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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-01-11 · 2 (11.1.1895) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
2 (11.1.1895)
Date
1895-01-11
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Wrprrrrtchtfchr Wochrnptzrtft Nr s Seite 88 Mt einer kurzen Begrüßungsrede eröffnete Herr Kämmerling, Präsident des Vereines, die Feier; hierauf sang der Chor unter Orchesterbegleitung nach Anzünden der Ehanuckalichter „Haneroth haluli". Jnhaltsschön und styl, vollendet war die Festrede von Herrn Kamm erlin g. Es folgten die übrigen Nummern in deren Ordnungsreihe, worauf die Feier in erhebender Weise von Herrn Dr. Neufeld geschlossen wurde. K. K. Koli«. Se. Majestät der König von Schweden hat Herrn Dr. Raphael Gugenheimer für dessen ihm zugesandte Bearbeitung eines bisher noch ungedruckten Theiles des Lorsoam mysteriorum des Gregorius Abulfaragius durch den Chef des königlichen Sccretariats ein huldvolles Dankschreiben zukommen lasten. Preßburg, 7. Jänner 1895. Am 5. d. M. halb 7 Uhr Abends, starb Samuel Adler, Kaufmann in Preßburg, 51 Jahre alt, nach kurzem, schweren Leiden. Außerordentlich hochgeachtet und angesehen, tüchtiger reeller Kaufmann, voll seltener Herzensgüte und Mitglied fast sämmtlicherWohlthätigkeitsinstilute verschiedener Conseffionen. Am Leichenbegängnisse, nahmen trotz des denkbar schlechtesten Wetters außer zahlreichen Geschäftsfreunden aus Wien und Fabrikanten aus Mähren und Schlesien, noch Deputationen des „Israel. Bolksküchen-Bereines", „Israel. Kinderbewahranstalt", „Israel. Frauen-Gerein", „Israelitisches Mädchen-Waisenhaus", „Israelitisches Bersorgungshaus", Israelitischer Commis - Unterstützungsverein", „Knaben-Waisenhaus", „Chewra - Kadischa", „Peuel Zedek", „Jüdischer Bildung-Verein", „Kaufmännischer Club", „der Ausschuß der israelitischen Cultusgemeinde" mit ihrem Vorstande Herrn Joel Wolf, „Talmud-Thoraschule" und zahlreiche andere Vereine theil. Das zahlreiche Personale gab dem geliebten Chef vollzählig das letzte Geleite. Am Grabe hielten in Abwesenheit des erkrankten Oberrabbiners Ehrwürden Herrn B. S ch r e i b e. r, Rabbinatsassessor der israelitischen Cultusgemeinde, Herr Leon Friedman n, und Herr Samuel Donath im Namen der Chewra-Kadischa einen warme Nachrufe, in welchen die Verdienste des Verblichenen gewürdigt wurden, und das zahlreiche Auditorium war tief bewegt. Ec hinterläßt eine tieftrauernde Witwe, ferner fünf unmündige Kinder, zwei tieftrauernde Brüder, Jac. Adler, Schuhwaarenfabrikant in Wien, und Hermann A d l e r in Jokoi. Friede seiner Asche! Przemysl. Am 29. December v. I. veranstaltete der Verein „Jeschurun" im Festsaale des Kaufmännischen Casinos eine Makkabäer-Feier. Die Feier wurde vom Präses des Vereines, Herrn Dr. Kutna, eingeleitet. Es folgten hierauf die Productionen des aä hoc gebildeten Studentenchors unter der Leitung des Herrn Obercantors Menkes, welcher Lieder in hebräischer und deutscher Sprache vortrug. Den Mittelpunkt der Feier bildete der Vortrag des bekannten Literaten Herrn Nathan S a m u e l y, der die das Judenthum zumeist berührenden Fragen zufammenfaßte und mit Geist und Humor beleuchtete. Sensation erregte die hierauf folgende Declamation eines hebräischen Gedichtes durch einen zehnjährigen Knaben, der, durch die Anwesenheit des zahlreichen Publicums nicht eingeschüchtert, seine Aufgabe glänzend löste. Unter gespannter Aufmerksamkeit der Anwesenden declamirte sodann der Jurist Herr Baumgarten das Gedicht Ujejski's „Super Flumina Babylonis." — Das Publicum lohnte den hinreißenden Vortrag mit Beifall. Während des ganzen Festes herrschte eine ernste weihevolle Stimmung. Dem Feste folgte ein Banket zu Ehren des Prälegenten Herrn S a m u e l y. Nepomuk. Einen schönen Zug von Milde und Edelsinn, noch mehr aber von Glaubenstreue lieferte die hiesige hochachtbare Kaufmannsgattin Frau Emma F rie d l e r dadurch, daß sie dem hiesigen Tempel ein prachtvolles „Ner tomid" aus dem bestbekanuten Wiener Etablistement des Herrn Gustav Simon spendete. Dasselbe wird Sonntag den 20. d. M. feierlich eingeweiht und seiner heiligen Bestimmung übergeben werden. Raab (8. G. w.). Begräbniß Sr. Ehrwürden Dr. Salomon Ranschburg, Rabbiner in Raab. Er war in Luza, Böhmen, geboren, kam im Jahre 1854 nach Raab, wo er bis zum Jahre 1888 als Seelsorger der israelitischen Gemeinde fungirte. In letzterem Jahre wurde er pensionirt, und ihm folgte im Amte sein Schwiegersohn, der im In- und Auslande rühmlichst bekannte Oberrabdiner Dr. Julius Fischer. Dr. S. Ranschburg war 79 Jahre alt, als er am 1. Jänner 1895 das Zeitliche segnete. Seine Parole war Friede; die Wissenschaft, die er mit beispiellosem Fleiße eultivirte. war ihm Lebenszweck. Den Sarg trug das Präsidium der Chewra-Kadischa vom Trauerhause auf einer Bahre in den Tempel und stellte ihn vor der Kanzel nieder. Um den Sarg standen die fünf Söhne des Verblichenen. Brünn. (Der neugewählte Vor st and der israelitischen Cultusgemeinde.) Gestern fand die constituirende Sitzung des neugewählten Vorstandes der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde statt. Es waren 14 Vertreter erschienen; gewählt wurden: zum Präses Julius R. v. G o m p e r z, Stellvertreter k. Rath D. M a n d l, zu Obmännern der Sectionen, u. zw.: Für Cultus Dr. Hier. Fiall a, für Unterricht Med.-Dr. Jacob Eh reu stein, für Wohlthäiigkeit und Bestattungswesen Hermann Epler, für Finanzangelegenheiten Alois Müller. Sämmtliche Wahlen erfolgten mit Stimmeneinhelligkeit und es erklärten die Gewählten, die ihnen übertragenen Mandate anzunehmen. Kostet, den 8. Jänner. Herr Dr. S. Mandl aus S z e n i tz wurde von dem Cultusvorstand in Koste! zur Ahhaltung einer Probe-Predigt für den 5. d. M. berufen. Seine Predigt fand reichlichen Beifall und wurde der Candidat einstimmig zum Rabbiner gewählt. Magdeburg, 1. Jänner.Die „Israelitische Wochenschrift" (Herausgeber Rabbiner Dr. Rahm er) hat zu erscheinen aufgeh ört. Feuilleton. Der Vorbeter von Cham. Erzählung aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel". (Fortsetzung.) Rittmeister Neumann wandte sich nun an den Profoßen und sprach: „Führ' Er den Gefangenen in seine Zelle, durchsuch' Er seine Kleider und übergeb Er mir, was Er gefunden," dann wandte er sich wieder an Kohen und dessen Frau: „Ich habe es schon gesagt, Ihr braucht heute noch nicht Abschied von einander zu nehmen, Ihr werdet Euch noch morgen Wiedersehen, mein Ehrenwort darauf!" Der Gefangene hatte den Profoßen nur wenige Schritte zu folgen; dieser schloß jenen in einen fensterlosen Raum ein, welcher, schon ursprünglich mit einer massiven eisernen Thüre versehen, leicht in eine Kerkerzelle umgewandelt werden konnte. „Leb' wohl, möge Gott Dich reiten!" rief ihm Elke nach und er erwiderte: „Leb' wohl, möge Gott Dich und unsere Kinder schützen!" „Ihr habt ein menschlich Herz, Herr Rittmeister!" begann Elke Kohen von Neuem, „gestattet mir die Nacht, die Zeit, bis ich meinen Gatten das letzte Mal wiedersehe, hier an den Stufen seines Kerkers zu verweilen. Wenn der unglückliche Mann es ahnt, daß ich in seiner Nähe, daß er in seiner letzten Stunde, wenn auch von Gott und allen Menschen, doch nicht von seinem treuen Weibe verlassen ist — so wird ihm das eine kleine Linderung seiner Qual gewähren, und — er hat mich treu geschützt und behütet, — ich will, so lang' er athmet, unter seinem Schutze stehen; — die Gattin des Mannes, der Morgen unschuldig zu Tode gemartert wird, wird selbst dem rohesten Buben heilig sein!" „Das kann ich Euch unbedenklich gewähren," sprach der Rittmeister, „aber die beiden Kinder, was wollt Ihr mit diesen beginnen? Wollt Ihr sie mir anvertrauen?" Elke zuckte erschrocken zusammen, warf einen mißtrauischen - Blick auf den Rittmeister und preßte die beiden Kinder heftig an sich, als wäre sie, das schwache, wehrlose Weib, im Stande, sie zu schützen. „Ich lass' die Kinder nicht, sie bleiben bei mir, bei ihrer Mutter!" „Bedenkt's," gab der Rittmeister zu erwägen, „die Nacht ist lang und kalt, die zarten Kinder könnten'- nicht ertragen, .... sie könnten sterben!" „Sterben?" sprach Elke mit einem bittern Lächeln, „bei dem lebendigen, ewigen Gotte, ich könnte mir nichts Besseres und nichts Schöneres wünschen, als daß mein Mann und ich und meine Kinder heute Nacht stürben!"

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