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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-01-18 · 3 (18.1.1895) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
3 (18.1.1895)
Date
1895-01-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 44 Veperrrtttziptze Mortzenschrtfl Nr. 3 Fürsten Grafen Barone Ritter oder Herren von Böhmische Rordbahn — — 1 2 „ Westbahn — — 8 6 „ Commerc. 1 3 — 4 Buschtiehr.-Bahn l — — .3 K. Ferd.-Nordbahn — 2 1 4 Carl-Ludw.-Bahn 2 Lemberg-Czernowitz- 2 2 8 Jassy-Bahn 1 1 1 6 öftere. Nordwestbahn — 1 1 . 5 Südbahn — 6 6 5 Kaschau-Oderbahn — Staatseisenbahn- 1 6 Gesellschaft - 1 Ungarisch- 5 5 7 Galizische Bahn — 2 1 5 Ung.-Weftbahn — 1 1 1 div kl. Bahnen — 28 31 82 öfterr. Lloyd 1 Transport-, 1 2 4 Priv.-Telegr- und Omnibusgesellschaft — _ — 6 Zusammen 9 53 61 168 Zählen wir noch die Ziffern unseres ersten statistischen Ausweises hinzu 1 55 45 110 so erhalten wir als Gesammtsumme für Banken und Verkehrsanstalten die stattliche Zahl von 10 Fürsten, 108 Grafen, 106 Barone, 278 Ritter und Herren von, von denen demnach zum höheren Adel 224, das sind etwa 45"/^ und zum niederen Adel 278, das sind etwa 550/^ von der Totalsumme in der Höhe von 502 adeligen Verwalrungsräthen (incl. der Directo.en) gehören, u. zw. mit seltenen Ausnahmen zur inländischen Aristokratie. Und nehmen wir selbst an, daß in der Zahl 278 zumeist und in der Zahl 224 auch einige nengeadelre Bürger enthalten sind, so bleibt doch, — da hingegen. in der ersten Zahl (278) mehrere alladelige Namen inbegriffen sind — für den alten höheren, historischen Adel mindestens die Zahl von 224, also fast die Hälfte aller hierin Betracht gezogenen Verwaltungsrathsstellen „reservirt!" Welche Tanlömensummen repräsentiren diese 224 altadeligen Geschäftsleute! Welcher Aristokrat, dem diese Zahlen nicht unbekannt sind, wird da noch die Unaufrichtigkeit besitzen, von einem Gegensatz zwischen mobilem und adeligem Besitz zu sprechen! Der Adel ist eben seit der großen Grundentlastungsoprration auch Capitalist und — Speculant, kurz Geschäftsmann geworden. Den Folgen dieses großen ökonomischen Processes der Grundablösung hat er sich nicht entziehen können, ja er hat sich demselben sogar sehr rasch accommodirl und ist durch das G.undentlastungccapital nach und nach wieder Herr der freien bäuerlichen Scholle geworden. Die „breiten Schichten" des Bürgerthums sind also nur zur Hälfte in den Verwaltungskörpern der Banken rc. vertreten, wenn wir die neuadeligen zu den Bürgern rechnen; denn einfache, ungeadelte Bürger findet man nur äußerst selten in jenen. Also nicht nur saia sondern auch nnmeri loquuntur; Zahlen sprechen und beweisen. („Spar- und Renten-Zeitung.") Juden auf dem Schlachtfelds. Zum „Ehrentage der Hanseaten" (dem 2. December 1870) wird der „Magdeburger Zeitg." ein Bericht über den Sieg von Loigny aus Hamburg eingesandt, den sie in der Meinung, daß er einen Magdeburger Bürger betrifft, jüngst veröffentlichte. Das hat sich als Jrrthum herausgestellt, der Wackere soll vielmehr ein gleichnamiger Professor an einer deutschen Universität sein. Nachdem der Berichterstatter den Heldenmuth des tapfern Führers des 2. Bataillons, 76. Regiments, Majors von G ayl, im Kugelregen geschildert, der, selbst von einer Kugel getroffen, unter stechenden Schmerzen noch Befehle crtheilt, fährt er fort: Wenn auch dierundzwanzig Jahre im Strome der Zeit dahingeschwunden, die einstigen jungen Krieger als gereifte Männer an der Lebensgrenze stehen, nie wird ihre Begeisterung sich mindern, wenn sie des ehrenreichen Tages von Loigny und ihres heldenmüthigen Führers von Gayl gedenken. Nathlos blickt die kleine Schaar der hilfsbereiten Sanitätscolonne auf das ungeheure Zerstörnngswerk. Wo zuerst beginnen? Klagerufe folgen? Zuviel des Elend's ist's für die wenigen rettenden Hände. Das von allen Seiten hörbare Jammern der stöhnenden Menge droht die Thatkraft der wenigen Menschen zu erdrücken. Nur Einer ist's, der mit hoheitsvoller Hingabe und erhebender Nächstenliebe dem Schmerz gebietet, eine fast übermenschliche Anstrengung entwickelt, dessen unendlich segensreiches Wirken die wenigen Männer vom „Rothen Kreuz" zur höchsten Anspannung und Hilfeleistung entkommt, der Qual und Schmerzen, soweit es menschliche Kraft vermag, zu lindern und zu mildern sucht — dem nahenden Tode die 'ichere Beute noch entreißt. Euch, Kameraden vom 2. Bataillon, die das feindliche Geschoß auf der eiscrstarrteu Wahlstott niederstreckte. Euch bleibt der Name Eures Retters unvergessen. Aber auch in den Herzen aller Augenzeugen lebt die dankbare Verehrung fort für unseren Oberstabsarzt Dr. Nosenthal, den siegreichen Helden am Schmerzenslager. Der Mann der Wisse,-schaft glänzt nicht durch eine stattliche Erscheinung; er gibt auch nichts auf Aeußerlichkeiten. Ein militärisches Auge wird von dem Anblick des kleinen, unscheinbaren Mannes kaum befriedigt. Die größte Schwierigkeit bereitet dem Gelehrten das andauernde Reiten. Lächelnd schaut die Mannschaft dem unbeholfenen Besteigen seines großen, starkknochigen Pferdes zu. Von manchen Lippen tönt es bei diesem nicht allzu leichten Streben harmlos. scherzend: „Wenn he man erst oben is — denn het de Schimmel ok das Slimmste öberstahn." Doch wenn der Kampf beginnt, die heilige Pflicht gebietet, dann vollzieht sich in dem gelassenen Wesen des hochverehrten Arztes eine kaum geahnte, Willensstärke Umwandlung. Gleichgiltig gegen die schwirrenden Geschosse lenkt er sein Pferd bis in die Schützenlinie, um dort die ersten Verwundeten mit Gefahr des eigenen Lebens sogleich zu verbinden und fortzuschaffen. General v. Kottwitz muß es wiederholt befehlen, bevor Dr. Rosen thal aus dem Sattel steigt. Jndeß zum Niederlegen kann er sich nicht entschließen, obgleich der General fürsorglich gebietet: „Aber, lieber Doctor, ich muß ernstlich bitten." — „Es ist wirklich einerlei, Herr General, ob liegend oder stehend. Ist's einmal so bestimmt, dann schützt doch keins von beiden." Niemals sah man Dr. Rosen thal während des Gefechts in gebückter Haltung oder gar im Schutz der sicheren Stellung. Gleich dem unerschrockensten Führer blieb er aufrecht stehend vorn in der Front - im st ä r k st e n Kugelregen. Solch tapferes Benehmen des „Nichtcombatlanten" läßt schon annähernd die tiefdurchdrungene Pflichttreue und volle Hingabe erkennen. Allein in ihrer ganzen bewunderungsvollen Größe zeigt sie sich erst Jenen, die dem edlen Manne in namenlos schwerer Arbeit nahe standen. Kaum hat der Kampf vom 2. December begonnen, da liegen auch schon die blutenden Opfer gleich dunklen Punkten auf der weiten Runde. Dem ärztlichen Mühen gilt zunächst die hilflose Anzahl in schützende Räume, und sei cs auch nur ein Stall oder Scheune zu schaffen. Der eisige Wind und bittere Frost droht Jedem sicheren Tod, der blutend auf der Wahlstatt liegen bleibt. Erst die erstürmten und nicht vom Feuer zerstörten Häuser gewähren den erwünschten Raum. Wenn auch die Jammerrufe auf der weiten Ebene nicht ganz verstumnien, so mindert sich doch nach Stunden heißer Arbe t das herzerbebende Aechzen der Schwerverwundeten; sie wenigstens sind nothdürflig unter Dach und Fach geborgen. Zunächst gilt des Oberstabsarztes heilige Pflicht naturgemäß den eigenen Landeskindern: doch gleichen Antheil haben auch die ganz verlassenen französischen Verwundeten aus sein von wahrer Menschenliebe bewegtes Herz. Ein gräßlich Wüthen ist der Krieg — doch solch' hellstrahlend humanes Wirken mildert seine größten Schrecken. — Dem edlen Mann gilt es gleich, in welcher Sprache der Angstruf von den bleichen Lippen dringt. Es ist ja meistens nur die eine Bitte, ein einzig Wort, aber so todestraurig, so angstvoll flehend, wie Menschenlippen es nur je gesprochen. Bis zum frühen Morgen währt die schwere, die zehnfache Hilfe erfordernde Arbeit des Verbindens und der Amputation. Inmitten des qualvollen ärztlichen Berufs, unter den wimmernden und jammernden Haufen der blutenden Krieger bricht Dr. Nosenthal, körperlich und seelisch vollständig erschöpft, das Hilfebringende Instrument noch krampfhaft in der Hapd, ohnmächtig nieder. — Wie mancher Invalide vom 2. Bataillon verdankt die Erhaltung seines Lebens diesem hingebungsvollen Manne. Nicht minder glänzt sein ritterliches Verhallen, da er dem Feinde schutzlos entgegentrat. Nach dem uuentschiedenen Kampfe vom 2. December blieben unsere Verwundeten, 83 an der Zahl, unter dem Schutz des Genfer Kreuzes in der Ferme Petit Boynes zurück.

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