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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-01-11 · 2 (11.1.1895) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
2 (11.1.1895)
Date
1895-01-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Vu. 2 Z-eSerremxrzarr ZVorMt^npM Sette 29 wir uns die Mühe nehmen, den Herren denn doch ein bischen in's Gesicht zu leuchten. Am 16. December schrieb die „Schmähpost" außergewöhnlich „frisch" : „Mit der Verfeinerung der Lebensführung, mit dem Anwachsen der Millionäre und M il l i on ena n 1 he i 1 s be s i tzer (treffend ausgedrückt!) in den letzten Jahrzehnten und mit der in ihrem Gefolge austretenden, immer mehr unisichqreifenden Zunahme des Luxus, hat auch das früher im bescheidenen Umfange betriebene Antiquitätengeschäft eine ungeahnte Ausdehnung gewonnen. Wie ganz natürlich, wurde die Bearbeitung des noch brach liegenden Feldes von einem orientalischen, ob seiner Vorliebe für den billigen Erwerb von Kunstgegenständen schon bei den alten Egyptern bekannten Volke in die Hand genommen. (!) Und so ist es denn gekommen, daß heute fünfundneunzig Percent aller größeren Antiquitätenhändler dem zum mühe- und schweißlosen Erwerbe auserwählten Volke angehören. (Soü's mal versuchen!) Die Probe für unsere Behauptung wollen wir mit der Aufzählu ng v on N amen g eb en. Wir benutzen dabei Lehmann's Firmrn-Sthsma: (Das wird dann frech geleugnet!) In der Liste der hier aufgeführten Händler mit „Alterrbumsgegenständen" (welche Ironie!) finden wir folgende Namen: Adler — Blum — Blumke — Braun (je paarweise) — Drucker — Lunzer — Egger — Fischer (2) — Fürst — Glückselig — Birschlrr — Justiz — Kaller — Kellner — Lembergrr — Löw — Löwenstein — Moser — Pick — Ratzrrsdorser — Roder — Schafranek — Schwarz (2) — Steiner (2) — Sinn er — Soffer (2) — Lpira — Strautz — Tausky — Texter — Theiner — Wengras u. A. Manche (Welche?) unter den Antiquitätenhändlern, es sind ja nicht alle aufgezählt, betreiben nebenbei wohl die gewissen Alterthumsgeschäfte gegen hochpercentige Wechsel, wenn es sich um Erwerbung oder raschen Absatz von „O c caf i on s ge g enstän den" handelt. (Infame Pauschalverdächtigung!) Nun wären wir! wohl verp stichlet, unseren Lesern die also vorgestellten bei ihrer Arbeit zu zeigen. (Ja wohl!) Dies ist anS verschiedenen Gründen nicht im Detail möglich. (Aha!) Was wir aber thun können und wollen, ist, unseren Lesern die Grundzüge des Antiquitäten- oder „Alterthumsgeschäftes" im Allgemeinen nachfolgend kurz zu skizziren. Aufgepaßt! Jetzt kommt das Spitzbübische: „Wie schaffte sich Aron Krakauer die für die Ausstattung seines Lagers nöthigen Kunstgegenstände. Er kann ja doch nicht bei den alten Uhren, Ketten, Operngläsern, Möbeln u. dgl. stehen bleiben, sondern muß rastlos fortschreiten auf der einmal betretenen Bahn. Krakauer unterhält mit seinen ehemaligen, weniger glücklichen Berufsgenoffen, die noch beim „Hof"-leben stehen geblieben sind, innige Beziehungen. Diese stets auf dem Laufenden befindlichen Stammesgenossen schaffen unserem Aron manches werthvolle Stück. Dann hat Krakauer auch jene Sammler zur Verfügung, welche mittelst Annoncen im kleinen Anzeiger der Blätter den Ankauf „von Bodenkram und allem Werthbaren" anzeigen und manchmal in den Besitz nicht zu verwerthender Sortimente gelangen. Aber der einfache Weiterverkauf der auf diese Weife erlangten Maaren lohnt seinen Aron nicht. Krakauer muß mit anderen Mitteln arbeiten. Er erwirbt sich beispielsweise (Es handelt sich also doch nur um ein Beispiel?! Die Lügner sollten immer ein gutes Gedächtniß haben!) bei einer soliden, alten Firma ein paar Luster, kunstvoll ausgearbeitete, wirklich alte Stücke oder doch stilgerechte Imitationen, und bezahlt hiefür 800 fl., (ob Imitation oder nicht. Das ist der soliden alten Firma gleich — 800 fl.!) Zu diesem Preise hätte auch jeder Kunst-„Gonner" oder neugeadelte Baron die Lusters erwerben können, aber warum sollen diese Herren an der Quelle kaufen, liegt ihnen doch der Krakauer viel näher? Krakauer läßt sich nun einen kleinen Gürtlermeister kommen und bestellt ein Paar Leuchter (!) genau copirt nach den Originalen, nur die Qualität kann schlechter sein. Der Gürtler, welcher keinen berühmten Namen trägt, der theuer bezahlt werden muß, der vielmehr froh ist, wenn seine Kunstfertigkeit auch nur annähernd auf ihren Werth gewürdigt wirb, stellt so ein Paar Luster für 200 fl. her. Ihn dürstet eben nicht nach Ruhm und Ehre, ihm genügt die Butter auf dem Brote. Aron Krakauer aber verkauft seinen Kunden das Original und liefert die Imitation, wodurch er jedeSmal baare 600 fl. verdient. Wir wissen, daß Aron schon wenigstens 10 P aar „O riginal"-Luster verkauft hat. (Das ist aber doch zu blöd! Es ist doch nur ein Beispiel!) Aber warum soll Krakauer für seine Modelle theueres Geld erlegen? Durch Vermittlung eines Antiquitätenagenten nimmt er irgend welche Kunstgegenfiände, Möbel, Uhren, Basen, Schmuck u. dgl. von einem größeren Kunstgeschäfte zum commiffionsweisen Verkaufe an und ziert damit sein Musterlager. Aron gibt sich gar keine Mühe, seine EommiffionSwaare zu verkaufen. Er ist nur darauf bedacht, möglichst viel Imitationen zu verkaufen. Wir wissen, daß Aron von manchen der ihm in Commissionswege anvertrauten Waaren Dutzende Exemplare, meist sogar in schlechterer Ausführung, jedenfalls aber zu billigeren Preisen nachmachen läßt und sodann die Originalstücke als unverkäuflich wieder zurückstellt. Ja, Vortheil treibt das Handwerk, so auch bei Aron. Er will seine Schwester unter die Haube bringen, einen Bräutigam hätte er endlich, Isaak heißt der Glückliche. Was wird Isaak nach der Trauung beginnen? Aron schlägt die Etablirung eines Antiquitälengeschäftes in der Provinz vor. Der Antrag ist gut. Man unternimmt die vorbereitenden Schritte. Diese bestehen in der Aussendung der Anzeigen von der bevorstehenden Vermählung an die Lieferanten. Unsere christlichen Handwerker haben bekanntlich eine scharfe Auffassungsgabe für jüdische Winke und beeilen sich daher, ln einem solchen Falle Hoch zeit sgefchenke, von denen jedes einzelne Stück einen antiken Kun st gegen st and vorstellt, zu überreichen. Isaak hat nun zu seiner Braut auch die Anfänge seines Waarenlagers. So treibt der Vortheil das Handwerk. Wir könnten des Capitel noch weiter ausführen. Doch genüge für heute derHinweis darauf, daß der größte Theil der in den Handel kommenden Antiquitäten (wir nehmen selbstverständlich einzelne Zirmen aus), o f t nicht einmal einen Monat alt ist. So weit die „frisch geschriebene" Sckniähpost. unserer Briefkastenvotiz vom 21. December hieß es dogege,<: „Er bringt ein Verzeichniß aller ihm jüdisch klingenden Namen von Wiener Antiquitätenhändlern, crzählr scheinbar arglos im Anschluß daran allerlei erlogene, unmögliche Betrugsfacten und zu guterletzt zieht er den Kopf aus der Schlinge und salvirt seine Haut: „wir nehmen selb st verständlich einzelne Firmen aus". Gemeint sind Alle — ausgenommen ist aber immer der, der klagt u. s. w." Darüber gerieth nun die Sck mähpost außer Rand und Band. Sie versteigt sich am 1. Jänner 1895 zu der Behauptung, wir hätten getadelt, daß er einzelne Firmen des obigen Verzeichnisses ausgenommen Hütte: „Wer wird sich denn als Jude darüber ärgern, daß einzelne der angeführten Firmen, unter denen wir nach Ihrer Ansicht nur Juden gemeint haben können, ausgenommen worden sind. Ja ist denn das Judenthum wirklich so verdorben, daß Rabbi Bloch schon bei dem vorschnell gefaßten Gedanken an die Stipulirung einer Ausnahme in Wuth geräth?" Man merke die Verdrehung und Unterstellung: getadelt haben mir nur die herzige Schmähpost, daß in so hinterlistiger, persider Weise die Liste jüdisch klingender Namen angefertigt wurde und zu so gemeinem, hetzerischem Endzwecke. Daß einzelne Firmen ausgenommen wurden — immer die, die klagt — haben wir nicht getadelt. Das geschah nur aus Gründen wohlweiser Vorsicht. Ein Hinterthürchen mußte man sich offen lassen. Verleumderisch besudeln, hämisch aus dem Hintergründe an greifen, dazu ist die saubere Sippe zu haben, aber einem in seiner Ehre angegriffenen, in seinem Erwerbe geschädigten Geschäftsmann offen Rede und Antwort zu stehen — dazu nicht! Das, das haben wir getadelt, das mußte festgenagelt werden, und jetzt helfen alle Lügen, alle Berdrehungskünste der Welt nichts. Verstanden haben sie's wohl, wie's gemeint war. Wir finde» es vollständig überflüssig, wenn gewiffe Leute sich noch dumm stellen . . . Und jetzt kommt das Schönste, die Quintessenz, die Krone des Ganzen, der Triumph der schmähpostlichen Logik. Man höre: „Rabbi Bloch behauptet weiter, daß wir allerlei erlogene unmögliche Betrugsfacten erzählten, wofür man uns ein 0 einbrennen sollte. Wir fordern nun Rabbi Bloch auf, den Nachweis zu erbringen, daß sich Fälle, wie die von uns erzählten beim Auliquitätengeschäfte, wir sehen da vorsichtig, wie unser edles Vorbild, von bestimmten Namen und Orten ab, noch niezugetragen haben undsichnimmermehr ereignen. — Und wenn der Herr „Doctor",diesen ihm aufgetragenen, von ihm selbst provocirten Beweis nicht erbringen kann, dann wollen wir ihn reif erklären für ein — C größeren Formates". Bon der geistigen Armuth, die sich darin docnmentirt, daß man sich einer kläglichen Retourkutsche bedienen muß, weil die eigenen Fonds es nicht verstatten, einen selbstständigen Gedanken zu faffen, wollen wir absehen. Aber die Zumuthung ist jedesfalls originell. „Wär' der Gedank* nicht so verflucht gescheidt, man wär versucht, ihn herzlich dumm zu nennen!*

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