Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 2 (11.1.1895)
- Date
- 1895-01-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 2 Zpeürrretctzlkche WoitzenschrM Seite 31 Überschuß zu Abschreibungen, speciell bei der Schuld des Tempelgebäudks verwendet werden soll. Der Rechenschaftsbericht wurde einstimmig unter Beifall der Versammlung genehmigt. Das Wort ergreift der Vertreter des Cultus-Borstandes Herr Architekt Max Fleischer. Er theilt mit, daß eigentlich nicht er, sondern der Landesschulrath Herr Dr. Gustav Kohn, einer der wärmsten Freunde und Förderer dieses Vereines, zur Vertretung des Cultus-Borstandes bei der diesjährigen General- Versammlung designirt war. Allein, eine Sitzung im Landesschulrathe machte sein Erscheinen zu dieser Stunde hier unmöglich. Redner erklärt, daß er gerne zur Begrüßung der Versammlung erschienen sei, denn an diesen Verein knüpfen ihn die erfreulichsten, angenehmsten Erinnerungen. Ec empfindet für dessen Gedeihen das lebhafteste Interesse. Wenn der Verein im Laufe der letzten Jahre unstreitig große Fortschritte aufzuweisen hat und zu einer geachteten Stellung innerhalb der Muttergemeinde emporgerückt ist, so dankt ec dies ausschließlich der Intelligenz, der unermüdlichen Ausdauer, der Opserwilligkeit, Arbeitsfröhlichkeit seiner Bereinsleitung. Der Cultus- .Vorstand begleitet die Fortschritte des Vereines mit vieler Sy npathie, mit aufrichtiger Theilnahme, und es wird dem Redner ein Vergnügen sein, innerhalb des Cultus-Borstandes von den Fortschritten zu berichten, welche der Verein auch im abgelaufenrn Jahre aufzuweisen hat. (Lebhafter Beifall.) Der Vorsitzende Herr G. Bettelheim spricht dem Redner den Dank aus für seine freundlichen Worte. Die Arbeit des Vereines hat das eine Ziel vor Augen: Die Größe und den Ruhm der Gemünde zu vermehren, die Ehre des Jldenthums zu heben. (Lebhafter Beifall.) Gegen Herrn Dc. Weis bemerkt der Redner, daß die Spenden einen Theil der Beamtenbezüge bilden. Ob ein Theil dieser Spenden dem Fond zugewendet werden könne, müsse erst erwogen werden. Bei der hierauf erfolgten Abstimmung gelangte der Antrag des Herrn Dc. S ch n ep p zur einstimmigen Annahme; ebenso wurde der Zusatzantrag Kann genehmigt. Herr Kann stellt hierauf den Antrag, dem Bereinsobmann und den Vereins Vorstehern den Dank der Versammlung für die rastlose, opferwillige Mühewaltung zu votiren. (Lebhafter Beifall.) Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Abgeordneter Dc. Bloch sagt dem Bereinsobmann sowie Herrn Commercialrath Neustadt! für die ihm qewidmüen an:ckennenden, freundlichen Worte Dank, beglückwünscht die Versammlung zudem heute gefaßten menschenfreundlichen Beschluß und spricht die Hoffnung aus, daß es dem Verein gelingen wird, auf der betr^enen Bahn seine großen Aufgaben ruhmreich zu lösen. Der Vorsitzende erklärt die Generalversammlung geschlossen. Ueber den Gottesdienst im Tempel dieses Vereines erhielten wir eine Zuschrift, der wir nachstehende Stelle entnehmen: Am Freitag Abend des Chanucka-Festes wurden im Tempel des neunten Bezirkes, dem Feste zu Ehren, Gesänge und Chöre von Lewandowski, Sülzer, Naumburg erecutirt, deren vollendete Ausführungen auf alle Anwesenden den erhebendsten Eindruck machten. Es fällt schwer, die Entscheidung, wem die Palme g-bührt, ob dem Vortrage des Obercanwrs Kläger oder der Executirung der Gesänge durch den Chor, der auch einen Theil des Erfolges an den Chor-Dirigenten P e k a r n e k abgeben muß. zu treffen. Der Gottesdienst in diesem Tempel zählt zu den erhebendsten in der Wiener Cultusgemeinde. Jubiläum des Pester ist. Knabenwaistnhaufts. Das israelitische Knabenwaisenhaus feiert das 35jährige Jubiläum seines Bestandes. Im jüdischen Gemeindeleben hat die Waisenpstege jederzeit eine würdige Stätte gefunden. So war es denn selbstverständlich, daß auch die Pester israelitische Religionsgemeinde diese humanitäre Angelegenheit in ihre Obsorge nahm. Im Archiv der Pester israelitischen Religionsgemeinde findet sich im Jahre 1828 die erste Spur eines unter den Mitgliedern der Gemeinde entstandenen „Israelitischen Waisenvereins". Der Verein, welcher sich die Waisenpflege zur Aufgabe machte, wirkte jedoch nur kurze Zeit, denn die Pester israelitische Muttergemeinde hatte sich zur Erhaltung und Ausbildung der jüdischen Waisen feierlich verpflichtet, und so war dieser Verein überflüssig geworden. Daß die Gemeinde dieser Verpflichtung tatsächlich auch gerecht zu werden bestrebt war, beweist die um diese Zeit erfolgte Ernennung der Gcmeindemitglieder Hermann Breisach und Salomon H i r s ch l e r zu Waisenvätern. Ihnen lag es ob, für die Waisen verarmter Gemeindemitglieder, sowie aus der Fremde hieher gerathener Glaubensgenossen in entsprechender Weise zu sorgen. Die Gemeinde hat in dem Zeitraum von 1834 bis 1844 monatlich durchschnittlich 100 fl. Conventionsmünze der Waisenpflege .gewidmet. Im Jahre 1851 nahm die Statthalterei der Cultusgemeinde die Waisenpstege aus der Hand, wie es scheint, in Folge der von derselben während des Freiheitskrieges beobachteten Haltung. Die maßgebenden Männer boten Alles aus, um dieses schönste Recht der Gemeinde-Autonomie wieder zu erlangen. In Form einer Adresse wiesen sie nach, wie sehr die autonome Regelung der Waisenpstege die Erhaltung der vermögenslosen Waisen der Cultusgemeinde erleichtere, deren Zahl von Jahr zu Jahr zunimmt. Der Statthaltereiralh war jedoch nicht geneigt, dem Wunsche der Gemeinde stattzugeben. Schon im Jahre 1861 tauchte in mehr weniger bestimmter Form die Jvee der Gründung eines Waisenhauses auf. Der Plan gelangte jedoch vorläufig nicht zur Ausführung. Die Finanzen der Gemeinde gestatteten nicht die Errichtung einer größeren Anstalt; man mußte daher vorderhand nur Vorkehrungen im kleineren Maßstabe in Angriff nehmen. In der am 4. November 1366 gehaltenen Repräsentantensitzung der Gemeinde gelangt die Frage der Gründung einer solchen Anstalt neuerdings aufs Taper. Die Repräsentanz nimmt die Sache der Errichtung eines Waisenhauses ernstlich in Angriff. Es conftl'tnirt sich unter dem Präsidium des Dr. Josef Rüzsasi eine Waisencommission, welcher die Weisung ercheilt wurde, die zur Gründung eines selbstständigen Waisenhauses nöthigen Schritte unverzüglich einzuleiten. Viel früher jedoch als man erwartet hatte, sollte die Idee ihre Verwirklichung finden. Einen Monat, nachdem die Repräsentanz die letzte Sitzung in der Wrisenhausangelegenheit gehalten, am 14. September 1868, verlas der Gemeindesecretär eine an die Repräsentanz anonym gelangte Eingabe, in welcher ein ungenannt sein wollendes israelitisches Ehepaar, angeregt von dem Wunsche, dem großen Bedürfnisse der Pester israelitischen Gemeinde entgegenzukommen und das baldige Zustandekommen eines geordneten israelitischen Waisenhauses für Knaben wesentlich zu fördern, das zwei Stock hohe Haus in der Schwarzen Adlergasse Nr. 612 zu diesem Behufe der Gemeinde zum Geschenke machte. Laut dem Stiftungsbriefe übernahm die Pester israelitische Gemeinde für ewige Zeiten die Verpflichtung, in diesem Waisenhause mindestens zwanzig arme, verlassene Waisenknaben aufzunehmen und im Jnftinte selbst verpflegen und erziehen zu lassen. Erst im August 1874 wird es^ bekannt, daß der am 1. Juni desselben Jahres verstorbene Anton F o ch s der anonyme Gründer des Waisenhauses war. Der 14. September 1863 war der Gründungstag des Knaben- Waisenhauses der Pester israelitischen Religionsgemeinde. Die Gemeinde nahm die großartige Stiftung des anonymen Ehepaares, respective Anton Fo ch s' mit aufrichtiger Freude an und wählte sofort eine Commission und neben dieser ein Damencomitü. Die Waisenhauscommission arbeitete nach mehreren eingehenden Berathungen Statuten aus und in diesen legte sie die Resultate ihrer humanen Gesinnung nieder. Die in denselben enthaltenen Ideen dienen im großen Ganzen auch heute noch als leitende Grundsätze in Bezug aus den Geist und die innere Einrichtung der Anstalt. Der Präsident der Commission bestrebte sich, in achtunggebietender Vorsicht auch jener Anforderung des Stiftungsbriefes Rechnung zu tragen, daß der Erzieher, respective Direktor der Zöglinge ein wissenschaftlich gebildeter, ungarischer Pädagog sei. So wurde Josef Rüzsasi, D rector der hiesigen Mädchschule, zum Director des Waisenhauses berufen. Er und unser berühmter Kompatriot Diüsy