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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-01-04 · 1 (4.1.1895) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
1 (4.1.1895)
Date
1895-01-04
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 1 Oesterrrichischr Wochenschrift Seite 19 eiren, weshalb ich Ihn hinrichten lassen will. Ein Spion ist zehnlausenvmal ärger als ein ehrlicher Feind, der mir, den Säbel in der Faust, das Feuerrohr im Arme, gegenüber steht. Wenn ich nun Vas Recht habe, einen ehrlichen Fernd zu tödten, um wie viel eher einen elenden Späher, der mich wie eine Schlange in die Ferse beißt. Er ist der Spionage verdächtig, uno jeoer vernünftige Feldherr wird lieber hundert unschuldige Burschen Seines Gleichen ins Jenseits befördern, als einen einzigen schuldigen unbestrast laufen lassen. Ein Spion kann unberechenbaren Schaven zufügen, besonders ein w kluger Mensch als Er zu sein scheint. Ader Er gefällt mir, Er ist ein couragirter Kerl, Ec hat entweder ein blüthenreines Gewissen, oder Er ist der durchtriebenste Filou, der mir je vorgekommen ist. Wenn Er mir einen vernünftigen Grund dafür anzugeben vermag, weshalb er sich in das Gebüsch unter meinen Bastionen gewagt, will ich Ihm das Leben schenken und vorsichtshalber bei mir behalten bis der Feldzug beendet ist. Also was wollte Er auf der Anhöhe in dem Gebüsche?" . „Ich habe mir Weidenruthen abgeschnitten." „Den Unsinn hat Er auch schon dem Wachtmeister vorgeschwatzt und der hat's nicht geglaubt — nun muthet Er gar es mir zu, die alberne Erfindung für baare Münze anzunehmen. Daß Er, als er sich entdeckt sah, um seine Anwesenheit auf der Anhöhe zu erklären, einige Zweige abgeschnitten, das will kch schon glauben. Aber wenn er schon gar so lüstern nach diesen war, hätte Er derowegen nicht auf die Anhöhe hinaufkriechen müssen, es stehen ja, wie der Wachtmeister behauptet, eine Menge Weiden am Uferrande," — der Herzog schien bei dieser Erinnerung wieder in seinem Verdachte bestärkt zu werden und warf zornig den Kopf zurück, „oder waren diese zu schlecht für Seinen Zweck?" Er lachte hoynvoll auf. „Es ist genau so, wie Euer Durchlaucht eben auszusprechen geruhten,.diese waren mir zu schlecht." Die Wirkung dieser Worte war eine geradezu entsetzlich.. „Herr Gott!" schrie Wallenstein, daß sogar der tapfere Wachtmeister erschrocken einen Schritt zurück trat, „erfrecht sich der schwedische Spion, der sein Leben verwirkt hat, Scherz mit mir, dem Friedländer, zu treiben!? Kein Wort mehr!" Der Fürst läutete stürmisch mit der Glocke, die auf dem Tische stand, worauf sein Adjutant, aus dem Vorzimmer hereineilte. „Rittmeister Neumann, der Spion da wird morgen Vormittag um halb elf Uhr voktt Leben zum Tode gebracht — aber es soll ihm das nicht leicht gemacht werden! Für einen Spion ist die härteste Strafe noch zu milde. Legt ihn in Ketten und bewacht ihn sorgfältig, daß er sich nicht durch Selbstmord der Strafe entziehe. Ec hat es gewagt, mich mit Weidenrmhen zu verhöhnen, mit Ruthen soll er gezüchtigt werden.ich will ein furchtbares Beispiel an ihm statuiren.er soll zu Tode Spießruthen lausen.Die Bauern aus den umliegenden Törfern müssen dabei erscheinen, sie sollen sehen, wie der Friedländer einen Spion straft — ich hoffe, es wird sie für die Folge genügend abschrecken!" Die Signatur jener Zeit war unmenschliche Härte, Wallenstein war nicht grausamer, als alle seine Zeitgenossen, aber die Menschheit war durch Verrohung und blutigen Fanatismus auf eine schiefe Ebene gerathen und flog mit entsetzlicher Raschheit der völligen Entmenschung zu. Elke blickte entsetzt zu dem Furchtbaren auf, convulsivisches Beben durchzuckte ihre herrliche Gestalt, sie wollte vorwärts stürzen, die Kniee des Gewaltigen umfassen, ihn um Gnade, um Gerechtigkeit, um ihren Gatten anflehen; aber ihre zitternden Füße trugen sie auch den kleinen Raum, der sie vom Herzog trennte, nicht; ihre Lippen schlugen lautlos aneinander, ihr fieberndes Gehirn fand keine Worte; und schon beim allerraschesten Bedenken glaubte Elke auch zu erkennen, daß jeder Versuch, den wilden Herzog milder zu stimmen, ein vergeblicher wäre, daß sie von Menschen nichts zu hoffen, daß nur der allerbarmende und allmächtige Gott zu retten vermöge; es schien ihr. daß jedes Wort, das sie an den Herzog richten würde, nicht nur vergeblich, daß es eine Versündigung gegen Gott wäre; daß sie nur zu dem Allvater aus ihrem zerriss nen Herzen aufschreien dürfe! Rittmeister Neumann fühlte ein menschlich Rühren mit der Unglücklichen. „Was soll mit der Witwe und den Waisen des Hingerichteten geschehen?" srug er den Herzog. „Was kümmert mich das Weibsbild? die ist ja für ihren Mann nicht responsable!" erwiderte Wollenstem mit einem Rest von Rechtsgefühl, „die soll hinlausen, wohin sie ihre Füße tragen und die Kinder .... General Graf Papp^nhcim, Ihr wollt ja ein gutes Werk stiften und aus dem Judenjungen einen rechtschaffenen Christenmenschen machen, nehmt Euch auch des Mädchens an und gebt sie zur Pflege und Erziehung in irgend ein Kloster." Towije Kohen richtete sich zur vollen Höhe auf. „Durchlaucht," sprach er, als ihr mich ungerecht zu einem schimpflichen, qualvollen T§de verurtheiltet, habe ich kein Wort gesprochen, und werde, wenn mich Gott nicht durch ein Wunder vor Eurem Zorn rettet, mein hartes Loos mit Ergebung tragen; aber ich fordere von Euch: daß Ihr meine Gattin vor den Begierden Eurer wilden, rohen Krieger schützt, und daß meine Kinder nicht gewaltsam getauft werden. Sie stehen als Kammerknechte des römischen Reiches unter des Kaisers Schutz, welcher Zivangstaufen strenge verboten." „Der dem Tode verfallene Bursche wagt es, mir Vorschriften zu machen?!" schrie Wallenstein, „in meinem Lager bin ich unumschränkter Herr uud Gebieter, ich Hab' es vom Kaiser mit Hand und mit Siegel, daß selbst Allerhöchst er mir nichts darein zu reden hat! ... . Man führe den Gefangenen ab!" Viertes Capitel. Tobias Kohen wurde von dem Kürrassierpiket in das Gefängniß escortirt; Adjutant Neumann ritt an der Spitze, um dem Stabsprofoß mündlich den Befehl des Herzogs zu überbringen. Elke Kohen, ihre Kinder an den Händen führend, folgte wankenden Schrittes dem Zuge. Als sie sich dem Lagergefängmß — ein von seinem Besitzer verlassenes Gehöft war zu diesem adoptirt worden — näherten, war die Nacht schon angebrochen. In einiger Entfernung stand ein Officier, der Commandant der Lagerwache. Diese, aus allen Truppen der Armee zusammengesetzt, war in einem dem Gefängniffe nahegelegenen Hause untergebracht. Der Commandant derselben hatte Patrouillen auszusenden, welche die Ordnung zu erhalten, Unruhestifter, Trunkene und Raufbolde zu verhaften hatten. „Wen bringen die Kürassiere ins Gefängniß?" frug der Wachcommandant den Rittmeister. „Einen Juden, lieber Camerad," erwiderte Neumann, sein Pferd anhaltend, so daß der Zug stehen bleiben mußte. „Der Herzog selbst hat ihn als Spion verurtheilt: zu Tode Spießruthen zu laufen." „Ein harter, garstiger Tod," meinte der Wachcommandant. „Ist denn seine Schuld erwiesen?" Neumann zuckte die Achsel, und erwiderte, die Stimme senkend: „Ihr wißt ja, Hauptmann Macdonald, der Generalissimus ist ein wenig rasch, zu gründlichem Verhören fehlt ihm die Geduld.wer ihm der Spionage verdächtigt wird, den hält er auch für schuldig.doch das ist wahr, der Jude vermochte sich von dem Verdachte nicht zu reinigen. Mir tbut's nur um seine Frau und seine Kinder Leid, ein herrlich Weib und scheint an dem Gatten mit voller Seele zu hangen; und der kleine Junge dort an ihrer Hand — aus dem müßte ein tüchtiger Mann werden, wenn er eben nicht ein Jude wäre, 's ist nicht zu glauben, wie couragirt der Prachtjunge ist! Der kleine Knirps wollte es nicht dulden, daß der Herzog seinen Vater schimpste, und während ich die tapfersten Männer vor dem Zorn des Generalissimus zittern sah, wagte es das Kind, ihm stürmisch zu widersprechen, ihn heftig anzufahren. Stände mir das ja» aggratiandi zu, ich würd' den armen Schelm um seines Weibes und seiner Kinder willen pardonniren.Gute Nacht, Camerad!" Der kleine Zug setzte sich wieder in Bewegung. Bor dem Thore des Gehöftes standen zwei Mann von dem Regimente Terzki Wache. Sie wollten der Frau und den Kindern den Eintritt verwehren, jene stieß einen Schrei aus, und als sich der Rittmeister umwandte, warf sie ihm einen flehenden Blick zu; und auf einen Wink des Adjutanten zogen die Soldaten die gekreuzten Waffen zurück und Alle gelangten durch das große Thor in das Innere des Gebäudes. Der lange und breite Hof war durch eine Laterne, die an einem Pfahle mitten im Hofe hing, höchst unzulänglich beleuchtet. Sofort erschien der Lagerprofoß in Begleitung zweier

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