Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 3 (18.1.1895)
- Date
- 1895-01-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 VeprrvetthtMe VorhrnsttzrM Seüe 45 Am frühen Morgen des neuen Tages naht wuthentbrannt die feindliche Colonne. Das röche Kreuz wird nicht beachtet. Der brutale Haufe trotzt den Befehlen der eigenen Officiere. Gegen jedes Völkerrecht erklärt man die Verwundeten zu Gefangenen und entreißt ihnen die geringe Habe. Wer sich diesem rohen ehrlosen Treiben widersetzt, wird mit der blanken Waffe bedroht, und mit Gewalt bezwungen. Dieser empörende Vorgang wird dem Oberstabsarzt in der deutschen Linie gemeldet. Nur von einer Ordonnanz begleitet, begibt er sich sofort zur Stelle und verlangt unter Berufung auf die Genfer Convention die Freilassung der Verwundeten. Als Antwort erhoben zehn, zwölf Mann ihr Gewehr schußfertig gegen den kühnen Sprecher. Die deutschen Krieger und 'Lazarethgehilfen zittern um sein Leben. Er aber blickt verachtend auf die drohende Gefahr und ruft den gewissenlosen Schützen im fließenden Französisch kaltblütig entgegen: „Ihr wollt Soldaten sein? Ehrloses, erbärmliches Gesindel, feige Canaillen seid Ihr. Weiter Nichts! Schießt doch, wenn Ihr den Muth dazu habt." Kein Schuß fällt. Langsam senken sich die Gewehre. Der überwältigende, sittliche Ernst, die kalte Unerschrockenheit hat die fanatisirtett Marodeure entwaffnet. , Bis zum commandirenden General Ch ancy dringt Doctor Rosenthal vor und seiner unbeirrbaren Energie gelingt es, wenigstens die Verwundeten vor der Gefangenschaft zu bewahren, die nicht mehr marschiren können. Mit Gewißheit läßt sich sagen, daß diese, ohne Rosenthals rnhmwürdiges Verhalten, ihr deutsches Vaterland nie wieder gesehen hätten. Chancy verweigert dem deutschen Arzt den Rückweg durch die französische Stellung, er läßt ihn, von Pöbelhaufen und der fanatisirten Bevölkerung arg belästigt, nach England escortiren. In der schweren Zeit des Regiments ward unseren blutenden Kameraden die schlitzende Hand entrissen. Zum zweiten Male erleidet das 2. Bataillon einen schwereck, schier unersetzlichen Verlust. Sy lebt im Herzen aller Augenzeugen das flüchtig skizzirte Bild der beiden Männer, deren heldenmüthiges Wirken in Hellem Glanze strahlt, so oft der Ehrentag von L o i g n y wiederkehlt.« Criminalstatistik der deutschen Juden Neuerdings sind vom kaiserlichen statistischen Amt in Berlin wiederum zwei Hefte Criminalstatistkk (fürdieJahre1891 und 1892) veröffentlicht, deren Ergebnisse einer genauen Beurtheilung wertst sind. Wie vertheilen sich nun Vergehen und Verbrechen zwischen Juden und Christen? Bei der Beantwortung dieser Frage werden wir uns auf die Criminalstatistik des. Jahres I89l beschränken, weil wir dafür in den Ergebnissen der letzten Volkszählung einen sicheren Anhalt haben. Aus dem massenhaften Stoff der amtlichen Veröffentlichung wollen , wir nur die Zahlen für das Deutsche Reich und das Königreich Preußen herausgreifen und diesen beiden dann noch die Ziffern einer. Großstadt anreihen, in welcher das jüdische Element in der Bevölkerung stärker vertreten ist: nämlich Berlin. Im Deutschen Reiche wurden 1891 391,064 Verbrechen begangen, von denen 382.568 auf Christen, 3488 auf Juden und der Rest 5008 auf Andersgläubige entfiel; das heißt, unter 1000 Verbrechern waren 978*2 Christen, 12 9 Andersgläubige und 8*9 Juden, während nach der Volkszählung vom 1. December 1890 im Deutschen Reich unter 1000 Einwohnern 988*2 Christen, 11 5 Juden und 0*3 Andersgläubige gezählt wurden. Die Juden haben also 2*6 oder um ein Fünftel weniger Verbrechen begangen, als nach ihrer Volkszahl auf fie entfallen würde; bei den Christen ist der Antheil zwar auch kleiner, aber doch nur um ein Hundertstel etwa. Die Vergehen der Andersgläubigen bestehen hauptsächlich in solchen gegen Staat und Religion; überhaupt haben sie für unseren Zweck kein besonderes Interesse, so daß wir sie weiterhin ignoriren können. In Preußen sind unter 1000 Einwohnern 9874 Christen und 12'4 Juden, unter 1000 Verbrechern 978*6 Christen und 10*1 Juden; also ganz dieselbe Erscheinung wie im Reich e. Noch eclatanter tritt dieselbe Thatsache bei den Berliner Zahlen hervor. Bon den hier begangenen 17*197 Verbrechen kamen 16*629 auf Christen und 525 auf Juden, das heißt: während unter 1000 Berlinern 949*3 Christen und 50*2 Juden sind, entfallen von 1000 Vergehen in Berlin 967*0 auf Christen und 30 5 auf Juden. Der Berbrecher-Antheil der Christen steht also um 17*7 zu hoch, der der Juden bleibt hinter ihrem Bevölkerungsantheil um 19*7 oder um die Hälfte bis ein Drittel zurück. Es zeigt sich also überall ein gerader Gegensatz zu den Behauptungen der Antisemiten, daß die Berbrechensquote der Juden nichtnur nichtgrößer, sondern sogar bedeutend kleiner ist, als sie nach ihrem Bevölkerungsantheil sein müßte. p Wenn wir nun etwas ins Detail gehen und fragen, wie liegt die Sache bei den einzelnen Verbrechen, so ist von vornherein klar, daß hier nicht versucht werden kann, auf jedes einzelne Verbrechen einzugehen, sondern daß eine Beschränkung auf wenige große Gruppen geboten ist. Wir wollen im Anschluß an die amtliche Publication unterscheiden Verbrechen und Vergehen 1) gegen Staat, öffentliche Ordnung und Religion, 2) gegen die Person, 3) gegen das Vermögen» 4) im Amte. Um nun niht durch Vorführung langer Zahlenreihen unsere Leser zu ermüden, wollen wir die absoluten Ziffern der Berbrechen fortlasien und nur die analog den obigen auf 1000 reducirten Zahlen mittheilen. Bon 1000 Verbrechen gegen Staat, öffentliche Ordnung und Religion entfallen im Deutschen Reich 9l6*5 auf Christen und 11 auf Juden, in Preußen sind die Zahlen 924*1 bezw. 1A*4, in Berlin 951 7 und 33*7. Nur in Preußen reicht die Berbrechensquote der Juden an ihre Bevölkerungsquote heran, im ganzen Reich und namentlich in Berlin steht sie weit unter derselben. Die zweite Gruppe „Verbrechen und Vergehen gegen die Person« umfaßt außer Tödtung, Körperverletzung, Freiheitsberaubung u. s. w. namentlich auch die Sittlichkeitsverbrechen aller Art, die bekanntlich nach der Behauptung der Antisemiten weit mehr von den Juden als von den christlichen Deutschen begangen werden sollen. Fragen wir unsere Zahlen hierüber. Im Deutschen Reich stellt sich unter 1000 derartigen Verbrechen die Quote der Christen auf 988*4, die der Juden auf 9*0, in Preußen auf 987*7 bezw. auf 10*0 und in Berlin auf 968*4 oder 30*3. Also überall steht der Antheil der Christen höher, als er nach ihrer Bevölkerungszahl sein dürfte (in Berlin sogar um ein Beträchtliches), während die Quote der Juden nirgends auch nur entfernt ihren Bevölkerung santheil erreicht. Derselben Erscheinung werden wir bei der dritten Gruppe „Verbrechen und Vergehen gegen das Vermögen« begegnen. Hierunter fallen außer Diebstahl. Einbruch ü. s. w. auch alle jene Vergehen, wie Hehlerei, Wucher, Bankerott und dergleichen, mit denen die Antisemiten gegen die Juden immer hausiren gehen. Unter 1000 Deutschen, welche 189l derartige Verbrechen begingen, befanden sich 991*2 Christen und 8 1 Juden, unter 1000 Preußen 990*5 bezw. 9 3, unter 1000 Berlinern 970*1 oder 29 8. Also auch diese Ziffern erweisen genau das Gegentheil von dem, wes die Herren Antisemiten, ohne irgendwie durch Sachkenntniß beeinflußt zu sein, unausgesetzt in Wort und Schrift behaupten. Wenden wir uns nun zur letzten Unterart, ^.Verbrechen und Vergeben im Amt«, > so ergeben sich hier folgende Sätze: Für das Deutsche Reich 991*2 Christen und 8*8 Juden, für Preußen 994,3 bezw. 5*7, für Berlin endlich 956*5 Christen und 43,5 Juden. Also auch hier wieder die gleiche Erscheinung. Noch näher auf Einzelheiten einzugehen, verbietet der uns verfügbare Raum. Allein die gefundenen Resultate genügen vollauf, um die Hinfälligkeit jener antisemitischen Behauptungen zu erweisen. Vielmehr ergibt eine unbefangene Prüfung jener criminalistischen Ergebnisse, daß die Juden überall und bei allen Gruppen weit unter ihrem Percentsatz an den Verbrechen betheiligt find. Die Gründe dieser Erscheinung haben wir hier nicht zu erörtern. Jedenfalls bleibt die Thatsache b estehen. daß aus der Criminalstatistik nicht das Geringste für eine verbrecherische Neigung der Juden zu erschließen ist, sondern weit eher das Gegentheil. Vom Jahrmarkt des Lebens. Die Jude» in der Wissenschaft. In dem unter obiger Spitzmarke in der letzten Nummer dieser Zeitschrift veröffentlichten Artikel wurde bereits erwähnt, daß die rumänische Grammatik des Dr. Tiktin in Jassy — trotz der im Allgemeinen abholden Gesinnung des rumänischen Staates für alle und jede geistige Thätigkeit der Juden — obligatorisch in allen rumänischen Schulen eingeftthrt worden ist. Dem Berfaffer derselben wurde aber auch im Sommer vorigen Jahres vom rumänischen Unterrichtsministerium der ehrenvolle und für einen Juden und Fremden besonders schmeichelhafte Auftrag ertheilt, ein rumänisches Wörterbuch zu verfassen, welches auf Staatskosten herausgegeben werden soll, und hat Dr. Tiktin dieser Aufgabe sich unterzogen. Derselbe ist heute überhaupt der hervorragendste wissenschaftliche Kenner der rumänischen Sprache, welche er in Wort und Schrift, gleich seiner Muttersprache beherrscht und hat entschieden die berechtigte Anwartschaft auf einen Lehrstuhl dieser Sprache, au einer