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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-01-18 · 3 (18.1.1895) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
3 (18.1.1895)
Date
1895-01-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 46 Vrstrrrelchlptzr rvochrnptzrtfl •Jh. 3 Universität. Tiktin ist ein Bahnbrecher auf dem Gebi te der vergleichenden Sprachkunde in Beziehung auf romanische Sprachen und spcciell die rumänische und hat durch seine in der Zeitschrift für rumänische Philologie und anderweitig veröffentlichten Abhandlungen und namentlich durch seine im Jahre 1884 bei Breitkopf u. Härtel, Leipzig, erschienenen „Studien zur rumänischen Philologie" sich einen Ruf in der wiffenschaftlichen Welt verschafft. Ueber den Lebenslauf des gedachten Gelehrten erfahren wir, daß derselbe in jungen Jahren von Breslau, seinem Heimatsorte, nach Jassy gekommen ist und sich dort aus besonderer Vorliebe und mit eisernem Fleiße auf das Studium der rumänischen Sprache verlegt hat, welche er — der Deutsche — nunmehr derartig beherrscht, daß ihm kein Einziger der Autochthonen darin gleichkommt. Tiktin, welcher niemals eine Universität besucht, sondern sich durch Selbststudium zum Philologen herangebildet hat, wurde vor Jahresfrist als 42jähriger Mann von der Universität Leipzig in Folge seiner wissenschaftlichen Leistungen zum vr. philos. ernannt. Wir werden übrigens noch Gelegenheit habenauf diesen Mann, welcher nebenbei gesagt, auch ein guter, warmfühlender Jude, also auch in dieser Hinsicht ein würdiger Träger seines in der Geschichte des Judenthums wohlbekannten Namens ist, zurückzukommen. Prof. Dr. N. von Wettftein. „Ueber einige bemerkenswerthe botanische Entdeckungen der jüngsten Zeit" in einem Vorträge vom 20. December 1893. Seite 45: „Da haben wir einer Auffindung zu gedenken, die demjenigen Manne glückte, mit dessen Namen der ungeheuere Aufschwung der Bacteriologie verknüpft ist, der direct als einer der Begründer der ganzen, so eminent wichtigen Disciplin bezeichnetwerden kann, es ist dies ProfessorFerdinand Cohn in Breslau." Goethe über die Bibel. Angesichts der Angriffe, die neuerdings von Antisemiten gegen die Bibel gerichtet worden sind, ist ein Ausspruch Goethe's intereffant, der sich in seinen „Maximen und Reflexionen" findet. Er lautet: „Deshalb ist die Bibel ein ewig wirksames Buch, weil, so lange die Welt steht, Niemand auftreten und sagen wird: Ich begreife es im Ganzen und verstehe es im Einzelnen. Wir aber sagen bescheiden: Im Ganzen ist es ehrwürdig, und im Einzelnen anwendbar." Dr. Carl Heinrich Cornill, ordentlicher Professor der Theologie an der Universität Königsberg sagt in seinem Buche: „Der israelitische Prophetismus" Straßburg 1894, Seite 176: „Von seinen Anfängen bis zu seinen Ausgängen haben wir den israelitischen Prophetismus verfolgt, und es sollte mich freuen, wenn es mir gelungen ist. den Eindruck hervorznrufen, daß es sich hier um eine organische Entwicklung einer der größten geistigen Mächte handelt, welche die Geschichte der Menschheit je gesehen hat, um das wichtigste und herrlichste Stück der vorchristlichen Religionsgeschichte. Wenn Israel das Volk der Reliaion für die ganze Welt geworden ist. so verdankt es das dem Prophetismus, der zuerst den Begriff einer Weltreligion klar erkannt und ihn in allen seinen Grundlagen festgestellt hat." Die israelitische Prophetie ist die Maria, welche das Christenthum geboren hat, und die christliche Kirche selbst hat das Erdenwallen ihres Stifters nicht besser zu bezeichnen gewußt, a'.s daß sie von ihm als von seinem Prophetenamte redet. So weit der Einfluß des Christenthums reicht, so weit reichen auch heute noch die Wirkungen der israelitischen Prophetie, und wenn schon der älteste der schr'iftstellernben Propheten, Amos, die Prophetie als die herrlichste Gnadengabe bezeichnet, welche Gott Israel, und nur Israel gegeben habe, so hat eine Gesch'chte von 3% Jahrtausenden dies Wort nur bestätigt. Die Geschichte der gesammten Menschheit hat nichts hervorgebracht, was sich auch nur entfernt mit dem israelitischen Prophetismus vergleichen ließe: Durch seinen Prophetismus ist Jsrac! der Prophet der Menschheit geworden. Möchte das doch niemals überleben und vergessen werden: Das Köstlichste und Edelste, was die Menschheit besitzt, sie verdankt es Israel und dem israelitischen Prophetismus. Menschenopfer in Rußland. Aus Petersburg wild berichtet: Die Behauptung Sachkundiger, daß noch gegenwärtig unter den halbwilden Volksstimmen im Norden Rußlands Menschenopfer Vorkommen, bestätigt ein jüngst in Malmysb (Gouvernement Wjatka) verhandelter Procej', gegen elf Wotjaken, die Unter der Anklage standen, im Nothjahre 169^ ein Menschenopfer gebracht zu haben, um den bösen Geist Kurban gu versöhnen, den sie trotz ihres Chriflenthums fürchten. Die Wotjaken sind eine finnische Völkerschaft in den Gouvernements Wjatka, Perm und Kasan; sie bekennen sich, wie erwähnt, wohl zum Theile zum Christenthum, halten aber noch an den abergläubischen Gebräuchen der schamanischen Religion fest. Zeugenaussagen stellten fest, daß die Priester der Wotjaken, Besjasen, einen Bettler am 16. Mai 1892 an den Füßen aufhingen und ihm das Blut abzapften, welches sie kochten und verzehrten, worauf sie die innernen Theile verbrannten. Der kopflose Leichnam wurde im Walde gesunden. Die gerichtliche Obduction constatirte an der Leiche zehn tiefe Stiche und Blutleere der Hauptvenen. Auch wurde durch Zeugen und Sachkundige nachgewieffn, daß die Wotjaken noch heidnischen Gebräuchen treu sind und ihren Göttern jahraus jahrein Thieropfer darbringen. In Zeiten großer Noch oder schwerer Krankheit kann ihrer Ueberzeugung nach nur eine „zweifüßige Opfergabe" helfen. Von den elf Angeklagten, worunter ein 90jähriger Greis, wurden sechs zu läng.'rer Zwangsarbeit verurtheilt und drei freigesprochen. Für den Greis wird die Zwangsarbeit in Ansiedlung in Sibirien verwandelt. Zum „Fall" Leuß! Der gefeierte Hetzapostel Nordwestdeutschlands, dem die Conservativen Hannovers unter Führung von Generälen und Rechtsanwälten mündlich und schriftlich glänzende Leumundszeugnisse ausstellten, — Hans Leuß — ist vom Schwurgericht zu Hannover wegen eines gemeinen Verbrechens, wegen Meineids, zu drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurtheilt worden. Fast wäre es der verbrecherischen Raffinirtheit des Angeklagten vergönnt gewesen, auch diesmal noch der strafenden Gerechtigkeit zu entrinnen, wenn nicht im letzten Augenblick eine höhere Macht das Herz des von ihm verführten Weibes seines früheren Busenfreundes Dr. Sch nutz zum Geständniß der gemeinsamen furchtbaren Schuld getrieben hätte, so daß sie nach eindringlichem Zureden des Vertheid igers und des vorher von ihr aufgesuchten Pastor Jsenberg bei Wiedereröffnung der Verhandlungen der Wahrheit die Ehre gab und so den bis zum letzten Augenblick m frechster Weise betriebenen Verdunklungsversuchen ihres Verführers ein Ende machte. Wie Leuß über den Meineid zu denken früher vorgab, geht aus der Darlegung der von ihm redigirten „Hann. Post" vom 1. October 1892 hervor. Da heißt es: „Bon Alters her galt bei den Deutschen der Spruch: „Ein Mann, ein Wort!" und durch die Jahrhunderte hindurch war dem tiefreligiösen Gemüthe des Deutschen der Eid etwas so überaus Heiliges, daß nur selten ein Eidschwur verlangt wurde. Jetzt sieht es anders aus in unserem Volke. Ja ein anderer, ein böser Geist drängt sich immer mehr in's deutsche Volksleben ein; es ist der frivole, der alles Sittliche, alles dem Deutschen Heilige mit Füßen tretende Geist des Judenthums; es ist der tälmuMche Geist eines fremden Volkes, wodurch der Begriff von der Heiligkeit des Eides immer mehr bei unserem Volke abgeschwächt und abgestumpft wird; denn der Judehat eine durchaus andere Auffassung von der H eilt gkeit des Eides als der Deutsche." Vom christlichen Wucher. In einer zu Remlingen 1625 erschienenen Schrift „^ulioo-?oIik'iLL" von Georg Engelhardt L ö h n e i ß finden wir folgende Schilderung der Zustände im ersten Viertel des XVII. Jahrhunderts, die sich allmälig in den letzten Jahrzehnten herausgebildet hatten: „Der Wucher", heißt es in der genannten Schrift, „hat also überhand genommen, daß auch vornehme, ansehnliche Leute mit solchem schändlichen Laster inficirt sind und muß man diese Wucherer mehr ehren und feiern als andere ehrliche Leute; denn Fürsten und Herren sind ihre Gefangenen, die sie also mit ihrem wucherischen Gelde gefangen nehmen, daß sie thun müssen, was sie ihnen vorschreiben. Desgleichen sind ihnen Land und Leute ihre Mancipia oder eigenthümlichen Knechte, die sie mit ihrem unchristlichen Wucher aussaugen und verderben, und wollen dann noch Christen sein. Wenn ein armer beschnittener Jude eine Woche von einem Gulden einen Pfennig nimmt, so schreit ein Jeder Mordio darüber. Wenn aber ein unbeschnittener Christenjude eine Woche von einem Gulden einen Dreier oder Kreuzer, ja wohl einen Groschen nimmt, das heißt nicht mit dem Judenspieß gelaufen. Item der armen Juden kleiner und geringer Wucher sticht allen Leuten in die Augen; es schreit Jedermann über sie und will sie verjagt haben; wenn aber die Christenjuden vom Hundert 10, 12, 15 oder mehr nehmen, schlagen ihr Geld etlichemal um in ihren Wechseln, da ist Niemand, der die gedenkt zu verjagen". Ein flüchtiger Ehren-Domherr. Cremona, 14. Jänüer. Unbeschreibliche Aufregung verursacht hier das plötzliche Verschwinden des Ehren-Domherrn Dr. Spigardi, welcher als Direktor einer von Privatwohlthätern gegründeten Versorgungsanstalt „La Providenza" fungirt hat. Mit ihm sind nicht nur die zur Bestreitung der laufenden Ausgaben bestimmten Gelder, sondern auch die vinculirt

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