Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-01-11 · 2 (11.1.1895) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
2 (11.1.1895)
Date
1895-01-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021061-3021064--04201-3028375
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 30 sefterrerrtztsttze Wortzensrtzrtpt 9h. 2 Irgend wer erfindet eine blitzblöde, urdumme, erstunkene und erlogene Geschichte, erzählt sie b ei spielsweise — der Hörer fühlr,das ist unwahr! — und jetzt — staune o Welt!! — ist er ein Verleumder, wenn er nicht zu beweisen im Stande ist, daß sich dies oder jenes niemals, seit die Welt steht, wicht ereignet habe! Das ist doch selbst für die Schmähpost zu dumm! Beweisen muß doch immer der, der behauptet, und ist und bleibt ein Verleumder, wenn er es nicht vermag. Jus hat S p i tz e r nicht studirt — das wollen wir ihm gerne beweisen. Aber eines wäre hübsch und sehr wohl geeignet, einem Blatte von dieser Sorte den Spaß zu verderben. Nämlich, wenn Alle namentlich citirten und pauschaliter als Schwindler und Betrüger erklärten Firmen sich solidarisch erklären und eine gemeinsame Ehrenbeleidigungsklage gegen die „Schmähpost" einbringen würden. Dann müßte sie Farbe bekennen und erklären, wer ausgenommen ist und wer nicht! General-Versammlung des israelit. Bettzausvereines im IX. Bezirke. Samstag den 5. Jänner 1895 fand in Khuner's Restauration l. Schottenring 19 die diesjährige ordentliche Generalversammlung des Bethausvereines „Chewra Beth-Hatfilah“ im 9. Bezirke statt, welche neuerdings Zeugniß davon ablegte, daß dieser Bethausverein unter einer intelligenten Leitung der erfreulichsten Fortschritte sich rühmen darf. Der Obmann des Vereines Herr G. Bettel heim eröffnete die Sitzung, begrüßte in warmen Worten die erschienenen Bereinsgenoffen, insbesondere den Vertreter des Cultus-Vorstandes, den genialen Erbauer des Vereins-Tempels, Architekt MaxFleischer und den als Gast anwesenden Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch und theilt mit, daß die Herren Gemeinderath Dr. F r i e d j u n g, Architekt Donat Zifferer und Melchior St a u b e r ihre Abwesenheit entschuldigt haben. Bezirksausschuß Dr. M. Sch nepp. Schriftführer des Vereines verlas das Protokoll der letzten Generalversammlung, nach Berificirung desselben gelangt der Bericht über das abgelausene Berwaltungsjahr zur Verlesung. Derselbe constatirt einen materiellen Aufschwung des Vereines. Die Zahl der Bereinsmitgl!eder hat sich im abgelaufenen Jahre von 250 auf 267, die der in unserem Gotteshause vorgenommenen Trauungen von 45 auf 52 vermehrt, ebenso hat sich die Zahl der stattgehabten Confirmationen wesentlich vergrößert. Ein wunder Punkt im wirthschaftlichen Gebühren des Vereines war der Stiftungsfond. Durch die bisherigen mißlichen Einüahmsverhältniffe war die Bereinsleitung gezwungen, zur Bestreitung der laufenden Ausgaben beinahe sämmtliche Stiftungsbeträge für dieselben leihweise zu verwenden Dank dem hochherzigen Legate des verstorbenen Borstandsmitgliedes Herrn M. Reiß war es möglich, die Schuld an den! Stiftungsfond zurückzuzahlen und selben für alle Zukunft zu sichern. Der Verein war in der Lage, verschiedene bauliche Verbesserungen an dem Tempel vorzunehmen. Das Inventar des Vereins-Tempels haben die Herren Leopold K a n n, Emanuel Zuckermann und D. Lob durch Spenden wesentlich bereichert. Diese schönen Erfolge verdanken wir zum großen Theile dem ernsten und einträchtigen Streben unserer Functionäre, den Gottesdienst in unserem Tempel zu einem schönen und erhebenden zu gestalten. Es wäre wünschenswerth, daß das Interesse unserer Vereinsmitglieder sich auch durch jene Propaganda unter unseren Glaubensgenosien bethätige, in Folge welcher die Anzahl der Vereinsmitglieder und der Besucher unseres Tempels zunehmen könnte. Im Laufe des Jahres legte Herr Ignaz Feigelstock sein Mandat als Borstandsmilgliednieder, wir cooptirten an seiner Statt Herrn Josef Quittner, welchen Sie im Sinne der Statuten zu bestätigen oder ein anderes Mitglied in den Vorstand zu berufen haben werden. Zu Punkt 7 der Tagesordnung, Wahlen, erinnert der Vorsitzende, daß wegen Ablauf der Zjährig. Mandatsdauer die Herren David Bloch, Sieg. Neust ad tl und Dr. Mor. Schn epp auszutreten haben. Dieselben sind jedoch wieder wählbar. — Weiters sind in Folge Rücktrittes des Herrn Jgn. F e i g e lstock und Ablebens des sel. Herrn Julius W e r m e r zwei Ersatzwahlen für eine zweijährige Mandatsdauer vorzunehmen. Der Vorsitzende ladet die Herren Louis Reiner und David Label ecn, das Sccutiniuin zu übernehmen. Bei der Wahl von 5 Vorstandsmitgliedern erscheinen gewählt: D. Bloch, Sieg. Neustadtl, Dr. M. Sch nepp, Joses Q u i t t n e r, Jgn. Simon. In den Ausschuß wurden gewählt die Herren Hermann K r o m, Leopold Hendl, Moriz B r a m m e r, Leopold Kann, Wilhelm P a p p e n h e i m, Dr. Em. Quittner, Melch. Stauberg. Isidor Tr e b i 1s ch. Herr Commercialrath Siegmund Neustadtl stellt zunächst den Antrag, den verdienstvollen Bethausvorsteher Zuck er mann, der sich in dem Verein hohe Verdienste erworben, sowie seinem Stellvertreter T r e b i t f ch den Dank des Vereines zu protokolliren. (Lebhafter Beifall.) Redner begrüßt darauf den anwesenden Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch und beantragt, diesem Vertreter jüdischer Interessen den Dank des Vereines auszusprechen. (Lebhafter Beifall.) Beide Anträge wurden genehmigt. Bezirksausschuß Dr. S ch n e p p ergreift das Wort, um im Namen der Vereinsleitung den Antrag zu stellen, die Generalversammlung möge den Vorstand ermächtigen, die einleitenden Schritte zu unternehmen behufs Bildung eines Pensionsfondes für die definitiv angestellten Vereinssunctionäre. In ausführlicher, wiederholt von Beifall unterbrochener Rede schildert Herr Dr. Sch nepp die Verdienste der Vereinsfunctionäre um die Hebung und Veredlung des Gottesdienstes im Vereinsbethause, der von keinem zweiten in irgend einem Tempel in Wien übertroffen wird. Die Beamten leisten das Beste im Dienste der guten Sache und es sei die Pflicht eines jeden Vereinsgenoffen, dies voll und ganz anzuerkennen. Er appellirt an die Versammlung, die Tugend jüdischer Dankbarkeit zu bewahren; er erinnert an den Zug der Zeit, welche alle Arbeitgeber zwingt, die Zukunft der Arbeiter sicherzustellen und bittet schließlich um Annahme seines Antrages. Vereinsmitglied Karl Laßner möchte dem Antrag nicht principiell entgegentreten, warnt den Vorstand aber vor übereilten Schritten, welche die ohnehin nicht glänzende finanzielle Situation schädigen könnte. Commercialrath Neustadtl erklärt, der Antrag sei vorher in der Mitte des Vorstandes lange berathen und eingehend erwogen worden. Derzeit gibt es blos eine Vollmacht: die Frage weiter zu studiren und die einzelnen Schritte vorzubereiten. Bereinsmitglied Kann wünscht, daß die näheren Bestimmungen des vom Vorstand unterbreiteten Vorschlages der nächsten Generalversammlung zur Berathung und Beschlußfassung vorgelegt werden sollen. Vereinsmitglied Herr Pappenheim: Der Verein hat die Verpflichtung, für seine Angestellten zu sorgen, er erklärt sich deswegen für den Antrag des Vorstandes. Herr Dr. Weis bringt in Anregung, daß die den Meworchem gewidmeten Spenden dem Peusionsfond zugewendet werden mögen. Antragsteller Herr Dr. - S ch n e p p kann Herrn j Karl Leßner die Beruhigung gewähren, daß aus dem zu bildenden Pensionsfond für den Verein und die Bereinsgenoffen keine neue Belastung erwachsen werde. Ein ganzes Decennium soll verstreichen, ehe die ersten Auszahlungen aus diesem Fond erfolgen dürfen. Bis dahin werden sich Mittel und Gelegenheit finden, diesen Fond hinreichend zu dotiren. Der Bericht erwähnt schließlich eines schmerzlichen Verlustes, den unser Verein im abgelaufenen Jahre zu beklagen hatte. Ein vielverdientes Mitglied, Herr Julius Wermer, wurde seinem für den Verein segensreichen Wirken in der Blüthe der Jahre plötzlich entrissen. Alle, die ihn und seine Hingebung für unsere gemeinnützigen und frommen Institutionen gekannt haben, werden ihm ein freundliches Andenken bewahren. Die Versammlung ehrte das Andenken des Heimgegangenen durch Erhebung von den Sitzen. Der Rechenschaftsbericht fand eine beifällige Aufnahme und der Vorsitzende Herr G. Bettelheim ertheilte das Wort dem Bereins-Cassier Herrn Julius Kopstein zur Berlesung^des Gebahrungs-Ausweises.' den interessanten Ziffern heben wir hervor: Einnahmen für Tempelsitze 6900 fl., Spenden für verschiedene Fonde 7000 fl., Trauungstaxen 3094 fl., Cassa-Saldo am 31. Oktober war 4411 fl. Der Vorsitzende Herr G. Bettelheim machte Mittheilung, daß der diesjährige Gebahrungs-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.