th e r. Er schreibt nämlich: „Bei der durch die Secten, sowohl der kirchlichen als staatlichen Ordnung drohenden Gefahr völliger Anarchie und Zuchtlosigkeit, bei dem . Abscheu des gläubigen Volkes gegen die ruchlosen Sectirer, bei dem revolutionären Charakter derselben mußte die christliche Gesellschaft die äußersten Mittel aufbieten, sich von dieser sittlichen Pest zu befreien, die gesunden Glieder vor Ansteckung zu bewahren, die faulen und erstorbenen abzuschneiden."") Und noch jetzt gilt im „Controverskatechismus" von I. I. S ch e f fma ch er'b) Luther für den „Urheber der Revolution", „der die Grundlage der christlichen Ordnung in der Welt zerstörte, den christlichen Gehorsam und damit alle Bande des Friedens und der Wohlfahrt der Völker auflöste." Drollig ist es, daß die Japaner auch Jesus Christus für einen Rev olu t i o när halten. In den „Erzählungen von Nagasaki" heißt es über ihn: „Im Neuen Testamente steht die Geschichte von Jesus, von feiner Geburt bis zu seinem Tode durch Kreuzigung geschrieben. Diese Person mit Namen Jesus war ursprünglich sehr arm. In seinem fünfzehnten Jahre wurde er verbannt, worauf er, magische Künste erlernend, durch viele Länder reiste, die Kranken heilte, Fluthen zum Stillstände brachte und andere Magie trieb. Er täuschte die unwissenden, unteren Volksclassen und machte, daß sie ihm nachfolgten, bis sein böser Anschlag, den Herrscher des Landes zu ermorden und Land und Leute für sich selbst zu nehmen, entdeckt und er durch Kreuzigung hingerichtet wurde. Er war ein äußerst v err äth eri s ch er Verbrecher. Es steht aber geschrieben, daß er gekreuzigt worden, um die Sünden aller Menschen zu sühnen; daß er nach seinem Tode aus dem Grabe auferstanden sei und während der Dauer von vierzig Tagen seinen Jüngern gepredigt habe und dann lebendig zum Himmel gefahren sei. Dies ist die Erfindung dieser Leute und durchaus unbegründet."") Damit unserer ernsten Betrachtung nicht das humoristische Element fehlt, schließen wir mit dem Bekenntniß eines echten ") Rambach. I, 460. 15) Rambach I, 77. lß) s. Aktenstücke zur Geschichte der Bedrückung der Zillerthaler Protestanten in Tirol. 1892. 17) Handbuch der allgem. Kirchengeschichte. 3. Ausl. Freib. i. B. 1886. II. 489. '*) S. 201. ,0) Die neue Welt. 1893. Nr. 21. und berühmten Antisemiten, der selbst unter dem Verdacht, Revoltuionär gewesen zu sein, gestanden hat. Richard Wagner schrieb einst: . . . wenn Sie das Feuilleton der Neujahrsnummer der „Süddeutschen Presse", welche mir soeben aus München zugeschickt wird, zu durchlesen sich bemühen wollen. Herr Julius Fröbel denuncirt mich da dem bayrischen Staatswesen ganz unbeirrt als den Gründer einer Secte, welche den Staat und die Religion abzuschasfen, dagegen alles dieses durch ein Operntheater zu ersetzen und von ihm aus zu regieren beabsichtigt, außerdem aber auch Befriedigung „muckerhafter Gelüste" in Aussicht stellt."^) („Mittheilungen des Berliner Abwehr-Vereines.") GorrespMllenLtN. Wien, den 15. Jänner 1895. (B e r e i u „F r a u e n - Hort".) Am 13. Jänner 1895 fand im Ceremoniensaale des Tempels im IX. Bezirke die erste ordentliche Generalversammlung des Vereines „Frauenhort" statt, in Anwesenheit zahlreicher Mitglieder und Gaste, unter Vorsitz der Präsidentin Frau Rosa Ziffer er. Der Verein hat ein ansehnliches Vermögen in kurzer Zeit gesammelt, dank dem Eifer der Borstands-Damen, zu welchen außer der Präsidentin die Frauen Regine Koppstein, Johanna Fröhlich, Rosa Feigenbaum, Emma Pappenhelm, Regine B ettelheim, Emilie Ouittner, Philippine Bauer, Cilli Bunzl, Sofie Deutsch, Philippine Gelb Haus, Jda Hill er, Leonore Kohn, Jeanette Schefftel, Antonie Schn epp, Betty Thalberg und LouiseWermer gehören. Dem von der Schriftführerin Frau Rosa Feigenbau m erstatteten Jahresberichte entnehmen wir, daß der Vwein Hunderte von Arme dauernd unterstützt hat, 120 Kinder mit vollständigen Winterkleidern, Schuhen und Leibwäsche betheilt, ohne eine öffentliche Bescheerung zu veranstalten, daß die Speditionsfirma Hirsch u. Comp, in bereitwilligster Weise die unentgeltliche Zustellung der Pakete übernommen hatte. Buchdruckereibesitzer I. Plaut widmet dem Verein allmonatlich 10 fl. für seine Armen. Frau Charlotte Fürst hat sich freiwillig erbötig gemacht, den armen Wöchnerinnen des Vereines eine entsprechende Anzahl von Hühnern zur Verfügung zu stellen. (Beifall.) Die Cassierin Frau Regine Bettelheim verliest den Cassabericht. Es betrugen die Jahresbeiträge der Mitglieder heuer 2575 fl. gegenüber 2235 fl. im Vorjahre, die Spenden bei verschiedenen Anlässen 1764 fl. gegenüber 702 fl. im Vorjahre, die Spenden im Tempel des IX. Bezirkes 848 fl., gegenüber 499 fl. im Vorjahre, die Spenden zum Fonds 1521 fl. Auf Antrag der Revisoren Commercialrath Sigmund Neustadt! und Wilhelm Pappenheim wird dem Bereinsausschuß das Absolntorium ertheilt. Herr Gottlieb Bettelheim erklärt, daß die heutige Generalversammlung ein Ehrentag für den Tempelverein im IX. Bezirke, den Gründer des „Frauenhort", sei. an welchem eine seiner schönsten Blüthen seit seiner 30jährigen Geschichte zur Reife gebracht worden ist. Was Fleiß, Wohlwollen und Beharrlichkeit der Frau zu leisten im Stande sind, ist hier über alle Erwartung zu Tage getreten. Er stelle deshalb den Antrag, die Versammlung möge den Damen des Ausschusses den Dank aussprechen. (Lebhafter Beifall.) Zu Punkt 5 der Tagesordnung: Neuwahl des Ausschusses beantragt Herr Louis Reiner, den bisherigen Ausschuß per aeelLmationem wieder zu wählen. x Der Antrag wird unter lebhaftem Beifall einstimmig angenommen. Die Präsidentin dankt im Namen des Ausschusses für die Wiederwahl und gibt der Hoffnung Ausdruck, auch fernerhin auf das Wohlwollen und die Unterstützung der Mitglieder rechnen zu können. Herr Julius Koppstein ergreift das Wort, um im Namen Derer zu danken, denen zunächst die Barmherzigkeit des Vereines zu Hilfe gekommen; als ihr Dolmetsch bringe er ein Hoch auf die Damen aus. (Lebhafter Beifall.) 2") Das Judenthum in der Musik. Lpz. 1869. S. 49.