Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 2 (11.1.1895)
- Date
- 1895-01-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021061-3021064--04203-3028377- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 32 I-rflerrrutzlzarr wortzrnsrtzrm Nr. 2 waren die ersten ungarischen Lehrer der hauptstädtischen Zudenheit gewesen. Das Gebäude wurde am 28. November 1862 in Gegenwart eines zahlreichen illustren Publicüms seiner Bestimmung übergeben. Die freundlichen Hallen des Waisenhauses boten mit den von der Gemeinde übernommenen 9 Waisen zunächst 16 Zöglingen ein Asyl. Vom ersten Momente der Eröffnung bildete es die Hauptsorge der unter dem Präsidium des Anton F o ch s stehenden Commission, die Fonds und Einkünfte der Anstalt zu vergrößern, und als kurz nach der Eröffnung der Anstalt Jacob Deutsch Mitglied der Commiffion wurde, begann diese Einnahmsguelle ergiebiger zu fließen. Auf Wunsch der Commiffion übernahm Herr Jacob Deutsch nach Fachs' Tode (31. Mai 1874) die Leitung des Waisenhauses, den Anton Fochs npch bei Lebzeiten zu seinem Nachfolger ausersehen. Die Mitglieder der Commission fügten sich willig der Leitung des Mannes, der Fochs' Vermächtniß angetreten hatte und unterstützten ihn mit Begeisterung in der Erreichung seiner großangelegten Ziele. Infolge der stetigen Zunahme der Zöglinge erwiesen sich die Räumlichkeiten des alten Waisenhauses, trotzdem ste zweimal namhaft erweitert wurden, als unzulänglich. Bei einer Durchschnittszahl von 50—60 Zöglingen war öfter Mangel an genügendem Raum; an die Aufnahme neuer Waisen konnte kaum mehr gedacht werden. Es ergab sich die Nothwendigkeit, ein neues, geräumiges, den Jnstitutszwecken, sowie den Anforderungen der Hygiene entsprechenderes Waisenhaus zu bauen. Die Commission entsandte, nachdem ste diese Angelegenheit wiederholt eingehend berathen, in ihrer am 2. Februar 1880 abgehaltenen Sitzung aus ihrer Mitte ein aus den Herren Jacob Deuts ch, Dr. Samuel Ko hn, Mvriz Löw y, Julius Wolfn er und Alexander Wahrmann bestehendes Baucomitü, dessen Vorsitz Herr Architekt Ignaz Wechselmann übernahm. So entstand das neue israelitische Knaben-Waisenhaus auf der Andrässystraße, welches allen modernen Anforderungen entsprach. Am 23. October 1681 waren sämmtliche Arbeiten vollendet, und bezog das Institut an dem genannten Tage das neue Haus. Die feierliche Einwechung erfolgte am 21. December desselben Jahres in Gegenwart der Vorsteher der Anstalt, der Religionsgemeinde, sowie der Vertreter der Hauptstadt. Ein Jahr nach der Einweihung des neuen Waisenhauses starb der Director Rüzsäsi und an seine Stelle trat der gegenwärtige pflichteifrige und tüchtige Director Bsla Csajä, gi. Was das innere Gebühren der Anstalt betrifft, so wird ihre Verwaltung durch zahlreiche Stiftungen geordert, von denen wir hervorheben: die F o ch s-Stistung, die Rosalia C a s s o w itz'sche Kindercolonie-Stiftung, die Julie G. S p i tz ersche Prämien-Stiftung, die Ignaz Baum g arten'sche Prämien-Stiftung, die Prämien-Stiftung von Jacob Deutsch und Frau für Gewerbelehrlinge, die Prämien-Stiftung der Paula Müller, die Prämien-Stiftung des Adolf Markbreit, die Stiftung des Philipp A. Baumgarten und seiner Frau zur Selbstständigmachung von Gewerbetreibenden, die Prämien-Stiftung der Rosalie Cassowitz, die Adele Br o d y'sche Prämien-Stiftung. Die Leitung der Anstalt war bis in die letzte Zeit einem zehngliedrigen Comite anvertraut, in welches von den unterstützenden Mitgliedern des Waisenhauses sieben Mitglieder gewählt, drei Mitglieder hingegen — namentlich der Präses, Caffier und Eontrolor — vom Vorstande der Cultusgemeinde ernannt wurden. Die Präsidenten der Cultusgemeinde find ständige Mitglieder des Comites und besitzen das Vetorecht. In der Zeit unmittelbar nach Gründung der Anstalt hatte diese außer den vorhandenen Fonds kaum irgend welche Einncchmsquellen. So kam es, daß zur Zeit des Präsidiums des Gründers Anton Fochs öfter Geldmangel eintrat und findet sich in den Protokollen aus dieser Zeit nicht selten die Bemerkung: „D e n fehlenden Betrag verspricht der Präsident aüs Eigenem zu decken". Das einfließende Einkommen haben außer den Stiftungen Jahresbeiträge und freiwillige Spenden geliefert. Die Stiftungen haben die Gönner zumeist zum Andenken an ihre verstorbenen Lieben gegründet, indem sie hiefür verlangten, daß die Anstalt den Namen dB Verblichenen in Pietät bewahre. Die namhafte Stiftung, welche Anton Fochs testamentarisch vermacht hat, entfaltete ihre Segnungen ihrer Bestimmung gemäß blas in einem engen Kreise, hatte aber gar keine Wirkung auf die Befriedigung der allgemeinen Bedürfnisse. In Folge dieser Umstände konnten die materiellen Verhältnisse der Anstalt lange Zeit hindurch mit der Entwicklung der moralischen Factoren, respective mit dem numerischen Zuwachse der Zöglinge nicht Schritt halten. Der Noth, welche die Wirksamkeit der Anstalt zu behindern geeignet gewesen wäre, wurde durch eine Reihe von Maßnahmen, welche neue und ausgiebigere Einnohmsguelten erschlossen, rasch.und gründlich abgkholfen. In erster Reihe wurden auch kleinere Stiftungen als die bisherigen berücksichtigt. Auch die Jahresbeiträge erfahren eine namhafte Steigerung. Im Jahre 1872 beträgt das unter diesem Titel einfließende Einkommen 300 fl., im Jahre 1874 bereits nicht weniger als 3000 fl. Im Beginne der Achtziger-Jahre wurden zu Gunsten der Anstalt an Freunde derselben Couponbüchelchen zu 50 kr. und 1 fl. angefertigt, welche der Anstalt auch in Kreisen minderbemittelter Theilnahme und Unterstützung zuführen. Allmälig bürgert sich auch die Kranzablösung ein, welcher die Anstalt alljährlich ein gewisses Einkommen verdankt, während es andererseits üblich geworden, gelegentlich der Festtafel bei Hochzeiten zu Gunsten der Waisen mehr oder minder beträchtliche Sammlungen zu veranstalten. Bei all' dem wäre das Waisenhaus im Ganzen und Großen nach wie vor auf zufällige, mannigfachen Schwankungen ausgesetzte Spenden und Unterstützrn'gen angewiesen. Ein fester Fond, aus dessen sicheren Erträgnissen es erhalten werden könnte, existirte zur Zeit noch immer nicht. Da faßte der eifrige Präses, Herr Jacob Deutsch, den Entschluß, die Feier des 28jährigen Bestandes der Anstalt dadurch zu verewigen, daß er aus diesem Anlasse einen Fond von 100.000 fl. durch Sammlungen aufzubrinaen suchte. Der Versuch ist bereits als glänzend gelungen zu betrachten. Vom Jahrmarkt drs Lebens. Ein katholischer Priester gegen die Antisemiten. In der Sitzung des Landtages vom 4. Jänner 1895 erhob sich der Leotsr magnificus der Wiener Universität und Professor der Theologie Dr. Laurenz M ü l l n e r, um die unfläthigen Angriffe der Antisemiten auf die Wiener Hochschule, namentlich die Aeußerung Gregorig's, dieselbe sei „ein an einem Nothnagel hängendes Mauscholeum" entrüstet abzuwehren. „Ich bin der schlichten Meinung", sagte der Rector, „daß man Dinge, über die man spricht, vorher gelernt haben muß. Zu meinem Erstaunen mußte ich heute hören, daß es genügt, Abgeordneter zu sein, um über sämmtliche vier Facultäten hier in einem einzigen Satz ein Urtheil abzugeben, ein Urtheil, das obendrein in ein Witzwort gekleidet war, von dem ich als Professor der Philosophie, der ich auch Aesthetik vorzutragen habe, nur das Eine sage: Es scheint mir wenig geschmackvoll. Es wurde gesagt, unsere Universität soll zu-einem „Mauscholeum" herabgesunken sein. Ich bin seit zwanzig Jahren katholischer Priester. Der Landtag wird ja Gelegenheit haben, meine streng und entschieden katholische Ueberzeugung hierzu hören. Aber daß die Herren, sie mögen dieser oder jener Confession angehoren. diese oder jene Wissenschaft vertreten, sie mögen sich zum Christenthum so oder anders stellen, pauschalier so behandelt werden, und zwar in Betreff ihrer wissenschaftlichen Leistungen, das muß ich ablehnen, und ich scheue mich nicht zu sagen, d a ß ich dem ganzen hohen Landtage die Competenz zu einem solchen llrtheile abspreche. Ein College wurde mit Namen genannt, Professor Nothnagel. Die Affaire, die sich an seinen Namen knüpft, braucht hier nicht besprochen zu werden. Nachdem aber diese Aeußerung geschehen ist, in Beziehung zu einem S ch l a g w o r t e d e s Tages, möchte ich als k a t h ol i s ch e r G e l e h r 1 e r noch Eines bemerken. Ich glaube, Dante war vielleicht ein Christ. Ich bitte, seine „Göttliche Komödie" einzrm sehen Und die Aeußerung D a n t e's über einen Judenüber A v e r--