Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 2 (11.1.1895)
- Date
- 1895-01-11
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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aBBiJiyjWB »prf^cTiiwmmiaafBiiMi fcKMlii"ii|i|P miürtTYini Seite 36 Vrstrrrektztfüxe iVmtzrnschrtp Nr. 3 fällt. Er schilderte das Leben und Wirken des großen Mannes, der — wie der Redner meinte — für die russischen Juden dasselbe bedeutet, was Mendelssohn für die Deutschen. Das zahlreiche Auditorium folgte den interessanten, mit Hilmar gewürzten Ausführungen des Vortragenden mit großer Aufmerksamkeit und dankte ihm, nachdem er geschloffen, mit Beifall und Händeklatschen. Nach dem Bortrage fand eine improvisirte Discussion über das Project von Schiedsgerichten unterderStudenten schaft statt. Fast sämmtliche Anwesenden erklärten sich pcincipiell gegen das zum Austragen von Ehrenstreitigkeiten angewandte Duell (??) und befürworteten warm den projectirten Modus. kn. Prag. Am 30. und 31. December 1894 hielt der Rabbinerverband für Böhmen unter dem Vorsitze seines Präsidenten Dr. Nathan Ehrenfeld hier nach einjähriger Wirksamkeit seine diesjährige Generalversammlung ab, deren Hauptprogrammpunkt die Feststellung jener Principken bildete, welche einem einheitlichen Lehrplan für alle Mittelschulen zu Grunde gelegt werden sollen. Dr. A. Kurrein—Teplitz hatte das Referat übernommen, und dieses war von einer solchen Klarheit und überzeugenden Kraft, daß die von Dr. Kurrein vorgelegten Thesen theils einstimmig, theils mit einer an Einstimmigkeit grenzenden Majorität angenommen wurden, obwohl damit dem Religionsunterrichte neue Wege und Ziele gezeigt wurden. Die Thesen sind folgende: 1. Da die Religion an Mittelschulen bei nur zwei wöchentlichen Unterrichtsstunden unmöglich aus allen Quellen in ihrem vollen Umfange gelehrt werden kann, soll der Jugend ein Handbuch der Religion gegeben werden, und zwar an den unteren Claffen der Mittelschule eine systematische Religionslehre nur aus einzelnen hebräischen Versen der heiligen Schrift und des Gebetbuches zusammengestellt, an den Oberclnssen ein systematisch abgefaßtes Lehrbuch in deutscher Sprache. 2. Der Unterricht aus bcm Hebräischen erfolgt an den unteren Claffen aus dem Gebetbuch, um Schüler mit den Gottesdienst und allen religiösen Handlungen bekannt zu machen, an den Oberclnssen aus einem hebräischen Religionslehrbuch, welches die entsprechenden Abschnitte aus der Bibel für die Richtigkeit der in der systematischen Religionslehre vorgetragencn Lehrsätze in hebräischer Sprache enthält, um den Schüler mit den Hauptpartten der ganzen heiligen Schrift im Urtexte bekannt zu machen. 3. Nicht biblische Geschichte, sondern Bibellesen in der Muttersprache soll den Religionsunterricht vermitteln, und zwar werden an den unteren Claffen die historischen Bücher mit Einschluß der nachbiblischcn Makkabäerbücher, an den oberen Claffen die übrigen Bücher der Bibel in der Muttersprache gelesen. 4. Die nachbiblische Geschichte werde im Anschlüsse an eine Anthologie aus dem nachbiblischen religiösen Schriftthum in den zwei letzten Jahrgängen so gelehrt, daß die Biographien nur jener Männer gegeben werden, die auf die Geschichte der Juden merklichen Einfluß nahmen und nur jene Ereignisse bekannt gemacht werden, welche wichtige Momente in der Geschichte des Judenthums bilden. Zusatzantrag von Dr.H. G o it ein—Nachod: Am Untergymnasium ist ein kurzgefaßter Auszug aus der nachbiblischcn Geschichte zu geben. Es wurde beschloffen, die Ausarbeitung des einheitlichen Lehrplanes dem Referenten Dr. Kurrein zu übertragen, welcher diesen Lehrplan einer in 3 Monaten einzuberusenden Generalversammlung! vorlegen wird. I Bei einem anderen Programmpuntt gab Dr. S. Ster n— S a az die Erklärung ab, daß die von ihm redigirte Monatsschrift „Jüdische Chronik", obwohl gleichsam ein Kind des Verbandes, durchaus nicht Verbandsorgan ist und dies auch nicht sein will, da ihr vollkommene Unabhängigkeit gewahrt bleiben muß. Die „Jüdische Chronik" steht im Dienste des Judemhums und nicht in dem irgend einer Patteirichtung, sie gibt allen Bestrebungen Raum, die den religiösen Gefühlen entspringen, allen Bestrebungen, durch welche sich das religiöse Leben irgendwie bethätigen will, sie veröffentlicht Aufsätze, welche die Tendenz haben, das Gemüth für Judenthum und jüdisches Gemeindeleben zu erwärmen, den Einzelnen ethisch besser zu machen und die Gemeinschaft der Glaubensgenossen inniger zu gestalten. Bei dem Punkte: Neuwahl des Ausschusses wurde der von Dr. A. Kisch—Prag gestellte Antrag, daß der alte Ausschuß per Acclamation wiedergewählt werde, angenommen. Dies sei der Ausdruck des Dankes für die Mühe und die Geschicklichkeit, durch welche es nicht nur gelang, den Verband überhaupt ins Leben zu rufen, sondern ihn auch über die Schwierigkeiten des ersten I ihres hinwegzuhelsen. Der Ausschuß besteht nun wieder aus den Herren: Oberrabbiner Doctor Nathan Ehrenfeld—Prag (Präsident), Dr. Adolf Kurre i n— Teplitz (1. Vicepräsident), Dr. Samuel B a ck—S m i ch o w (2. Vicepräsidem), Dr. Ignaz Z i e g l er—K ar l s b a d (Schriftführer), Doctor Adolf Poznanski-Pilsen (Caffierer), Dr. Simon Stern— Saaz und Dr. Hermann Baneth—Gablonz (Beisitzer). Von den freien Anträgen, die angenommen wurden, sollen nur die wichtigsten erwähnt werden: Der Antrag des Dr. B a ck—S m tchow, der Ausschuß habe der nächsten Generalversammlung Bericht darüber zu erstatten, aus welche WeisederRabbinerverband das 50jährige Regierungsjubiläum unseres heißgeliebten Monarchen würdig begehen soll Der Antrag des Dr. Kisch —P r a g» der Ausschuß des Rabbinerverbandes habe suh in einer böhmisch abgefaßten Eingabe an die böhmische Section des Laudesschulrathes mit der Bitte zu wenden, von jenen Rabbinern, welche den Religionsunterricht iu böhmischen Lehranstalten übernehmen und sich verpflichten, den Religionsunterricht in böhmischer Sprache zu criheisen, ebensowenig eine Sprachprüiung zu verlangen, als es in den analogen Fällen von den deutschen Rabbinern verlangt wird, sondern sich mit einem Berichte der Jnspectoren und Directionen zu genügen. Dieser Antrag soll jenen Collegen zuhilfe kommen, von welchen, weil sie an böhmischen Mittelschulen den Religionsunterricht ertheilen, eine Prüfung über die böbmiiche Sprache verlangt wird, wodurch sie gegen jene Rabbiner zurückgesetzt erscheinen, die an deutschen Anstalten unterrichten. Ein anderer Antrag des Dr. Kisch ist von hochwichtiger Bedeutung für die Interessen des Gesammtjudenthums. Bekanntlich muß die Starthaltei ei Dispens ertheilen, wenn ein Witwer die Schwester seiner verstorbenen Frau in zweiter Ehe heiraten will. Durch eine ungenaue Präcisirung der diesbezüglichen Vorschrift, hält sich die Statthalterei für berechtigt, auch jeder Witwe Dispens zu ertheilen, die in zweiter Ehe den Bruder ihres verstorbenen Mannes heiraten will. Der Antrag des Dr. Kisch bautet nun: Der Ausschuß des Rabbinerverbandes wende sich an die Statthalterei mit der Bitte, Dispense von den Ehehinderniffen der Verwandtschaft entweder nur bei der Ehe eines Witwers mit der Schwester der verstorbenen Frau zu ertheilen, oder vor der Erlheilung des Dispeuses ein Gutachten vom Rabbincrverbande oder vom Prager Oberrabbiuate abzuverlangen. Als vortheilhast dürste sich auch der von Dr. A. Kaminka — Prag gestellte Antrag erweisen, eine Section für Literatur und Wissenschaft zu bilden, deren Aufgabe es s i, durch eine gründliche und eingehende Besprechung die Verbandsmitglieder mit allen neu erscheinenden Werken der jüdischen Literatur bekannt zu machen. Sowohl dieser Antrag, wie auch der Zusatzantrag des Oberrabbiuers Dr. Ehreuseld, die Besprechungen in der „Jüdischen Chronik" zu veröffentlichen, wurde einstimmig angenommen. In die Section wurden gewählt: Dr. Kaminka, Dr. Back, Dr. Kisch, Dr. Goitein und Dr. P6znanski. Der Section wurde eine Subvention bewilligt, doch konnte diese nur so gering sein, daß cs Aufgabe der Sectionsmitglieder bleiben muß, sich an die Schriftsteller um Ueberlassung von Recensionsexemplaren zu wenden, wenn das Wirken der Section ein erfolgreiches sein soll. Die Versammlung wurde mit einem Hoch auf den Kaiser geschlossen, wie sie auch mit einem folgen eröffnet.wurde. Breslau. Am letzten Tage des vergangenen Jahres feierte der hochgeehrte Docent des hiesigen Rabbinerseminars, Seine Ehrwürden Rabbiner Dr. Lewy, das Fest der silbernen Hochzeit. Zu dem Feste waren nebst zahlreichen Verwandten und Freunden die Hörer des Seminars in corpore erschienen. Im Namen des Lehrercollegiums pries der Vorsitzende desselben, Herr Dr. David R o s i n,. in einer längeren Ansprache die Vorzüge und Tugenden des Jubelpaares und hob die mannigfachen Verdienste hervor, welche sich der Jubilar um die Anstalt erworben hat. Hierauf ergriff als Vertreter der Hörerschaft Herr Dr. S a n d e r das Wort zu einer Beglückwünschungsrede, in welcher er dem Jubelpaar für das freundliche Entgegenkommen dankte, welche die Hörer des Seminars im Hause desselben stets gefunden. Außerdem sprach noch Herr Rabbinatscandidat P o s n e r als Vorsitzender des Vereines „Liwiath Chen". Von auswärts langten zahlreiche Telegramme und Beglückwünschungsschreiben ein. Doch die Festesstimmung, welche in dem versammelten Kreise herrschte, verwandelte sich innerhalb weniger Stundcn in Trauer. Wegen eines scheinbar leichten Unwohlseins sah sich Herr Dr. R o s i n veranlaßt, sich in seine ebenfalls im Seminargebäude liegende Wohnung zu verfügen, wo er einige Stunden später, um 2Vs Uhr Nachmittags in Folgeines Herzschlages den Geist aushauchte. Tiefe Trauer erfüllt unser Herz durch das Hinscheiden dieses Meisters der jüdischen Wissenschaft, der nicht nur ein vorzüglicher Lehrer, sondern zugleich auch ein treuer Vater und fürsorglicher Berather seiner Schüler war. Durch die Lauterkeit seines Charakters, die schlichte Vornehmheit seines Wesens war er eine Zierde unserer Stadt, wo in den weitesten Kreisen sein Verlust schmerzlich empfunden wird. Breslau. (Ausweisung österreichischer Staatsangehöriger aus Preußisch.Schlesien.) De; „Oberschlesische Anzeiger" schreibt: Oesterreichische Blätter berichten über Ausweisungen von Oesterreichern polnischer und czechischer Nationalität aus dem Kreise Ratibor. Unter den Ausgewiesenen befindet sich der Reservelieutenant Kümmelmann, der seit anderthalb Jahren als Wirthschaftsajsistent im Dienste der Rothschild'schen Verwaltung in Schillersdorf stand. Diese Mittheilungen der österreichischen Blätter beruhen auf Wahrheit. Die Ausweisungen sind erfolgt auf Grund der schon seit Jahren in