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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-01-11 · 2 (11.1.1895) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
2 (11.1.1895)
Date
1895-01-11
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 2 Drstrrrrichtsttzr WochrnschrM Teste 3L präparirt er 206 Vögel, darunter drei für die Wissenschaft neue Arten. Nach Tausenden sammelt er die Schmetterlinge und Käfer, nach Zehntausenden die Conchilien und bringt eine in mancher Beziehung geradezu unbegreifliche ethnographische Sammlung zu Stande. Am 12. Februar 1893 entwickelt er in seinem Briefe noch Pläne: er strebt der Insel „Ruo" zu, um das „Hansemann"-Gebirge zu erreichen — und dann überfiel ihn das Siechthum; und gar bald war Alles vorbei! — Bei dieser Gelegenheit wollen wir auch erwähnen, daß die genannte vorzügliche und reichhaltige ornithologische Fachzeitschrift, von welcher jährlich vier starke Hefte erscheinen, für 6 Kronen per Jahr im Nationalmusenm abonnirt werden kann. „Die Juden find keine Menschen"? Diesen auf tief naturwissenschaftliche Kenntnisse gegründeten Ausspruch leistete Herr Greg orig unter dem johlenden Beifalle seiner Gesinnungsgenossen in der Sitzung des niederösterreichischen Landtages vom 8. Jänner 1694. „Di e Juden si n d keine Menschen!" Das ist die "letzte Steigerung der antisemitischen Theorien. Zuerst hieß es: „Die Juden sind Fremdlinge!" Dann erklärte man: „Die Juden sind die Parias der Gesellschaft!" Und jetzt spricht ihnen ein homo sapiens von den Qualitäten eines G r e g o r i g ihr Menschenthum ab. Aber hat man je gehört, daß ein lebendes Wesen, welches nicht in die Species der menschlichen Geschöpfe gehört, sich werkthätig an Humanitätsinstituten betheiligt? Human ist ja nur das lateinische Wort für menschlich — können Unmenschen oder Nicht i:i enschen menschlich sein? An demselben Tage, an welchem Herr Gregorig im Landtage seine profunde Entdeckung machte, daß die Juden keine Menschen seien, fand in Wiener Gemeinderathe eine Debatte über die Subventionirung des Centralvereines zur Ausspeisung armer Schulkinder statt, in welcher zwar Luegererklärte, daß er vor einer Wohlthätigkeit, welche die Mittel aus den Taschen Anderer nehme, keine Achtung habe. Er sprach ferner von „reichen Leuten", die als „Fremde" nicht das „Wiener Herz" kennen. All' diese zarten Andeutungen beziehen sich auf die jüdischen Förderer des genannten Wohlthätigkeitsvereines,und Herr Lueger selbst hat damit indirect die Thatsache anerkannt, daß der größte Theil jener beträchtlichen Summen, welche dem Verein zugewendet werden — derselbe verfügt über einen Fond von 110.000 fl. und bringt jährlich 10.000 fl. auf — aus jüdischen Taschen fließt. Trotzdem behaupten die Antisemiten, die Juden seien keine Menschen. Aber sie vertreten diesen Satz nur dort, wo es sich um die Rechte der Juden an die Gesellschaft handelt; dort, wo die Juden gesellschaftliche Pflichten erfüllen, lassen sie sich deren Humanität gerne gefallen, wenn sie auch „vor einer Wohlthätigkeit, welche die Mittel aus den Taschen Anderer nimmt, keine Achtung haben". Dieser letztere Ausspruch Lueger's hat uns doch ein klein wenig Wunder genommen. Wenn Herr Lue g er solche Abscheu vor Eingriffen in fremde Taschen hat, wie konnte er dann in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 14. D«-cember 1894 sein eigenes zartbesaitetes Gewissen soweit verleugnen, daß er ausrief: „Man wird den Juden ihr Geld wegnehmen, und das wirdwenigstens etwas ausgeben!" lhorrerrponäenLen. Wien. (Eine Stiftung für jüdische Literatur.) Auszug aus dem Moritz und Racheline Goldbergerschen Stiftbriefe. Esistein Capital von sechstausend Gulden zur Prämiirung literarischer Erzeugnisse zu stiften, dessen Zinsen nach je zwei Jahren dem Autor irgend eines herror- *) Aus dem „Israelit" Nr. 97. ragenden wiffenschaftlichen oder sonst durch populäre Darstellung die Kenntniß des Judenthums in wirksamer Weise fördernden Schriftwerkes nach dem Ausspruche einer zu diesem Zwecke einzusetzenden Jury als Preis bezahlt werden sollen. „Die Jury hat aus dem Prediger der Wiener israelitischen Cultusgemeinden, dem Ob manne der Unterrichtssection und dem CultusVorstande derselben und aus einem von diesen beiden zu erwählenden, in Wien ansässigen theologischen Privatgelehrten zu bestehen. Im Sinne der Stiftung wurde der Reichsrathsabgeordnete Dr. Bloch in die Jury gewählt. Wien. (M akkabäerfeier.l Am 29. December 1894 fand in Khuner's Restaurant die Makkabäerseier der drei Vereine „Kadimah". „Unitas" und „Gamala" statt. Der Saal war bis aus das letzte Plätzchen gefüllt. Der Präses der „Kadimah", Dr. med. A. H. Reich, begrüßte die Gäste aufs Herzlichste, namentlich die anwesenden akadem. Lebrer, Rabbinen, jüdischen Gelehrteil und Literaten. sowie die Abordnungen der jüdischen akadem. Lesehalle, des Vereines jüdischer Theologen, des Vereines „Humanitas" sGraz) rc. re. Hierauf erhielt der Präses der „Gapmla". Dr. Med. Marc. Ernst, das Wort. Schon am Eingänge seiner Rede wußte er das Interesse der Zuhörer mächtig anzuregen, er behandelte die Makkobäerfeier „als Feier des Sieges eines unverdorbenen Volksthums über denBerrath der sogenannten Blüte, der oberen Zehntausend des jüdischen Volkes." Die Parallele der Makkabäerzeit mit den Zuständen von heute in geistvoller. durchaus moderner Weise gezogen, war geradezu frappirend durch die Fülle neuer Gesichtspunkte, welche der Redner zu beleuchten wußte. Die überall sich aufdrängende Analogie mit den traurigen Zuständen zur Zeit des Auftretens der Makkabäer kam. wiewohl nur discret angedeutet, zur eindringlichen Geltung. Die Rede verdient den ausgesprochenen, nachhaltigen Erfolg, den sie erzielte, vollinhaltlich. Eine würdige Ergänzung dieser ersten Rede bildeten die Ausführungen des Präses der „llnitas", Drd. Med. Karl Pollak. In schneidigster Form und mit entschieden oratorischer Begabung vorgetragen, machte die Rede des Herrn Pollak tiefen Eindruck. Geradezu glänzend war die Besprechung der heutigen jüdischen Erziehung, die der Redner ebenso gründlich als wuchtig kritisirte und die ebenso fein analogisirte Bedeutung der heutigen Methoden des jüdischen Unterrichtes für den Antisemitismus im jüdischen Lager selbst. „Die hebräische Sprache ist nicht dazu da den jüdischen.Schülern ein Schreckbild zu sein, sie ist berufen, von ihnen geliebt zu werden." Die vernichtende Kritik, welche in diesem Satze über die Art des heutigen hebräischen Unterrichtes ausgesprochen wurde, fand einmüthigen Beifall und zeigte, wie sehr der Redner den Empfindungen der Zuhörer gerecht worden war. Wenn er „aus dieser bodenlosen Unwissenheit alles dessen, was jüdisch ist", so viele Auswüchse des heutigen jüdischen Lebens erklärte, so mußte ihm Jeder nur zu Recht geben. Und es war der Beifall der tiefinnernen Uebereinstimmung, der den Redner lohnte, als er sckloß: „W e n n der große Tag der Brüderlichkeit anbricht, von dem unsere Propheten sprechen, dann wollen wir dastehen g l e i ch w e r t h i g allen Anderen." Drd. I. Schalit sprach einen warmempfundenen Toast auf den bei der Feier vertretenen Verein „Oesterreich-israelitische Union", in welchem derselben der Dank für ihr Eintreten im Interesse des Judenthums gesagt wurde. Nachdem, wie auch zwischen den früheren Reden, ein Lied gesungen worden war, ergriff der Hof- und Gerichtsadvocat Dr. F i ö l l a, lebhaft begrüßt, das Wort. In längerer Rede drückte er feine volle Sympalhie den Bestrebungen der Vereine aus und betonte seine Uebereinstimmung mit ihrem Programme, dem Judenthume wieder seine gebührende Stellung zu verschaffen. „Wir haben nur ein Princip," sagte der Redner, „eine Parole: Was den Namen Jude trägt, gehört zusammen. Wenn wir unter einer Fahne kämpfen, müssen wir unser Ziel erreichen!" Mit einem Hoch auf die drei Vereine schloß die mit großem Beifall aufgenommene Rede. Mit nicht geringerer Begeisterung folgte die Versammlung den Ausführungen des greisen Freundes der jüdischen Jugend, des Herrn Professor Fried m ann. Namentlich der trefflich ausgesührte Vergleich des Judenthums mit dem „u n v e r m i s ch b a re n, immer wieder in die Höhe steigenden Oele" wurde beifällig aus genommen. Auch dieser Redner schloß mit einem Hoch auf die echt jüdische Jugend. Mit unnennbarer Freude lauschte dann die Versammlung den drei sormoollendeten und auch inhaltlich bedeutenden hebräischen Reden des Oberrabbiners Jerusalems, A r w a s, des Chachams Alkalap und des Literaten R. B r a i n i n. Diese, sowie die des Drd. Fuchs, der Vertreter der jüdisch-akademischen Lesehalle, waren die letzten Redner an diesem Festabende, von dem die Theilnehmer trotz der vorgerückten Stunde wünschten, daß er noch weiter dauere. Wien. (Akademischer Verein „Gamala".) Samstag, den 5. d. M. hielt das Bereinsmitglied Herr Phil. Berkovicz einen Vortrag über L e b e n s o h n, den bedeudenten Dichter, dessen hundertster Geburtstag ins lausende Jahr

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